Hallo meine lieben Leserinnen und Leser!
Anfang 2004 – Das Abitur rückte in greifbare Nähe und immer dringlicher stellte sich für mich die Frage: „Was kommt danach?“. Schon immer haben die Medien eine große Faszination auf mich ausgeübt und ich wusste, dass ich etwas in diese Richtung machen möchte. Zwischen dem Ende der Schulzeit und dem Studium lagen ca. 3 Monate und da ich diese effektiv nutzen wollte, beschloss ich, mich für ein Praktikum zu bewerben.
VORARBEIT
Zuerst muss man sich natürlich klar darüber werden, in welchem Bereich des Journalismus man ein Praktikum machen möchte. Möglichkeiten gibt es schließlich massig: von der kleinen Lokalredaktion einer Zeitung bis zur Nachrichtenredaktion beim Fernsehen. Ich war mir schnell sicher, dass ich meine ersten Erfahrungen beim Radio sammeln möchte. Dieses Medium war für mich am interessantesten und deswegen fiel die Entscheidung nicht schwer.
Zuerst braucht man natürlich einige Adressen bei denen man sich bewerben kann oder natürlich Stellenanzeigen, auf die man antwortet. Diese Vorarbeit habe ich komplett per Internet bewältigt. Auf einigen Seiten findet man Anzeigen, in denen Praktikanten gesucht werden, ich habe jedoch hauptsächlich Initiativbewerbungen abgeschickt. Bei welchen Betrieben man sich bewirbt muss jeder nach seinem Interesse entscheiden, ich muss jedoch gestehen, dass ich recht hoch gepokert habe und mich nur bei großen Sendern beworben habe, in der Hoffnung einen Platz zu bekommen. Bevor ihr euch bewerbt, solltet ihr darauf achten, dass ihr einen Ansprechpartner für die Bewerbung findet, denn es kommt gut an, wenn man diesen direkt anschreibt. Des weiteren sollte man sich auch nicht scheuen bei möglichen Fragen bei diesem anzurufen - die meisten sind da sehr hilfsbereit und geben Auskunft.
DIE BEWERBUNG
Da ich mich während meiner Schulzeit nirgendwo beworben hatte, war ich zuerst ziemlich hilflos, was das Bewerbungsschreiben anging. Meine Hoffnung legte ich in ein Buch mit dem Titel „Das Praktikum im Journalismus“, was mir jedoch in diesem Punkt nur teilweise eine Hilfe war. Also habe ich auf eigene Faust eine Bewerbung verfasst, aber war damit ganz und gar nicht zufrieden und habe um professionelle Hilfe bebeten. An dieser Stelle muss ich ein großes Dankeschön an eine meiner Vertrauten schicken, denn dank ihrer Hilfe ist eine schöne Bewerbung zusammen gekommen und ich habe schon im Voraus eine Menge nützlicher Tipps bekommen.
Wichtig ist, dass man keine langweilige 08-15 Bewerbung schreibt, denn in den Medien ist Kreativität gern gesehen. Also ruhig etwas Mut zur ungewöhnlichen Eigenwerbung haben, ohne zu übertreiben. Ein nettes Deckblatt, ein kreatives Anschreiben und ein lückenloser Lebenslauf sind schon mal eine gute Vorraussetzung. Des weiteren werden bei vielen Redaktionen gerne Arbeitsproben gesehen, die jedoch nicht unbedingt dabei sein müssen. Hilfreich, um auf sich aufmerksam zu machen, sind solche Zugaben aber sicherlich. Dann noch eine Kopie des letzten Zeugnisses und – noch wichtiger – Bescheinigungen oder Zeugnisse von früheren journalistischen Erfahrungen. Dies hatte ich leider bei meiner Bewerbung nicht, denn dieses Praktikum sollte mein erstes sein, aber ich kann euch trösten – es gibt eine Menge Arbeitgeber, die auch unerfahrenen Leuten eine Stelle geben. Das alles noch nett verpackt und ab die Post.
