Ein kleiner Cookie auf Reisen...

5  29.10.2007 (30.10.2007)

Pro:
Leute, Stimmung, Gruppengefühl, Arbeitsorte

Kontra:
teilweise sehr anstrengend, anfänglich recht kostenintensiv

Empfehlenswert: Ja 

muschelsucherin84

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Mitglied seit:13.05.2007

Erfahrungsberichte:8

Vertrauende:1

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Um ein wenig Geld nebenbei zu verdienen bewarb ich mich im April 2006 auf eine Stellenanzeige vom Jugendreiseveranstalter RUF (Reisen und Freizeit für junge Leute) aus Bielefeld. Hier will ich euch nun meine Erfahrungen aus mittlerweile 2 Saisons mit RUF schildern.

--:--Die Bewerbung--:--

Auf die Anzeige aufmerksam wurde ich in einer kleinen, kostenlosen Zeitschrift für Kleinanzeigen aller Art in Münster (habe zu der Zeit da gewohnt). Es wurden Teamer, Cookies und Servicekräfte gesucht, die im Sommer gerne im Süden arbeiten würden und sich etwas dazu verdienen möchten.
Das fand ich ganz spannend, da ich eh kein Geld für Urlaub hatte und mit RUF als Teilnehmer schon mal nach Schweden gefahren war. War ne klasse Sache.
Über die Internetseite www.ruf.de konnte man sich über die verschiedenen Jobs informieren und es wurde auch gleich angezeigt welche Jobs noch gesucht werden und wieviel man pro Tag verdient. Nach dem ich die Infos gründlich gelesen hatte, entschied ich mich dafür, mich als Cookie (also Koch/Küchenhilfe) zu bewerben, da ich gerne koche. Zwar stand dort, dass man möglichst Großküchenerfahrung mitbringen sollte, aber ich habe es einfach so versucht.
Die Bewerbung konnte man direkt über ein Onlineformular ausfüllen und man musste unter anderem seine Hobbys, Sprachkenntnisse, Erfahrungen in der Jugendbetreuung und eine evtl. "kreative Ader" angeben. Außerdem wurde gefragt, ob man einen großen Erste Hilfe Schein und einen Rettungsschwimmerschein hat. Hatte man dies bei der Bewerbung noch nicht, konnte man beides noch nachmachen und dann einreichen. Ebenso musste man angeben, ob man ein Gesundheitszeugnis hat (für Leute, die in der Küche arbeiten).

--:--Das Interview--:--

Nach etwa einer Woche klingelte mein Telefon und eine nette RUF Mitarbeiterin war dran, die mich zu einem Interview nach Bielefeld einlud. Wir machten einen Termin aus und ich fuhr (damals dank Semesterticket kostenlos) an einem Vormittag nach Bielefeld in die Zentrale von RUF.
Dort angekommen musste ich gar nicht lange warten und wurde auch gleich von einem freundlichen Herren mit in den Interview Raum genommen. Ich war ziemlich nervös, weil ich überhaupt nicht wusste was auf mich zukommt.
Zuerst wurde ich nach meinen Erfahrungen in der Küche gefragt, ob ich schon einmal in der Großküche gearbeitet habe etc. Dann fragte er, wie man verschiedene einfache Salatsoßen herstellt, welche Zutaten man braucht und wie lange 30 L Wasser zum kochen brauchen. Einiges habe ich geraten, anderes wusste ich.
Dann haben wir zwei kurze Rollenspiele gemacht, in denen er der Gast war, der sich übers Essen beschwert und ich der Cookie, der darauf reagieren muss.
Das Interview ging etwa eine halbe Stunde, dann musste ich 20 Minuten rausgehen und danach wurde mir gleich mitgeteilt, ob ich genommen wurde oder nicht.

