Bare essentials...
14.08.2003
Pro:
wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden
Kontra:
wir werden alt, weil . . .
Empfehlenswert:
Ja
 hubbie
Über sich:
*** ***
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Haus gebaut, Sohn gezeugt, Baum gepflanzt, 12 Zylinder gefahren......
Punkt 1: übererfüllt Punkt 2: im Plansoll (Markus, 28 J.) Punkt 3: ebenfalls (Silbertanne, 18 J., 7 Meter hoch) Punkt 4: 2/3 im Plan (740i, seit 9 Jahren) Müsste man gewissen Lifestyle-Postillen Glauben schenken, macht die Erfüllung dieser Minimalanforderungen an das Leben den wahren Gentleman aus, ich hätte da freilich noch ein paar essenziell hedonistische Forderungen nachgereicht: Welt bereist, Alaska Königskrabbenhaxen und Beluga Malossol genossen, Franzbrause von Krug und Penfolds Grange andächtig geschlürft und danach zur Beruhigung des sozialen Gewissens für ein 3.Welt Projekt gespendet.
Mit dem Manko von 4 Zylindern zum letzten Punkt muss ich wohl leben, ich werde deshalb sicher keinen W 12 von VW fahren, könnte aber schwer widerstehen, würde man mir eine der heiser klingenden roten UND offenen Fahrmaschinen aus der Gegend von Modena anbieten. Mangels eines großzügigen Gönners aus der Emilia Romagna beschäftige ich mich seit geraumer Zeit mit leistbaren Roadstern in der Preisklasse zwischen 35 und 42T Euro und bin eben jetzt beim kleinsten Porsche, dem Boxster, angelangt.
Nach englischer Tradition steht der Begriff Roadster für ein puristisches zweisitziges Sportauto, Motor vorn unter langer Haube, Antrieb auf Hinterräder und kurzes Heck, dazu ein Stoffverdeck. Porsche, das seinem Vertreter in dieser Klasse einen Kunstnamen spendiert hat, der sich aus V-BOXermotor und aus dem halben RoadSTER zusammen setzt, platzierte zwar den Motor hinter den Sitzen, erfüllt aber sonst alle obigen Anforderungen.
Schon das Einsteigen bei geschlossenem Verdeck erfordert gewisse sportliche Verrenkungen, das erdnahe, aber perfekte Sitzgefühl entschädigt dafür sofort, selbst die bei Cabrios immer problematische Gurtführung scheint nicht zu stören. Dann also einmal das Dach ab, es sollte bei gezogener Handbremse und laufendem Motor erfolgen, die Batterie dankt. Leider findet sich kein Startschloss und auch keiner dieser modernen Startknöpfe....doch halt, bei Porsche war das Ding doch immer links! Na endlich, der Sechszylinder-Boxer im Rücken lässt ein sanftes Grollen hören, die Dachentriegelung muss man zwar manuell lösen, doch dann verstaut die Elektrik das Verdeck relativ flott. Die Rundumsicht wird durch die Adjustierung der Spiegel optimiert, ein perfekter Spätfrühlingstag mit 24° steigert zusätzlich noch das Wohlgefühl des Offenfahrens. Ein präzise schaltbares Getriebe mit fünf Gängen – die Automatik kostet sagenhafte 2575 Euro Aufpreis – erfreut durch kurze Wege, man spürt ständig die Kraft und Elastizität der 2,7 Liter Maschine, egal welche Fahrstufe gerade eingelegt ist, der Vortrieb erscheint fast spielerisch, vor allem, wenn man im Alltag einen Zweitonner von einem 7er bewegt. Besondere Freude machen Ampelduelle mit großvolumigen Limousinen, von 0 auf 50 vergehen nur 2,6 Sekunden und der Hunderter ist schon nach weiteren vier Sekunden erreicht. Was mich aber noch mehr fasziniert als pure Beschleunigungswerte ist das hautnahe Erleben von Geschwindigkeit durch die unmittelbaren Geräusche von sonorem Motor und dem Fahrtwind, der am tief in die Stirn gezogenen Golfkappl zerrt. Viel zu lange zurück liegt ein ähnliches Erlebnis mit einem Jaguar E Cabrio an der wildromatischen Küstenstraße 101 in Oregon und ich bedauere es außerordentlich, dass aus ökonomischen Zwängen heraus zwischen diesen unvergesslichen Fahrerlebnissen satte 35 Jahre verstreichen mussten...
