Und wieder einmal spiegeln sich meine Hobbies in meinen Berichten wider - in diesem Fall meine Nähmaschine.
Die Maschine habe ich dieses Jahr zum Geburtstag bekommen, was für Erfahrungen ich damit gemacht habe und ob ich die Maschine heiraten will wenn ich groß bin erfahrt ihr in meinem Bericht.
Marke/Preis
Privileg ist kein Hersteller, sondern "nur" eine firmeninterne Marke von Quelle, unter der Geräte verschiedener Hersteller vertrieben werden. Hinter dem Namen "Privileg" verbergen sich - angeblich - Maschinen von namhaften Herstellern, allerdings ist es mir bisher nicht gelungen herauszufinden, woher meine Maschine denn nun stammt.
Die Maschine kann man ausschließlich bei Quelle erwerben (Hallo Logik!), der Preis liegt regulär bei 129,99€ - in meinem Fall gab es gerade ein Angebot für ~90€.
Aussehen/Verpackung
Die Maschine kam in einem blasslila Karton an - auf dem Foto war sie passend dazu mit lila Garn eingefädelt, was ich persönlich schon sehr erheiternd fand. Im Karton ist die Maschine nochmal in Styropor verpackt, sodass beim Transport nichts passieren kann.
Im Lieferumfang sind enthalten: Die Maschine (ach...), eine Abdeckhaube, ein Nadelkissen, eine Stickschere, ein Maßband und diverses Nähmaschinen(-wartungs-)zubehör wie Nähfüße, Maschinenöl, Unterfadenspulen und Schraubenzieher. Außerdem wird ein Handbuch mitgeliefert, in dem man neben Erklärungen zur Maschine auch generelle Tipps zum Nähen findet.
Die Maschine selbst ist weiß, die Namen der Funktionen sind grau. Die beiden Einstellungsräder sind hellgrün (Stichprogramme) und hellila (Stichlänge).
Links an der Maschine befindet sich ein abnehmbarer Nähtisch mit einem Fach für Zubehör. In diesem Fach ist bei der Lieferung auch das Standardzubehör untergebracht. Für engere Säume (z.B. Hosen- oder Ärmelsäume) kann an den Nähtisch entfernen, damit man den Stoff leichter drehen kann, bei großflächigeren Arbeiten kann man ihn wieder anschieben.
Das Zubehör unter der Lupe
Nadelsortiment: dabei handelt es sich um 3 Standard-Nähmaschinennadeln
Nähfüsse: neben dem normalen Nähfuss, der schon zu Beginn an der Maschine ist, bekommt man einen Reißverschlussfuß,
Bilder von Privileg Super 1416C Nähmaschine
einen Blindstichfuss und einen Knopflochfuss
Unterfadenspulen: es werden drei B-Greiferspulen mitgeliefert
Schraubendreher: dieses Werkzeug wird für die Wartung der Maschine sowie zum Verändern der Unterfadenspannung gebraucht.
Trennmesser: ein nützliches Werkzeug zum Auftrennen von Nähten - und in diesem Fall mein drittes. Langsam reicht es ;)
Stickschere: eine praktische kleine, spitze Schere, mit der man z.B. recht gut auftrennen kann
Nadelkissen: Muss ich das erklären? Das Nadelkissen dient zur Unterbringung von (Steck-)Nadeln.
Funktionen
Nachdem ich jahrelang eine Maschine mit genau zwei Funktionen (gerade Nacht und Zickzacknaht...) hatte, ist dieser Punkt für mich besonders wichtig.
Folgende Stiche macht die Maschine: Geradstich (mittig und links; normal&elastisch), Knopflöcher, Zickzackstich (normal&elastisch), Blindstich (normal&elastisch), Dessousstich, Grätenstich, Spezial Overlock, Überwendlingstich, Federstich sowie diverse Zierstiche.
