Pretty Woman

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Wir beide legen Menschen für Geld auf's Kreuz...

5  18.03.2008

Pro:
einer der besten Filme aller Zeiten

Kontra:
Julchen hat mich noch nicht auf den Mund geküsst

Empfehlenswert: Ja 

TumblingDice

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:103

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 98 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mr. Dice leidet unter Lustlosigkeit. Deshalb hat er mir 3000$ geboten, wenn ich es ihm besorge. Nein, nicht das, was Sie denken. Ich sollte für ihn nur ein paar nette Worte über seinen Lieblingsfilm schreiben. Spaß beiseite, das mit den 3000$ war ein anderer. Aber der Reihe nach.

Übrigens, mein Name ist Julchen. D.h. nur Mr. Dice nennt mich so. Und nur Mr. Dice darf das. Für Sie bin ich weiterhin Julia. Aber das wissen Sie wahrscheinlich schon. Und Mr. Dice's Lieblingsfilm haben Sie sicher auch schon mindestens dreimal gesehen. Es sei denn, Sie sind auch einer von diesen Romantikverweigerern (sowas kann nur auf Männer zutreffen). Aber ich erzähle Ihnen die Geschichte gerne noch mal, aus der Vögelperspektive sozusagen.

Im Film heiße ich nicht Julia, geschweige denn Julchen, sondern Vivian, und lebe mehr schlecht als recht in der Stadt der Engel. Allerdings habe ich dort statt mit himmlischen Wesen mehr mit Vögeln zu tun. Denen, die so tief fliegen, dass sie meist auf dem Bordstein landen. Unsere Geschichte spielt irgendwo zwischen dem Hollywood Boulevard, da wo fast täglich Morde geschehen, deren Leichen womöglich von Touristen fotografiert werden, und Beverly Hills, da wo Leute wie Sylvester Stallone wohnen. Und eines Nachts treffe ich dort jenen Edward Lewis, gespielt von keinem geringeren als Richard Gere. Ich steige in sein Auto ein, in der Hoffnung, dass er für mich ein Mann für gewisse Stunden wird. Dabei hat er sich nur verfahren. Für meine Lotsendienste verlange ich zunächst nur 10$. Dabei erweist sich der Mann im Sportwagen der Marke Lotus zunächst nicht nur als kleinlicher Erbsenzähler, sondern auch als lausiger Autofahrer und einer, der keinen hoch kriegt. Deshalb nehme ich schließlich alles selbst in die Hand. Nicht nur das Steuer.

Wahrscheinlich hat ihm das so gut getan und überzeugt, dass er mich doch mit auf sein Zimmer nimmt. Für 100$ die Stunde. Für mich, genauer gesagt für Vivian, treffen da Welten aufeinander. Ich war noch nie in so einem Luxushotel. Denn hier dürfen solche wie ich normalerweise nicht rein. Und die spießigen Gäste schauen mich an, als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Zumindestens die Frauen tun so. Und ihre Männer zum Schein halt auch.

Aus 100$ pro Stunde werden 300$ pro Nacht. Tun muss ich dafür nichts. Jedenfalls nicht das, worauf ich spezialisiert bin. Irgendwann nehme ich die Sache dann doch wieder in die Hand, nicht dass man mir Arbeitsverweigerung unterstellen könnte. "Aber ich küsse dich nicht auf den Mund" ist die einzige Einschränkung, die ich Edward wissen lasse. Das gehört zu meiner Berufsehre.

Edward ist einer von diesen skrupellosen Typen, die mit dem Kauf und Verkauf von Firmen Millionen verdienen. Wir beide legen die Menschen für Geld auf's Kreuz, wie Edward später feststellt. Die einzige Schwäche, die er eingesteht, ist seine Höhenangst. Dummerweise hat er bei Frauen nur mäßigen Erfolg. Er hat zwar genug Geld, aber zu wenig Zeit für sie. Deshalb hat ihm seine Freundin auch gerade den Laufpass gegeben. Da er für seine geschäftlichen Treffen eine Begleitung benötigt, engagiert er mich als "Gesellschafterin" schließlich für die ganze Woche zum Preis von sagenhaften 3000 Bucks. Dafür verspreche ich: "Ich werde so nett zu dir sein, dass du nicht willst, dass ich jemals wieder gehe."

