Porsche 944 Coupé

Erfahrungsbericht über

Porsche 944 Coupé

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Als 160 PS noch viel waren…

5  19.05.2007

Pro:
Sportwagen der alten Schule

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Behme36

Über sich:

Mitglied seit:08.05.2006

Erfahrungsberichte:5

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 29 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mein Großvater hat dieses Jahr sein 80stes Lebensjahr vollendet. Seine Frau wird in wenigen Wochen 87 Jahre alt. Als sie uns vor einiger Zeit einmal besucht hat und mit meiner Mutter in deren Ford Ka etwas einkaufen gefahren ist, war ihr Kommentar zu diesem Gefährt: "Das ist ja ein schönes Auto! Was sitzt man hier bequem!"

Was verleitet meine liebe Oma zu einer derartigen Aussage? Geistig klar ist sie noch; mit Alterswahnsinn lässt sie sich also nicht erklären. Ironie ist nicht ihr Stil, daran liegt es also auch nicht. Der Grund ist ein anderer: Seit 1985 fährt mein Großvater einen Porsche 944; seit über 20 Jahren ist meine Oma nur sehr selten in einem anderen Wagen mitgefahren. Das Prozedere, das sie mit 87 Jahren täglich über sich ergehen lässt, darf man sich folgendermaßen vorstellen:
Mein Großvater schließt die Beifahrertüre auf (Eine Zentralverriegelung hat der Porsche nicht). Sie steigt ein, während er um das Auto herumgeht, um sich selbst Zugang zu verschaffen. Einsteigen heißt: Sie setzt sich nahezu auf den Boden des Fahrzeugs, um dort auf den sehr straff gepolsterten, gut konturierten schwarzen Ledersitzen Platz zu nehmen. Dann greift sie nach der Türe, wendet die volle Kraft einer rüstigen Rentnerin auf und zieht die mehrere Kilo schwere Türe in ihre Richtung. Mit einem satten Klang fällt sie zu. Nun noch anschnallen - und dann hat sie es geschafft.

Währenddessen ist auch mein Opa eingestiegen - für ihn beginnt nun der Teil der Reise, der das eigentliche Vergnügen darstellt und der Grund dafür ist, dass er den Wagen nicht verkauft. Hin und wieder überlässt er das Volant auch seinem Enkel… Der Schlüssel wird ins Schloss geschoben. Herumdrehen lässt er sich zunächst nicht, dafür muss erst das Lenkradschloss entsichert werden. Sodann startet der Motor, und man erlebt den nahezu sprichwörtlichen "Porsche-Sound": Dunkel, rau; kaum zu glauben, dass unter der Haube nur 160 PS ihren Dienst verrichten. Das schafft heute mancher Kleinwagen.

Um die Parklücke zu verlassen, müssen wir den Rückwärtsgang einlegen. Wer regelmäßig ein Fitnesscenter besucht, ist klar im Vorteil: Das 5-Gang-Getriebe - jedenfalls der Rückwärtsgang - erfordert Kraft. Gleiches gilt für die Pedale: Wer von seinem eigenen neuzeitlichen Auto gewohnt ist, schon durch leichtes Antippen des Gaspedals das Gefährt in Bewegung setzen zu können, wundert sich, wie viel Gas man geben muss, um langsam und vorsichtig (der Wagen wurde vor drei Jahren neu lackiert) aus der Lücke zu fahren. Auf den nun folgenden ersten zwei Kilometern gibt der mit dem Porsche (oder anderen älteren Autos) nicht vertraute Fahrer instinktiv immer zu wenig Gas und ist langsamer unterwegs, als er subjektiv den Eindruck hat.

Die Ortschaft lassen wir hinter uns. Und beschleunigen. Und beschleunigen. Und wundern uns erneut über die geringe Motorisierung - der Porsche wird trotz des Vierzylinders dem Ruf der Marke und dem Anspruch Ferry Porsches - "Wenn man drauf tritt, muss er schießen" - gerecht! Der Klang ist einfach herrlich, der Motor dreht willig hoch und irgendwie juckt es einen, die Leistungsreserven doch einmal auszutesten. Also auf die Autobahn. Gut, ein BMW Diesel fährt uns nach der Auffahrt sehr schnell davon. Aber die Bahn ist frei und erlaubt das Durchdrücken des Gaspedals, bis die Tachonadel bei etwa 240 km/h verharrt. Unspektakulär - vielleicht auch deshalb, weil der Porsche nach den Papieren nur 220 schafft und der Tacho vielleicht ein wenig unpräzise ist (oder mein Großvater hat ihn halt gut eingefahren). Der Verbrauch hält sich in Grenzen: Mehr als neun Liter verbraucht der Porsche auch bei zügiger Fahrweise nicht.

