Pole Position / Anke Ahle

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Ein Rennfahrer-Roman – für mich als begeisterter Motorsportkenner genau das Richtige !!! So ließ ich mich von dem einladenden Titel „Pole Positition“ als auch dem gelungenen Cover zum Lesen einladen... @@@ DIE STORY @@@ Die Fachwelt der Formel 1 ist nicht unbedingt ... Bericht lesen





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CHAOS IN DER 96-er FORMEL-1-SAISON !!!!!
Erfahrungsbericht von GlineurJL über Pole Position / Anke Ahle
04.08.2006


Produktbewertung des Autors:   


Pro: ein intelligenter Roman  !  !  !
Kontra: siehe "Fataler Schnitzer" im Bericht ; - )

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ein Rennfahrer-Roman – für mich als begeisterter Motorsportkenner genau das Richtige !!! So ließ ich mich von dem einladenden Titel „Pole Positition“ als auch dem gelungenen Cover zum Lesen einladen...

@@@ DIE STORY @@@

Die Fachwelt der Formel 1 ist nicht unbedingt überrascht, dass der französische Nachwuchsfahrer Jean-Luc Dalessase 1996 einen Formel 1-Vertrag bei dem britischen Williams-Team unterschreibt. Deren Topfahrer und Vorjahres-Weltmeister Joe Cheap war zu Ferrari gewechselt.

Dalesasse kommt mit dem raubeinigen technischen Leiter John nicht gut klar, reklamiert bei ihm viele Schwächen des Fahrzeugs, doch der Ingenieur will davon nichts hören. Auf Dauer muss er sich aber sehr wohl mit den technischen Aussagen von Dalesasse auseinandersetzen, spätestens nachdem der Rennfahrer in seinem ersten Grand Prix gleich den vierten Platz einfährt !!!

Es dauert nicht sehr lange, bis Jean-Luc seinen ersten Formel 1-Sieg feiert und zum Jäger des in der WM erneut führenden Joe Cheap wird.

Auch beim Grand Prix von Monte Carlo läuft alles prima: Dalesasse startet von ganz vorne und fährt einen grandiosen Sieg ein. Der Fürst von Monaco gratuliert ihm, doch direkt danach muss der Racer nebst Teamchef zur Rennleitung. Ihnen wird eröffnet, daß die Benzinprobe des Williams verbotene Zusatzstoffe beinhalte. Der Sieg und die 10 WM Punkte werden Jean-Luc gestrichen.

Jean-Luc wittert Sabotage und fühlt sich ein Rennen später, beim Grand Prix von Spanien bestätigt: wieder auf die Pole Position gefahren, reicht ihm eine Frau Augentropfen, die jedoch zu einer mittelfristigen Sehstörung führen. Die Frau sagt nur, er dürfe wegen Sabotage nicht starten und gibt sich später als die – man höre und staune – Pressesprecherin des Konkurrenzteams Ferrari aus. Tatsächlich kann Jean-Luc nicht starten, und statt dessen springt ein Testfahrer für ihn ein und startet an dessen Stelle von Startplatz 1 (hierzu später mehr: dies ist in der Formel 1 überhaupt nicht möglich!!!). Wie die Unbekannte prophezeite verunglückt der Ersatzfahrer durch eine defekte Bremsscheibe und verliert sein Leben !!!

Dalesasse entwickelt Vertrauen zu der Frau, die ihn letztlich rettete, die aber nicht ahnen konnte, dass statt dessen der Ersatzfahrer einspringt (dito hierzu später mehr: dies ist in der Formel 1 in der Weise überhaupt nicht möglich!!!). Sue, so heißt sie, ist die Tochter eine englischen Bremsanlagenherstellers, der Großteile der Formel 1 belieferte. Ein Jahr zuvor verunglückte bereits ein Fahrer tödlich durch einen Bremsdefekt. Sue's Vater wurde als jener hingestellt, der dies ggf. zu verantworten hat, so dass dieser sich aus dem Rennsport zurückzog. Sue indes ist der Meinung, dass der 1995 verunglückte Fahrer nur deshalb aus dem Weg geräumt werden sollte, damit man ihn los werde: bei einer Kündigung im ersten Jahr hätten 20 Millionen Sponsorgelder zurückgezahlt werden müssen, bei „Tod“ gab es keine Klausel. Und man wollte einen Top-Piloten !!!

Warum aber soll dann auch plötzlich Top-As Jean-Luc Dalesasse durch eine Sabotage aus dem Rennzirkus wirder verschwinden? Gemeinsam mit Sue recherchiert er und fährt trotz der Angst vor Sabotage weitere Rennen, stets den WM-Titel ehrgeizig vor Augen ...

