Puglia Primitivo 2002

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Puglia Primitivo 2002

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Allora Primitivo - alles andere als primitiv!

4  24.08.2004

Pro:
Gehaltvoll, warm und würzig !

Kontra:
Kann bei günstigen oder zu jungen Weinen noch etwas viel Säure zeigen !

Empfehlenswert: Ja 

michael_petruck

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Vertrauende:35

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Liebe Weinfreunde!

Beim Schlender durch´s Weinregal findet man ja allerhand kurioses an Etiketten, Flaschenformen, teilweise sogar Fantasiebezeichnungen für Weine, die es so gar nicht gibt. Wieder andere zeigen dem einfachen Weintrinker nicht genau, was er denn nun bei einem bestimmten Tropfen zu erwarten hat. Oder wer kennt schon den genauen Unterschied zwischen einem Montepulcciano D`Abruzzo und dem hochgeschätzten Vino Nobile de Montepulcciano? - Richtig! Im Vino Nobile ist keine einzige Traube Montepulcciano drin, im Gegensatz zu seinem kleinen Namensvetter! Der Vino Nobile wird aus Sangiovese hergestellt! Wer hätt´s gewußt?!

Und so gibt es gerade in Italien noch ein paar andere Weine, bei dessen Namen man ein wenig ins Grübeln kommt. Einer von ihnen wird überwiegend in Salento und Puglia, teilweise auch in Umbrien erzeugt: der Primitivo. Also über diesen Wein gibt es die merkwürdigsten Gerüchte. Die einen sagen, daß dieser Wein aus ganz einfachen Trauben gemacht würde, die praktisch überall "am Wegrand" wachsen würden. Die anderen sagen, es sei so eine Art einfacher, "primitiver" Landwein, der keine besondere Eigenschaft haben soll - nur so zum Trinken zwischendurch. Wieder andere vermuten dahinter soetwas wie den Beaujoulais Primeur, also die erste Abfüllung eines Jahrgangs, die am besten direkt getrunken werden sollte. Alles falsch! Die Wahrheit ist viel interessanter...

Tatsächlich ist die Traube unter einem ganz anderen Namen weltweit viel bekannter, nämlich "Zinfandel"! Genau, dieser fruchtige, teils wuchtig-weiche Rote überwiegend aus Kalifornien stammende Wein ist praktisch auch ein "Primitivo". Und das kam so: vor vielen, vielen Jahrhunderten, als der Wein in Form von Reben nach Italien gebracht wurde, gab es eine Traubensorte, die besonders anspruchslos und widerstandsfähig war, dabei recht großen Ertrag und akzeptable Weine hervorbrachte. Und weil sie so wenig Ansprüche stellte und überall wachsen konnte, wurde sie in großen Mengen fast überall in Italien verbreitet. Weil es die erste Rotweintraube war, die in so großen Mengen angepflanzt worden war, nannte man sie "Primus", lat. "der Erste"! Daher stammt der Name "Primitivo".

Im Laufe der Zeit aber wurde der Primus immer mehr von anderen Traubensorten abgelöst. Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Merlot traten stärker hervor. Heute ist der Primitivo nur noch in den oben genannten Gebieten beheimatet...und in Übersee. Denn natürlich hatte man Versuche angestellt, sie andreswo anzupflanzen. In Kalifornien fand sie die besten Voraussetzungen. Es war das ganze Jahr über sehr warm und die Böden sehr gut. Die Kultivierung verlief mehr als erfolgreich. Als Zinfandel wurde sie schon kurz nach ihrem Anbau überall bekannt. Durch die unterschiedlichen Klimata entwickelte die Traube zwei völlig unterschiedliche Charakteren. Heute muß man sagen, daß es zwei völlig eigenständige Weine sind, jeder auf seine Art. Populärer ist auf alle Fälle der Zinfandel. Aber warum eigentlich?

Aus dem Hause Galatrasi kommt ein Primitivo, der auch in der Fachwelt sehr von sich reden machte. Die Flasche ist im typischen Bordeauxformat gehalten, trägt nur ein recht kleines Etikett, trapezförmig mit goldener Umrandung. Darauf zu sehen ist ein lächelnder Teufelskopf. Damit wurde er bekannt und ist unverwechselbar! Sein Name ist "Allora", und ich bin ein großer Fan dieses Weins.

