Der 6. Streich: Endlich direkt unter MacOS X
02.09.2003 (07.09.2003)
Pro:
Läuft unter MacOS X, einige interessante Neuerungen
Kontra:
Registrierungszwang, kein gedrucktes Handbuch
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Benutzerfreundlichkeit
Stabilität:
mehr
 Hajott
Über sich:
If vegetarians eat vegetables - what do humanitarians eat then?
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Hinweis: Diesen Bericht habe ich bereits gestern Vormittag bei ciao eingestellt. Da es aber offenbar einen größeren Rechnercrash gab und ein Backup vom vergangenen Samstag eingespielt werden musste, ist dieser Bericht leider verloren gegangen. Daher bitte nicht wundern, wenn du ihn schon gelesen hast – deine Bewertung ist ebenfalls verloren. Danke. Seit langem heiß ersehnt, ist sie nun seit einigen Tagen auf meinem Rechner installiert: Die Version 6 von Quark XPress (nicht „Express“, wie es in der Kategorie steht). Welche Neuerungen es bringt, welche Vor- und evtl. auch Nachteile, das werde ich für euch in meinem folgenden Bericht zusammenfassen.
Da es den Rahmen eines solchen Berichts bei weitem sprengen würde, wenn ich auf alle Einzelheiten von XPress einginge, habe ich mich entschlossen, nur kurz im Groben auf die allgemeinen Eigenschaften von XPress einzugehen und mich danach auf die Neuerungen der Version 6 zu konzentrieren. Was ist Quark XPress eigentlich? ********************************
Hierbei handelt es sich um ein Programm, welches umfassende Layout-Aufgaben übernehmen kann. Unzählige Bücher, Zeitschriften, Prospekte oder Kataloge wurden mit XPress produziert. Derartige Programme werden in erster Linie professionell in (zum Beispiel) Verlagen, Werbeagenturen, Satz- oder Belichtungsstudios sowie in Druckereien eingesetzt. In XPress arbeitet man mit so genannten Rahmen oder „Boxen“. Das sind zunächst nichts anderes als Objekte innerhalb eines Dokuments, die dann mit Texten oder Bildern „gefüllt“ werden. Diese Rahmen werden auf einer „Montagefläche“ platziert und angeordnet. Aus der Gesamtzahl dieser Rahmen (theoretisch können beliebig viele solcher Rahmen auf einer Seite stehen) entsteht ein Layout für ein Buch, eine Zeitschrift, eine Werbeanzeige oder was auch immer. Seit Version 5 ist neben der Printproduktion auch die Erstellung von Webseiten möglich – dazu weiter unten mehr.
Seiten können auf der Montagefläche sozusagen beliebig angeordnet werden, die einzige Einschränkung ist, dass die Montagefläche maximal einen Meter und ein paar Zentimeter breit bzw. hoch sein darf (weiß die Maße jetzt nicht mehr exakt). Die Montage von kompletten A0-Druckbögen ist also möglich. Es gibt quasi unendlich viele Einstellungsmöglichkeiten für Feinheiten wie typografische Vorgaben (Zeilenabstand, Grundlinienausrichtung, Unterschneidungsvorgaben, Silbentrennung usw.), damit am Ende ein wirklich professionell gestaltetes Produkt herauskommt.
Eine Rechtschreibprüfung ist auch eingebaut, aber die ist eigentlich zum Hühner füttern (auch – und damit greife ich jetzt schon ein wenig vor – in der neuesten Version). Wenn ich zum Beispiel „Die sieben Zwerge“ schreibe, dann wird das Wort „Die“ von der Rechtschreibprüfung als unbekannt gemeldet; und es kommen dann Korrekturvorschläge wie „Dieb“, „Dieu“ oder „Diego“. Das Wort „Daraus“ (groß geschrieben, da am Satzanfang) wird ebenfalls nicht erkannt – Korrektur nach „daraus“ (klein geschrieben) wird vorgeschlagen. Und obwohl „Neue Rechtschreibung“ eingestellt ist, wird zum Beispiel das Wort „dass“ als falsch erkannt und statt dessen „daß" zur Korrektur vorgeschlagen. :-/ Meine Meinung zur Rechtschreibprüfung: Tonne! Das war auch schon in früheren Versionen so. Gott sei Dank kriege ich die meisten Texte, die ich in Layouts einfüge, als Word-Dateien (dass ich das als Macianer mal sagen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen) – dessen Rechtschreibprüfung ist wirklich um zig Klassen besser.
