Erfahrungsbericht über

Porsche Boxster

Gesamtbewertung (96): Gesamtbewertung Porsche Boxster

 

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Leben nach der Barchetta, Teil 3: Boxster 2,7

2  20.08.2004

Pro:
Fahrwerk, Sicherheit, Prestige

Kontra:
Fahrleistungen, Interieur, Sitze, Preis, Aufpreise

Empfehlenswert: Nein 

Disastamasta

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:14

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Man kann's auch Übertreiben...

Aber das Leben ist bekanntermaßen kurz und einen Porsche wollte ich schon mal gefahren haben, auch wenn er wahrscheinlich zumindest für die nächsten Jahre außerhalb meiner finanziellen Reichweite bleibt (und wer weiß ob wir in wenigen Jahren bei der anhaltenden Wirtschaftkrise überhaupt noch Auto fahren werden).

Es geschah dies auch zu jener Zeit als meine Barchetta in die Jahre kam, im Winter / Frühjahr 2002. Ich lieh mir die Kreditkarten meiner Mutter und fuchtelte ein wenig damit vor dem örtlichen Porsche-Blockwart herum. Im Gegensatz zum BMW-Dealer (siehe mein Z3-Testbericht) reichte ihm meine sicherlich beeindruckende Visitenkarte nicht aus.

Der Freundliche: (mit Zahnpastalächeln) "Aber länger als eine Stunde können wir Ihnen den Wagen nicht überlassen!"

Ups...!

Wie war das noch beim BMW?

Naja, wie auch immer. Es ist im Leben eines jungen Mannes enorm wichtig, daß er bestimmte Erfahrungen macht. Auch die schlechten. Bitte Platz nehmen im Porsche Boxster 2,7!

PLATZANGEBOT und INNENRAUM

Dass das Zündschloß linkerhand des Fahrers sitzt, gehört zur Allgemeinbildung. Le Mans, 24-Stunden-Rennen (angestrebt: die Fuhre anlassen und GLEICHZEITIG den Gang `reinwürgen), aber: was sonst? Erste Feststellung: Beinraum so lala, Sitze: EINE KATASTROPHE!!! Meine bulligen 95 kg auf 187 cm - mit einem Brustumfang von ca. 120 cm - in diese "Spargelkörbchen" zu zwängen war von der ersten Minute an unangenehm. Nun, sehen wir darüber hinweg daß ich mit diesen Sitzen sicherlich alles Mögliche hätte anstellen können, außer länger als eine Stunde in ihnen zu sitzen, und werfen wir einen Blick über das Interieur. Armaturen grauenvoll, diese Schachtelei, Hartplastik in öden Grau, alles lieblos und billig. 50.000 Euronen, oder was? Allein der verchromte Schaltknauf setzt einen Akzent in diesem tristen Ambiente. Wenn Porsche sportliche Autos baut, dann sicherlich mit dem Zweck, daß der Fahrer sich auf das konzentriert, was um den Wagen herum passiert, nämlich auf der Straße, und dabei das Innenleben geflissentlich ignoriert. Ogottogottogottogott diese Instrumente!!! Daß die Geschwindigkeit neben dem "Schachtelhalbkreis" noch digital angezeigt wird, macht die Sache nicht besser, zumal das Ganze bei entsprechender Sonneneinstrahlung auch noch schlecht ablesbar ist. Schöne, klassische Rundinstrumente, chromumrandet wie bei BMW und Mazda, oder wenigstens solche "Motorradarmaturen" wie bei den Italienern! Aber die zweifelhafte neue Porsche-Lösung verbreitet selbst bei viel gutem Willen keinen Flair. Aber wir wollen ja schließlich nicht nur mäkeln, und um den positiven Eigenschaften des Wagens auf den Zahn fühlen zu können, ist eines unerläßlich, nämlich das

FAHREN.

Die Betätigung des Anlassers offenbart nichts aufregendes, der Sechender-Boxer ist im Leerlauf ruhig, kultiviert und handzahm. Auch das Treffen des optimalen Punktes beim Gasgeben und Einkuppeln gelingt schon bei der ersten Kontaktaufnahme ohne Fehl und Tadel und der exclusive Wagen setzt sich ohne Ruckeln in Fahrt. Die ersten Kilometer gibt es wenig aufregendes zu berichten, die von mir bei Probefahrten grundsätzlich respektierte "Warmfahrphase" des Motors wird mit einer Schaltdrehzahl zwischen 2500 und 3000 U/min eingehalten. Mehr ist auch nicht nötig, es geht zunächst durch die City in Richtung Autobahn. Der Motorlauf ist ungemein kultiviert und vibrationsfrei, fast mehr noch als bei den Reihensixpacks der bayrischen Konkurrenz. Doch damit hat sich's auch schon mit den Vorzügen eines Porsche-Motors.

