Porsche 911 Carrera S

Erfahrungsbericht über

Porsche 911 Carrera S

Gesamtbewertung (5): Gesamtbewertung Porsche 911 Carrera S

17 Angebote von EUR 47.500,00 bis EUR 105.809,00  

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Die Ikone....

4 9. Jun 2007

Pro:
Werterhalt, Porschevirus ungefiltert .

Kontra:
Riskant und teuer

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Zuverlässigkeit:

Fahreigenschaften:

Bedienung:

Platzangebot:

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Mounty1974

Über sich: Die Gegenbewerterei geht wieder. Juhu !

Mitglied seit:13.05.2007

Erfahrungsberichte:46

Vertrauende:28

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 34 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Dieser Beitrag beurteilt das Fahrzeug nicht als Gebrauchsgegenstand oder Alltagsfahrzeug, sondern als Sammlerobjekt.
Immerhin wird dieses Modell seit 1989 nicht mehr gebaut.
Also werden hier Sinn und Zweck von diesem Fahrzeug, Alltagstauglichkeit, sowie CO2-Ausstoß und Versicherungsprämien vernachlässigt.


Nachdem mich kürzlich der Porsche-Virus ereilt hat und ich einen Zweitwagen gesucht habe kam ich zwangsläufig am Porsche Carrera 3.2 nicht vorbei.

Hierzu habe ich mich etwas näher mit dem Fahrzeug befaßt, ohne mir letztendlich einen gekauft zu habe. Warum, das lest ihr in dem Bericht.

In der jahrzehntelangen Produktion der deutschen Sportwagenikone 911 ist der Porsche 911 Carrera (1), Bauzeit 1984-1989 der luftgekühlte Porsche schlechthin. Nur der 911 Turbo aus dieser Zeit ist noch "berüchtigter". Der Turbo galt in der 80er als das Brutalo-Auto, ähnlich des Carrera GT heute. Und natürlich auch kaum erschwinglich.

Unter Kennern wird dieses Model, um das es sich hier dreht, "G-Modell" genannt. Das G steht eigentlich für das Baujahr. Trotzdem die Baujahraufschlüsselung (1980=A, 1981=B usw) eigentlich bei "E" für 1984 anfangen müßte, hat sich aber das "G" scheinbar durchgesetzt.
Den Carrera 3.2 gibt es als Targa, Coupe und Cabrio.
Ein Targa ist ein Modell mit stehender Heckscheibe und stehender B-Säule. Über den Köpfen der Insassen kann man das Dach herausnehmen.

Mit dem G-Modell ist das 911er Modell gemeint, daß in den Stoßstangen diese Ziehharmonika-Kunststoffe hat. Das Fahrzeug wurde 1989 vom Porsche 964 abgelöst. Dieser 964 sieht eigentlich genauso aus hat aber Kunststoffstoßfänger. Es gibt ihn als Carrera 2 und Carrera 4 mit Allrad.

Zurück zum Carrera 3.2, denn um den geht es ja hier.

Technische Daten:

- 231 PS bei 5900 Upm (mit Kat 217 PS)
- 3164 ccm Hubraum
- 10,3:1 Verdichtung (mit Kat 9,5:1)
- 284 Nm bei 4800 Upm Drehmoment (mit Kat 260 bzw. 265 Nm)
- Kraftstoff: Super-Plus bleifrei, Oktanzahl 98
- Beschleunigung 0-100km/h 6,1 sec
- Höchstgeschwindigkeit km/h 245 km/h
- Motorölmenge 13 l
- Kraftstoffbehälter 85 Liter
- 5-Gang Getriebe
- Neupreis ca. 61.950 DM
- 1160 kg Leergewicht

Karosserie:
Das Fahrzeug ist ein zweisitziges Coupe mit 2 Türen. Es hat das, was einen Porsche "angeblich" ausmacht. Einen luftgekühlten 6-Zylinder Boxer mit Trockensumpfschmierung im Heck.
Der Kofferraum ist daher vorne.
Im Innenraum bietet der 911er für 2 Personen ausreichend Platz. Zumindest für einen Sportwagen. Die Sitze sind äußerst bequem. Das Fahrwerk sehr straff, aber nicht brutal hart.
Die Verarbeitung ist tadellos, die Materialien äußerst haltbar und kurz um für die Ewigkeit gebaut. Einen ausgesessenen Sitz oder heruntergekommenen Armaturen habe ich jedenfalls noch nie gesehen. Gebrochene Lüftungsdüsen habe ich aber schon gesehen.
Die Karosserie ist meines Wissens ab 1986 vollverzinkt und der Rost glänzt eigentlich mit Abwesenheit, sofern man ein unfallfreies, gepflegtes Exemplar erwischt. Steinschläge auf der flachen Kofferraumhaube sind "erlaubt" und unvermeidbar.
Rost kann an den Scheinwerfereinfassungen, B-Säule und an der oberen Seite der Kotflügel zum Windschutzscheibenrahmen auftauchen.

