Was summt denn da in meinem Medizinschrank?
18.12.2003 (19.12.2003)
Pro:
hervorragende Wirkung
Kontra:
klebrig
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Wirkung:
Verträglichkeit:
Sättigungsgefühl:
Geschmack:
mehr
 herzhausen
Über sich:
675 Jahre Herzhausen
Mitglied seit:24.01.2002
Erfahrungsberichte:55
Vertrauende:43
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 142 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich liebe Hausmittel. Diese sind oftmals über Jahrhunderte erprobt und nebenwirkungsarm. Wenn sie sich dann noch als wirksam erweisen, ist der Platz in meinem mit wundersamen Dingen gefüllten Medizinschränkchen gewiß. Eines jener Dinge, das alljährlich zur Erkältungszeit zum Einsatz kommt, ist Propolis. Warum es hier unter Diätprodukten gelistet ist, ist mir noch nicht ganz klar. Vielleicht sollte man Diät einfach im ursprünglichen Wortsinn einer Lebensweise betrachten, die Bewertungen unten sind jedenfalls blanker Unsinn, zum Abnehmen ist Propolis wirklich nicht geeignet. Wenn wir schon bei Wortbedeutungen sind, kann ich auch noch gleich erklären, was Propolis bedeutet. Die Bezeichnung stammt aus dem Griechischen und bedeutet pro = vor, polis = Staat. Was, bitteschön, soll denn bei den Bienen außen vor bleiben?
Nun, die Bienen sammeln Harz an Baumrinden und Knospen bestimmter Pflanzen und Bäume. Dieses Harz wird mit bestimmten Sekreten (hauptsächlich Speichel) der Bienen versetzt und ergibt so das Propolis. Mit dieser braunen, kitt-ähnlichen Substanz (manche Imker sagen auch Kittharz dazu) wird der Stockeingang, die Stockwände und die Waben überzogen. Einerseits dient es als Reperaturmittel, die Wirkung, die den Menschen aber eher interessiert, ist der Schutz gegen verschiedene Krankheitserreger. Somit wäre dann auch der Name erklärt, vor dem "Bienenstaat" müssen die feindlichen Erreger bleiben. Vom Imker wird es mittels spezieller "Propolisgitter" gewonnen, diese werden im Bau unter einem Loch im Bienenstockdeckel angebracht, die Bienen wollen diese undichte Stelle kitten. Der Imker kann das Gitter später entfernen und das Propolis "ernten". Der Bienenstock bleibt fast steril, da Propolis vor Bakterien, Pilzen und Viren schützt und den Stock nahezu keimfrei hält (leider ist es unwirksam gegen die Varoa-Milbe, aber das ist ein anderes Thema). Propolis ist ein natürliches Immunstimmulans, es steigert die Phagozytose, einen der wichtigsten Abwehrmechanismen des Körpers gegen Fremdorganismen. Seine Bezeichnung als "natürliches Antibiotikum" hat es durch die Wirkung auf zahlreiche Bakterien, z.B. Staphylokokken, Streptokokken, Salmonellen, Bazillus subtilis, Colibakterien bekommen. Dann ist noch die Wirkung gegen einige Viren sowie Pilze nachgewiesen. Zudem wirkt es schmerzlindernd und entzündungshemmend , wir haben es also mit einem wahren Alleskönner zu tun.
Das gemahlene Propolispulver kann man entweder pur verwenden um es z.B. in Joghurt o.ä, zu rühren, man kann sich mit Alkohol eine Tinktur herstellen oder auf fertige Tinkturen aus Apotheke, Reformhaus oder Bioladen zurückgreifen (Achtung! Die Preisunterschiede sind teilweise heftig! Zwischen 6 – 8 EUR sollten 30 ml Tinktur beim Imker kosten, in der Apotheke sind es meist ein paar Euro mehr.). Bei chemischer Analyse zeigen sich viele verschiedene Stoffe mit unterschiedlichen Heilwirkungen: Vitamine, zahlreiche Säuren, Fettsäuren, Zimtsäure, Zimtalkohol, Mineralstoffe, viele Spurenelemente, Harze, Balsame und Wachs, ätherische Öle, Enzyme und Flavone.
Entsprechend vielseitig sind die Einsatzgebiete, diese reichen im wörtlichen Sinne von Kopf bis Fuß. Im Gegensatz zu Antibiotika kommt es zu keiner Gewöhnung (Resistenz). Ideal ist folglich die Anwendung bei Erkältungskrankheiten. Halsschmerzen: sobald sich ein erstes Kratzen im Hals ankündigt, gurgle ich entweder mit Propolislösung, oder ich tropfe die Lösung auf ein Zuckerstück und lasse das langsam im Mund zergehen. Für Kinder kann man das Zuckerstück auch über Nacht auf der Heizung trocknen lassen, so verdunstet der Alkohol aus der Tinktur (es gibt im Reformhaus aber auch fertige Lutschpastillen zu kaufen). Wenn man Stücke von reinem Propolis in ungemahlener Form bekommen kann (Imker!), kann man diese auch direkt kauen. Das empfinde ich als recht angenehm und ist von der Konsistenz wie ein Zwischending aus Kaugummi und Wachs.
Erkältung allgemein: hier kann man 10 – 20 Tropfen in einem Glas heißem Wasser, dem Saft einer Zitrone, 2 EL Honig (natürlich kaltgeschleudert und vom Imker eures Vertrauens) und 1 TL Rum oder Arrak (kann, muß aber nicht sein) mischen. Runter damit und ab in´s Bett... Ist aber eher ein Tipp für´s Anfangsstadium. Entzündungen von Zahnfleisch und in der Mundhöhle: hier kann man entweder die Tinktur auftragen oder direkt das Granulat verwenden.
