Ausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst

4  15.08.2005

Pro:
krisensicherer Beruf, abwechslungsreich und interessant, verantwortungsvoll

Kontra:
Schichtdienst, geht an die Gesundheit, Buhmann der Bevölkerung

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Einstellungschancen:

Aufstiegschancen

Verdienstmöglichkeiten:

Sozialleistungen:


C-3PO

Über sich:

Mitglied seit:14.08.2005

Erfahrungsberichte:8

Vertrauende:1

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Hallo zunächst einmal!

Ich habe in dieser Rubrik bereits sämtliche Berichte über den Beruf des Polizeibeamten bzw. der Polizeibeamtin gelesen, aber noch keinen, der vor allem die Ausbildung bei der Polizei beschreibt. Diese möchte ich in meinem Bericht ansprechen. Der Einfachheit halber verzichte ich darauf, die weiblichen Titulierungen zu erwähnen. Wenn ich also vom Polizeibeamten spreche, dann sind auch die Polizeibeamtinnen gemeint. Die Leserinnen bitte ich daher um Verständnis ;)

Von der Schule zur Polizei
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Zunächst etwas Grundsätzliches: Polizei ist Ländersache, d. h. man kann sich nicht allgemein bei der Polizei bewerben, sondern muss sich bei der Polizei eines Bundeslandes bewerben. Daher kann man sich in allen 16 Bundesländern bewerben, wenn man die Voraussetzungen erfüllt. Außerdem bei der Bundespolizei, ehemals Bundesgrenzschutz, und beim Bundeskriminalamt. Dabei ist zu beachten, dass in mehreren Bundesländern nicht mehr in den mittleren Polizeivollzugsdienst eingestellt wird.
Die Ausbildungsinhalte dürften zwar in allen Bundesländern nahezu dieselben sein, doch ist die Ausbildung sehr unterschiedlich aufgebaut. Ich möchte daher eine Ausbildung ansprechen und zwar die für den mittleren Dienst in Bayern.

Wohnhaft bin ich in Hessen, habe mich aber in mehreren Bundesländern beworben und Einstellugnstests mitgemacht. Aus Erfahrung weiß ich, wie schwer manche dieser Test sind.
Jetzt wird sich sicher jeder fragen, warum ich ausgerechnet zur Bayerischen Polizei gegangen bin. Wie bereits erwähnt, sind die Tests nicht ohne. Neben Deutschkenntnissen, werden das logische Denkvermögen und die Gedächtnisleistung beurteilt. Es gilt, Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu bestehen. Außerdem wird die körperliche Leistungsfähigkeit durch einen Sporttest und durch eine ärztliche Untersuchung festgestellt. Erreicht man bereits in einem dieser Kategorien die erforderliche Mindespunktzahl nicht, hat man den Einstellungstest nicht bestanden. Von vielen tausend Bewerbern bestehen nur wenige hundert den Einstellungstest und davon werden nur die Besten ausgewählt und eingestellt.
Da ich nun nach einigen Absagen endlich auf Grund eines sehr guten Einstellungstest eine Zusage bekommen hatte, nahm ich diese auch sofort an, auch wenn das für mich ein anderes Bundesland bedeutete. Der Polizeiberuf war schon immer mein Traumberuf, daher nahm ich das in Kauf.

Wie fing das ganze nun an? Direkt nach dem Abitur hatte ich in Nürnberg meinen Einstellungstest. Bereits nach dem Test wurde mir gesagt, dass das Ergebnis überdurchschnittlich gut sei, die Einstellungszusagen aber erst in einigen Monaten herausgingen. So wurde ich zunächst zum Grundwehrdienst eingezogen, erhielt jedoch zwei Monate später meine Einstellungszusage und konnte noch in der Grundausbildung aus der Bundeswehr entlassen werden. Das ist auch ein kleiner Bonus, den der Polizeiberuf mit sich bringt ;) Für mich bedeutete dies noch einige Monate Urlaub bis es endlich losging.