Probleme kann auch die Luftheizung machen. Die Regelung erfolgt mittels Hebel bzw. Gebläse zwischen den Sitzen. Wie beim Käfer funktioniert diese durch Wärmetauscher am Motor .Wenn da was durchgerostet ist, ist der Auspuff meist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Eine komplette Auspuffanlage mit Wärmetauscher ist mit etwa 3000 EUR anzusetzen. Es gibt aber auch Zulieferer. Originalteile sind ohnehin teurer.


Fahrwerk:
Für seine Zeit war das Fahrwerk mit der Leistung eher "unterforderd". Richtig modern war es in dern 80ern aber eher nicht. Es handelt sich nämlich konstruktiv um einen käferähnlichen Aufbau mit einer Drehstabfederung vorne und Federbeinen hinten. Am Fahrwerk kann man die Radlasten verstellen. Das kann/sollte man bei Porsche einstellen lassen um das Fahrverhalten positiv zu beeinflussen. Dieses Konstrukt ist nämlich schnell mal verstellt und mit der Technik überfordert. Auch an den Stabilisatoren sollte Sorgfalt walten.
Dennoch ist das Fahrwerk nie frei von Überraschungen. Männerauto bleibt Männerauto.
Das Märchen von der Heckschleuder ist allerdings nicht totzukriegen. Der 11er ist keine Heckschleuder, sondern schiebt im Falle der "Übertreibung" am Kurveneingang über die Vorderräder. Das liegt an der Gewichtsverteilung bzw. an dem weit hinten liegenden Schwerpunkt. Außerdem bietet der Heckmotor ausgezeichnete Traktion.

Anders bei Nässe. Dann verwandelt sich der 911er in eine Giftspritze. Das Fahrverhalten gilt bei Nässe als eher kritisch.


Motor:
Wie erwähnt handelt es sich bei dem Motor um einen luftgekühlten 6-Zylinder-Boxer mit 231 PS (ohne Kat) und 218 PS (mit Kat). Der 231 PS Motor ist sehr begehrt, weil er sehr spritzig ist, jedoch steuerlich teurer.
Bei einer Umrüstung auf Euro 2 empfiehlt sich ein Kat von Cargraphic für etwa 1000 EUR. Der soll sogar noch Leistung bringen und macht das Auto zudem sauberer. Werks-Kats bremsen den Motor etwas.

Der Motor hat eine Trockensumpfschmierung. Das heißt, dass es keine Ölwanne gibt und das Öl wieder in einen separaten Behälter gepumpt wird, wenn es den Motor durchflossen hat. 13 Liter befinden sich im Kreislauf. Und die wollen natürlich nach 2 Jahren wieder gewechselt werden.
Wenn man sein Motörchen lieb hat und professionell behandelt, sind Laufleistungen von 500.000 km überhaupt kein Problem.
500.000er können teilweise besser sein, als Exemplare mit 150.000 km die von unbekannten Vorbesitzen niedergeritten sind.

Vorraussetzung: Checkheftpflege von Porschewerkstätten (muß keine Niederlassung sein) mit bestem Öl (dringend empfohlen), dass bei jeder Fahrt sauber und gewissenhaft warmgefahren wird. Warm ist das Öl, wenn die Öltemperaturnadel das 2te mal ansteigt. Das kann 15-20 km oder länger dauern.

Der Motor muß absolut trocken sein. Die Mittennaht darf nicht undicht sein. Schwitzen ist ok, Tropfen sollte er nicht. Sonst wird bald eine Reparatur fällig, die sich gewaschen hat. Auch wenn z.B. Öl in die Kupplungsglocke kommt. Wie schon erwähnt ist die Auspuffanlage äußerst teuer und sollte ebenfalls in gutem Zustand sein, ebenso die Wärmetauscher.

