Von Parker, PEZ und Paranoia
19.08.2003
Pro:
lecker Kerlchen, spannender roter Faden
Kontra:
manchmal etwas flache B - Stories
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Kultstatus:
Action:
Spannung
Romantik:
Dialoge:
mehr
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
to pretend: to make believe, as in a play; make-believe pretender: a person who pretends or makes false allegations
Es war einmal ein ganz normaler Junge namens Jaord. In früher Kindheit wurde er seinen Eltern geraubt und von einer als 'The Center' bekannten Organisation für ihre niederen Zwecke mißbraucht. Jarod verbrachte lange Jahre in unterirdischen Laboratorien, wo man alles daran setzte, ihn zu einem kleinen Genie zu machen. Als es schließlich soweit war, zwang man Jarod dazu, in unzähligen Simulationen Szenarien auszuarbeiten, die dem Center dabei helfen sollten, langsam aber sicher immer mehr Macht an sich zu reißen. Durch Jarods Simulationen kamen viele unschuldige Menschen ums Leben. Doch davon erfuhr Jarod, der schon bald jede Erinnerung an seine Eltern verloren hatte, erst viel später – nachdem es ihm gelungen war, aus dem Center zu entkommen. Fortan lag es als Pretender in seiner Macht, jederzeit sein Erscheinungsbild sowie seine Profession zu verändern. An einem Tag konnte er als Arzt, Anwalt oder Polizist auftreten, am nächsten schon als Feuerwehrmann, Bergführer oder Pilot. Dies ist der Ausgangspunkt für die amerikanische Serie "The Pretender", die zu allerschlechtester Sendezeit bei RTL2 mal Samstag, mal Sonntag Nachmittag ausgestrahlt wird. Auf den ersten Blick hat die Serie diesen miesen Sendeplatz sogar verdient, mutet sie doch an wie eine weitere billige Kopie der Mystery-Serie "Akte X", die jahrelang erfolgreich bei PRO7 ausgestrahlt und von unglaublich vielen Fans gesehen und verehrt wurde. Auch ich benötigte mehrere Anläufe, um dieser Serie schlußendlich doch noch zu verfallen. Zunächst erschien mir die Handlung viel zu verworren und wenig spannend, einzig der ziemlich schnuckelige Hauptdarsteller brachte mich dazu, irgendwann dann doch mal für mehrere Folgen hintereinander am Ball zu bleiben. Und als mir das schließlich gelungen war, bekam ich auf einige Fragen endlich die ersehnten Antworten und verstand fortan, worum es in dieser Serie eigentlich geht. Also, worum geht es? Im Prinzip hat man es bei "The Pretender" mit einer modernen Version der Robin Hood-Geschichte zu tun. Jarod (Michael T. Weiss), die Hauptfigur und damit der titelgebende Pretender der Serie, ist nach seiner Flucht aus dem Center auf der Suche nach seiner Familie, von der er so gut wie nichts mehr weiß. Während dieser Suche macht er es sich zur Gewohnheit, Menschen in Not zu helfen. Meist sind dies Menschen, die sich selbst nicht helfen können und auf Hilfe von außen angewiesen sind. Sie werden in aller Regel von mächtigeren Personen unterdrückt, ausgenutzt oder betrogen – Jarod ist für sie der rettende Helfer, der nichts unversucht läßt, um sie aus ihren prekären, hoffnungslosen Situationen zu befreien. Als Zuschauer hat man es hier mit einer ganz klaren Gut-gegen-Böse-Struktur zu tun. Jarod gehört grundsätzlich zu den Guten, er selbst ist ja auch ein Opfer des mächtigen Center, gegen das er in der Serie auch nach seinem Ausbruch kämpft. Zusammen mit den Opfern, denen er mal zufällig, mal gewollt über den Weg läuft, bekämpft er die bösen Gegner die, wenn Jarod sie sich mal vorgeknöpft hat, nicht mehr viel zu lachen haben. Er bringt sie, das hat manchmal fast biblische Züge, auf den rechten Weg zurück und entläßt sie geläutert zurück in die Welt. Zu diesen Helfer-Geschichten, die jeweils eine Folge lang dauern und dann auch abgeschlossen sind, kommt, ähnlich wie bei "Akte X", die große Geschichte im Hintergrund, die die gesamte Serie mit ihren vier Staffeln und zwei abendfüllenden Spielfilmen durchzieht. Diese Geschichte handelt von Jarods verzweifelter Suche nach seiner Familie sowie der gleichzeitigen Jagd des Centers auf ihn – denn natürlich wollen die Leute, die soviel Zeit, Energie und Geld in ihren Wunderknaben gesteckt haben, diesen wieder zurück bekommen, damit er fortfahren kann, sie bei ihrem Streben nach immer größerer Macht zu unterstützen. Dabei hat Jarod es vor allem zu tun mit Miss Parker (Andrea Parker), die er bereits als kleines Mädchen kannte. Miss Parker (ja, die gute Frau hat keinen den Zuschauern bekannten Vornamen) ist die Tochter eines hohen Tieres des Centers, das natürlich, wie sollte es anders sein, Mister Parker heißt. Zusammen mit dem Psychologen Sydney (Patrick Bauchau) und dem Computerspezialisten Broots (Jon Gries) begibt sich Miss Parker in jeder Episode aufs Neue auf die Jagd nach Jarod, für den diese Verfolgung bald zu einer Art Spiel wird. Immer wieder führt er seine Verfolger gekonnt an der Nase herum, meist sogar noch mit einem spöttischen Augenzwinkern als amüsanter Zugabe. Nicht selten schickt Jarod Pakete oder andere Botschaften mit wunderlichen Inhalten, die Miss Parker & Co. zunächst auf die richtige