Es herrschen die verschiedensten Vorstellungen von einem Motorrad, einem Baby oder einem heißen Ofen… Jedenfalls sobald ich früher laut über eine BMW gedacht habe, fingen die Kumpels an zu lästern: Eine BMW kannst dir mal kaufen, wenn du ein Opa bist. Ja, das eher altbackene Aussehen, die kleine Leistung im Vergleich und das massive Gewicht verhalfen den
bayrischen Motorrädern nur selten in die Träume unserer jungen Generation. Damals.
Der BMW weit voraus eilte jedoch ein Ruf einer einzigartigen Zuverlässigkeit, die es wohl kein zweites Mal gibt.
Ich war oft im Gelände mit meinem früheren Motorrad, eine Honda Dominator, und die Möglichkeit ab und zu einfach mal ganz frei Schnauze zu fahren oder einen weitenentlegenen Flecken auf Bergen als unbedingten Zielpunkt anzufahren, ist für mich eins der schönsten Dinge an einem Motorrad.
Nachdem ich 5 Jahre mit der Dominator fuhr, sollte eine neue Maschine sie ablösen. Ich wusste noch nicht, ob mehr Strasse oder mehr Gelände. In der Absicht nach dem Stand der Dinge zu schauen, war der erste Stopp der BMW-Händler. Die GS steht für die 25-Jahre lange Tradition der Reise-Enduros von BMW. Davon stehen bei Ihrem BMW-Händler wohl 4 verschiedene Maschinen:
R 1200 GS Adventure
R 1200 GS
F 650 GS
F 650 GS Dakar
Da eine Einzylinder ein bisschen schnell Reifen wegfrisst und doch ein bisschen wenig Schub für hohe Geschwindigkeiten bringt, war die 1200 GS auf jeden Fall einen Blick wert und die 650 einen Blick später. Wozu es nie kam…
Klar wanderte der Blick ziemlich schnell auf den Preis. Mit rund 12.000 EUR Grundpreis sind sie dabei. Das ABS-Bremssystem mitzukaufen für weitere 1.000 EUR ist aus technischen, moralischen und prinzipiellen Gründen fast zwingend. Andererseits ist der Wiederverkaufswert beispiellos hoch. Eigentlich wollte ich auf jeden Fall eine Gebrauchte kaufen. Aber stolze Preise in der Region um die 8.000 EUR bei 100.000 km sprechen andere Worte und unterstreichen die Zuverlässigkeit.
Und so stand die Neue da: Eine große Enduro mit neu designtem Licht, einem geländemäßig hohen Lenker und den zwei herausragenden Zylindern des Boxermotors, die das Motorrad besser schmücken als jede Verkleidung. Das Schutzblech vorne ist gegenüber dem letzten Modell kürzer und wirkt schöner. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie sind gerade Porsche-Autos und BMW-Motorräder mit kühnen luftgekühlten Boxermotoren unterwegs.
Motor
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Obwohl mehr und mehr technische Raffinessen ihren Weg in dieses Motorrad gefunden haben, und die Ingenieure mittlerweile 100 PS bei 7000 U/min locker gemacht haben, hat sie auf 225 kg fahrfertig abgenommen. Ein satter Durchzug zieht einen schon bei niederen Drehzahlen nach hinten, ohne Vibrationen beim niedertourigen Fahren spüren zu lassen. Genau das Richtige,
um im Gelände jederzeit Schub zu erzeugen, ohne erst mal den richtigen Gang auf zu finden. Ab 5000 U/min setzt der Motor aber noch richtig einen drauf und erzeugt einen Schub, wie man es von einem schnellen Motorrad erwartet und wovor ich heute noch den Respekt nicht verloren habe. Für einen Motor dieser Größe und diesen Leistungswerten ist der Verbrauch ziemlich niedrig. Mit 5 bis 6,5 Liter ist man je nach Fahrweise dabei. So lassen sich bis zu 400 km mit den 20 Litern Tankinhalt machen.
