Public Enemies

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Staatsfeind Nr. 1

2  17.08.2009

Pro:
Das Eintauchen in die 30er, Kamera

Kontra:
Langeweile, Oberflächlichkeit, Darsteller, schlechte Regie

Empfehlenswert: Nein 

Jean-Luc_Picard

Über sich: What we do in Life, echoes in Eternity! BvB: 1-0 gegen Leverkusen, nächstes Match: Samstag, 18/02/12...

Mitglied seit:10.03.2001

Erfahrungsberichte:495

Vertrauende:53

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 66 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Michael Mann, der Regisseur wenn es um Gangsterfilme ("Heat", "Colleteral") oder Biographien ("Ali", "Aviator" [Produzent]) geht, hat diesmal seine zwei Spezialgebiete vereint und bringt mit Johnny Depp und Christian Bale die Gangsterbiographie "Public Enemies" heraus, die sich um den Staatsfeind Nr. 1 Anfang der 1930er in USA, John Dillenger, dreht.

1933: die USA befinden sich in einer tiefen Depression. Bankräuber John Dillinger (Johnny Depp) erleichtert mit seiner Bande immer wieder Banken. Trotzdem kommt er ungeschoren davon und kann sich sogar unproblematisch unter die Bevölkerung mischen. Wird er geschnappt, ist er kurze Zeit auch schon wieder draußen. Doch das junge FBI unter dem aufstrebenden J. Edgar Hoover (Billy Cudrup) ernennt Dillinger zum Staatsfeind Nr. 1. Hoover schickt seinen besten Mann, Melvin Purvis (Christian Bale), um Dillinger zur Strecke zu bringen. Doch der entwischt immer wieder. Einziger Schwachpunkt Dillingers ist dessen neue Freundin Billie Frechette (Marion Collitard), zu der er nach jedem krummen Ding nach Chicago zurückkehrt…

Regisseur Michael Mann kann leider nicht an seinen großen Erfolge "Collateral", "Insider" und "Heat" anknüpfen. Sein auf wahren Begebenheiten beruhender Thriller verkommt leider zur oberflächlichen Abhandlung eines Bankräubers, der nicht einmal annähernd genauer unter die Lupe genommen wird. Auch sein Gegenspieler bleibt blass, die Charakterstudien, die wir von Michael Mann gewohnt sind, kommen leider so gar nicht zum Zuge.

Das muss man leider auch ein wenig den Darstellern anlasten, die erstaunlicherweise nur ein Bruchteil ihres Könnens abrufen.

Johnny Depp macht nicht gerade die beste Figur als. Seine Darstellung bleibt so oberflächlich wie im Drehbuch vorgegeben und Depp versucht es erst gar nicht, seinem Charakter mehr Tiefe zu geben. Das ist wirklich schade, besonders auch deshalb weil Depp trotz seines vielleicht zu glatten Aussehens gut in die Rolle passt.

Auch Christian Bale kann nicht wirklich begeistern. Zwar überbietet er seine eindimensionale Leistung aus "T4", aber nur um ein Geringes. Bale bleibt auch in diesem Werk sehr einseitig und ihm gelingt es nicht, seiner Figur verschiedene Facetten zu geben. Nur den stahlharten FBI-Beamten zu mimen ist etwas wenig.

Leider kann auch Marion Cotillard nicht wirklich überzeugen. Als Dilingers Mädchen macht sie eine passende Figur und gibt sich genauso, wie man sich es leider wohl vorstellt: hübsches Beiwerk. Cotillard bricht in keiner Weise aus der nur mäßigen Darstellerleistung hervor, ihre Rolle bietet ihr das aber auch leider nicht an.