Vorbeugung von Reise-Diarrhö: man sollte rechtzeitig vor Urlaubsantritt damit beginnen, die Tropfen mind. 1x pro Tag in einem halben Glas Wasser einzunehmen (diesen Tipp habe ich im Internet gefunden und selbst noch nicht getestet, wäre aber im letzten Urlaub einen Versuch wert gewesen...). Darmentzündungen: jeweils vor den Mahlzeiten 5 Tropfen in einem halben Glas warmen Wasser trinken.
Wundversorgung: Lösung mittels eines Wattestäbchens o.ä. direkt auf die Wunde aufbringen. Meine Katerblessuren sind immer 1a verheilt. Aber Achtung, die braune, klebrige Flüssigkeit sieht nicht besonders vorteilhaft im Gesicht aus, das gilt auch für den Einsatz bei Pickeln. Es soll auch gegen eingewachsene Fußnägel helfen, um zu dem Versprechen zurück zu kommen, dass es von Kopf bis Fuß einsetzbar sei... Verwendet wird der Stoff nachweislich schon seit der Antike, die Griechen behandelten damit eitrige Wunden und Quetschungen, bei den Römern kam es bei Erkrankungen der inneren Organe und bei Wunden zum Einsatz, und die Inkas setzen es gegen fiebrige Infektionen ein. Ich kenne und verwende es seit fünf oder sechs Jahren und habe eine hervorragende Quelle für meinen "Stoff", der Vater meines Freundes ist nämlich Imker.
Der Haken: Durch die Inhaltsstoffe können Allergiker, Pollenallergiker sowie insbesondere auch Bienenallergiker Probleme mit Propolis bekommen. Ich selbst habe als Pollenallergikerin keine Probleme, hier gilt es, vorsichtig auszuprobieren. Aufgrund der tollen Wirkung bin ich irgendwann auch einmal auf die Idee gekommen, Propolis bei meinen Katzen einzusetzen. Kolja speichelt schon vor Abscheu, wenn er das Zeug nur riecht. Mittlerweile ist mir auch klar, warum. Katzen reagieren recht heftig auf ätherische Öle und ich schätze, die sind im Propolis einfach zu heftig, auf jeden Fall nicht katzengerecht. Auch beachten sollte man, dass Propolis unschöne, beim Waschen schlecht bis nicht zu entfernende Flecken auf der Kleidung hinterläßt. Weitere Infos zum Thema gibt es hier:
http://www.baytop.de/imker-ringelai/propoli1.htm (die Seite eines Imkervereins zählt 33 Verwendungsmöglichkeiten, von der Angina bis zu Warzen, auf) http://www.bee-info.com/w-pro.htm (kurzer Text zur Einführung, ein paar Fotos sowie weitere ausführliche Verwendungsmöglichkeiten, zudem gibt es ein genaues Rezept zum Ansetzen einer Propolistinktur, die Seite ist auch allgemein sehr interessant, wenn man weitere Infos über Honigbienen sucht)
http://www.homeopathy.at/artikel/propolis.htm (Erfahrungen eines Homöopathen mit Propolis) http://www.hohmann.de/index.html (hier kann man direkt beim Imker Tinktur, Salben und diverse andere Propolisprodukte bestellen)
http://cumnatura.de/1153.html (Vertrieb von diversen Propolisprodukten aus einer Biolandimkerei) Und mein nächster Bericht wird sich dann dem Thema "Schneckenschleim im Einsatz gegen Bronchialkatarrh" widmen.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Propolis
|
|
05.09.2008 11:43
Sehr informativer Bericht!
04.02.2006 17:04
Wie jetze, ich hatte diesen Bericht noch nicht bewertet, obwohl Du mich mit dem Zeug in Pastillenform mal traktiert hast? Hankybopy hat übrigens Unrecht. "Pro" heißt auf Latein tatsächlich "für", doch auf Griechisch ist es in der Tat "vor". "Prototyp", "Prolog" oder "Prostata" sind gute Beispiele.
21.04.2004 15:01
Hallo Vera, durchaus gelungener Bericht. Pro-polis heißt 'für den Staat', da pro nicht nur 'vor' sondern hauptsächlich 'für' bedeutet (pro und contra = für und wider). Mit einigen Aussagen liegst Du allerdings ziemlich daneben: Ein Bienenstaat ist sicherlich nicht als steril anzusehen, nur weil pathogene Keime reduziert sind. ### Bazillus subtilis ist einer der harmlosesten Mikroorganismen überhaupt. Dass er Propolis-sensitiv ist, ist schön, sinnvoll ist es jedoch nicht - auch nicht für die Bienen. ### Die Phagozytose ist nicht einer der wichtigsten Abwehrmechanismen des Körpers, sondern der einzige, den wir haben - also pro facto DER wichtigste Abwehrmechanismus :-)) ### Entzündungshemmend und pro-inflammatorisch (Phagozytose) paßt nicht zusammen. Entweder olaf. Entweder wird das Immunsystem gebremst oder stimuliert. Beides gleichzeitig geht nicht und wäre auch recht sinnlos. ### Eine Resistenz ist keine Gewöhnung, sondern ein 'Bestehen' gegenüber den widrigen Umständen. Mikroorganismen selektieren sich dahingehend aus - und gewöhnen sich nicht etwa an eine Substanz. Eine Gewöhnung wäre mit Toleranz-Mechanismen zu erklären, die gibt es bei Antibiotika jedoch nicht. ### Dennoch, war spannend und interessant, den Bericht zu lesen. Hank