Im Nachhinein hat mir meine Betreuerin gesagt, wie wichtig ihnen die Bewerbung gewesen ist. Sie meinte, dass man schon die meisten aussortieren konnte, weil sie unordentlich waren oder verschmiert und was man sonst noch so verbocken kann. Also, wenn ihr euch bewerbt, dann achtet besonders auf einen guten ersten Eindruck, denn der ist manchmal wichtiger, als man sich vielleicht vorstellen kann!
WARTEN AUF NEUIGKEITEN
Wenn erst mal die Bewerbungen abgeschickt sind, dann heißt es warten, warten, warten. Die Zeit, bis die ersten Reaktionen kamen, war für mich echt schrecklich. Nicht zu wissen, ob und wo man etwas bekommt, fand ich ziemlich nervig, aber es hat nicht lange gedauert, da kam die erste Post. Leider waren nur Absagen dabei, denn die meisten Sender, bei denen ich mich beworben hatte, hatten schon Praktikanten für diesen Zeitraum. Wieder ein Punkt, der sehr wichtig ist – man sollte sich früh genug bewerben! Ich hatte die Bewerbungen Anfang Februar abgeschickt und wollte am 1.7. beginnen. Bei vielen war ich wie gesagt zu spät dran, denn manche Plätze sind so beliebt, dass man sich ca. ein Jahr vorher bewerben sollte. Das ist eigentlich jedoch eher selten, aber ca. ein halbes Jahr früher sollte man schon beginnen.
Wenn man allerdings auf eine Anzeige antwortet, dann kann man meistens auch etwas kurzfristig bekommen. Glücklicherweise kamen dann aber auch einige Zusagen. Ich habe mich bei 11 Sendern beworben und 3 haben mich zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Der Sender, wo ich letztendlich gelandet bin, hatte mir zuletzt geschrieben und ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, aber letztendlich hat es dann doch geklappt. Die Bewerbungsgespräche sind alle recht gut gelaufen, zu zweien bin ich persönlich hingefahren und das dritte (bei meinem Sender) hatte ich wegen der großen Entfernung per Telefon.
DAS BEWERBUNGSGESPRÄCH
Auch dieser Punkt ist recht wichtig, denn man muss sich auch hier gut präsentieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Praktikumsstellen in diesem Bereich sind wie gesagt beliebt und man ist meistens nicht der einzige Bewerber. Ich kann jetzt nur fürs Radio sprechen, aber hier könnt ihr euch auf Fragen einstellen, die zum einen den Sender betreffen, z.B. wie er bei der letzten Media-Analyse abschnitten hat
Bilder von Praktikum im Journalismus
(findet man im Internet) oder ähnliches, zum anderen aber auch über eure persönliche Mediennutzung. Ich bin bei einem Sender zum Beispiel nach meiner Lieblingsmusik gefragt worden.
Kleidungstechnisch würde ich sagen, dass man sich nicht zu sehr auftackeln sollte, denn bei den Sendern, wo ich gewesen bin, sahen alle ziemlich „normal“ aus. Wenn man ein bisschen über den Sender bzw. die Firma Bescheid weiß, dann kann man recht locker in dieses Gespräch gehen. Wichtig jedoch ist zu wissen, dass man für viele Sender auf die Straße gehen muss, um Leute zu interviewen. Hier muss natürlich die Bereitschaft da sein, ansonsten braucht man sich meistens keine Hoffnungen zu machen.
Letztendlich hatte ich zwei Zusagen, bei einem Sender hatte es nicht geklappt und letztendlich entschied ich mich für den hohen Norden, da das mein bevorzugtes Gebiet gewesen ist. Und am 1.7. sollte es also los gehen und ich war ziemlich gespannt, was mich erwarten würde.
