POLITIK MACHT SEXY
13.12.2005
Pro:
enorm interessant, sehr hochwertiger Studiengang, gute Dozenten, aufgeschlossener Studiengang
Kontra:
ebenfalls etwas überlaufen, viel Lernaufwand
Empfehlenswert:
Ja
 Heyzl
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Eines der interessantesten Studienfächer die man an der Universität Regensburg zur Verfügung stellt ist der Politikwissenschaft BA/MA Studiengang. Im Folgenden werde ich diesen Studiengang etwas näher beschreiben, und dabei auf Vorraussetzungen, Eigenschaften und Empfehlungen eingehen. Ich studiere Momentan dieses Fach im 4. Semester, kann somit also einen ausreichenden Eindruck des Studiums vermitteln, ohne jedoch eine Art "Rückblick" bieten zu können, oder besondere Berichte aus dem Hauptstudium. Viel Spass beim lesen.
=========== Inhalt: 1. Uni Regensburg 2. Der Studiengang 3. Vorraussetzungen 4. Aufbau 5. Empfehlungen 6. Urteil =================
1. Universität Regensburg Die Regensburger Uni liegt im Herzen Bayerns an der Donau. Die Stadt römischen Ursprungs hat den Ruf einer Studentenstadt, was an den Preisen, der Überschaubarkeit und am Verhältnis Studenten zu Normalbürgern liegt. Die Uni an sich, mit eigener Autobahn-Ausfahrt gesegnet, ist an sich eine Ansammlung äusserst hässlicher Betonbunker, was der Uni einen schlechten Ruf beschert was Athmosphäre und Architektonik betrifft. Wer mehr über die Uni wissen will, sollte einen Blick auf uni-r.de wagen oder sich eventuell vorhandene Berichte zum Thema durchlesen. Die Politikwissenschaft ist im nordöstlichen Teil des Campus angesiedelt, im Gebäudekomplex Philosophie-Theologie (PT genannt), in dem die meisten Geisteswissenschaften angesiedelt sind. 2. Der Studiengang Politikwissenschaft in der Regensburger Uni ist ein "Magisterstudiengang", was heisst, um das gleich vorwegzunehmen, er lässt sich a) nicht alleine studieren und b) es gibt kein Diplom darauf :-)
Politikwissenschaft als solche sollte nicht mit "Poltik" oder "Internationale Beziehungen" oder "Politische Soziologie" oder ähnliches verwechselt werden. Weder werden hier kommende Politiker gezüchtet, noch stellt der Studiengang eine Form von Spezialgebiet dar. Politikwissenschaft ist vielmehr die Wissenschaft, sich mit Politik, deren Prozesse, Ursachen und Ideengeschichte, sowie Praxis und Vergleich zu beschäftigen (das ist jetzt eine sehr gewagte Formulierung meinerseits, meine Profs würden mich wohl dafür steinigen). Also nicht Politik wird hier gelehrt, sondern gelehrt, wie man grob gesagt, Poltik zu verstehen, erforschen und zu vergleichen hat. Dies impliziert wohl - und darauf komme ich noch - eine sehr breite Grundlagenbildung und einiges Theorie. Was kann man mit diesem Studiengang, beziehungsweise den Abschlüssen Magister Artium (bzw jetzt auch Bachelor of Arts und Master of Arts; letzteres ist ein Aufbaustudiengang namens "Demokratiewissenschaft" und wird hier nicht behandelt) anfangen? Erst einmal braucht es eine Sinnvolle Fächerkombination, oben kurz erwähnt, nämlich am besten ein zweites Hauptfach dass die Politikwissenschaft inhaltlich sinnvoll ergänzt (z.B. Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Geschichte, Amerikanistik, Philosophie oder dergleichen).