Die Neuheiten in XPress 6 ************************* Das Wichtigste für mich als Mac-User zuerst: Endlich läuft XPress nativ unter MacOS X. Endlich ist es vorbei mit dieser Schei*-Classic-Umgebung, die immer ewig startet, instabil ist und wo XPress 4 wegen des Dongles überhaupt nicht läuft (mein Dongle wird in der Classic-Umgebung nicht erkannt) und XPress 5 schnarchlangsam ist. Vor allem die Macs, die gar nicht mehr unter MacOS 9 booten können, sind hier schwer im Nachteil gewesen.
Die Windows-Version von XPress 6 läuft übrigens auch nur noch auf Windows 2000 oder Windows XP. Da ich diese jedoch nicht kenne, berichte ich hier ausschließlich über die Mac-Version, wobei ich davon ausgehe, dass die Funktionen ähnlich sind. Aqua-Oberfläche ***************
Dass das Programm jetzt direkt unter MacOS X läuft (ab MacOS X 10.2 und nicht mehr unter dem klassischen MacOS – hier hat Quark wirklich einen großen Schnitt gemacht), bedeutet auch, dass XPress jetzt im neuen „Aqua“-Gewand daherkommt, sprich: die neue Aqua-Oberfläche von MacOS X zeigt. Man kann darüber geteilter Meinung sein, die einen sagen, diese Bonbon-Optik erinnere an Kindergartenprogramme, anderen gefällt es. Ich zähle mich zu den letzteren. Die Oberfläche an sich und die grundsätzliche Handhabung haben sich wenig bis gar nicht geändert, sodass man – abgesehen von der Optik – sich sehr schnell wieder darin zurecht findet.
Projekte ******** XPress erzeugt ab Version 6 keine „Dokumente“ mehr, sondern „Projekte“. Das bedeutet, dass innerhalb eines Dokuments (also eines Projekts ... ;-) ) mehrere Layouts nebeneinander existieren können, zum Beispiel „Print“ und „Web“. Diese können in bestimmter Weise miteinander verknüpft werden, sodass die Arbeit damit erleichtert werden kann. In der Fachsprache nennt man dies „Crossmedia-Publishing“, wo man eben in Bezug auf „Corporate Identity“ bzw. „Corporate Design“ auf einheitliche Gestaltung aller Medien achtet.
Viele Einstellungen (Stilvorlagen, Farben usw.) gelten projektweit und müssen daher nur einmal für alle Layouts angelegt werden. Viele, aber nicht alle. So ist es zum Beispiel nicht möglich, mit der Funktion „Suchen und Ersetzen“ Text in allen Layouts zu ersetzen. Das funktioniert immer nur im gerade aktiven Layout. Auch Ebenen – ebenfalls eine Neuerung in XPress 6 – können immer nur im aktiven Dokumententeil angelegt und editiert werden. Dies ist besonders ärgerlich, weil zum Beispiel die Änderung der Reihenfolge solcher Ebenen dann immer in allen Layouts wiederholt werden muss. Das finde ich irgendwie inkonsequent und hoffe, dass dies in zukünftigen Update-Versionen berücksichtigt wird. Innerhalb eines Projekts werden die unterschiedlichen Layouts durch kleine „Reiter“ am unteren Bildschirmrand gekennzeichnet. Leider kann man mehrere Layouts nicht nebeneinander anordnen, um zum Beispiel per „Zieh & Plumps“ (also „Drag & Drop) Objekte von einem zum anderen zu kopieren. Hier muss man per „Copy & Paste“ arbeiten. Immerhin kann XPress 6 nun die Funktion „An gleicher Stelle einfügen“ („Command-Alt-Shift-V“ an Stelle von „Command-V“ – bei Windows vermutlich „STRG“ an Stelle von „Command“). So wird ein in der Zwischenablage befindliches Objekt exakt an den gleichen Koordinaten eingefügt, an denen es vorher war.
Ebenen ****** Zu Ebenen habe ich oben schon kurz geschrieben, dass diese nun möglich seien. Man kann sich das ungefähr so vorstellen wie in Photoshop, wo Ebenen quasi das „A und O“ sind. Ganz so notwendig sind ebenen in XPress nicht, aber es erleichtert die Arbeit doch ungemein, wenn man zum Beispiel Texte auf eine Ebene und Bilder auf eine andere Ebene stellt. So kann man zum Beispiel die Bilderebene vorübergehend ausblenden und sich ganz auf die Texte konzentrieren. Oder der Lektor, der die Texte korrigieren und nicht durch die Bilder abgelenkt werden soll, bekommt eine Version ohne die Bilder. Usw. usw.
