Na dann gute Besserung!

3  08.08.2005 (09.08.2005)

Pro:
Eindruck vom Berufsleben, Orientierung für Job -  oder Studienwahl

Kontra:
unabwechslungsreich und anstrengend, kaum Kontakt zu Kunden, normalerweise kein Gehalt

Empfehlenswert: Ja 

Lithium23

Über sich:

Mitglied seit:15.06.2005

Erfahrungsberichte:65

Vertrauende:63

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 91 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Was muss, das muss: Jeder Neuntklässler hat die Ehre, ein Betriebspraktikum absolvieren zu dürfen. ;)
Meine Wahl fiel auf eine Apotheke.
Ich war, als ich mein Praktikum absolvierte, auf einem vertieft mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium und will nach dem Abitur Medizin, eventuell auch Pharmazie studieren.
Als Mediziner hat man ja nicht selten mit Medikamenten zu tun und ich beschloss, mir mal anzuschauen, wie sie gemischt und vergeben werden und wie es in so einer Apotheke denn abläuft.
Mein Praktikum habe ich also für 2 Wochen im Mai 2004 in einer Apotheke absolviert, in der ich selbst öfter Medikamente holen war. Den Chefapotheker kannte meine Mutter ganz gut und so organisierte sie mir einen Praktikumplatz.

.: Der Betrieb

Was in einer Apotheke passiert, ist eigentlich klar: Es werden sämtliche Präparate gelagert, die Kunden kommen mit ihrem Rezept in die Apotheke und holen sich ihr Medikament ab oder kaufen es selbst. Außerdem bietet eine Apotheke alles andere, was man für die Gesundheit braucht, wie z.B. Kosmetikartikel oder Bonbons und Tees gegen alle möglichen Wehwehchen.
Außerdem werden Präparate geprüft und auch hergestellt. Bei Medikamenten, die in der Apotheke gemischt werden, handelt es sich oft um Salben oder spezielle medizinische Tees.

.: Das Personal

Die Apotheke, in der ich gearbeitet habe, beschäftigte neben dem Chefapotheker zwei voll ausgebildete Apothekerinnen (d.h. sie haben Pharmazie studiert und ausgelernt), eine Pharmazie-Ingenieurin (kann man heutzutage nicht mehr lernen) und eine pharmazeutisch-technische Assistentin.

Da es jemanden interessiert hat, was man sich unter diesen Berufen genau vorstellen kann, hier noch ein Nachtrag.
Apotheker/Apothekerin:

Eine Apotheke darf nur von einem staatlich geprüften Apotheker geleitet werden. Die Ausbildung zum Apotheker erfolgt in einem Pharmaziestudium an einer Universität und dauert 8 Semester (=4 Jahre). Das Pharmaziestudium erstreckt sich über die Bereiche Galenik, Pharmakologie, Physiologie, Chemie, Biologie, Biochemie, Analytik, Toxikologie, Technologie und seit 2001 auch Klinische Pharmazie.
Nach dem Studium absolviert ein Apotheker ein praktisches Jahr, in welchem er mindestens 6 Monate in einer öffentlichen Apotheke arbeitet. Nach dem 3. Staatsexamen kann ein Apotheker die Approbation beantragen, die ihn dazu befähigt, als Apotheker zu arbeiten. Anschließend kann er sich in einer dreijährigen Ausbildung zum Fachapotheker weiterbilden.
Pharmazeutisch-technische(r) Assistent(in) (PTA):

Assistenzberuf zur Unterstützung der Apotheker. Die Ausbildung zum PTA erfolgt an einer PTA-Schule, die Ausbildung endet mit einer abschließenden Prüfung.
Schriftliche Prüfungsfächer sind Arzneimittelkunde, allgemeine und pharmazeutische Chemie, Galenik, Botanik und Drogenkunde.
Mündliche Prüfungsfächer sind Gefahrstoff-, Pflanzenschutz- und Umweltkunde, Pharmazeutische Gesetzeskunde, Berufskunde und Medizinproduktekunde.
Der praktische Prüfungsteil besteht aus chemisch-pharmazeutischen Übungen, Untersuchungen von Körperflüssigkeiten, Übungen zur Drogenkunde und galenischen Übungen.
Der oder die PTA stellt Arzneimittel her, verkauft Produkte und hat eine beratende Funktion. Der Frauenanteil in diesem Beruf beträgt weit mehr als 90%.

(Habe die groben Informationen aus Wikipedia entnommen.)