--:--Das Seminar--:--

Nachdem man also das Interview hinter sich gebracht hatte, war noch längst nicht alles geschafft. Im Gegenteil, das schwierigste kam erst noch auf mich zu. Nach der erfreulichen Mitteilung, dass ich das Interview geschafft hätte wurde mir erklärt, dass alle zukünftigen Mitarbeiter erst zu einem 5-tägigen Seminar fahren müssen und erst nach Abschluss dieses Seminares endgültig entschieden wird, ob man einen Job bekommt oder nicht.
Die Entscheidung fiel mir erstmal nicht so leicht, da man sich erstens sofort verbindlich anmelden musste und das ganze mit einem Kostenpunkt von 80 Euro verbunden war (inkl. Verpflegung und Übernachtungen). Aber da ich nun schon mal so weit war, machte ich natürlich mit.
Das Seminar fand in einem RUF-eigenen Schulungshaus in Hillentrup (zwischen Bielefeld und Detmold) statt. Dort waren wir fünf Cookies, zwei Servicekräfte und etwa 35 Teamer. Die Cookies hatten die Aufgabe in den 5 Seminartagen für alle zu kochen, zu Unterstützung und Ausbildung hatten wir einen Chefkoch von RUF dabei. Für die Teamer gab es zwei Seminarleiter, die den zukünftigen Reiseleitern über Jugendschutzgesetz und Sexualstrafrecht jede Menge nützliches Wissen beibrachten.
Wir in der Küche hatten neben dem Kochen für alle (was ziemlich anstrengend war) natürlich auch einige theoretische Lektionen, wie zB über Hygiene, Waren- und Lagerkontrolle und vieles mehr.
Alles in allem war das Seminar verdammt anstrengend, denn neben viel Arbeit gab es natürlich auch viele nette Leute und lange Abende ;-)
Am letzen Tag bekamen wir dann, nachdem die Seminarleiter entschieden hatten, unsere Zu- oder Absage.
Ich bekam zum Glück eine Zusage und jede Menge Infomaterial mit. So fuhr ich total kaputt aber glücklich nach Hause und musste erstmal zwei Tage ausschlafen.

--:--Die letzten Voraussetzungen--:--

Das Seminar hatte ich also geschaft, jetzt musste ich mich noch um die anderen Dinge kümmern, die fehlten. Da man als Cookie nicht so den direkten Kontakt zu den Teilnehmern hat braucht man keinen Rettungsschwimmerschein. Aber einen großen Erste Hilfe Schein musste ich noch machen, der dauerte beim DRK 16 Stunden und kostete mich 30 Euro. Dann musste ich beim Gesundheitsamt noch die Gesundheitsaufklärung machen, die dauerte etwa 20 Minuten und kostete mich 25 Euro. Nachdem ich das alles weggeschickt hatte, konnte der Sommer kommen.

--:--Jetzt gehts los--:--

Mitte Juni rief ich bei RUF an und hatte als Neuling nur noch zwei Auswahl Möglichketien: entweder eine Woche Spanien oder drei Wochen Kids-Camp in der Heide.
Um reinzukommen und wenigstens ein bißchen Geld zu verdienen entschied ich mich für die 3 Wochen in Deutschland. Ich bekam ein Bahnticket und meine Reiseunterlagen und fuhr los. Im Zug traf ich noch viele andere RUFis, die auch alle das gleiche Ziel hatten.
Die drei Wochen waren wirklich super, auch wenn die Arbeit sehr hart war.

--:--Die Aufgaben--:--

Als Cookie macht man eigentlich alles was in der Küche am Tag so anfällt, das beginnt gegen sieben Uhr morgens mit dem Frühstück machen für 200-400 Personen. Da heißt es Wurst- und Käseplatten legen, Kaffee und Tee literweise kochen und palettenweise Milch und CornFlakes schleppen. Natürlich darf auch Obst nicht fehlen, also noch schnell eine Obstplatte schnippeln. Meist machten wir das Früshtück zu zweit, nach zwei Tagen hatte man sich eingewöhnt und wusste was zu tun ist. Gegen elf gab es dann für einen selbst Frühstück, nach dem man schon etwa zwei Stunden abgespült hatte.
Dann musste man sich schon sputen um mit dem Mittagssnack nicht zu spät zu kommen. Jetzt wurde mit den großen Geräten gekocht, etwa 60 Liter Milchreis oder 80 Liter Kartoffelpüree. Das waren die anstrengenden Seiten, denn das Rühren und Umfüllen in kleine Beälter war wie Krafttraining. Nach dem Mittag war dann wieder Spülen angesagt, so bis etwa um halb drei. Dann war für ca. 2 Stunden frei bevor man gegen halb fünf mit den Vorbereitungen fürs Abendessen anfing. Hier geht es immer am höchsten her, denn für 400 Personen Schnitzel braten, oder Frikadellen für Hamburger ist kein Kinderspiel. Da habe ich einige Brandblasen an den Händen mitgenommen. Wenn man gegen acht dann alles Geschirr gespült hat, gibt es erstmal Abendessen für die Küchenmannschaft bevor es an den unbeliebtesten Teil, das Küche putzen geht. Obwohl man nach mittlerweile 11 Stunden harter, körperlicher Arbeit nur noch nach einer heißen Dusche sehnt, wird diese Aufgabe mit aller Gründlichkeit und immer noch guter Stimmung und lauter Musik erledigt. Boden mit Schlauch, Schrubber und Reiniger bearbeiten, die Arbeitsflächen desinfizieren und die Mülleimer herausbringen. Ist das alles erledigt ist es etwa 22 Uhr und man fällt förmlich unter die Dusche und dann in seinen Schlafsack.