Ab 1986 ist ein sog. G50 Getriebe verbaut. Zuvor heißt das Getriebe 915. Das 915 hat eine Seilzugkupplung.
Ab dem G50 ist eine hydraulische Kupplung verbaut und die Schaltwege kürzer.
Die Modelle mit dem G50 Getriebe sind sehr begehrt. Das schlägt sich auch im Verkaufspreis nieder.

Verbräuche bewegen sich so um die 10-15 Liter/100 km.


Fazit:
Wer einen 11er haben will, sollte auf das Checkheft und die lückenlose Historie achten. Ich bin oft auf Italien-Importe gestoßen, die aber nie ein Checkheft haben. Daher wurde mir davon abgeraten. Jedoch MUSS das nicht unbedingt eine Möhre sein.
Versteckte Unfallschäden oder falsch behandelte Motoren sind unglaubliche Geldgräber. Relativ gute Exemplare des 911er 3.2 fangen bei etwa 25.000 EUR an (ab 1986 mit G50). Weiterhin sollte man 5000 EUR auf die hohe Kante legen, denn Reparaturen können horrende Summen verschlingen.

Motorrevisionen kosten locker mal 5-stellig, ein neuer Motor gut 20.000 EUR. Preislich bin ich aber nicht ganz up to date. Eher teurer.
Auspuff hab ich schon erwähnt. Heizung ebenso.
Dann wären da noch versteckte, schlecht reparierte Unfallschäden die die Karosserie rost- empfindlich machen oder das Fahrverhalten beeinflussen, weil alles krumm ist.

Wer einen kaufen will, muß einen Kenner mitnehmen, der das Auto von Grund auf kennt. Ein Gebrauchtwagencheck für 100 EUR beim Porschehändler ist ebenfalls zu empfehlen.

Dieses Modell wird derzeit nur unter Sammlern weitergegeben. Auf Gebrauchtwagenparkplätzen wird man ihn kaum finden. Und wenn, dann sind da meist Exemplare für unter 20.000 EUR. Und diese Autos kann man grundsätzlich vergessen.
Selbst im Porsche-Zentrum sucht man die alten 911er vergebens.
Wer einen hat, weiß auch was er verlangen kann.

Warum ich mir keinen zugelegt hab:
Es bleibt ein Risiko. Ein Porsche ist grundsätzlich immer etwas für den dicken Geldbeutel.
Wie bei Sportwagen üblich, sind auch belastete Teile wie Bremsen relativ teuer, aber noch bezahlbar. Eine Bremsscheibe vorne schlägt mit 70 EUR zu Buche.
Kupplungswechsel, die auch je nach Fahrweise nötig sein werden, gehen Richtung 2000 EUR.
Allerdings sind die Unterhaltskosten was Verschleißteile angeht noch überschaubar, aber wie gesagt hoch.

Der viel modernere und stärkere aber sichtlich günstigere gehandelte Nachfolger 964 steckt bei wenigen Kilometern voller Kinderkrankheiten (Zweimassenschwungrad, Doppel-Zündung, Kupplung) und verschlingt ebenfalls alle 2 Jahre mindestens 1200 EUR Kundendienstkosten (Öl und Ventile einstellen).
Freie Porschewerkstätten machens günstiger. Der nächste 993 wird wieder sehr hoch gehandelt (gute um 35.000 EUR). 996 und 997 sind noch teurer, weil ja kaum "gebraucht".

Ob man ihn empfehlen kann ist schwierig zu sagen. Die Wertsteigerung in den letzten 10-15 Jahren ist nahezu unglaublich. Wer einen Neu gekauft hat, hat den Neupreis fast wieder drin. Wer in den 90ern einen gekauft hat, hat eine gute Verdopplung des Preises durch die EUR-Umstellung. Wie es weiter geht, kann man nicht sagen.  
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
1966kessy

1966kessy

17.11.2007 23:11

Auch wenn ich mir nie einen zu legen werde. Sehr ausführlicher Bericht. ;o) 1966kessy

s.st1

s.st1

01.10.2007 17:58

ein sehr toller Bericht...LG Simone

t.schlumpf

t.schlumpf

05.07.2007 23:20

so einen hätte ich gerne zu Weihnachten. Gut geschriebener, informativer Bericht. LG Schlumpf

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