Zurück auf die Landstraße. Kurvige Landstraßen machen Spaß, lassen sich aber mit anderen Autos schneller bewältigen. Auch in dem Wissen, weder durch ESP noch durch Airbags geschützt zu werden, lässt man es eher langsam angehen; zum Rasen verführt der 944 nicht. Wohl aber zu Umwegen: Der Wagen nähert sich dem Alter eines (steuerbegünstigten) Oldtimers, mit dem man nicht fährt, um das (von einem Navigationssystem berechnete) Ziel zu erreichen, sondern bei dem der Weg Teil des Ziels ist.

Gleichwohl ist die Stadt bald wieder erreicht. Auf dem Kopfsteinpflaster der Innenstadt lernt man, wie ein "echter" Sportwagen gefedert ist: Gar nicht. Über jede noch zu geringe Unebenheit der Straße wird der Fahrer zuverlässig informiert. 87-jährige Beifahrerinnen auch. Den Luxus einer Servolenkung bietet der Porsche ebenfalls nicht, wie mir beim Parken schmerzlich bewusst wird. Dafür ist die Karosserie sehr übersichtlich: Jedenfalls vorn sieht man (anders als bei modernen Oberklasselimousinen) gut, wo die lange Motorhaube aufhört. Der Auftritt des Porsche ist eindrucksvoll: Gut gepflegte Exemplare sind recht selten, und die stilistisch wunderschönen Klappscheinwerfer ziehen in der Abenddämemrung die Blicke auf sich. Niemand zweifelt daran, dass es sich um einen "echten" Porsche handelt - schließlich ist er um einiges stattlicher als der "Frauenporsche" 924, den mein Opa auch ein halbes Jahr gefahren ist...

Die Ausstattung des 944 ist bemerkenswert. Er verfügt über die (damals noch nicht standardmäßige) Klimaanlage, eine Sitzheizung und - selbst heute noch nicht selbstverständlich - elektrisch höhenverstellbare Sitze. Ein Anachronismus ist das Blaupunkt-Radio, das noch dem vordigitalen Zeitalter entstammt und weder Kassetten noch CDs abspielen kann.

Ist ein Porsche 944 alltagstauglich? Wenn man wenig fährt: Ja. Und auch diese Einschränkung nur deshalb, weil ich dem Wagen noch ein langes Leben wünsche - würde man 20.000 km im Jahr damit fahren, wäre die Belastung wohl zu groß. Ersatzteile sind nicht billig, werden aber auch nur sehr selten benötigt. Wer, wie meine Großeltern, nur ca. 5000 km fährt, kann sich das Vergnügen guten Gewissen gönnen; auch als Zweitwagen ist der Porsche sicher gut geeignet, zumal der überraschend große Kofferraum unter der riesigen Heckklappe einem Einsatz als Einkaufskiste nicht entgegensteht. Es gibt sicher komfortablere und schnellere Möglichkeiten, von A nach B zu kommen - aber kaum eine mit so viel Charakter.

Die Fahrt meiner Oma mit dem Ka war nur von kurzer Dauer, sie hatte keine Zeit, sich an den Luxus dieser Blechbüchse zu gewöhnen. Hoffen wir, dass sie noch lange die Kraft hat, sich jeden Tag in den Porsche zu zwängen und die schwere Tür hinter sich zuzuziehen!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dahmane

dahmane

18.06.2007 12:54

Ich kann Deinen Großvater gut verstehen. Meine Frau fährt einen 89er 944 S2. Den habe ich ihr geschenkt, weil man damit besser einkaufen kann als mit dem 911er ;-) Im Ernst. So ein Auto ist einfach was Besonderes. Eben weil man auf dem Boden sitzt. Und als wir unseren XKR gegen einen S-Type R getauscht haben, sollte wenigstens der Drittwagen ein Sportwagen sein. Dieser hier ist anscheinend fast unverwüstlich und im Unterhalt erstaunlich preiswert. Gemessen jedenfalls an 160 bzw. 211 PS. Bleibt nur zu wünschen, daß Deine Großeltern noch lange Spaß daran haben.

ozimmi

ozimmi

22.05.2007 17:26

ein wirklich lesenswerter Bericht :-) - Otto

THJD

THJD

20.05.2007 01:33

Auch wenn's von Porsche nur der 911er sein darf, ein sehr schöner Bericht.

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