Wie macht dieser Motor das?
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Die neue Philosophie des konsequenten Leichtbaus und die neue Motorelektronik BMS-K schaffen es das Optimum aus den 1200 ccm zu holen und das bei jedem Drehzahlbereich. Dank zwei getrennten Lambdasonden spritzt sich exakt die Benzinmenge ein, die der Motor zur optimalen Verbrennung braucht.
Unter dem Einfluss der Klopfsensoren und anderen Parametern errechnet die Elektronik den perfekten Zündzeitpunkt. So weiß der Motor wann die zwei Zündkerzen getrennt voneinander zu zünden sind um das Gemisch unter einer Verdichtung von 11,0:0 optimal zu verbrennen. Hat das Benzin (Super ist gefordert) eine höhere Oktanzahl, passt der Motor die Zündung automatisch danach an und holt mehr Leistung heraus.
Alle die Vibrationen, die durch die wuchtigen Vorgänge im Motor entstehen, werden durch eine neue Ausgleichswelle so wirkungsvoll gekillt, so dass ich euch gar nicht mehr berichten kann, als dass ich schlichtweg keine kenne. Ein wenig gewöhnungsbedürftig für den Erstboxerfahrer ist nur die Eigenschaft, in Fahrtrichtung drehender Achsen, das beim schnellen Hochdrehen des Motors im Stand, eine leichte Drehkraft zu spüren ist. Beim Fahren ist der Effekt kaum merkbar.
Motorradaufbau
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Das Fahrwerk der GS ist ziemlich verschieden, von denen anderer Motorräder. Die vordere Federgabel zum Beispiel ist mit der Telever zusätzlich stabilisiert. Sie bringt die Gabel kurz übern Rad noch mal in Haltung und versteift somit das ganze System. Das spürt man auch: Es baut sich ein sicheres Fahrgefühl in den Kurven auf beim Fahrer und beim Beifahrer. Auch hinten ist die Paralever als Einarmschwinge besonders steiff aufgebaut. Das Fahrwerk lässt sich vorn (Federspannung) und hinten (Federspannung und Dämpfung) an Last und Fahrbahn einstellen, so dass das Motorrad auch bei voller Zuladung manövrierbar bleibt und bei Riesenhuppels nicht aufsetzt.
Auf die Kette verzichtet BMW schon lange zu Gunsten des Kardans, er wirkt absolut ausgereift. Es ist kein großes Spiel bei Lastwechseln zu spüren und auch von dem früheren Kardantypischem Aufstellen beim Gasgeben spürt man nun wenig.
Das wohl beste und einzigartigste an diesem Motorrad ist aber das ABS-Bremssystem, welches man bei einem Kauf unbedingt mitbestellen sollte. Beim Betätigen der Handbremse verteilen die Integralbremsen die Kraft auch nach hinten. Man merkt gleich, sie stellt sich weniger auf und die Kraft ist optimal auf die beiden Räder verteilt. Beim starken Bremsen schaltet sich der Bremskraftverstärker ein und unterstützt das Bremsen. Keine Angst! Auch im nassen Gelände bleibt Bremsen eine gut dosierbare Angelegenheit.
Bleibt noch das ABS: Es lauert bei der Bremsung und überwacht, dass die Räder bei den giftigsten Vollbremsung nicht blockieren und somit die Steuerung des Motorrads verloren geht. Außerdem schützt es auch vor einem Aufstellen, so dass man im Notfall sofort alles bremsen kann, was die Reifen so hergeben. Es scheint einem, dass das einzige vor dem man aufpassen müsste, ist dass keiner einem hinten drauffährt :- ) Im Gelände erscheint mir das ABS zwar wirkungsvoll gegen Blockieren der Räder, aber als häufiger Geländegänger wäre ich ohne ABS wohl schneller am stehen. Deswegen lässt sich das ABS auch abschalten.
