"Freie Liebe"
07.09.2007 (09.09.2007)
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
 TomGard
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:29
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 29 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Warnung Ich habe grad aktuellen Anlaß, folgenden Brief als Kaffeehausbeitrag zu veröffentlichen, den ich vor einiger Zeit einer Bekannten auf die Frage "Was ist Sex für dich" als eine launige Notiz für zukünftige Gespräche schrieb. Trotz der vielen Elipsen des Textes seh' ich jetzt keinen Anlaß, ihn zum Traktat auszuweiten, zumal die angedeuteten Gedanken wahrlich nicht originell sind. Erstaunlich viele Leute haben seit der Zeit, als Charles Fourier seine halbwegs in Vergessenheit geratenen essais zu dem Thema schrieb, ähnlich gedacht und empfunden und zwangsläufig vergeblich - zumindest weitgehend vergeblich - versucht, etwas davon zu leben. Und bei diesem Thema gilt, meine ich, mehr noch, als bei jedem anderen: Selber denken macht fett. Was Marie und mir geschah, nennt Juli punktgenau "Annexionsstreben auf den ersten Blick". Sex ist, was einfach und unzweideutig geschieht, Annektion, oder, mit dem schönen deutschen Wort: Ein- bzw. angliedern_wollen. Unterstellen wir, was an/eingegliedert werden will, ist willkommen und was an/eingegliedert werden soll, hat Platz. Dann gibt es nur eine Quelle von Unfug, nämlich, wenn es das, was eingegliedert werden soll oder will, nicht gibt, was unter Menschen, die ihre fünf Sinne beisammen haben, nur dann kein rasch zu klärender Irrtum sein sollte, wenn eine Angliederung nicht einer Person, sondern einem ES gilt, dem eingegliedert werden soll. In letzterem Fall werden Kopf und Glieder zu Werkzeugen einer /Eingemeindung/. Die Feier, die beim Sex stattfindet, muß dann genau genommen /neben/ ihm stattfinden, weil sie nicht den Beteiligten selbst, sondern dem 'höheren' ,. sie willkürlich oder unwillkürlich verklammernden ES gilt. Obendrein sind die Beteiligten vor einem ES erstmal /gleich/, bevor sie unter dem /Gesichtspunkt/ der Gleichheit auch verschieden sein /dürfen/ und /sollen/. Du ahnst: alles Häßliche, Widerwärtige, Gewaltsame, nicht zu vergessen das Langweilige und Banale, das es mit Sex verknüpft gibt, entstammt einem Willen zur wechselseitigen Eingemeindung der Begierden und Bedürfnisse unter ein ES. Ein Bund freier Menschen räumt mit allem ES auf und beseitigt nach Kräften Gründe für das Neuentstehen von ES. Er wird, wenn er denn wird, ein Bund von Bünden sein, deshalb rede ich manchmal kokett vom "Return of the Indian Nation". Ein Bund besteht nur katastrophalerweise aus weniger als fünf Menschen. Vermutlich sollte er zwei Dutzend (excl. Kinder und Greise) nicht weit überschreiten. In einem Bund gibt es naturgegeben keine Gleichheit, allenfalls Ähnlichkeit als Form dessen, was einzig zählt: Verschiedenheit. Bei dem, was ein Bund und jeder darin so treibt, wird es zwanglos um möglichst viel mehr, als Sex gehen und eben drum, - siehe oben und q.e.d. - wird es um Sex /unentwegt/ gehen. Die in dieser Überlegung einbegriffene Wahrheit haben Mädchen wie Chris und Marie, die Sex offensiv zu ihrem wichtigsten, in unklar gefaßten Konzepten auch einzig zählenden Anliegen machen, für sich. Abseits unmittelbarer Existenzgefährdung ist Sex das reichste Motiv für einen "Bund aus Bünden" und in meinem Empfinden durchdringen sich diese Konzepte zunehmend.Nachtrag: Mein Brief wollte schon ursprünglich keine Vorgaben machen und das wollte ich beibehalten. Die Kernaussage sollte lauten: Eine Gesellschaftt freier Menschen besteht notwendigerweise aus Bündnissen, die gemeinsame Lebensgestaltung in einem unter der Herrschaft des Privateigentums undenkbaren Umfang zum Zweck haben - gemeint sind sowohl vorübergehende wie dauerhafte Zwecke. Dann hätte selbstverständlich auch das emotionale Verhältnis der Beteiligten ein anderes Gesicht, nähme einen ganz anderen Raum ein, weil es um die Bedürfnisse und Zwecke jedes Einzelnen absolut ginge - und nicht mehr relativiert an einer Welt vorgegebener Zwecke, Zwänge, herrschaftlich geschaffener Notwendigkeiten, also kurz: mit dem Ziel gemeinschaftlicher Unterwerfung unter und Bewältigung dieser Zwänge. Ergo, so mein Schluß, könnte das erotische Verhältnis der Beteiligten näher an personaler Liebe sein, als es die im engen Sinne sexuellen Verhältnisse heute mehrheitlich sind. Die Trennung von Sex und Liebe könnte aufgehoben sein.
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07.12.2007 22:48
Hey einfach ein Klasse Bericht ! da ist ja wirklich alles dabei: Super Struktur, netter Schreibstil ! so macht ciao Spaß. Wir sehen uns !
14.09.2007 21:08
Wurde von uns (2 Männer+ ! Frau) praktiziert!- Im Nachinhein kann ich sagen : Absolut mieses Feeling after , für jeden von uns !!! - Nie mehr......................!!!!!
10.09.2007 23:48
Nicht nur Sex sondern Liebe zu mehreren und das gleichzeitig und am besten jeder des bundes mit jedem .... ist mir eine seltsame Vorstellung, aber ich bin auch bekennender Klammeraffe und hab meinen Baum gefunden, sodass ich nicht mehr durch den Dschungel hüpfen will.