Prachtschmerlen
12.01.2007
Pro:
lebhaft, schön anzuschauen, langlebig, interessant, vertilgen Schnecken
Kontra:
teuer in der Anschaffung - sonst nichts
Empfehlenswert:
Ja
 bjlghs
Über sich:
Frühling lässt sein blaues Band wieder .....Lest doch mal bei meinen Vertrauten, was es Neues gibt. ...
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Die Prachtschmerle, die schon 1935 in Europa erstmals eingeführt wurde, gehört heute zu den sehr beliebten Aquarienfischen, weil sie im normalen Gesellschaftsbecken recht problemlos zu halten ist und durch ihre lebhafte und ab und an lustige Bewegungsweise lustig anzuschauen ist. Sie wird gelegentlich auch Clownsschmerle genannt, was zuvor Geschriebenes nur unterstreicht. Auch ihr auffälliges Äußeres ist für viele Aquarianer attraktiv. Der lateinische Name dieses hübschen Fisches lautet botia macracanthus. Sie gehört zur Familie cobitidae und der Unterfamilie botiinae, also der Schmerlen (wozu auch sonst). G l i e d e r u n g
Aussehen Eigenschaften Herkunft Soziales Verhalten Ernährung Haltebedingungen Zucht (siehe Herkunft) Preise Literatur und Links A u s s e h e n
Prachtschmerlen werden durch die Farben orange und schwarz, manchmal auch antrazit bzw. verwaschenes schwarz geprägt. Prachtschmerlen sind senkrecht gestreift, wie schon gesagt orange und schwarz, und sie haben einen länglichen nach vorne hin spitz zulaufenden Körperbau. Man kann auch sagen, sie haben eine orange Farbe, die durch am Rücken breite, nach unten hin sich verjüngende schwarze Streifen (siehe Fotos) aufweist. Die Schwanzflosse ist stark gegabelt und meist hellorange/rot gefärbt. In aller Regel geht einer der genannten schwarzen Streifen vom Nacken bis über die Augen. Die Bauchflossen sind oft strahlend rot und leuchten, wenn Licht hindurch scheint. Die Rückenflosse ist oft schwarz gefärbt, wie ab und an auch die Bauchflossen. Der Kopf verläuft nach vorn hin rüsselartig, was insbesondere für bestimmte Speisen der Prachtschmerlen durchaus von Vorteil ist, doch dazu später mehr.
Prachtschmerlen werden in der Natur bis zu 30 cm lang, aber in der Gefangenschaft unserer Aquarien erreichen sie meist nur Längen zwischen 8 und 18 cm, wobei 18 cm in einem 300 Liter-Becken aus so einem großen Burschen einen durchaus sehenswerten, aber auch dominanten Fisch machen. Geschlechtsmerkmale sind nicht signifikant ausgeprägt, so dass man Männchen und Weibchen kaum auseinander halten kann. Man sagt zwar, dass Männchen einen stärker gewölbten Rücken haben sollen als die Weibchen, aber sicheres Erkennen ist selbst für den Schmerlen-Fachmann immer auch mit einer Fehlerquote versehen. Man sollte also einem Verkäufer auf keinen Fall trauen, der aus einer sich bewegenden "Schmerlenherde" ein Paar herausfangen können will.
E i g e n s c h a f t e n Prachtschmerlen haben, so mein bisheriger Eindruck in den Aquarien, die ich gepflegt habe, wenig Angst auch vor deutlich größeren Fischen und neigen immer wieder dazu, auch an größeren Fischen ein bisschen herumzuzupfen. Da ist nichts Gefährliches für andere Fische und sieht oft aus, als wenn die Schmerlen andere Fische necken wollen. Da Tiere solche menschlichen Eigenschaften in aller Regel nicht in ihren Genen haben, wird es wohl ein durchaus für die natürliche Umgebung
Bilder von Prachtschmerlen (Botia macracanthus)
der Schmerlen notwendiges Verhalten sein, aber ich habe noch keine Hinweise in der entsprechenden Literatur gefunden, die erklären konnte, warum das so ist.