Außer mir arbeiteten auch noch zwei andere Praktikanten in dieser Apotheke. Das war mir recht, denn das Personal schien immer schwer beschäftigt und nicht besonders interessiert, ein Gespräch mit mir anzufangen.
So hatte ich also nette Gesellschaft und die Aufgaben waren auch schneller erledigt. :)

Das Verhältnis zwischen den Angestellten war eindeutig besser als zu uns Praktikanten. Ich hatte oft den Eindruck, wir wären dort nur lästig, obwohl wir den Apothekerinnen viele zeitaufwändige Aufgaben abgenommen haben. Aber soweit ich das von Freunden gehört habe, ist das in vielen Betrieben nicht anders.
Schade eigentlich, ich finde, es ist nichts dabei, einfach ein bisschen netter zu den Kollegen zu sein, auch wenn sie in der "Rangordnung" weit unter einem selbst stehen und in 2 Wochen sowieso wieder verschwunden sind. Und wenn's nur für's Image ist. ;)

.: Arbeitszeiten

Eine Apotheke öffnet meistens am morgen oder frühen Vormittag. In meinem Fall hatte sie ab 8 Uhr geöffnet und ab 19 Uhr geschlossen. Für die Angestellten dort ist das ein ganz schön harter Arbeitstag!
Als damals 15-jährige Praktikantin musste ich nicht so lange arbeiten, sondern nur bis 15 Uhr, inklusive Frühstücks- und Mittagspause.

.: Das Dasein als Praktikant

Ich geb' ja zu, besonders spannend ist es in einer Apotheke nicht. Ich kann auch nicht behaupten, ich hätte etwas dazugelernt, jedenfalls kein Wissen. Aber ich habe gemerkt, dass so ein Arbeitstag wirklich anstrengend sein kann und die ganze Herumlauferei in die Beine geht. Da hat man es in der Schule noch am gemütlichsten.

Meine Hauptaufgabe war die Inventur. Ja, eine echte Sch...arbeit! Also genau richtig für Praktikanten. Noch dazu machte die digitale Datenbank überhaupt keinen Spaß, alles lief noch auf DOS, war ziemlich unkomfortabel, und noch dazu strukturierte sich die Datenbank hin und wieder mal selbst um, was die Apothekerinnen dann gern auf die Praktikanten schoben.

Ansonsten war ich mit "Aufräumarbeiten" und Verwaltungsaufgaben beschäftigt, z.B. Geld wechseln lassen, Prospekte sortieren, abgelaufene Medikamente aussortieren, nichtvorhandene Medikamente aus der Datenbank löschen, Verfallsdaten und Stückzahl der Medikamente korrigieren und chemische Substanzen (aus dem Labor) auflisten und in Datenbank eintragen.
Die erträglichste Aufgabe (um die wir Praktikanten uns rissen ;) ) war das Auspreisen von Waren und die Deko.

Unter Aufsicht des Chefs durfte ich sogar mal kassieren und einer alten Dame den Blutdruck messen. Bei der Gelegenheit habe ich ein bisschen mit ihr geplaudert und bei ihren Wehwehchen beraten. Das hat mir schon viel besser gefallen als mir die Füße platt zu laufen und im Papierkram zu stecken. Die "Praktikantenaufgaben" waren eher nichts für mich. ;)

Was mir sehr gefehlt hat in diesen 2 Wochen waren frische Luft, und entweder ein paar Menschen mehr in meiner Nähe oder - gegen Arbeitsende dann - einfach nur Ruhe.
Zum Glück waren die beiden anderen Praktikanten da, aber die meiste Zeit waren wir ja doch damit beschäftigt, mit Zetteln durch die Regale zu hetzen und Inventur zu machen.
Das Lager war schlecht klimatisiert und für den Mai ziemlich warm. Am Nachmittag war ich immer müde und mir war schlecht von der stehenden Luft.
Besonders für das Apothekenpersonal muss das heftig sein, die haben erst 19 Uhr Arbeitsschluss und so gut wie gar nichts mehr von der Sonne und auch kaum Zeit für das, was ihnen gefällt, denn nach einem 11-stündigen Arbeitstag im Lager will man sicher einfach nur noch ins Bett fallen.

Glücklicherweise hat der Chef, mit dem ich mich besonders gut verstand, meine Beurteilung geschrieben. Ich habe eine wirklich grandiose Beurteilung bekommen, in fast allen Bereichen ein Kreuz bei "übersteigt die Anforderungen deutlich". :>
Und eine "Prämie" von 50 € gab es auch noch.

.: Fazit

So ein Praktikum ist sicherlich für jeden eine wichtige Erfahrung. Natürlich weiß man, dass Arbeiten anstrengend ist, aber erst wenn man selbst mal müde Beine am Abend erlebt hat, weiß man, was das heißt.
Es ist eine gute Möglichkeit, einen Job auszuprobieren. Man kann herausfinden, in welche Richtung man unbedingt gehen möchte bzw. in welche überhaupt nicht.

Das Praktikum in der Apotheke war ordentlich anstrengend. Mir hat der Kontakt zu Menschen sehr gefehlt, da ich eigentlich nur im Lager herumgerannt bin.
Mir hat es weder besonders gut gefallen noch schockiert. Aber immerhin weiß ich jetzt, dass ich um trockene Verwaltungsjobs einen Bogen machen werde. ;)

Lithium

Bilder von Praktikum in einer Apotheke
Praktikum in einer Apotheke Apotheke
Apotheke von Innen ;)
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
erdbeerrose

erdbeerrose

05.04.2008 13:41

Hab ich auch gemacht :-)

Lieschen89

Lieschen89

18.06.2006 22:08

sehr interessant

sebbelino

sebbelino

09.05.2006 02:34

GIbts da nicht auch was von Ratiopharm ^^

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