Erfahrungsbericht über "Purple Rain - Prince"

veröffentlicht 05.06.2001 | Artatius
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Erfahrungsberichte : 90
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Über sich :
Ausgezeichnet
Pro Stimme, abwechslungsreich, intensiv
Kontra einige Songs sind nicht mehr wirklich zeitgemäß
sehr hilfreich

"Let Me Guide U 2 The Purple Rain..."

Als ich gerade eben, im Bewußtsein, daß ich gleich darüber einen Beitrag schreiben werde, die CD "Purple Rain" von Prince einlegte, ging ich aus meiner Erinnerung an die Songs davon aus, dem Album drei, allerhöchstens vier Sterne zu verleihen. Nach einem kompletten Hördurchgang werden es aber dann doch wohlverdiente fünf. Denn, obwohl dieses Album nun schon mehr als 15 Jahre auf dem Buckel hat, reißt mich der Sound, obgleich ich mit dieser Art der Rock/Pop-Musik ansonsten eher nicht viel anfangen kann, unweigerlich mit.

Um aber etwas sachlicher zu werden. "Purple Rain" ist im Grunde eine Filmmusik, und kam anläßlich des gleichnamigen autobiographischen Streifens (habe den Film nie gesehen, meines Wissens aber geht es darin um die Karriere von Prince) in den Plattenhandel. Zu den einzelnen Songs:

Der Opener "Let´s Go Crazy" beginnt bereits äußerst ungewöhnlich mit Orgelsound und einem an einen Priester erinnernden, predigenden Prince ("Dearly Beloved, We Are Gathered Here Today To Get Through To This Thing Called Life..."), ehe ziemlich antik klingende, typische 80er Jahre Drumsounds in die Predigt eingeflochten werden und ein eingängiges rockiges Gitarrenriff und Keyboard-Harmonien den Ton angeben und ein recht flottes Tempo vorlegen. Die Melodie der Instrumente sowie des Gesangs gehen unweigerlich ins Ohr, wobei Prince seiner Stimme besonders gegen Ende ein unüberhörbares James Brown-Flair verleiht. Insgesamt ein mehr als überzeugender Gute-Laune-Song, bei dem die etwas unpassend, vereinzelt eingestreuten weiblichen Vocals nicht wirklich störend sind.

"Take Me With You" bestreitet Prince im Duett gemeinsam mit einer Dame namens Apollonia, ein leichtes, durch durchgängige Streichereinsätze an Spannung gewinnendes Liebeslied. Während dieser Song noch nahezu komplett auf Melancholie verzichtet (die Streicher deuten nur in einer kurzlebigen Passage einen Hauch von Nachdenklichkeit an), beginnt "The Beautiful Ones" todtraurig. Sehr langsam vorgetragen, mit einem halligen Schlagzeugsound, und von Keyboardtönen dominiert schmachtet Prince seiner Liebsten hinterher, die sich zwischen ihm und einem Nebenbuhler entscheiden soll. Und während Prince sich durch die Strophen quält, werden die Keyboardsounds nach und nach seltsam schräg, und der Song gewinnt an Lautstärke. Prince wacht aus seiner Lethargie auf, schreit mit seiner schrägen Stimme unterstützt von einem zauberhaften Gitarrensolo seine Verzweiflung heraus. Ein Song, der gerade in der zweiten Hälfte sehr intensiv und aufwühlend ist.

"Computer Blue" wiederum scheint wie ein Streifzug durch verschiedenste Stile 80er Jahre Musik. Mal rockig, mal poppig, dann wieder schräg, und wieder von vorne. Insgesamt fehlt der rote Faden.

Den wiederum hat "Darling Nikki", anfangs getragen von dem erzählerischen Gesang von Prince, mischen sich nach und nach immer deutlicher die Instrumente in den Song. Und je mehr die Instrumente das Kommando übernehmen (man mag es kaum glauben, aber hier gibt es gar einen double-bass-Einsatz des Schlagzeuges, allerdings sehr im Hintergrund), gewinnt auch die Stimme von Prince an Schrägheit. Ein sehr interessanter und eingängiger Song.