Dazu muss gesagt werden, dass es kein festes Berufsbild gibt für diesen Studiengang. Politikwissenschaftler bleiben entweder in der Forschung (also Doktor machen, Bücher schreiben etc), übernehmen Lehrtätigkeit (Dozent, Professor...) oder arbeiten z.B. in Botschaften, Forschungsinstituten, in der Politikberatung, in Lobby-Abteilungen von Firmen, in Parteien oder als Autoren im Journalismus. Warum Politikwisschaft? Es ist ein sehr interessantes Gebiet, es bietet sehr viel Raum für individuelle Spezialisierung, es ist eine gefragte Wissenschaft, und es fördert das eigene Verständnis von Politik (Politik als ein Phänomen dass jeden Betrifft, auch die die sich scheinbar nicht dafür interessieren).
3. Vorraussetzungen & Allgemeines a) Im Moment gibt es keine Zulassungsbeschränkungen auf dieses Fach (Master of Arts ausgenommen). Einzige Studienbedingung ist das erfolgreiche Bestehen eines Einführenden Basismoduls im 1. Semester. b) Politikwissenschaft kann entweder in Kombination mit einem weiteren Hauptfach, mit zwei weiteren Nebenfächern oder mit einem weiteren Nebenfach plus eines frei kombinierbaren Nebenfachs (FKN genannt) studiert werden. c) Mitbringen sollte man: interesse am Fach, Fleiß, keine Scheu vor jeder Menge Lesearbeit, eine gute Dosis Selbstständigkeit, Neugierde, Englischkenntnisse (optional dazu vielleicht eine Dosis Latein und Französisch). Englischkenntnisse deshalb, weil ihnen in diesem Studiengang nicht wenig Englische Literatur über den Weg laufen wird. Vor allem in der Internationalen Politik müssen sie damit rechnen, ohne einigermaßen Flüssige Englischkenntnisse dem Untergang geweiht zu sein. ach ja, und man sollte Zeitunglesen. Hat schon so manchmen die Klausurnote gerettet. Nichts ist schwerer als Stoff, den man nicht auf die Praxis anwenden kann. Also immer fleissig Lesen, vielleicht nicht nur die Süddeutsche, sondern auch mal die Neue Züricher, oder eine Wochenzeitschrift wie zB den Economist.
4. Aufbau Das Studium der Politikwissenschaft in diesem Studiengang gliedert sich Grundsätzlich in Grund- und Hauptstudium. Grundstudium (Idealfall: 4 Semester) ist für Magister und Bachelor gleich. Im Hauptstudium unterscheiden sich die Abschlüsse folgendermaßen: für den Bachelor benötigt man eine gewisse Anzahl Punkte mit einigen Pflichtleistungen, danach wird mit der Bachelorarbeit das Studium abegeschlossen. Wer Magister Artium (M.A.) anstrebt, studiert i.d.R. 2 Semester länger und absolviert statt hauptsächlich Punkte zu Sammeln, alle Pflichtmodule. Es ist (noch, d.h. so lange es den Magister noch gibt) möglich, auf Magister zu studieren und den Bachelor quasi "mit zu nehmen". Der Studiengang ist modularisiert, will heissen, gewisse Lehrveranstaltungen (Im Grundstudium: Grundkurse, Vorlesungen) sind zu Modulen Zusammengefasst, welche zu absolvieren sind.