MEIN PRAKTIKUM
· ARBEITSBEREICHE
Als ich mein Praktikum begonnen habe, war ich ziemlich neugierig, was mich erwarten würde, denn eine richtige Vorstellung hatte ich ehrlich gesagt nicht. Die anfängliche Aufregung war jedoch ziemlich schnell vergessen, denn neben mir hatten noch 5 andere Praktikanten ihren ersten Arbeitstag. Zuerst wurden wir herumgeführt und uns wurde alles gezeigt. Danach konnten wir auch ziemlich schnell mit der Arbeit beginnen, denn wir wurden den Vorgängerpraktikanten zugeteilt, die uns eingearbeitet haben.
Die Arbeitszeiten der Praktikanten bei meinem Sender waren in Schichten aufgeteilt, die jeweils eine Woche dauerten. Die frühste Schicht ging um 6.30 Uhr los, die späteste um 14 Uhr. Die anderen fingen entweder um 8 oder um 10 Uhr an. Meistens musste man 5 Tage am Stück (manchmal auch mehr) jeweils ca. 8 Stunden am Tag arbeiten. Die Arbeitszeit hat jedoch sehr variiert, denn manchmal konnte man früher gehen, manchmal musste man jedoch auch später kommen usw. Besonders bei Außenterminen mussten wir Praktikanten flexibel sein, darauf könnt ihr euch also auch einstellen!
Nun will ich noch etwas genauer auf meine Bereiche und die Aufgaben dort eingehen. Auch hier kann ich nur für meinen Sender sprechen.
- Musikredaktion
In der Musikredaktion habe ich sehr gerne gearbeitet, auch wenn die Schicht auf Dauer manchmal etwas langweilig wurde. Aufgaben waren hier zum Beispiel das Abhören zweier Konkurrenzsender (jeweils 2 Stunden am Tag) und die Auswertung in Statistiken. Zudem mussten jeden Tag die Musiknews geschrieben und ins Internet gestellt werden. Des weiteren wurde uns gezeigt, wie man Musik von CDs digitalisiert und wie das Musikprogramm geplant wird (was wir jedoch nicht selber gemacht haben). Natürlich gab es auch Aufgaben, die nicht so spaßig waren, wie z.B. Charts kopieren oder ähnliches. Als ich da war, haben wir das komplette Musikarchiv aufgeräumt, was eine Heidenarbeit war und sehr anstrengend, war aber auch interessant zu sehen, was für Schätze sich in dem Archiv befanden. Mit etwas Glück bekam man auch interessante Zusatzaufgaben, wie CD-Kritiken schreiben oder Interviews mit Stars machen. Leider war mir das nicht vergönnt, aber dennoch war dies eine sehr schöne Schicht.
- Serviceredaktion
In dieser Schicht habe ich am Hörertelefon gearbeitet, was meistens sehr lustig war, denn telefonieren macht bekanntlich ne Menge Spaß. Leider haben meistens nicht so viele Leute angerufen, so das es manchmal etwas langweilig wurde. Aber dagegen konnte man (zumindest zwei Mal pro Stunde) auch etwas tun. Man musste nämlich den Nachrichtensprechern unter die Arme greifen und ihnen die Verkehrsnachrichten, sowie das Wetter schreiben, was ich gerne gemacht habe. Wenn jedoch auf den Straßen nichts los war, war es auch hier tote Hose. Alles in allem eine interessante Schicht, weil man den Nachrichtenleuten über die Schulter schauen konnte – auf Dauer jedoch etwas langweilig.
- Redaktionen verschiedener Sendungen
Natürlich kann ich hier nur einen kleinen Einblick geben, denn es gab 5 verschiedene Sendungen, für die wir gearbeitet haben. Hier musste man eine ganze Menge machen. Bei einer Sendung zum Beispiel den täglichen Internet- und Veranstaltungstipp schreiben und dem Moderator schicken. Hierfür wurden auch öfters Telefoninterviews mit Leuten gemacht, die die vorgestellten Veranstaltungen organisiert haben. Diese Interviews waren meistens sehr lustig, denn man wusste nicht, was einen erwarten würde und meistens kamen schöne Ergebnisse dabei heraus. Natürlich mussten diese Beiträge, wie auch alle anderen Töne, die man geholt hat, geschnitten werden. Das haben wir mit einem speziellen Programm am Computer gemacht und das war, meiner Meinung nach, die tollste Aufgabe im Praktikum.