Der Hauptfehler liegt im Drehbuch und in der Regie des Werks. Die Autoren und der Regisseur zeichnen sich dafür verantwortlich, dass "Public Enemies" zu einem sehr langweiligen und oberflächlichen Film verkommt, der den Zuschauer nur ganz selten aus seiner Lethargie reißt. Das Publikum muss leider die gesamten 140 Minuten darauf hoffen, dass es besser wird… und wird enttäuscht. Mann gelingt es nicht, seinem Film die Tiefe zu geben, die er früheren Werken gegeben hat. So bleiben die Darsteller blass, deren Figuren erst Recht und es kommt nichts auf, was den Zuschauer unterhalten könnte. Spannung, Dramatik oder Anspruch sind kaum vorhanden und über die teilweise zwar brutale, aber gut dargestellte Action kann und will sich dieser Film nicht definieren.

Da hilft es selbst nur wenig, dass Mann mit seiner Ausstattung die 30er Jahre wiederbelebt und auch stilistisch in diese eintaucht. Dadurch wirkt der Film verstärkt dokumentarisch mit bekannten Schauspielern in den Hauptrollen. Und genau hier ist ein weiterer Knackpunkt. Michael Mann setzt zu sehr auf diesen Stil und verbaut sich so die Chancen, seine Figuren weiter zu entwickeln und sie tiefer zu zeichnen. Hintergründe über John Dillinger werden wenig beleuchtet, der Fokus liegt voll und ganz auf den letzten zwei Jahren von Dillinger, ohne dass wir wirklich viel über die Person erfahren.

Kameratechnisch gelingt es Dante Spinotti, das Publikum in die 30er zurückzuversetzen. Ein leichter Graustich in den Bildern verstärkt (leider) das Dokumentarische des Films, ist aber ein gut gewähltes Stilmittel, um den Zuschauer an genau dieser Welt teilhaben zu lassen. Auch Spinottis Einstellungen sind gut gewählt, er fängt seine Darsteller immer wieder in Großaufnahmen ein, um so zumindest eine Charakterstudie zu versuchen. Allerdings scheitert auch er am fehlenden Drehbuch. Vom Score her hat Elliot Goldenthal die passende Untermalung gefunden, wobei ich allerdings sagen muss, dass der Score nicht übermäßig überragend war.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Michael Mann nicht annähernd an die drei oben erwähnten Werke anknüpfen kann. Ihm gelingt es diesmal nicht, seine sonst so genialen Charakterstudien zu schaffen und so bleibt "Public Enemies" leider nur eine oberflächliche, fast schon dokumentarische Betrachtung einer depressiven Zeit, aus der keiner der Darsteller und auch nicht der Regisseur was Besseres machen kann. Schade eigentlich, denn man ist eben Stärkeres gewohnt von Michael Mann.

Daten:
Public Enemies/ Public Enemies
USA 2009
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Ronan Bennett, Michael Mann und Ann Biderman nach dem Buch von Bryan Burrough
Kamera: Dante Spinotti
Musik: Elliot Goldenthal
Mit: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovani Ribisi, Billy Cudrup, Stephen Dorff
FSK: 12
140 Minuten
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
tapio-maunzi

tapio-maunzi

20.10.2009 20:00

Ich bin mir nicht sicher, ob er mir gefallen würde. Aber der Bericht ist gut. Gruß doris

Dr.Ed

Dr.Ed

24.08.2009 23:58

Dein Bericht bestätigt meine Befürchtungen. Wahrscheinlich ist der französische Filmtitel-Namensvetter um einiges spannender und tiefgründiger!

MissVega

MissVega

19.08.2009 11:33

Ja ja, ich hab mir das schon gedacht... deshalb hab ich ihn mir bis jetzt auch noch nicht angesehen... und werde es wohl auch bleiben lassen. Ich kann dieser Unart, so überlange Filme zu machen, nicht viel abgewinnen, ein paar mehr knackige 90Minüter würden der Filmindustrie - und den Zuschauern - mal wieder ganz gut tun. Ich hab befürchtet, dass der Film so ist, wie Du ihn beschrieben hast... und leider halte ich von Mann und seinen vorherigen Filmen auch nicht genug, als dass mich das ins Kino locken würde. Aber ich bin ja jetzt eh erstmal auf dem FFF, mal sehen, wie es mir nach 29 Filmen in 8 Tagen geht...;-)

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  1. fresswahn
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