Nach gut 10 km ab auf die Autobahn! Der Freudenschrei beim Niedertreten des Gaspedals verebbt bereits nach wenigen Sekunden. Die Leistungscharakteristik DIESES Porsche-Motors ist fürwahr etwas besonderes: zwischen Leerlaufdrehzahl und ca. 4500 U/min kommt...nichts. Darüber stellt sich so eine Art von Drehmomentchen ein, dessen milder Vorschub durch die furiose Soundorgie, die der Motor in diesen hohen Drehzahlsphären abgibt, gefühlsmäßig etwas verstärkt wird. "Viel Lärm um nichts" ist hier am ehesten als Kommentar angebracht. Kein Witz: wer direkt nach der Fahrt in einem Porsche in einen Barchetta umsteigt, der 90 PS, einen Liter Hubraum und 100 Nm Drehmoment weniger zur Disposition stehen hat, wird sich im Barchetta zumindest in niedrigen Drehzahlsphären deutlich besser aufgehoben fühlen. Und der naheliegende Vergleich mit dem von mir gefahrenen Z3 3,0 i, endet in einer vernichtenden Niederlage für den Porsche. Vernichtend in jeder Lebenslage: egal ob anfahren, beschleunigen aus mittleren Drehzahlen, bummeln im hohen Gang oder aber Hochgeschwindigkeitsorgien: in absolut JEDER Lage fährt der BMW leistungsmäßig Kreise um den Zuffenhausener Roadster. Jammer, Jammer! Man denke an den Preisunterschied von (jeweils neu) 15.000 Euronen, bei vergleichbarer Ausstattung!

Bei Tacho 150 km/h legte der Boxster im 5. Gang moderat zu, bei 210 wurde es dann vollends zäh, und selbst bei kilometerlanger Vollgasfahrt war es mir nicht möglich, die Tachonadel über 240 zu treiben - wohlgemerkt mit geschlossenem Verdeck bei einer Außentemperatur von unter 10°C! Relativieren wir das Ganze, können wir feststellen, daß die Leistung für den Alltag mehr als ausreicht, den Boxster aber nicht als Sportwagen qualifizieren und ihn schon gar nicht souverän wirken lassen.

Das mit dem "Sportwagen" und dem "souverän" sollte ja dann zumindest das

FAHRWERK

auf die Reihe bekommen, schließlich ist Porsche dafür bekannt, wundervolle Fahrwerke zu bauen, also ´runter von der Autostrada und ab auf die Landstraße. Und um es vorweg zu nehmen: der EINE Faktor trifft schon mal voll und ganz zu: denn souverän ist das edle Stück. Da quietscht nix, da ziept nix, da zerrt nix, weder an der Hinterachse noch sonstwo, wie auf Schienen schießt der Boxster ums Eck und erweckt auch in eher zurückhaltenen Fahrernaturen den Sportler. Mit 80 in die Haarnadelkurve? Null Problemo, es findet weder Unter- noch Übersteuern statt. Und hier gleich wieder die Kehrseite der schönen Medaille: bei 90 findet auch kein Übersteuern statt, und wenn man bei dieser Geschwindigkeit im 2. Gang so richtig ins Kreuz semmelt, auch nicht. Keine Ahnung was los war, jedenfalls war am Ende der Fahrt keine einzige tote Mücke an den Seitenscheiben zu sehen. Naja, vielleicht lag's auch an der frühen Jahreszeit. Mit Sicherheit gibt's bessere Fahrer als mich, aber ich denke, man muß es schon brutal darauf anlegen, die Hinterhand des Boxster zu einem Wackler zu überreden, vielleicht haut's bei nasser Straße besser hin. Aber wem macht das Asphaltaufreißen bei schlechtem Wetter schon Spaß? Also, Auto für Warmduscher oder was?

Sieht ganz so aus. Mit Porsche verband man früher harte Arbeit am Volant, um heute allerdings Porsche fahren zu können, braucht's wohl nur noch Geld. Ist ja nicht verkehrt, wenn man sich als erfahrener Pilot auf den Straßen umschaut und sieht, wie viele, naja vorsichtig ausgedrückt, Stümper am Lenkrad unterwegs sind, die nicht einmal Ahnung davon haben, wie man im Kreisverkehr den Blinker richtig setzen muss, geschweige denn, Grundkenntnisse in Fahrphysik haben. Porsche fahren kann heute wirklich jeder, der sich's auch leisten kann...