Außerdem wurde man bei einer Redaktion fast täglich in die Fußgängerzone geschickt, um Umfragen zu machen. Dabei hatten wir auch eine Menge Spaß, auch wenn es manchmal gar nicht so einfach war, gute Antworten aus den Leuten herauszukitzeln. Mein Highlight war jedoch, dass ich für eine Moderatorin einen Großteil der Moderationen für ihre Sendung schreiben durfte, denn da konnte ich gut testen, ob dies etwas für mich ist.
In diesem Bereich gab es natürlich noch viel mehr Aufgaben, aber das würde den Rahmen sprengen.
- Online-Redaktion
In diese Schicht wurde ich nicht eingeteilt, ich habe jedoch, wenn etwas Freiraum war, für die Online-Redaktion gearbeitet und deswegen auch hier einen Einblick bekommen. Man musste gewisse Bereiche der Internetseite betreuen und aktualisieren. Zum Beispiel den Veranstaltungskalender, verschiedene Gewinnspiele und die Umfragen. Hier konnte man auch selbst kreativ werden und sich beispielsweise Fragen fürs Gewinnspiel ausdenken. War zwischendurch ganz nett, aber da man, wenn man in diese Schicht eingeteilt war, meistens nicht so viel zu tun hatte, war ich froh, dass und nur ab und zu hier mitarbeiten musste.
- Besondere „Bonbons“
Zum einen gehören dazu natürlich die Interviews für die Musikredaktion, aber auch wenn man da kein Glück hatte, bekam man wo anders besondere Aufgaben. Ich durfte mit einem anderen Praktikant zum Beispiel zum Empfang einer erfolgreiche Sportlerin von Olympia und wir haben diese interviewt. Aufgaben dieser Art waren nicht selten und so haben andere zum Beispiel mit Uwe Seeler telefoniert, Sandy (Ex-No Angel) interviewt und vieles mehr.
Dies war ein kleiner Einblick in unsere Aufgaben, damit ihr einen Eindruck bekommt, wie mein Tagesablauf ausgesehen hat.
· MEINE EINDRÜCKE
- Positiv:
Ich kann schon jetzt sagen, dass die positiven Eindrücke deutlich überwiegen werden! Wenn ich im nachhinein auf meine Zeit beim Sender zurückblicke und mich jetzt auch im Studium mit anderen unterhalte, die ein Praktikum im journalistischen Bereich absolviert haben, muss ich sagen, dass ich ziemliches Glück gehabt habe.
Bei mir im Sender sind wir Praktikanten wunderbar aufgenommen und betreut worden, denn den Mitarbeitern war klar, dass dank unserer Mitwirkung ein Großteil des Programms gestaltet werden konnte. Zu Beginn des Praktikums haben wir eine dicke Mappe mit Infos über den Sender und unsere zukünftige Arbeit bekommen. Diese ist in Zusammenarbeit mit früheren Praktikanten entstanden und war sehr hilfreich bei der täglichen Arbeit. Immer wieder wurden wir mit Neuerungen versorgt, die wir dann in unserer Mappe abheften konnten. Dahinter hat eine Menge Arbeit gesteckt und auch wenn sich das vielleicht nach Schule anhört, bin ich begeistert davon gewesen, denn das gibt es meines Erachtens nicht oft.
Zudem hatten wir während der ersten 2 oder 3 Wochen Einführungen in die verschiedenen Bereiche. Uns wurden u.a. die technischen Dinge erklärt, die wir beachten müssen, wir wurden über die Sendergeschichte informiert und bekamen noch andere Infos. Auch hiervon bin ich sehr angetan gewesen, denn man hat sich nicht allein gelassen gefühlt, sondern konnte Fragen stellen und wurde gut betreut. Alles in allem muss man sagen, dass wir als Praktikanten sehr gut in die Abläufe des Senders integriert worden. Wir mussten den Redakteuren nicht nur über die Schulter schauen, sondern mussten selbstständig arbeiten, was mir sehr gut gefallen hat.