Inzwischen kennt man ja meine persönliche Teststrecke, die Wiener Höhenstraße auf den Kahlenberg: ihr Kopfsteinpflaster und die engen Serpentinen sollen mir wie beim Z4 die Möglichkeit geben, die Qualität von verwindungssteifem Fahrwerk und den hoch gelobten Bremsen des Boxster austesten zu lassen. Um es vorweg zu nehmen: der Fahrspaß ist ident mit dem des Z4, die direkte Lenkung tut ebenso das Ihre, sodass ich wieder an das einmalige Go-Kart-Feeling beim Kurvenfahren erinnert werde. Am schönsten ist aber das Dahingleiten im Blättertunnel des Wienerwalds, wenn nur vereinzelt Sonnenstrahlen durch dichtes Astwerk dringen, der Geruch von Harz und Laubwald aber bis ins Cockpit dringt... Genug geschwärmt, jetzt geht es um objektivierbare Fakten. So gleichwertig für mich das unmittelbare Fahrerlebnis zwischen Z4 3.0 und Boxster war, möchte ich doch auf jüngst veröffentlichte Messdaten in der Fachpresse (Autobild 32/03) hinweisen:der Boxster hat zwar bei der Höchstgeschwindigkeit – eigentlich ein paradoxer Wert für ein Cabrio – mit 276 kmh die Nase vorm abgeregelten Z4, dieser aber überzeugt durch die besseren Beschleunigungs- und Elastizitätswerte, hat auch die besseren Bremsen(!), das bessere – weil vollautomatische – Verdeck, das darüber hinaus auch optimal isoliert ist.
Schließlich spricht für den Bayern noch der um 3600 Euro niedrigere Grundpreis, stattet man aber die beiden mit einigen unverzichtbaren Dingen wie Ledergestühl, Klima, Automatikgetriebe, etc. aus, schraubt sich die Preisdifferenz auf stattliche 8500 Euro, da tröstet es wenig, dass in den beiden Winzigstauräumen des Porsche insgesamt um 35 kg mehr Zuladung möglich ist. Die Betriebs- und Servicekosten (u.a. verbrauchen beide im Mittel um die elf Liter Sprit, beim Porsche bitte Super plus mit ROZ 98!) halten sich ungefähr die Waage, der Wiederverkaufswert des Boxster ist höher, der Z4 punktet dafür wieder mit einer unbegrenzten Mobilitätsgarantie. Wenn mich also jemand fragt, welches das bessere der genannten Cabrios ist, muss ich die Porsche Fans enttäuschen, wer aber mit den Sicken eines Bangle Designs wenig anfangen kann, wird wohl nicht umhin können, für den eleganten Boxster tief in die Tasche zu greifen...
Ja....und dann kommt da noch der völlig neu konzipierte SLK im März, ich freue mich jetzt schon auf den Prestige trächtigen Dreikampf zwischen zwei schwäbischen und einem bayrischen Vetreter der offenen, automobilen Spaßmacher. Detaillierte Infos über die Technik finden sich auf der Website www.porsche.com bzw. in einem handlichen und gebundenen (!) Büchlein, das mit "Perfektion Boxster" betitelt ist und einem nach erfolgter Probefahrt nicht ohne Stolz überreicht wird
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13.10.2003 11:46
Muss zugeben, dass mir der Audi RS 4 immer noch lieber wäre: Viele PS, verdammt schnell und dabei auch noch herrlich praktisch...aber so bin ich eben...kann nie die rpaktische Seite unter den teppich kehren*gg*
20.08.2003 19:12
Weißte Hubbie, als ich jünger war, habe ich mir in meinen Cabrios so viele Mandelentzündungen weg geholt, daß ich es heute eigentlich etwas komfortabler liebe. ;-) LG, Achim
20.08.2003 18:44
Poorschefan und BMW-Fahrer - du hast nen brauchbaren Autogeschmack. Und einen hervorragenden Schreibstil. Danke für den Bericht. Bezeichne den Boxster zwar gerne als "Poor mans Porsche", aber nehmen würd ich ihn trotzdem.. Ciao, mosiris