Zu allen Sticharten findet man im Handbuch eine Erklärung: welcher Nähfuss wird gebraucht, welche Einstellung am Stichmusterwahlknopf ist die richtige, welche Stichlänge, welche Fadenspannung...
Knopflochautomatik
Ich finde, meine Lieblingsfunktion verdient eine eigene Überschrift ;)
Für Knopflöcher gibt es eine eigene Funktion (bzw. drei Funktionen) und einen extra Nähfuss, damit gestaltet sich das Nähen von Knopflöchern sehr einfach. Es ist keine komplette Automatik, sondern man muss noch ein bisschen selbst machen.
Zunächst einmal wird die Länge des Knopflochs (Durchmesser des Knopfs + 3mm) auf dem Stoff markiert und der Knopflochfuss in die Maschine eingesetzt- das Wechseln des Näfusses geht übrigens ganz einfach: man hebt den Fuss mit einem seitlichen Hebel an, danach drückt man einen kleinen Hebel direkt am Nähfusshalter und der Nähfuss löst sich. Anschließend schiebt man den neuen Nähfuss direkt unter den Nähfusshalter, senkt den Halter wieder ab - und das war's. Bei meiner alten Maschine musste man den Nähfuss erst abschrauben und den neuen wieder draufschrauben, was sehr viel zeit in Anspruch genommen hat.
Gut, zurück zu den Knopflöchern. Der Stoff wird so unter den Nähfuss gelegt, dass das obere Ende des markierten Knopflochs am oberen Rand der Aussparung des Nähfusses liegt. Dann stellt man den Stichprogrammknopf auf die Knopflochfunktion, für den Anfang auf die erste Einstellung (gekennzeichnet mit einer 1). Die Stichlänge stellt man zwischen 0 und 1 ein, je kleiner sie ist, desto dichter werden die Stiche des Knopflochs. Dann näht man bis zum Ende des markierten Knopflochs, stellt auf die Funktion 2/4 um und näht ein paar Stiche. Anschließend folgt Funktion 3 und nochmal 2/4 für den oberen Riegel. Danach ist das Knopfloch fertig und kann mit einem Trennmesser vorsichtig auseinandergeschnitten werden.
Wartung/Reinigung
Die Maschine muss regelmäßig gereinigt werden, da Staub und Fadenreste zu fehlerhafter Stichbildung führen können. Während ich bei meiner alten Maschine das Gehäuse immer aufgemacht und fröhlich drauflos geölt habe, ist es bei neueren Maschinen ratsam, nur ganz genau nach Anleitung vorzugehen, da einige Stellen nicht geölt werden dürfen.
Bei dieser Maschine ist in erster Linie der Greifer (-> Spulenkapsel) zu reinigen. Ich habe bisher nur den Staub mit einem Pinsel entfernt, wofür man keine Einzelteile herausnehmen muss. Es empfiehlt sich aber, den Greifer auch auszubauen, die Stichplatte zu entfernen und den Greifer sowie das Gehäuse zu reinigen. Der Greifer sollte außerdem geölt werden. Zum Ausbauen ist ein kleiner Schraubenzieher mitgeliefert, wie genau man die Einzelteile aus- und wieder einbaut und worauf zu achten ist steht (natürlich..) im Handbuch.
Meine Erfahrungen
Nachdem ich die Nähmaschine aufgebaut habe, was sich sehr einfach gestaltet hat (und nebenbei im Handbuch genau erklärt ist), musste ich erstmal einen Unterfaden aufspulen und den Oberfaden einfädeln. Das Spulen ist, wie nicht anders zu erwarten, im Handbuch erklärt und lässt sich auch schnell nachvollziehen und durchführen. Die Maschine hat dafür eine nette Funktion: wenn man das Handrad vor dem Spulen rauszieht, wird die Stichbildung deaktiviert, d.h. beim Spulen bewegt sich die Nadel nicht hoch und runter. Wie der Oberfaden einzufädeln ist sieht man an der Maschine selbst, da die Führungsösen nummeriert sind.