Prachtschmerlen sind recht schwimmfreudige Fische, die aber auch minutenlang irgendwo faul herumliegen können. Ich habe nicht nur einmal von meinen Sohn gehört, da läge eine tote Prachtschmerle auf dem Rücken, die dann aber beim Näher kommen sich langsam wieder drehte, um in aller Ruhe wieder zu schwimmen. Prachtschmerlen haben ihre Bewegungsräume meist in den mittleren und unteren Wasserschichten eines Beckens. Sie gründeln mit ihren spitzen Mäulern in jeder Art von Boden und durchsuchen alles, was am Boden herumliegt. Übrigens wachsen Prachtschmerlen sehr langsam, so dass einem Täglichbetrachter seiner Schmerlen dies oft kaum auffällt.
H e r k u n f t Prachtschmerlen haben ihren Ursprung in den kleinen und großen Gewässern des Urwaldes auf Borneo, auf Sumatra und Indonesien, wobei sie sowohl in stehenden als auch in fließenden Gewässern vorkommen. Bei den Einheimischen der genannten Regionen gelten Prachtschmerlen durchaus als Delikatesse, wobei sie dort fast so groß und kräftig werden, wie bei uns Bachforellen, und deshalb in den Kochgeschirren auch was her machen.
In den genannten Ursprungsländern werden diese prächtigen Fische meist klein gefangen und nach Europa und zu uns versandt. Da Prachtschmerlen durchaus empfindlich sind gegen sich ändernde Umgebungen (sie empfinden solche Umgebungsänderungen als puren Stress) sind solche langen Transport für viele Exemplare tödlich. Die Problematik von Wildfängen kennt jeder Aquarianer und heute sind ja auch die meisten Südamerikaner und Afrikaner als Nachzuchten bei uns erhältlich. Bei den Prachtschmerlen ist es bislang nicht gelungen, sie regelmäßig, geplant und ausreichend in der Zahl nachzuzüchten, so dass mann davon ausgehen muss, dass alle die Prachtschmerlen, die wir in unseren Zoogeschäften erwerben können, wild gefangen wurden.
In der vorliegenden Literatur wird immer wieder betont, dass es noch keine verlässliche Methode gibt, diese herrlichen Fische gezielt nachzuziehen. Man liest zwar immer wieder mal von Einzelfällen, in denen es gelungen ist, Nachwuchs in einem Aquarium zu erzielen, aber warum die Schmerlen dann gerade in diesem Becken, will heißen bei diesen gegebenen Umständen gelaicht haben, lässt sich in aller Regel nicht erklären und schon gar nicht auf andere Becken übertragen. S o z i a l e s V e r h a l t e n
Prachtschmerlen sind recht lebhafte Tiere, die möglichst viel Platz brauchen und deshalb für kleinere Becken ungeeignet sind. Sie leben immer in kleinen Schwärmen und ziehen meist mit ihren Artgenossen gemeinsam durch ihr "Glashaus". Aggressives Verhalten gegenüber anderen Fischen oder auch den Artgenossen konnte ich in der langen Zeit meines Aquarianerdaseins nicht feststellen und habe auch von anderen diesbezüglich nichts gehört. Die Prachtschmerle ist ein Schwarmfisch und man sollte deshalb immer mehrere Exemplare als kleinen oder auch größeren Trupp im Becken halten. Es ist eine wahre Pracht, wenn so ein Schwarm von sechs, sieben Schmerlen gemeinsam und durcheinander schwimmend durchs Becken zieht.