Spur zu führen scheinen – nur, um sie dann zum Gespött Jarods und der Zuschauer zu machen, wenn sich schließlich herausstellt, daß er sie hat ins Leere laufen lassen. Dieses Katz-und-Maus-Spiel wird nur selten langweilig und stellt den eigentlichen Reiz der Serie dar. Zwar mag es ganz nett anzusehen sein, daß ein Mensch, dem so viel Böses angetan wurde, nach wie vor so viel Gutes in sich trägt, um selbstlos anderen Menschen in Not zu helfen. Doch viel spannender ist zweifellos der rote Faden, der sich von Beginn an durch die Serie zieht, und der in der Regel mehr Fragen unbeantwortet läßt als daß er sie beantwortet. Das macht den Reiz der Serie aus. Der Zuschauer wird im Prinzip während der ganzen Serie darüber im Dunkeln gelassen, was genau es mit dem Center eigentlich auf sich hat. Es werden immer mal wieder Andeutungen gemacht und ab und zu auch Stücke zur Vervollständigung des Puzzles geliefert, doch wirklichen Durchblick gewinnt der Zuschauer dadurch nie. Werden Fragen beantwortet, so werden im nächsten Atemzug gleich wieder neue aufgeworfen. Glaubt man, des Rätsels Lösung einen großen Schritt näher gekommen zu sein, so stellt man konsterniert fest, daß man in der nächsten Szene gleich wieder einen großen Schritt zurück machen muß. Man wird bei der Stange gehalten, indem man in regelmäßigen Abständen etwas Erleuchtung erfährt, doch ehe man sich’s versieht, sitzt man auch schon wieder im Dunkeln. Das kann schon mal nerven, besonders dann, wenn im Drehbuch so große Sprünge gemacht werden, daß man ganz klar merkt, daß die Macher hier verzweifelt versucht haben, die Spannung aufrecht zu erhalten. Manche Dinge scheinen arg konstruiert, von Glaubwürdigkeit will ich hier gar nicht anfangen, das wäre bei einer Mystery-Serie wohl auch arg vermessen. Mit der Figur des Jarod jedenfalls hat man einen Charakter erschaffen, der von Beginn an die Zuschauer ausnahmslos auf seiner Seite hat. Ihm ist böse mitgespielt worden. Man hat ihm seine gesamte Kindheit geraubt, was besonders in Szenen deutlich wird, in denen er sein erstes Eis oder seinen ersten Doughnut ißt. Kaum vorzustellen, daß ein erwachsener Mensch damit vorher noch nie in Berührung gekommen sein soll. Und wenn man ihn dann PEZ-essend vor seinem Computer sitzen sieht, dann will man ihn einfach ganz fest in die Arme nehmen und ihm versichern, daß alles wieder gut werden und er seine Familie ganz bestimmt finden wird. Jarod trägt auch dazu bei, daß die anderen Hauptfiguren der Serie so manches über sich lernen. Miss Parker beispielsweise bekommt immer wieder Hinweise von ihm, die sie dem Center gegenüber mißtrauisch werden lassen. Hatte das Center womöglich beim Tod ihrer Mutter die Finger im Spiel? Und wie ist es mit dem Tod ihres Geliebten Thomas? Vieles scheint beim Center nicht mit rechten Dingen zuzugehen, und Jarod hat es sich zur Aufgabe gemacht, darauf immer wieder hinzuweisen und bei einer Aufdeckung der dunklen Machenschaften tatkräftig mitzuhelfen. Es scheint, als kämpfe hier ein David gegen einen Goliath, doch selbst wenn es dem Center mal gelingt, Jarod wieder einzufangen und zurück in ihre Gewalt zu bringen – Jarod findet einen Weg, um seinem Gegner ein Schnippchen zu schlagen und erneut zu entkommen.All dies zu beobachten macht besonders dann Spaß, wenn die Serie sich selbst nicht so ganz ernst nimmt. Wenn Jarod ganz in Film Noir-Manier einem Klein-Ganoven hilft oder Parker, Sydney und Broots zum Zauberer von Oz schickt, um sie dann wissen zu lassen "There's no place like home, so why don't you let me find mine?", dann zeugt das von sehr viel Einfallsreichtum und macht einfach Laune. Zugegeben: Es ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Mehr als nur eine Handvoll Episoden lassen etwas an Biss und Spannung vermissen, und das sollte eigentlich eher die Ausnahme sein. Manches Mal fragt man sich, warum Jarod die armen Opfer nicht einfach Opfer sein läßt, um sich viel engagierter um sein eigentliches Ziel, nämlich das Auffinden seiner Familie, zu kümmern. Man sollte doch meinen, daß er es etwas eiliger hat, Mama und Papa wieder zu finden, wieso also kostbare Zeit mit dem Schicksal ihm eigentlich völlig fremder Menschen verschwenden? Dennoch: Ich weiß, im Kontext der vielen anderen Serien mit ähnlichem Strickmuster bleibt "The Pretender" in der Zuschauergunst oft auf der Strecke. Das ist mir nicht wirklich verständlich, denn trotz manchem Durchhänger halte ich Idee wie auch Umsetzung der Serie meist für sehr gelungen. Also, besinnt Euch auf Euer Herz und gebt dem einsamen Jarod eine Chance!
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16.01.2005 01:40
Pretender sehe ich sehr gern, läuft ja jetzt wieder im Vorabendprogramm.LG
30.01.2004 01:39
... and what's about the lonley Jabber????
17.10.2003 15:22
und warum grad hier - weil mir pretender auch ein stichwort liefert - für den besuch aus der schweiz den du hattest - sorry wollt nicht ins gb damit - schreib gern per mail du_liest_weiter@yahoo.de mehr dazu + sorry für die stelle dieser nachricht