Natürlich muss man nicht immer alle drei Schichten durcharbeiten, sondern hat auch mal frei. Dieses Jahr war ich in Südfrankreich und habe jeden Tag auch mal am Strand gelegen. Oder man fährt mit dem Chefkoch in den Großmarkt einkaufen, ist auch eine nette, aber anstrengende Abwechslung, es gibt nämlich alles nur im Großformat!! Und das Ein- und Ausladen der Ware ist teilweise schwer.

--:--Mein Fazit--:--

Für mich bedeutet RUF zweierlei, eine super geile Zeit die verdammt anstrengend ist und Freundschaften fürs Leben. So intensiv wie man in drei Wochen auf engstem Raum den ganzen Tag zusammen arbeitet, wachsen einem die Leute verdammt schnell ans Herz. Das kann einen auch mal über eine Phase hinwegtrösten, in der man körperlich so geschafft ist, dass man keinen Bock mehr hat.
Wer sich für den Cookie Job bei RUF interssiert, sollte schon einigermaßen Kraft und Durchhaltevermögen mitbringen, denn die Arbeit in der Küche zehrt an den Kräften. Auch Schnitte und Verbrennungen bleiben nicht aus, aber dafür hat man mit Sicherheit eine ziemlich geile Zeit! Immerhin sind Unterkunft und Verpflegung umsonst und man kommt in die Sonne. Außerdem gibt es ja auch noch andere Jobprofile außer dem des Cookie.
Was ich noch sagen wollte ist, dass man über RUF Auslandsreisekrankenversichert wird, es ist also bestens vorgesorgt.

Alles in allem fünf Sterne für eine wunderbare Möglichkeit mit jungen Menschen Spaß zu haben und dazu in sonniger Umgebung ein Taschengeld zu verdienen. RUF ist spätestens nach der zweiten Saison nicht mehr einfach nur ein Nebenjob, sondern eine Lebenseinstellung!!!!

Auf Grund vieler Fragen will ich hier noch schnell sagen, dass man als Cookie 21.- Euro pro Tag verdient, innerhalb der ersten 30 Tage. Je länger man bleibt, desto mehr steigert sich der Verdienst. Als ab dem 31 Tag sind es glaub ich 24 Euro.
Wir man nach dem Seminar nicht genommen, hat man auf jeden Fall die 80,- "umsonst" ausgegeben, den Rest wie Erste Hilfe Schein etc. würde ich auf jeden Fall erst später machen.

Nächstes Jahr wieder mit dabei? Auf jeden Fall!!

Danke fürs Lesen und Bewerten,
bis zum nächsten Mal
Eure
muschelsucherin84
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ginger2007

ginger2007

02.11.2007 15:14

toller bericht lg die ginger2007

photoart

photoart

30.10.2007 01:02

ein sehr interessanter bericht. lg TOM

bellanotte

bellanotte

30.10.2007 00:46

Das hört sich ja an wie eine Casting Show. (Deutschland sucht den Super-Cookie) Wichtig wäre ganz sicher für interessierte Bewerber, in welcher Relation das von dir beschriebene Einstiegskapital von ca. 135.--Euro, zum Gewinn dieser nicht ganz leichten Arbeit steht?! Sind die Arbeitszeiten durch irgendeinen Vertrag geregelt??Bist du sozialversicherungspflichtig angestellt, oder unter welcher arbeitsrechtlichen Regelung läuft das ganze?...Vielleicht kannst du die 135 Euro sogar steuerlich wieder absetzen?!..Was passiert mit deiner Investition, wenn du nicht genommen wirst??

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