Trotz ihrer lustigen Bewegungsform und der erkennbaren Schwimmfreude brauchen Prachtschmerlen Verstecke und dichte Pflanzen, um sich aus dem Trubel eines Gemeinschaftsbeckens zurückziehen zu können. Man sollte also stets Höhlen z.B. in lockeren Steinhaufen, verschachtelte Wurzeln und / oder dickes Blattwerk im Becken haben, um das Wohlbefinden der Prachtschmerlen zu erhalten. In einigen Berichten zu diesen schönen Pfleglingen wird berichtet, dass Schwärme ein Leittier haben, dass die anderen, wenn diese in einer Höhle sind, bewacht und die Artgenossen warnt, wenn Gefahr aufzieht. Auch ich habe schon beobachten können, dass sich mein kleiner Trupp (in aller Regel waren es 5-6 Schmerlen) an einer der größeren Exemplare orientierte, wenn sie gemeinsam durchs Becken ziehen. Knacklaute, die man immer wieder im Aquarium hören kann, stammen von den Schmerlen, die sich wohl mit diesen Knacklauten auch informieren bzw. warnen. Die Schmerlen gehören jedenfalls mit dem geschilderten Verhaltensweisen offensichtlich zu den intelligenteren Fischen.
E r n ä h r u n g Prachtschmerlen gehören nach meinen Erfahrungen zu den Allesfressern. Ich füttere meist großes Flockenfutter, ab und an mal gefriergetrocknete rote Mückenlarven, lebende Wasserflöhe (wenn es sie gibt), selten Tubifex und selten auch mal Grünfutter in getrockneter Form (zerkleinerte, getrocknete Pflanzenkost).
Aber wenn ich zum Beispiel lebende weiße Mückenlarven ins Becken gebe, ist der Prachtschmerlenschwarz heftig dabei gewesen, die zuckenden, hellen, fast durchsichtigen Mückenlarven zu verputzen. Gleiches gilt für Wasserflöhe. Die Tiere gewöhnen sich recht schnell an die fütternde Hand und knabbern nach einiger Zeit der Vertrauensbildung durchaus auch mal am Finger, wenn man ihn ins Wasser hält. Viele Händler preisen Prachtschmerlen als Schneckenvernichter an, was grundsätzlich nicht falsch ist. Falsch wäre, sie als ausschließlich schneckenfressend nicht mit ausreichend abwechselnder Nahrung zu versehen. Dann verkümmern diese herrlichen Fische sehr schnell und gehen ein. Der spitz zulaufende Kopf der Schmerle ermöglicht es ihr, auch in kleine Schneckenhauseingänge zu gelangen und die Schnecken zum Fressen heraus zu holen. Und in der Tat sollte man selbst Apfelschnecken nicht in ein Becken mit Schmerlen setzen, denn selbst diese größeren Schnecken werden dann zu teuren Lebendfutter für unsere Pfleglinge. Eine vielseitige Ernährung ist also durchaus notwendig, um Freude daran zu haben. Prachtschmerlen sind also keine Anfängerfische.
Auch vom Verfüttern von roter Paprika in kleinen Fetzen habe ich in der Literatur schon gelesen und auch, dass Prachtschmerlen vorrangig rotes Futter lieben, was ich angesichts des sichtbaren Fresswahns meiner Exemplare, wenn es fast durchsichtige lebende Mückenlarven gab, kaum glauben kann. H a l t e b e d i n g u n g e n
Wie schon gesagt sollte man seinen Trupp (mindestens 4-5 Exemplare) nur in einem Becken ab 250 bis 300 Liter Inhalt pflegen. Die Fische brauchen viel Schwimmraum und eben auch etliche, möglichst unterschiedliche Verstecke bzw. Höhlen, wie oben ja bereits ausführlich beschrieben wurde. Die empfohlene Wasserhärte ist angesagt zwischen 5 und 7,5, was aber auch heißt, dass sie an das Wasser keine überspitzten Forderungen stellen. Auch in der Wassertemperatur sind die Schmerlen durchaus nicht so "wählerisch". Man sagt, dass diese Art sich zwischen 24 und dreißig Grad wohl fühlt. Nur eben nicht drüber und auch nicht drunter.