Sicher, komfortabel und schnell, und wirklich für hohe Kurvengeschwindigkeiten gut, und das ohne Zickigkeiten und Allüren, das darf man vom Boxster erwarten und wird nicht enttäuscht. Nur, ganz ehrlich: so richtig dreckigen Spaß macht das nie.

UND SONST?

Das Verdeck funktioniert einwandfrei, ist sauber verarbeitet und mit der Klappe optimal geschützt bei Öffnung des Daches. Der zur Verfügung stehende Stauraum verteilt sich dank des Mittelmotorkonzeptes auf 2 Fächer, von denen jedes ein Fassungsvermögen von etwa 130 L aufweist. Zusammen ausreichend, einzeln für Sperriges leider zu klein. Das Außendesign versucht vieles, was innen vermurkst wurde, wieder Wett zu machen und in Silbermetallic oder aber auch dunkelblau (dann vorzugsweise mit Innenraum Leder creme) macht die Fuhre auch einen schönen, edlen Eindruck, sieht man von den "verlaufene-Spiegeleier"-Scheinwerfern mal ab. Das Heck ist designmäßig weitaus gelungener. Die Studie war allerdings aus jeder Perspektive schöner. Die Ausstattung ist ein weiteres trauriges Kapitel für sich, für die aufgerufenen ca. 42.000 Euronen Basispreis war seinerzeit (2002) weder Klima noch ein anständiges Soundsystem an Bord, also, noch mal rund 7.000 Öcken draufgesattelt, womit wir schon bei knappen 50.000 angelangt wären. Soll's der hoffentlich motormäßig besser im Futter stehende S sein, sind noch einmal rund 7.000 Euro fällig. Und, wenn man sich dieses Auto zulegen möchte, sollte es der schon mindestens sein. Der Verbrauch ist angesichts der laut Datenblatt zur Disposition stehenden Motordimensionen "tolerabel", der Bordkompi spuckte 11,7 L Premium Superplus aus. Angesichts der tatsächlich vorhandenen Leistung ist er allerdings zu hoch, auch das kann BMW wesentlich besser. Und gleich als Nachsatz: nein, ich bin nicht mit angezogener Handbremse unterwegs gewesen. Die Kaskos schlagen bei Porsche traditionell zu, der "normale" Boxster indes ist zwar teuer, hält sich aber im Gegensatz zu allen anderen Brüdern seiner Familie aber in Grenzen.

FAZIT:

Der Porsche erfüllt in fast keinem Bereich, abgesehen von Sicherheit des Fahrwerkes, die Ansprüche, die ich an eine 50.000-Eurodollar-Fahrmaschine stelle. Zieht man einen Basispreis von etwa 30.000 Euro ins Kalkül, würde man ein leidlich gutes, sportliches Auto erwerben, doch bei den tatsächlichen Preisen und Unterhaltungskosten (Werkstatt etc.) bleibt mir dieses Urteil nicht erspart: Sorry an Porsche und alle seine Fans, aber:

DREI DAUMEN `RUNTER!

So, und damit bin ich am Ende dieser traurigen Geschichte über einen durchschnittlichen Roadster, der gerne ein Premium-Sportwagen wäre, angelangt, und obwohl die Geschichte so traurig endet, würde ich mich doch über Kommentare freuen. Dann gibt's auch demnächst wieder neue Testberichte... ;-)

Ciao, Disastamasta


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
tp202

tp202

04.05.2005 17:17

Vor einigen Jahren hatte ich auch mal eine Barchetta und nun in Kürze wieder in der selben Farbe einen Boxster. Dein Bericht gibt mir etwas zu denken, aber mal sehen..

rawkings

rawkings

29.09.2004 03:11

Der Bericht ist gut, aber dass sich ein FIAT BARCHETTA Fahrer anmaßt auch nur im geringsten einen PORSCHE BOXSTER zu kritisieren, bzw. diesem mit einem FIAT zu vergleichen - soweit ich weiss haben alle Barchetta-designer Selbstmord begangen, die die übrig sind fahren einen MULTIPLA. Aber dennoch; der Boxster verdient den Namen Porsche wirklich kaum.

BIGTHEOS

BIGTHEOS

03.09.2004 12:54

Kein Kommentar...weil.....BMW - Fan.!!

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