Auch das Betriebsklima war klasse. Wir haben alle gedutzt und man kam sich gleich akzeptiert vor. Natürlich kann man mit manchen Leuten besser und mit anderen nicht so gut, aber es sind alle ziemlich nett und hilfsbereit gewesen, so dass das Arbeiten Spaß gemacht hat. Mit manchen Moderatoren war es etwas schwer zu arbeiten, aber wir konnten ja oft Feedback abgeben und so hat sich die Zusammenarbeit auch mit der Zeit verbessert! Zudem waren die meisten sehr bemüht, uns (möglichst interessante) Arbeit zu beschaffen, dass wir nicht herumsitzen. Außerdem haben wir mit den Kollegen zwei sehr nette Partys gefeiert, die während dem Praktikum stattgefunden haben und die sehr nett waren.
Und ich bin noch immer nicht fertig mit meinen positiven Eindrücken. Was ich sehr toll fand war, dass wir Praktis unseren eigenen Arbeitsplatz hatten. Bei uns standen 5 Computer, 5 Telefone, ein Kopierer, Fächer für die Praktikanten und Fernseher sowie ein Radio. Da wir meistens jedoch mehr Leute waren, konnten wir auch andere nicht besetzte Arbeitsplätze nutzen. Unser abgetrennte Bereich war insofern sinnvoll, dass man noch unabhängiger arbeiten konnte und der Zusammenhalt zwischen den Praktikanten gefördert wurde.
Zwei weitere Punkte möchte ich noch nennen, dann höre ich auf, denn das sollte reichen, um zu zeigen, wie begeistert ich bin. Zum einen hatte der Sender einige Autos, die wir nutzen konnten, um zu den Außenterminen zu fahren. Auch hier war das Vertrauen in uns sehr groß, denn wir durften alle Autos ohne wenn und aber fahren. Am besten jedoch hat mir gefallen, dass sich verschiedene Moderatoren mehrmals die Woche ca. eine Stunde Zeit für ca. 4 bis 6 Leute von uns genommen haben. In dieser Zeit hatten wir sogenannte Airchecks in denen wir den Moderatoren unsere Moderationen bzw. Nachrichten vorgespielt haben, die wir vorher eingesprochen hatten. Hier haben wir viele wichtige Tipps bekommen, was Atmung und Aussprache betrifft, jedoch auch zur Art und Länge der Moderation. Das war wirklich eine große Hilfe und einer von uns wurde sogar entdeckt und spricht jetzt Nachrichten beim Sender.
Man sieht also, dass meine positiven Eindrücke alles andere übertreffen. Ich bin einfach begeistert von der Betreuung und der Art, wie wir behandelt worden, denn soweit ich weiß, ist das nicht selbstverständlich.
- Negativ:
Als negativen Punkt könnte man natürlich anführen, dass die meisten Praktikumstellen im Journalismus (auch meine) nicht bezahlt sind. Nun, das hat natürlich zwei Seiten. Einerseits waren die drei Monate für mich schon recht teuer, so ganz ohne Unterstützung vom Sender und da man 8 Stunden am Tag arbeitet, denkt man manchmal auch, dass man Geld verdient hätte. Andererseits sammelt man natürlich eine Menge Erfahrungen und ein Praktikum in dem Bereich ist zum Teil schwer zu bekommen, dass man froh darüber sein kann, wenn man eins hat. Auch wenn es kein Geld gibt! Und ein gutes Zeugnis hinterher ist sowieso unbezahlbar!