Beginn der Ausbildung
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Am ersten Einstellungstag bei der Polizei mussten wir noch einen kurzen ärztlichen Check durchlaufen, der jedoch nicht mit der Untersuchung beim Einstellungstest zu vergleichen ist. Hier hätte man immer noch scheitern können. Danach empfingen wir unsere Ernennungsurkunden zum Polizeimeisteranwärter.
Gleich in der ersten Woche bekamen wir auch schon die Uniformen und Ausrüstungsgegenstände. Die Grundausstattung wird noch vom Freistaat Bayern bezahlt, alles , was man sich später an neuen Uniformteilen besorgen will/ muss, muss man selbst bezahlen.
Das Wohnen in der Polizeiunterkunft ist Pflicht während der 2 1/2-jährigen Ausbildung, außer halt am Wochenende. Es werden 2- aber vor allem 4-Mann-Zimmer zur Verfügung gestellt. Außerdem ist man verpflichtet, an der Gemeinschaftverpflegung teilzunehmen. Im Monat zahlt man dafür eine bestimmte Pauschale. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr bezahlt man dann auch die Unterkunft, wobei man dann schon deutlich mehr verdient. Im ersten Jahr verdient man bereits um die 815 €, im zweiten Jahr um die 1370 € netto. Welcher Auszubildende in der freien Wirtschaft kann das schon sagen? Davon gehen halt Verpflegungs-, Unterkunfts- und Versicherungskosten ab. Freie Heilfürsorge bekommt man nur in der Ausbildung gewährt, danach muss man sich privat versichern. Im Krankheitsfall zahlt das Land Bayern einen gewissen Teil neben der Krankenversicherung. In anderen Bundesländern kann das ganz anders aussehen.


Alltag in der Ausbildung
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Wie sieht nun der Alltag in unserer Ausbildung aus? Der Unterricht beginnt morgens um 07:00 Uhr, eine Unterrichtsstunde dauert wie in der Schule 45 Minuten. Um 11:30 Uhr ist eine Stunde Mittagspause, d. h. keine Dienstzeit, man kann sich also auch mal aufs Bett legen ;) (während der Dienstzeit verboten!!). Danach ist weiter Unterricht bis 16:45 Uhr. Insgesamt hat man 10 Unterrichtsstunden am Tag, außer Freitags, da sind es nur 8. Die Polizei in Bayern hat also eine 42 Stunden-Woche. Wo sind da bitte schön die faulen Beamten? ;)

Die Unterrichtsfächer kann man in drei Kategorien unterteilen: in theoretische, praktische und Sport. In Sport wird hauptsächlich gelaufen, es gibt Leichtathletik, Schwimmen und Krafttraining.
In der praktischen Ausbildung wird versucht, das theoretisch erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen. Die Fächer sind Einsatztraining, Schießausbildung und Selbstverteidigung. Im Einsatztraining werden praxisnahe Übungsbeispiele durchgenommen, d. h. der Polizeischüler probt z. B. eine Verkehrskontrolle mit einem Kollegen. Der Ausbilder und die Mitschüler beobachten das ganze und beurteilen es später.
Zudem wird jeder Beamte in Erster Hilfe noch einmal eingehend ausgebildet und muss eine Fahrausbildung durchlaufen.
Theoriefächer sind Verkehrsrecht, Strafrecht, Allgemeines Polizeirecht, Besonderes Sicherheitsrecht, Politische Bildung, Englisch, Beamtenrecht, EDV und Polizeidienstkunde. Hier lernt der junge Beamte, welche Gesetzesmerkmale er im Kopf haben sollte. Das Schwierige daran ist, diese auf die Praxis und auf einen bestimmten Sachverhalt anzuwenden. Hierzu werden bestimmte Übungsaufgaben gestellt, die verschiedene Sachverhalte beinhalten. Der Schüler muss z. B. die einzelnen Straftaten erkennen, die eine bestimmte Person begangen hat und muss diese anhand des Sachverhaltes belegen. Dabei sind wichtige Gesetzesmerkmale logisch mit dem Sachverhalt zu verknüpfen, um eine gute Note zu erzielen.
In jedem Fach werden Klausuren geschrieben, daneben zahlreiche Zettelarbeiten, die vorher nicht angekündigt werden und in die mündliche Note einfließen. Dafür muss man ständig lernen, um am Ball zu bleiben. Wer dies nicht tut, wird es bald merken und erreicht womöglich nicht das Ziel der ersten Ausbildungsstufe. Man kann zwar eine Wiederholung des ersten Ausbildungsjahres beantragen, das wird aber auch nicht jedem gestattet. Eine Entlassung ist dann der Fall.
Im zweiten Ausbildungsjahr müssen ein einmonatiges und ein dreimonatiges Praktikum bei einer Polizeidienststelle absolviert werden. Man hat hier bereits schon einige Befugnisse als Vollzugsbeamter. Diese Regelung ist jedoch nur in Bayern so.