An die Bodenbeschaffenheit stellen Prachtschmerlen zwar keine besonderen Ansprüche. Sie wühlen mit ihren spitzen Mäulern aber lieber in weicheren sprich feinkörnigeren Bodenbelägen, als in grobem Kies. Sand und feiner Kies sind also durchaus richtige Bodenbelege für die Prachtschmerlen. Wenn die Umfeldbedingungen stimmen und die Ernährung nicht zu einseitig durchgeführt wird, danken dies die schönen Fische durch hohes Alter. Prachtschmerlen können bis zu 20 Jahre alt werden und auch von einigen noch älter gewordenen Exemplaren konnte man schon lesen. Meine persönlich älteste Prachtschmerle erreichte zwar nur 12 1/ 2 Jahre bei mir (ich schätze, sie war bereits älter als ein Jahr, als sie zu mir kam), aber auch das ist schon ein ganz ordentliches Alter für einen so kleinen Fisch.
Prachtschmerlen eignen sich nach meinen Erfahrungen sehr wohl für ein Gesellschaftsbecken, wenn dieses nicht so eng besetzt und groß genug ist. Sie sind in aller Regel nicht aggressiv und verträglich mit größeren wie auch mit deutlich kleineren Fischen. Sie zupfen gern an anderen Fischen und auch an langfädigen Pflanzen, wie ich beobachten konnte. P r e i s e
Die Preise für Prachtschmerlen sind zum Teil recht happig. Ich habe als bislang günstigsten Preis 6,95 Euro für eine Schmerle hingelegt, was aber auch von der Größe abhängt. Wer eine kleine bis 8 cm lange Schmerle erwerben will, sollte auf keinen Fall mehr als 8 Euro aufgeben müssen. Wer allerdings Exemplare von 10 und mehr Zentimetern kaufen will, muss schon wesentlich tiefer in die Tasche greifen. Mir sind auch schon Preise jenseits der 50 Euro für besonders große und kräftige Exemplare zu Augen gekommen. Ich persönlich finde die sehr großen Exemplare deshalb nur bedingt erstrebenswert, weil die schöne Färbung an Deutlichkeit bei größeren Exemplaren oft abnimmt und blasser wird.
L i t e r a t u r u n d L i n k s Schliewen, Ulrich: Wasserwelt Aquarium, Gondrom Verlag GmbH, Bindlach, 2001 Stadelmann, Peter: Das Aquarium, Gräfe und Unzer GmbH, München, 1990 Gernhard, Klaus; Schmidt Jürgen, 1999, Prachtschmerlen, Bede-Verlag, 80 S. ISBN 3-933-646-48-0 Riehl, Rüdiger; Baensch, Hans A., 1991, Aquarienatlas, Mergus, Verl. für Natur- u. Heimtierkunde, 992 S. ISBN 3-88244-017-1
http://www.prachtschmerlen.de/ www.drta-archiv.de www.sc hmerlen.de www.zierfischverzeichnis.de F a z i t
Wer schon ein wenig Erfahrungen mit der Haltung von Zierfischen hat und ein Becken sein Eigen nennt, dass mindestens 250 bis 300 Liter Inhalt aufweist, der sollte sich einmal mit diesen schön anzuschauenden und lebhaften Tieren beschäftigen. Der Kauf will gut überlegt sein, denn erstens kostet der Spaß durchaus eine erhebliche Summe (5-6 Fische a ca. 7-9 Euro) und außerdem brauchen die Fische ausreichend Schwimmplatz. Sie lieben zu eng besetzte Becken gar nicht, fressen alle Schnecken eines Beckens in relativ kurzer Zeit auf und sind mit ihren Kapriolen im Becken immer für lustige Momente gut. Ein Gesellschaftsbecken in erforderlicher Größe ohne Prachtschmerlen kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. Ich hatte in meinen großen Becken immer solche Pfleglinge und stets Freude daran. Deshalb bekommen diese erlebenswerten Gesellen 5 Punkte von mir.
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07.08.2008 17:57
Endlich ein fundierter Bericht über die Prachtschmerle! Ich halte selbst einen Trupp von 5 Tieren! LG Sabine
12.02.2007 17:27
Sehr informatver Bericht . Trollige Grüße
30.01.2007 15:07
Die hatte ich auch früher mal. Habe aber seit fast 5 Jahren jetzt ein Malawibarschbecken. So aktive Fische und Freude hatte ich mit noch keinem Gesellschaftsbecken. LG Birgit