Zu "When Doves Cry" brauche ich eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Mach ich aber trotzdem. Ein jedes Mal ist es erstaunlich, wie wenig man braucht, um einen Song so traumhaft intensiv zu gestalten. Der sich ständig wiederholende und überhaupt nicht variierende Rhythmus des Schlagzeugs, der sofort ins Blut geht, die im Laufe an Abwechslung gewinnenden Keyboardsounds verbunden mit dem aussdruckstarken Gesang von Prince, der im nüchtern monotonen Refrain von Backgroundstimmen unterstützt wird. Ein Song, der unweigerlich Sehnsucht hervorruft, nach was, sei jedem Hörer selbst überlassen (einige Künstler haben wohl nach dem Hören dieses Songs Sehnsucht nach Erfolg gehabt, und diesen Titel als Vorlage für eigene Interpretationen verwendet, oder kurz ausgedrückt: gecovert, um sich im Musikgeschäft einen Namen zu machen...).

Etwas unpassend wirken die anschließenden, zu fröhlich klingenden Songs "I Would Die 4 You" sowie "Baby I´m A Star". Beide Stücke sind nicht weiter erwähnenswert, da zwar nicht unbedingt eine Qual für die Ohren, sie aber auch nicht wirklich herausragend sind... kommen wir also schnell zum letzten Song, DEM Song von Prince überhaupt:

Der Titelsong "Purple Rain". Ein fast 9-minütiges Werk mit unbeschreiblichem Tiefgang. Schon die ersten Gitarrentöne strahlen eine Traurigkeit aus, die einem einen Schauer über den Rücken laufen läßt. Und wenn sich die Stimme von Prince dazu gesellt, ist die Melancholie, die sich zeitweise mit Verzweiflung vermischt, perfekt.
Ob die Streicher zu diesem Eindruck beitragen ? Auch. Was den Song aber insbesondere noch eine Spur intensiver macht ist die Tatsache, daß es sich um einen Live-Mitschnitt handelt. Wirken die anderen Songs des Albums doch teilweise zu sehr nach Studio, hat man hier eine grundehrliche, ungeschminkte Aufnahme. Beim genauen Hinhören kann man gar zustimmende, mutmachende und zaghafte "Yeah"-Rufe aus dem Publikum hören, die dem gewaltigen Eindruck dieses Songs den allerletzten Schliff an Glaubwürdigkeit verleihen.

Fazit: Sicher sind einige Songs nicht mehr zeitgemäß und der 80er Jahre-Sound zu offensichtlich. Dennoch haben beispielsweise ein "Let´s Go Crazy" oder "Darling Nikki" immer noch ihren Reiz. Und Klassiker wie "When Doves Cry" und "Purple Rain" haben nach all den Jahren eh nichts von ihrer Intensität verloren und sind zeitlose Meisterwerke. Und der stimmliche Ausdruck von Prince ist einfach gewaltig. Man hat unweigerlich das Gefühl, daß Prince die Songs wirklich bis aufs Letzte ausgelebt hat.
Normalerweise spreche ich an dieser Stelle Empfehlungen aus. Leider aber kann ich dieses Album mit anderen Werken nicht vergleichen, da ich bis auf die "Gold Experience" von 1995 keine andere CD von Prince jemals in meinen Händen gehalten habe und mir nur seine Single-Veröffentlichungen der 80er sowie frühen 90er Jahre noch gerade so im Ohr sind. Wer aber erst an den Spätwerken von Prince (oder wie auch immer er mittlerweile heißen mag) Gefallen gefunden hat, der sollte sich, soviel kann ich wohl sagen, nicht blind auch dieses Album zulegen.
Wer sich aber bei 80er - Klängen der poppig-rockigen Art beheimatet fühlt, MUSS auf jeden Fall ein Ohr riskieren.
Für alle anderen gilt selbiges, da die CD für schlappe 12,99 DM (wird immer wieder von großen CD-Händlern wie Saturn oder MediaMarkt zu diesem Preis angeboten) einfach nicht achtlos liegengelassen werden kann.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Kyria veröffentlicht 07.06.2001
    Prince hab ich eigentlich noch nie gehört. Die einzige Band, die mir aus den 80ern blieb, ist Depeche Mode. Inzwischen ist der damalige Sound nichts mehr für meine Ohren. Obwohl ich bei deinem Bericht doch ein bißchen wehmütig werde. Liebe Grüße, Kyria.
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