Synchronisierter Text ********************* Das ist eine tolle Neuerung, die folgendes macht: Mit dieser Funktion können Texte layoutübergreifend innerhalb eines Projekts bearbeitet werden. Stilvorlagen werden dabei nicht verändert.
Beispiel: Ich erstelle mit Quark XPress ein Printlayout, zum Beispiel einen Prospekt und gleichzeitig eine Webseite innerhalb eines Projekts. Die Texte sind weitestgehend die gleichen, allerdings sind die Schriftarten, Schriftgrößen und Absatzstile (Fett, kursiv, zentriert usw.) unterschiedlich, da das Weblayout möglicherweise layouttechnisch anders aufgebaut wird. Hier kann ich nun den Text einmal ändern und in allen Layouts wird dies berücksichtigt, und die Absatzstile und die unterschiedlichen Schriftarten und -größen bleiben jeweils erhalten. Hoch auflösende Grafiken ************************
Bisher war es immer so, dass in der Bildschirmvorschau Grafiken relativ schlecht, weil niedrig auflösend, dargestellt wurden. Das war zum einen eine gute Sache, weil es in Bezug auf Geschwindigkeit recht wenig Performance-Einbußen brachte. Auf der anderen Seite war es aber oftmals auch so, dass die groben Auflösungen Feinarbeiten erst gar nicht ermöglichten, sondern dass man erst einen Probeausdruck machen musste, um zu überprüfen, ob alles stimmt. Mit einer speziellen Xtension – die allerdings erst nach Registrierung (siehe weiter unten) freigegeben wird – kann man nun einzelne Grafiken (auch EPS-Dateien) in Vollauflösung anschauen.
Mehrfaches Widerrufen ********************* Auch dies (bis zu 30 Schritte rückwärts) ist nun möglich – in den Vorgängerversionen war immer nur ein Schritt zurück möglich. Allerdings halte ich auch die 30 Schritte für nicht genug; man muss sich teilweise dann mit „zurück zur alten Version“ behelfen, womit man zur letzten gesicherten Version zurückkehrt und somit alle danach erfolgten Bearbeitungsschritte verwirft. Aber immerhin, ich will mich ja nicht beklagen. :-)
Zwangsregistrierung ******************* Das ist ein Thema, das mir nicht so schmeckt. Raubkopierschutz hin oder her ... Die Dongle-Geschichte aus XPress 4 gehört ja Gott sei Dank bereits seit XPress 5 wieder der Vergangenheit an.
XPress 6 muss nun innerhalb von 5 Tagen nach der Installation entweder telefonisch oder per Internet registriert werden, ansonsten wird es nach diesem Zeitraum automatisch zur Demoversion. Diese Zwangsregistrierung ist an die Hardware und an den darin eingebauten RAM-Speicher gebunden, das heißt wenn ich mir einen neuen Rechner kaufe oder RAM-Module aufrüste oder austausche, muss ich mich erneut zwangsregistrieren. Leider ist es dadurch auch nicht mehr möglich, XPress auf mehr als einem Rechner zu installieren. Das ist zwar auch schon durch die Lizenzbedingungen verboten, aber ich persönlich habe niemals ein Problem damit gehabt, zum Beispiel XPress 5 sowohl auf meinem Desktop-Rechner als auch auf meinem iBook installiert zu haben. Ich kann 100 % davon ausgehen, dass außer mir niemand mit diesem Programm arbeiten wird. Und ich selbst werde wohl kaum auf zwei Rechnern gleichzeitig arbeiten.
Nun kann ich das Ganze wirklich nur auf einem einzigen Rechner installieren, für das iBook bräuchte ich dann eine zweite Lizenz, die nicht gerade billig ist. Wie gesagt: Die Lizenzbestimmungen haben dies schon immer gefordert, aber ich finde eine solche Einschränkung nicht in Ordnung. :-(
Neue Web-Funktionen ******************* Zunächst mal grundsätzlich: Ob es Sinn macht, mit einem DTP-Programm Web-Layouts zu erstellen, möchte ich jetzt mal nicht kommentieren. Vor allem, weil es eben wirklich grundlegende Unterschiede zwischen Print-Layout und Web-Layout gibt und man nicht einfach einen gedruckten Prospekt (zum Beispiel) 1:1 auf eine Webseite übertragen kann. Das fängt bei unterschiedlichen Fensterbreiten an und hört bei den Schriften noch lange nicht auf.