Zu den Höhepunkten des Films gehören mein missglückter Einkaufsbummel auf dem Rodeo Drive, wo mich bornierte Verkäuferinnen nicht bedienen wollen (aber auch hier gilt: man sieht sich im Leben immer zweimal) oder meine Nummer mit Edward auf einem Konzertflügel. Ich sage nur: ein Klavier, ein Klavier! Jedenfalls steht es seitdem zwischen mir und Meg Ryan 1:1, was aufregende erotische Filmszenen angeht.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es außer Edward und Mr. Dice noch einen dritten Mann gibt, der sich während des Filmes in mich verliebt. Denn auch der Hotelmanager Bernhard Thompson (Hector Elizondo) findet an mir Gefallen und wird so etwas wie mein väterlicher Freund, der mir nicht nur zu passender Garderobe verhilft, sondern mir auch gute Tischsitten beizubringen versucht.
Denn dann kommt das besagte Geschäftsessen mit einem älteren Herrn vom Typ Spencer Tracy (Ralph Bellamy) und dessen Enkel. Edward will ihm seine Firma abjagen. Auch hier erweise ich mich als der Typ von Frau, der halt alle Männer verzaubert. Ob sie wollen oder nicht.

So nimmt die Story vom Aschenputtel ihren Lauf. Der eiskalte Frosch Edward wird dabei natürlich zum liebenswerten Prinzen. Ein Märchen? Vielleicht. Es soll ja Leute geben, die an dem Film bemängeln, dass er so unrealistisch sei. Sollen die doch lieber die Tagesschau angucken statt Hollywood-Filme. Und ob das spießige Amerika mit seiner weit verbreiten Doppelmoral irreal geschildert wird, möge jeder selbst beurteilen, der weiß, wovon ich rede. Übrigens mag Mr. Dice nur ganz wenige Hollywood-Filme. Trotzdem ist dieser sein Lieblingsfilm.

Ein wichtiger Bestandteil des Films ist natürlich der Soundtrack. Nicht dass Sie denken, Roy Orbinson hätte seinen Hit "Pretty Woman" für diesen Film geschrieben. Denn als der Film 1990 gedreht wurde, war das Lied schon 26 Jahre alt und sein Verfasser schon 2 Jahre tot. Somit ist unser Film sozusagen eine Verfilmung von Roy Orbinson's Kult-Song und auch eine Hommage an den Künstler. Neben fetzigen Songs enthält der Soundtrack auch das bekannte "It must have been Love" von Roxette und natürlich die berühmte Opernarie "Dammi tu forza" aus Verdis "La Traviata", der musikalischen Inszenierung der "Kameliendame" von Alexandre Dumas. Da wo sich eine Liebesdienerin in einen reichen Mann verliebt. Eine Geschichte, die sich offenbar immer wieder eignet. Und wer bislang meinte, für Opern nichts übrig zu haben, wird durch diesen Film vielleicht eines besseren belehrt.

Die 90er Jahre waren auch die Zeit der Zweireiher mit langen und breiten spitzen Revers. Mr. Dice hat auch noch so einen Richard Gere-Anzug. Den zieht er ab und zu immer noch gerne mal an, weil ihm mal eine Frau gesagt hat, er hätte Ähnlichkeit mit Richard Gere. Das hat er zwar damals nicht ganz geglaubt, aber gefallen hat es ihm trotzdem.

Bevor es zum Happy End kommt, muss Vivian noch ein paar atmosphärische Störungen überwinden, an denen Edward's Anwalt Phil (Jason Alexander) Schuld ist. Ein kleiner widerlicher Gnom, von der Sorte, die dicke Schlitten fahren, aber kaum über das Lenkrad schauen können.

Und irgendwann darf natürlich auch auf den Mund geküsst werden. Das hilft sogar gegen Höhenangst.

Ihr Julchen
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hubbie

hubbie

26.10.2010 07:38

Meine Bilanz der Meistgesehenen: Rang1: Pretty woman 23x Rang2: Forrest Gump 18x Rang3: Mamma mia! 11x "!´m having what she´s having" nach Sally´s fake orgasm war, eine treffende wie trockene Pointe aber die Klaviernummer (KV 69?) war noch viel stimmiger, jedenfalls oute ich mich ebenso als feel good fan zwischen Pilcher, Lindström & Co

tapio-maunzi

tapio-maunzi

02.06.2008 19:35

Liebe Julia, du solltest echt öfters schreiben! Ich liebe diesen Film heute noch! Aber ob dein Mann eine Ähnlichkeit mit Richard Gere hat..... ich habe deinen Mann vor einigen Wochen kennengelernt.... ich weis nicht so richtig ....... aber vielleicht war das mal so vor 20 Jahren.... kann ja sein.....*duckundrennweg*. Gruß Doris

w.gruentjens

w.gruentjens

20.05.2008 16:50

Tolle, lebhafte und lebendige Meinung mit Geist und Witz.

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