Ansonsten fand ich etwas negativ, dass wir meistens um die 13 Praktikanten waren. Manchmal war nicht genug Arbeit für alle da und es kam etwas Langeweile auf. Das war jedoch eher die Seltenheit, deswegen empfinde ich das nicht als wirklich negativ.
Uns wurde gesagt, dass einige Redakteursstellen abgebaut worden sind und dafür die Praktikantenzahl erhöht wurde. Dies ist natürlich auch von zwei Seiten zu betrachten. Einerseits hat der Sender durch die Praktikanten billige Arbeitskräfte, andererseits lernen die Praktikanten dadurch natürlich auch eine Menge, da sie die Arbeit der früheren Redakteure übernehmen. Auch ein Punkt, den man nicht eindeutig als negativ bezeichnen kann.
Ich habe die ganze Zeit überlegt, ob mir noch etwas anderes negatives einfällt, aber ich muss ganz ehrlich sagen – ich bin überfragt.
ZUM SCHLUSS
Als Abschluss meines Praktikums wurde mir ein Abschlussgespräch angeboten, was ich natürlich wahrgenommen habe. Dieses habe ich mit einer Redakteurin geführt, mit der wir Praktikanten ziemlich häufig zusammengearbeitet haben und die dadurch einiges von uns mitbekommen hat. Im ca. halbstündigen Abschlussgespräch war gegenseitiges Feedback gefragt. Ich durfte Kritik üben bzw. sagen, was mir besonders gut gefallen hat und sie wiederum hat mich beurteilt und mit mir über meine Chancen im Journalismus geredet. Dieses Gespräch hat mir eine Menge gebracht, denn ich habe so gelernt, wo eventuelle Schwächen liegen und wo meine Stärken sind. Dieses Gespräch war mir ziemlich wichtig, denn so konnte ich das Praktikum noch mal Revue passieren lassen. Zudem versprach sie mir ein Zeugnis, über das ich mich sehr freuen würde und das habe ich – als ich dieses zugesendet bekommen habe – auch wirklich!
Außerdem durften wir uns eine Demo-CD brennen, die ich nun eventuell für weitere Bewerbungen nutzen kann. Darauf befinden sich Nachrichten, die ich so geschnitten habe, wie sie im Radio klingen und einige Moderationen. Eine Arbeit, auf die ich sehr stolz bin und in der ich das gelernte umsetzen konnte.
ALLGEMEINE TIPPS
Während des Praktikums sind mir einige Dinge eingefallen, die manchen vielleicht etwas gefehlt haben, bzw. auf die man achten soll, damit ein Praktikum Spaß und Sinn macht. Hier möchte ich kurz darauf eingehen und vielleicht helfen euch diese Tipps auch etwas weiter?!
- Initiative zeigen: Wahrscheinlich einer der wichtigen Tipps, den man beachten sollte, denn ansonsten kann selbst ein toll organisiertes Praktikum in die Hose gehen. Ich habe es oft erlebt, dass manche rumgemeckert haben, dass sie nichts zu tun haben. Im journalistischen Bereich ist es aber oft so, dass man die Arbeit nicht nur zugeteilt bekommt, sondern sie sich beschaffen muss. Eigene Ideen waren bei meinem Sender immer willkommen und sind auch meistens verwirklicht worden. Also nicht scheuen und nach Arbeit fragen bzw. eigene Ideen einbringen!
- Schüchternheit abschalten: Falls ihr schüchtern seid, dann ist das entweder nicht der richtige Beruf für euch oder ihr müsst die Schüchternheit abschalten. Man muss grade beim Radio auf sehr viele Menschen zugehen und diese ansprechen und hier darf man nicht schüchtern sein, denn dann kann man hinterher keine sendefertigen Ergebnisse abliefern. Also versucht aus euch herauszugehen und genießt es, so viele Menschen kennenzulernen.
