Poem

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Viele von euch, werden diesen Film, mit dem Namen "Poem" nicht kennen. Er läuft in nicht sehr vielen Kinos und ich gehörte mit dem Leistungskurs Deutsch zu einem Testpublikum. Dieser Film verbindet klassische Gedichte mit visuellen Medien, so dass im Endeffekt verfilmte Gedichte entstehen ... Bericht lesen





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Gedichte in Filmform!? Geht das?
Erfahrungsbericht von Zettie über Poem
26.05.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: künstlerisch  - musischer Aspekt, teilweise schöne Ideen
Kontra: kaum möglich Lyrik in einen Film zu bringen, Kurzfilme von schlecht bis recht

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Viele von euch, werden diesen Film, mit dem Namen "Poem" nicht kennen. Er läuft in nicht sehr vielen Kinos und ich gehörte mit dem Leistungskurs Deutsch zu einem Testpublikum.
Dieser Film verbindet klassische Gedichte mit visuellen Medien, so dass im Endeffekt verfilmte Gedichte entstehen sollen.
19 Gedichte wurden in diesem Film versucht zu verfilmt und so kann man sich in 91 Minuten Spielzeit 19 Kurzfilme anschauen, die mal mehr und mal weniger gut sind.

Eingeleitet wird der Film mit dem immerwiederkehrenden Motiv in dem ein muskulöser junger Mann durch Nepal läuft und auf seinem Rücken einen alten Herren trägt in einem Holzgestell. Im Folgenden möchte ich nciht alle 19 Sequenzen benennen, sondern nur die besten und die schlechtesten Kurzfilme.

Das Gedicht "Aus" von Kurt Tucholsky zeigt zwei blinde Brüder die gemeinsam durch die Welt reisen mit sehr viel Gefühl, Faszination und auch Traurigkeit. Zu diesen Szenen dringen die Worte tief in einen ein und man fühlt die Lyrik beinahe "Einmal müssen wir zwei auseinandergehn; einmal will einer den anderen nicht mehr verstehn - einmal gabelt sich jeder Weg - und jeder geht allein - wer ist daran Schuld?".

Witzig ist eine chaotische Familienszene mit vielen Kindern, Geschrei, Haustieren die hin- und hergetragen werden und eine absolut gestresste Mutter, die es irgendwann nicht mehr aushällt und ihren Kopf in einen großen Luftballon steckt und dort von Ingeborg Bachmann "Nach grauen Tagen" aufsagt.

Ein Ritter zieht durch die Straßen von Berlin 2002 und spricht das Gedicht "Morgenlied" von Georg Trakl, was wirklich eine witzige Idee ist und ganz gegensätzlich zu dem Inhalt das Gedichtes daherkam (ein Herr und eine Dame handeln sehr eindeutig), aber doch gleichzeitig leidenschaftlich und einfach gut war.

Die Geister scheiden sich an einer einzigen Kameraeinstellung auf das Gesicht von Klaus Maria Brandauer wie er "Der Schiffbrüchige" von Heinrich Heine spricht. Das Bild ist in schwarz-weiß gefilmt und hartes Licht wirft starke Schatten in das faltige Gesicht mit den dunklen Augen. Für manche war die Szene langweilig, für andere genial. Ich habe mehr auf das Gesicht geschaut, als auf den Inhalt der Lyrik.

Ansonsten findet man eine mit Privatkamera zu einer Hochzeit gedrehte Szenen mit einem wirklich schrecklichen Sprecher dazu, der einem immer das Wort "sterben" zwischen die Ohren brüllt, man sieht Lichtfalter um eine Lampe fliegen, sieht lauter kleine Kinderszenen, geistig behinderte Menschen die sich an einer Wiese erfreuen (wirklich auf rührende Art und Weise), brennende Hochzeitskleider und darf eine Schlacht zwischen nackten Männern und Frauen zu "Ode an die Freude" von Friedrich Schiller erleben und das ist ein Highlight: die Frauen haben Rosa-Farbtöpfe, die Männer blaue und sie beschmeißen sich alle gegenseitig mit Farbe.

Man verlässt schließlich erschöpft und nachdenklich das Kino und muss erstmal die ganzen Bilder und Eindrücke auf sich wirken lassen.
Mir ist aufgefallen, dass man in den Meisten Fällen nicht sehr auf die Gedichte achtet sondern zu sehr von den Bildern gefangen ist. Es ist ein guter Schritt in die Richtung Lyrik zu verfilmen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich gut möglich ist und ob man Lyrik überhaupt verfilmen sollte.

Kinostartdatum: 08.05.03
Genre: Episodenfilm FSK: 6
Laufzeit: 92 Min.
Regie: Ralf Schmerberg
Darsteller: David Bennent, Meret Becker, Luise Rainer
OT: Poem Land: D/USA 2003


   
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