Die Teilbereiche des Studiengangs (entspricht den 4 Vorhandenen Professuren). a) Vergleichende Politikwissenschaft m. Schwerpunkt Westliche Regierungssysteme/Demokratien (dieser Teilbereich beschäftigt sich mit den westlichen Demokratien, deren Verfassungspraxis und auch mit der EU. Die Politischen Systeme z.B. von England, Deutschland, Frankreich und den USA sind relevante Ausgangspunkte im Grundstudium) b) selbiges m. Schwerpunkt Mittel- u. Osteuropa (dieser Teilbereich befasst sich mit den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, den Übergangsphasen von Autoritarismus zur Demokratie und behandelt dabei z.B. Russland, Polen, Ungarn etc) c) Internationale Politik (diese Disziplin beschäftigt sich mit den Grundlagen der Internationalen Beziehungen, der UN, NATO, Konflikten, Nation-Buildung und vielem mehr) d) Politische Philosophie und Ideengeschichte (dieser Teilbereicht widmet sich den Philosophen auf deren Werke die Politischen Ideen fußen, z.B. Platon, Kant, Rousseau usw. Ideengeschichtliche Grundlagen und Theorien werden hier vermittelt) Jedem Teilbereich entspricht im Grundstudium je ein Basismodul (BM 1 - 4) und im Hauptstudium ein Aufbaumodul (AM 1 - 4).
Die Basismodule bestehen jeweils aus einem "Grundkurs: Einführung in...." plus einer Vorlesung ähnlicher bzw ergänzender Art und Weise. Im Hauptstudium gibt es dementsprechend Seminare, Übungen und Vorlesungen diverser Art.
Leistungsnachweise werden in diesem Fach in Form von Klausuren (Grundkurse, Vorlesungen...), Hausarbeiten (Grundkurse), Seminararbeiten (Seminare), Referate/Präsentationen (Kurse, Seminare) und Mitarbeit (Kurse, Seminare) erbracht. Es gibt in diesem Fach keine Zwischenprüfung mehr, da alle Lehrveranstaltung ständig Leistungsnachweisen unterliegen (wie beschrieben), welche alle zählen. Jede Veranstaltung bringt Leistungspunkte und zählt zu einem Modul. Ist ein Modul erfüllt (alle dazu gehörigen Veranstaltungen bestanden), bzw hat man elle erforderlichen Module absolviert, gilt dies als bestandenes Grundstudium und die Zwischenprüfung besteht im Prinzip nur noch aus Formalität.
5. Empfehlungen Wer sich zu diesem Studium entscheiden sollte sich sorgfältig überlegen, welche Fächerkombination für ihn/sie Sinn macht. Kunstgeschichte oder Musikwissenschaft sind wohl weniger geeignete zweite Hauptfächer als zum Beispiel Soziologie, Geschichte oder Wirtschaftswissenschaften. Dies erklärt sich von selbst, Synnergieeffekte sind nun mal praktisch, ausserdem sollte man dabei auch an die berufliche Zukunft denken. Wer mal in transatlantischen Beziehungen punkten will, dem tut wohl ein zweites Hauptfach Amerikanistik ganz gut, ein anderer ist innenpolitisch Veranlagt, der sollte sich wohl der Soziologie widmen, wieder ein anderer will mal Berater des Finanzministers werden und sollte nebenbei Ahnung von VWL haben. Alles logisch. Folgendes sollte man beachten: - Studienberatung ist nicht zum Spass da. Lieber einmal zu oft hingehen, als hinterher irgend etwas falsch machen - Oft stehen Sachen auf der Instituts-website die so manche Frage beantworten (auch ein Studienführer zB, der als Ergänzung zu diesem Bericht sehr viel sinn macht) - Dies ist kein Physik-studium. Semesterwochenstunden von unter 20 (beide Hauptfächer!) sind normal, man muss bedenken in fast jedem Kurs auch eine Hausarbeit, und in allen besuchten VEranstaltungen auch eine Klausur schreiben zu müssen. Oft nimmt man auch noch Sprachkurse oder will zwischendurch auch noch Schlafen und Essen!! - Hab Spass daran, wenn dir die Thematik nicht gefällt, bist du im falschen Studiengang - Bücher sind dein Freund: Studieren ohne viel zu Lesen gibts nicht. - Studenten und Dozenten unterscheiden sich nur dadurch, dass der eine schon gemacht hat, was der andere noch vor sich hat. Aber beides sind Erwachsene, und als solche werden sie auch behandelt. Das heisst Selbstverantwortung, Eigeninitative, Planung, Höflichkeit und Denkvermögen sollten zumindest ansatzweise erfüllt sein, auch wenn sich das hier jetzt enorm bescheuert anhört. - Immer dran denken: 2 Hauptfächer, das heisst man kann sich entweder enorm überarbeiten, oder man belegt versehentlich Kurse, die sich alle überschneiden und man hat am Ende nur 5 Vorlesungen die Woche. Vorausplanen ist clever! - Nie irgendwelche Anmeldetermine (meist online) verpassen, das kommt einfach nicht gut
mehr fällt mir nicht ein, bitte Kommentiert fleissig! 6. Urteil Das Institut für Politikwissenschaft an dieser Uni habe ich als an sehr gutes kennengelernt (ein Tatbestand der sich sowohl in diversen Uni-Rankings als auch in der Praxis bestätigen lässt). Die Fakultät ist jung, aufgeschlossen und fortschrittlich. Die Lehrinhalte sind sehr interessant, werden ständig optimiert und weisen eine sinnvolle Struktur auf. Die Einteilung in 4 Teilbereiche mag zwar einiges Vermissen (zum Beispiel Asien) aber vermittelt dennoch eine sehr bereite Wissensbasis. Auch hier gibt es Vorlesungen nach Old-School Art, also mit mitschreiben und so, aber man hat es hier auch mit sehr modernen Kursen zu tun, sehr viel Selbstengagement, gegenseitiger Stimulanz und viel möglichkeiten, sich seinen Lieblingsbereichen zu widmen (erstens durch eine gut bestückte Bibliothek und zweitens durch die [meist] freie Wahl von zu schreibenden Arbeiten).
Ich persönlich fühle mich in meiner Fächerwahl (mein zweites Hauptfach ist Amerikanistik) sehr bestätigt und entdecke jedes Semester aufs neue interessante Bereiche, lerne viel dazu und habe Spass daran. Dass der Studiengang fordernd ist, will ich nicht bestreiten. Oft hat man es mit sehr viel Pflichtlektüre zu tun, manchmal muss man mehr als 2 Arbeiten gleichzeitig schreiben, und oft stresst einen das/die zusäztliche(n) Hauptfach (bzw Nebenfächer) schon sehr. Und natürlich gibt es immer Dinge die einem weniger Interessieren als andere. Zusammengefasst: für jeden der interessiert an Politik ist, oder an den Dingen die die Welt bewegen, kann ich diesen Studiengang nur empfehlen, und wer nach viel VErgleichen und Broschüre-Stöbern dazu gelangt ist, nach Regensburg zu gehen, den möchte ich dazu gratulieren (was nicht heissen muss dass es nicht bessere oder ebenbürtige Einrichtungen in diesem Land gibt .-)
MfG Sebastian PS: bitte fleissig Kommentieren. Dies ist nach langer Absenz mein erster Bericht und ich füge gerne noch Aspekte hinzu
Weitere Infos: www.uni-r.de (->Fakultäten->Fakultät III->Institut für Politikwissenschaft)
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24.02.2006 18:00
Enthusiasmus gehört zum Studium dazu, sonst brauch man gar nicht erst anzufangen! Guter Bericht! LG Kathrin
25.12.2005 20:23
Zum Titel: Na dann viel Glück! ;-) Außer diesem blöden Spruch kann ich leider nichts zum Thema sagen, daher auch kein wirklich sachdienlicher Kommentar, nicht meine Welt, sorry.
15.12.2005 12:47
Ach ja, das haette ich fast vergessen: Du solltest vielleicht trotz deines Enthusiasmus mehr auf Fehler in deinen Berichten achten. Sonst hagelt es kuenftig an negativen Bewertungen... Also: Nochmal Satzzeichen, Rechtschreibung und Grammatik checken. Ansonsten ist seine Ausfuehrlichkeit die Staerke deines Berichts. Alles gesagt, was wichtig ist :-)