Da ich mich in erster Linie mit Print beschäftige und Web nur ganz am Rand mitläuft, habe ich auch nicht so die Detailkenntnisse, um dieses Programm diesbezüglich wirklich beurteilen zu können. Also lasse ich das lieber. Nichts desto trotz will ich hier noch die wichtigsten Neuerungen erwähnen. Zum einen wäre hier das so genannte „2-Position-Rollover“ zu nennen. „Rollover“ bedeutet, dass ein Objekt einer Webseite sich verändert, wenn man mit der Maus drüberfährt. Zum Beispiel könnte das ein Button sein, der nun, wenn die Maus ihn „berührt“, seine Farbe verändert.
Das „2-Position-Rollover“ verändert nun nicht das Objekt, welches von der Maus berührt wird, sondern irgendein anderes Objekt auf der Webseite. So kann man ein bisschen mehr Interaktivität und Dynamik auf so eine Seite bringen. Die Funktion „Cascading Menüs“ erstelle auf sehr einfache Weise Kontextmenüs.
Ansonsten ist im Wesentlichen alles beim Alten geblieben: CSS, Formulareditor usw. „Sauberes HTML“ schreibt auch XPress nicht. Ich habe mal spaßeshalber eine ganz einfache „Webseite“ (ein Textrahmen und ein Bild) erzeugt und in iCab geöffnet (iCab ist ein Mac-Browser, der unter anderem auch die Konformität mit „Strict HTML“ überprüft). Und selbst bei so einem einfachen Projekt kommen schon vier Fehlermeldungen!!
PDF-Erzeugung ************* In XPress ist seit Version 6 der PDF-Konverter „Jaws PDF Library“ von Global Graphics integriert. Das heißt, dass man nicht mehr zwingend auf Acrobat bzw. Distiller zurückgreifen muss, um ein (hochwertiges) PDF zu erzeugen. MacOS X bietet zwar auch selbst eine Möglichkeit, PDF-Dateien zu erzeugen (direkt im Druckdialog), hier ist das Ganze allerdings noch viel rudimentärer – Einstellungsmöglichkeiten gibt es da keine.
Auch bei XPress selbst muss man auf einige PDF-Features – wie zum Beispiel die Einbettung von ICC-Profilen – verzichten. Preis *****
XPress ist ein Profi-Programm, welches viel kann, welches aber auch seinen Preis hat. Neu kostet es ca. 2.200 EUR netto, also zzgl. MWSt.. Ich selbst habe vor einiger Zeit ein Angebot bekommen, dass ich mein XPress 4 für 519 EUR (zzgl. MWSt.) auf die Version 5 upgraden kann und dann – nach Erscheinen – ein kostenloses Update auf die Version 6 erhalte. Hier habe ich zugeschlagen, zumal ich mein XPress 4 seinerzeit gebraucht für 500 EUR bei eBay ersteigert habe. So habe ich also ein Programm, welches normalerweise weit über 2.000 EUR kostet für eine Investition von insgesamt etwas mehr als 1.000 EUR bekommen. :-) Fazit *****
Vor allem die Lauffähigkeit unter MacOS X ist ein Riesenschritt, auch wenn er spät kommt (immerhin gibt es MacOS X mittlerweile seit fast drei Jahren). Ansonsten sind einige nette Neuerungen wie zum Beispiel das Projektkonzept oder der synchronisierte Text dabei, die Spaß und Erleichterung bringen. Das Gegenteil bringt jedoch die Zwangsregistrierung, die mich leider dazu zwingt, auf meinem iBook weiterhin XPress 5 zu fahren. :-(( Insgesamt würde ich dem Programm eine gute 2-3 geben, mit Tendenz zur 2. Da die Firma Quark es aber nicht für nötig erachtet, für 520 Euro auch noch ein gedrucktes Handbuch beizulegen (es gibt lediglich eine PDF-Datei auf der CD), vergebe ich 3 Sterne.
Update vom 07.09.2003 ********************* Ein Wort noch zur Abwärtskompatibilität: Quark XPress 6 kann Dateien der Formate XPress 3, 4, 5 und 6 öffnen. Speichern kann man diese Dateien jedoch nur noch in den Formaten XPress 6 und XPress 5.
© Hajott für ciao, September 2003
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15.01.2004 04:26
6 ist wirklich ein riesen schritt, ganz besonders für uns x.ler – kann ich nur zustimmen. leider muss ich wohl mal neu installieren: immer öfter verweigert qxp mir ein simples leerzeichen! statt dessen springt es zur neuen rückgängig.taste, die ansonsten – wie du ja erwähnst – klasse ist und auch überfällig war. aber den falschen namen durch das ciao.team hat es trotzdem nicht verdient.
27.09.2003 20:44
mich ;-p
27.09.2003 20:44
wir haben mit quark unsere abizeitung gebastelt. mir hat vor allem die einsteigerfreundlichkeit überzeugt!