- Nicht alles hinnehmen: Auch wenn man Praktikant ist, man muss nicht alles machen. Das berühmte Kaffeekochen ist nur ein Beispiel. Bei uns kam das soweit ich weiß gar nicht vor, aber wenn es mal irgendwelche Probleme geben sollte, dann muss man das ansprechen und nicht in sich reinfressen. Wir haben ca. alle zwei Wochen eine Feedback-Runde gemacht mit allen Praktikanten und unseren Betreuerinnen, was meistens sehr hilfreich gewesen war. Und wenn wir konstruktive Vorschläge bzw. Kritik hatten, wurde diese auch berücksichtigt.
- Teamarbeit unterstützen: In unserer Redaktion hat alles auf Teamarbeit aufgebaut und ich denke, dass das auch in anderen journalistischen Bereichen der Fall ist. Wir waren meistens zu zweit um einen Auftrag zu erfüllen und mussten uns deswegen auch miteinander arrangieren. Wenn dann mal jemand dabei ist, dem das schwer fällt, kann das auch zu Konflikten in der Gruppe führen (vorausgesetzt es sind mehrere Praktikanten in der Redaktion). Deswegen sollte man sich im klaren darüber sein, dass man mit anderen auskommen muss und Kompromisse schließen muss, um bei einem solchen Praktikum Spaß zu haben.
- Vertrauen nicht ausnutzen: Dieser Punkt ist mit bei uns aufgefallen und ich weiß nicht, ob man ihn verallgemeinern kann. Dennoch möchte ich ihn hier mit aufführen. Da wir unseren eigenen Arbeitsplatz hatten, ist uns auch viel Vertrauen entgegengebracht worden. Leider haben einige das ausgenutzt und das Telefon für private Gespräche genutzt. Durch Zufall ist das herausgekommen und das kam bei unserer Betreuerin natürlich gar nicht gut an. Hier sollte man also schon auf Regeln achten, die auch „normale“ Angestellte betreffen, auch wenn man Praktikant ist. Mag wahrscheinlich selbstverständlich klingen, war es aber leider nicht!
Das nur als kurzer Einblick. Für weitere hilfreiche Tipps kann ich euch z.B. das Buch „Das Praktikum im Journalismus“ von Elke Ahlswede empfehlen, in dem viel interessantes drin steht!
FAZIT
Ohne es übertreiben zu wollen, aber das Praktikum war bisher die wichtigste Erfahrung, die ich für meine Zukunft gemacht habe. Ich habe so viel davon mitgenommen, womit ich vorher ehrlichgesagt nicht gerechnet hatte und habe tolle drei Monate gehabt. Klar gab es auch Momente, wo ich das ganze am liebsten hingeschmissen hätte, aber die waren wirklich sehr selten. Ich kann es nur jedem, der in diese Berufsrichtung möchte, ans Herz legen ein Praktikum zu machen. Am besten sind natürlich mehrere Praktika bei verschiedenen Medien, damit man verschiedene Eindrücke bekommt. Ich habe mich meinem Sender viel Glück gehabt, denn dort hat man sich ausgiebig um uns gekümmert, was nicht überall so der Fall ist. Lasst euch nicht ausnutzen und seit engagiert, dann wird euer Praktikum sicherlich auch zum positiven Erlebnis!
Danke fürs Lesen,
Natascha
© 10.01.05
10.02.2009 19:19
Auch nach mehreren Jahren ist dieser Bericht noch immer ganz fantastisch. Da ich selbst morgen ein Vorstellungsgespräch in einer Redaktion habe, hat er mir wirklich sehr geholfen. Liebe Grüße!
02.01.2006 21:49
Hi Natascha! Das war wirklich ein ganz ganz toller Bericht. Dieser Bereich kommt für mich zwar überhaupt nicht in Frage, da ich schon etwas zu schüchtern dafür wäre, aber der Bericht ist trotzdem toll. Man kann ja auch einige Tipps auf andere Berufe übertragen. Ein frohes neues Jahr!!! Lg, Lisa
02.01.2006 15:24
Wow, das ist ein echt klasse Bericht. Endlich erhält man mal einen richtigen Einblick in so einen Bereich! LG Katrin