@@@ DIE AUTORIN @@@

Ankje Ahle ist mir bisher als Autorin vollkommen unbekannt. Das Buch verrät über sie, dass sie 1969 in Gummersbach geboren wurde und aus einer motorsportbegeisterten Familie stammt.

Bisher veröffentlichte sie mehrere Wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Archäologie, lebt aktuell in Köln und betreibt mit ihrem Ehemann einen Online-Versandhandel für Bücher und CDs.

@@@ FATALER SCHNITZER ... !!! @@@

Fangen wir mit dem unschönsten Teil des Buches an, der Unkenntnis von Regeln der Formel 1: ich verweise auf die Situation, daß Jean-Luc Dalesasse beim GP von Spanien auf Startplatz 1 steht, er kurz vor dem Rennen quasi „ausfällt“ weil er Sehstörungen durch manipulierte Augentropfen hat.

Statt dessen sitzt plötzlich ein Ersatzfahrer des Teams im Auto, zudem auf dem Startplatz 1. Schlimm genug, dass er dann bei einem Unfall stirbt.

Leider verdirbt Anke Ahle kurzzeitig den Lesespaß durch diese an den Haaren herbeigezogene Situation, insbesondere bei der Berücksichtigung des Formel 1-Reglements anno 1996:

a) ein Rennfahrer kann laut Reglement nicht kurz vor Startbeginn „ersetzt“ werden.

b) ein Ersatzfahrer oder „dritter Fahrer“ (siehe z.B. Alexander Wurz oder Anthony Davidson...) müßte wie z.B. 2005 oder 2006 Rennrunden zur Qualifikation drehen. Dies war 1996 in der Form nicht vorgesehen, und wenn, dann dürfte er höchstens von seinem erfahrenen Startplatz starten, nicht aber ersatzweise die Pole Position einnehmen. Aber 1996 durften zudem nur zwei Autos je Team starten, und selbst Fahrer 2 behält seine Startposition und rückt nicht auf.


Wer sich nicht sonderlich für Rennsport interessiert, wird diesen fatalen Schnitzer überlesen, wer aber in unserem Schumi-Land Formel 1 kennt und versteht, stolpert sofort über diesen Faux-Pas, der zunächst den Spaß am Weiterlesen leicht hemmt.

Anke Ahle hätte es sich viel einfacher machen können:

Testfahrten in xyz; wie auch immer konstruiert wird Dalesasse nicht im Monoposto sitzen und stattdessen der „Testfahrer“, der dann in der Tat durch die genannte „Sabotage“ tödlich verunglückt. Das wäre logisch, das wäre glaubhafter.

@@@ GESAMTEINDRÜCKE @@@

Trotz der harschen Worte, die das Lesen zunächst mehr in dann bald verfliegenden Ärger umschlagen lassen, bleibt der Roman und der Hintergrund, warum Dalesasse auch durch Sabotagen gefährdet ist, hochinteressant.

In jedem Fall, und das Wort passt, ist der Roman der Anke Ahle sehr intelligent !

Auffällig ist auch ihr flüssiger, angenehmer Schreibstil. Leider sind viele Situationen aber zu nüchtern beschrieben bzw. es schwankt: zum Ambiente von Monte Carlo fallen ihr prägnante Worte ein, bei den anderen Rennstrecken geht sie staubtrocken zur Story über.

Ein Motorsportfreund wird daher in vielen Lesepassagen die typische Rennatmosphäre gänzlich missen. Gut, anders gesagt, Anke Ahle verzettelt sich nicht in breiten Umschreibungen der Rennszenerie, so dass sich auch ein in Sachen Motorsport Unbedarfter angesprochen und zum Lesen animiert fühlen kann. Es ist diese Wie-man-es-macht-macht-man-es-verkehrt-Situation !!!

Letztlich bin ich der Meinung, daß der Roman weniger für einen Motorsportfan geeignet ist, auch wenn – abgesehen von dem beschriebenen Patzer – Anke Ahle gute Motorsportkenntnisse besitzt und diese auch umsetzt. Aber die Darsteller bleiben ein wenig uncharismatisch, da ist für den rennsportbegeisterten Leser „kein echter Benzingeruch in der Luft“.

Wer indes unvoreingenommen und an Motorsport wenig interessiert ist, wird ganz klar eine solide, intelligent konstruierte und spannende Geschichte auf 223 Seiten entdecken. Mehr nicht...

Jean-Louis Glineur © 2006ff


@@@FACTS @@@

Titel: Pole Position
Autorin: Anke Ahle
Verlag KBV Hillesheim 2004
Taschenbuch, 223 Seiten
ISBN: 3-937001-15-8
Preis: 9,50 Euro
   



Pole Position / Anke Ahle

Haupteigenschaften

Autor: Anke Ahle

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