Anschließend habe ich die Unterfadenspule eingesetzt, den Unterfaden hochgeholt (dabei gab es keine Unterschiede zu meiner alten Maschine - und muss ich dazu schreiben, dass es im Handbuch erklärt ist?) und einige Testnähte gemacht.
Da ich eher praktisch veranlagt bin und nicht erst das Handbuch auswendig lernen (obwohl ich so gerne darauf verweise...) habe ich die verschiedenen Stiche erst einmal ausprobiert, ohne großartig auf die richtige Einstellung zu achten. Dementsprechend irritiert war ich über manche Stiche ("Das soll SCHÖN sein?"), die eine bestimmte Stichlänge oder Fadenspannung brauchen, um "richtig" auszusehen. Insofern ist es vielleicht keine schlechte Idee, erst zu lesen und
dann zu testen.
Nachdem dieses Problem beseitigt war, ging allerdings alles ganz wunderbar, die Nähte waren alle gleichmäßig und hübsch und ich war glücklich. Da Testnähte allein nicht alles Glück der Erde bedeuten, habe ich anschließend das erste "richtige" Stück auf der Maschine genäht: eine Tasche aus glatten Baumwoll- und Jeansstoffen.
Das Nähen verlief einwandfrei, selbst bei mehreren Lagen Jeansstoff hat sich die Maschine nicht beschwert und alle Nähte wurden sauber.
Die Geschwindigkeit beim Nähen ist beim Geradstich durchaus in Ordnung. Da ich bei langen, geraden Nähten auch mal schneller nähe (was durch die Erfahrung an Industriemaschinen am Ende tatsächlich gerade wird *g*) könnte es für mich einen Tick schneller gehen, aber das ist letztendlich Geschmackssache. Wirklich nervig fand ich die Geschwindigkeit allerdings bei komplexeren Stichen, z.B. bei allen elastischen Stichen. Bei diesen Stichen wird mehrmals vor und zurück gestochen, dementsprechend bewegt sich die Nadel lange hin und her, bis der Stoff nennenswert weitertransportiert wird. Seit ich verschiedene Elastikstiche getestet habe, graut es mir vor dem ersten elastischen Saum, den ich mit der Maschine nähen werde - andererseits bin ich froh, dass mir diese Nähprogramme zur Verfügung stehen. Und ich bin ja jung, ich kann warten...
Auch auf die Gefahr hin, dass ich nerve: das Handbuch. Was im ersten Moment eine eher lästige "Pflicht" war, hat sich als sehr praktischer Helfer entpuppt. Neben allen wichtigen Informationen zur Einstellung der Maschine gibt es in diesem gar wundervollen Büchlein auch Tipps zum Nähen im allgemeinen. Einige Beispiele: Welche Nadel/welches Garn braucht man bei bestimmten Stoffen, Ecken/Kurve nähen, Nähen von dicken/dünnen Stoffen... zugegeben, mir war davon nichts unbekannt, aber für Nähanfänger ist das Buch durchaus nützlich. Und als Nachschlagewerk bringt es auch mir einiges.
Fazit
Ich bin komplett zufrieden mit der Maschine und hatte bisher keinerlei Probleme - die Geschwindigkeit bei den Elastikstichen lasse ich mal unter den Tisch fallen, da sie keinen wirklichen Mangel darstellt.
Die Maschine ist ihren (regulären) Preis auf jeden Fall wert, das bereits erwähnte Angebot macht sie für mich perfekt.
An Funtionen ist alles vorhanden, was ich brauche und die Bedienung ist sehr einfach. Insgesamt komme ich also auf 5 Sterne und spreche eine klare Empfehlung aus.
15.04.2008 20:22
Interessant geschrieben, gut zu lesen. Gruß Beavi
12.02.2008 21:57
bh
04.02.2008 23:14
Sehr informativer Bericht!