So ein Tropfen verlangt danach, wenigstens eine Stunde in der Karaffe zu ruhen und zu atmen. Er gehört zu den teuersten Primitivos und kostet um die 8 bis 9 Euro. Primitivo gibt es aber auch schon ab 4 Euro. Doch Vorsicht! Es gibt weiche Primitivos in dieser Preislage (z. B. aus Salento) und es gibt würzig-trockene Rotweine, die meist aus Puglia kommen und sogar etwas schroff wirken können. Man sollte diese Weine auf jeden Fall auslüften lassen.

Nach einer Stunde konnte ich es nicht mehr abwarten; ich mußte meinen Allora Primitivo probieren. Seine Farbe im Glas war gleichmäßig dunkel, gegen das Licht gehalten an Purpur erinnernd. In der Nase spürte ich zarte Himbeernoten und Kirscharomen mit einer leichten Kakaonote im Hintergrund. Am gaumen präsentierte er sich ungemein rund und wecih, gleichzeitig aber auch wieder kompakt und gaumenfüllend ohne eine bleiernde Schwere.

Dunkle Kirschnoten waren spürbar, seidige Säure durchzog den Weinkörper auf filigrante Art, so daß sie nicht störend wirkte. Würzige Pflaume kitzelte meinen Gaumen. Er besaß Gehalt und Nachhaltigkeit, eine angenehme Fülle und einen sehr ansprechenden, runden Geschmack. Im Abgang zeigte er sich buchstäblich von seiner Schokoladenseite. Seidige Kakaonoten, die an eine gute Schokoladentafel erinnerten, rundeten die leichte Samitigkeit ab, mit der sich der Allora verabschiedete. Wunderbar.

Ob ich zu dem Preis nicht schon bessere Weine getrunken hätte? Oder günstigere noch besser gewesen wären? Letzteres bestimmt nicht. Und zu Ersterem möchte ich sagen, daß ich immer die Relation zwischen Aufwand, Ertrag und endgültigem Preis betrachte. Und bei diesem Schmuckstück weiß ich, daß sich das Weingut strenge Regeln für den Anbau des Primitivos auferlegt hat. So wird zum Beispiel nur ein Drittel der Trauben überhaupt geerntet und alles von Hand verlesen! Danach wird er für etwa 6 Monate in nobler, französischer Eiche gelagert. Wenn man all das zusammen rechnet ist der Preis meiner Ansicht nach gerechtfertigt.

Das überaus lobenswerte an diesem Roten ist, daß er praktisch zu allem passt. Käse aller Art, Fleischgerichte, auch Kaninchen oder Fasan, Eintöpfe, Pizza oder Pastagerichte. Oder einfach zum Trinken mit Freunden und bekannten. Auch ein leichter, nicht zu starker Cigarillo gesellt sich gerne geschmacklich dazu! Bei seinem Potenzial läßt er sich außerdem auch noch einige Zeit lagern - bis zu 8 Jahren bei guten Jahrgängen, aber 5 bis 6 Jahre sind immer möglich. Je jünger er getrunken wird, umso mehr lassen sich noble Würze und rauchige Noten vom Faß erahnen. Die Säure ist dann aber meist auch noch nicht ganz ausgereift.

Soviel zu diesem "primitiven" Wein. Noch ein Wort zu Abschluß: das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken! In diesem Sinne viel Spaß beim Nachverkosten, vielen Dank für´s Lesen und bis zum nächsten Mal!

Euer Weinmichel

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
caramella

caramella

25.08.2004 11:51

Si si niente primitivo, dein Bericht aber auch nicht;-)

Federico2

Federico2

24.08.2004 08:38

Deinem Bericht kann ich voll und ganz zustimmen, ein Superwein mit einem Super Preis-Leistungsverhältnis, mein Hauswein schon seit über 5 Jahren und zwar in diesem Fall vom Weingut Leone de Castris in Salice Salentino (Apulien). Die Primitivo-Rebe wird in USA unter dem Namen Zinfandel angebaut, das Ergebnis ist aber nicht so gut wie das aus Apulien. LG Klaus

Nuschelbert

Nuschelbert

24.08.2004 08:33

Guter Weinbericht. Da muss man sich schon etwas auskennen.

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