Aus meiner Erfahrung heraus muss ich sagen, dass die Ausbildung schon hart ist, man viel lernen muss, vor allem nach Dienst den Unterrichtsstoff nachbereiten muss, daneben nach Dienst viel Sport machen muss. Denn nur so lässt sich die Ausbildung erfolgreich bestehen. Die Betonung liegt hierbei auf dem Wörtchen erfolgreich. Je besser die Noten sind, umso besser sind dann später auch einmal die Aufstiegschancen. Wer also abends gerne viel Freizeit hat, sollte von einer Bewerbung bei der Polizei absehen.

Die Vorteile während der Ausbildung weiß natürlich jeder zu schätzen: man treibt Sport während der Dienstzeit, was andere nur nach Feierabend tun können, man bekommt die Unterkunft gestellt und muss sich nach keiner Wohnung umschauen. Dabei sei jedoch gesagt, dass man für den Zustand seiner Unterkunft selbst verantwortlich ist (es werden auch Zimmerkontrollen gemacht, um die Unordnung zu bekämpfen ;)). Um die Verpflegung braucht man sich ebenfall nicht zu kümmern, man geht in die Kantine und isst. Schließlich kann man sich über das Gehalt auch nicht beklagen. Anders sieht es dann schon nach der Ausbildung aus, wenn man von diesem Gehalt noch Versicherungen, Wohnung usw. bezahlen muss. Die Verpflegungs- und Unterkunftskosten während der Ausbildung sind eher gering. Das Wichtigste, vor allem in der heutigen Zeit mit Blick auf die Arbeitsplatzchancen, ist, einen krisensicheren Job zu haben und, nach Erreichen des Berufsbeamtenstatus nie darum bangen zu müssen, seinen Arbeitsplatz zu verlieren.
Im Gegenzug muss man aber Versetzungen im gesamten Staatsgebiet Bayern, Schichtdienst und die Tatsache hinnehmen, dass man für viele Bürger der Buhmann ist. In einer Bürgerumfrage haben wir uns mit Leuten vor Ort unterhalten und ihr Einstellung zur Polizei eingeholt. Bei sämtlichen Leuten, die über die Polizei nur so abgelästert hatten, stellte sich heraus, dass diese Personen keinerlei Hintergrundwissen über die Polizei und den Polizeialltag haben. Da werden Meinungen geäußert, wo überhaupt kein Wissen vorhanden ist. Hier muss man eben drüberstehen und ein dickes Fell haben. Der Polizeialltag mit all seinen Problemen wurde hier jedoch schon in genügend anderen Beiträgen angesprochen.


Ich hoffe, dass ich die Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten im mittleren Dienst so einigermaßen verständlich beschreiben konnte, wenn auch nur in sehr groben Zügen. Wer mit dem Gedanken spielt, sich bei der Polizei zu bewerben, hat jedenfalls genügend Möglichkeiten, sich im Internet ausreichend zu informieren.

VG


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Laia

Laia

26.12.2005 16:29

Wäre auch mein Traumberuf gewesen, nur leider wurde ich schon vorher ausselektiert, bin nicht mal bis zu den Einstellungstests in Nürnberg gekommen, verdammte Kurzsichtigkeit! Tja, da blieb mir wohl nichts anderes übrig als zu studieren. Respekt für diese Arbeit! *mfg*

Lush-Pedi

Lush-Pedi

12.12.2005 23:52

Klasse Bericht - sehr interessant mal zu erfahren wie so eine Ausbildung abläuft. Von mir dafür ein bh - LG Petra

Legion2002

Legion2002

11.09.2005 22:32

Ist ein schöner Bericht geworden. Hoffe, du wirst glücklich in dem Beruf. LG

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