Die Sitzbank ist einfach ideal angepasst. Noch nie zuvor konnte ich auf einem Motorrad 12 Stunden fahren, ohne dass meiner Sozia oder mir der Hintern schmerzte. Die Sitzhöhe ist Endurotypisch hoch. Ich denke ich mit meinem 170cm bin nahe an der Untergrenze, aber ich hatte auch im leichten Gelände noch keine größeren Probleme.
Die gesamte Fahrzeugelektronik kommt nun ohne ein Relais aus. Alles wird voll elektronisch geschaltet. Dadurch reduzierte man das Gewicht und das Ganze ist verschleisslos. Kaputte Glühbirnen werden von der Elektronik selbst erkannt und angezeigt.
Eine wahrhaft gute Sache ist die Ganganzeige, die allzeit den Gang verrät. Also liebe Gangzähler und Gangschauer: Diese Maschine hat 6 Gänge, also nicht bei 4 oder 5 aufhören. Dann müsst ihr euch auch nicht wundern, wenn die GS bei 200 immer schon mit höchster Drehzahl fährt.
Die Gänge sind recht gut abgestimmt. Der Erste ist so übersetzt, dass man auch beim Balancieren im Gelände, schön langsam fahren kann. Der 6. Gang ist, der Benzinspar- und Motorschon-Gang, denn man kommt auch schon im 5. auf Höchstgeschwindigkeit. Das Getriebe ist robust und muss auch etwas robuster geschalten werden, zu leichtes Berühren des Schalthebels lässt in seltenen Fällen den Gang nicht richtig einrasten.
Was will man über den Auspuff hören? Klar man erwartet mehr Sound als die Serienanlage von sich gibt. Auch optisch war das elliptische Rohr nicht so mein Ding. Aber eins muss man der Werkanlage lassen, sie reizt die Maximalleistung gut aus. Ein BOS oder GÖTZ-Endschalldämpfer kann auch die akustische Schwäche bereinigen.
Auf jeden Fall hat man es mit einem Vorreiter in Sachen Umweltschutz zu tun, denn das Motorrad erfüllt mit seinem 3-Wege-Kat schon heute die zukünftige EURO-3 Norm.
Die letzte Probefahrt für lange Zeit
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Vor einer Probefahrt kann man nur warnen. Die Begierde kann in Sekunden ins unermessliche wachsen und fast vergessene Träume verwirklichen. Die 100 PS schaffen das, was man Beschleunigung nennt: Von 0 auf 100 km/h in 3,4 Sekunden. Obwohl es sich um eine Enduro handelt, gewinnt man auf der Strasse mit den entsprechenden Reifen sofort einen agilen Eindruck mit verblüffender Handlichkeit. Damit gewinnt sie auf kurvigsten Strecken gerne ein paar Meter. Antrittstark liebt sie es aus der Kurve rauszubeschleunigen und die Meter auszubauen. Das Hinterrad driften zu lassen ist dank dem enormen Drehmoment immer eine attraktive Option.
Auf der Autobahn behält der Motor kühle Köpfe, denn im gut ausgelegten 6. Gang herrschen auch bei hoher Reisegeschwindigkeit gesunde Drehzahlen, mit ordentlichem Durchzug. Den Fahrtwind hält die Frontscheibe weitgehend ab und die lässt sich zudem leicht in der Neigung einstellen.
Empfehlen als Zubehör kann ich das optionale Koffersystem: Es ist mit drei Handgriffen schnell abnehmbar und passt perfekt zum Design der Maschine. Außerdem ermöglicht ein Hebel im Innern, das einfache Vergrößern des Lagerraums. Zwei paar Skates und ein dicker Rucksack, sind so schnell eingepackt und immer mit von der Partie.
Auch die Schutzbügel für den Umfallschutz machen Sinn. Je nach geplanter Beanspruchung gibt es verschiedene Bügel.
Kauf
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Mein Händler hat mich gut und kompetent beraten. Auch wenn er selbst keine BMW hatte, gönnte er mir den Spaß und freute sich nach der Probefahrt mit mir mit. Als ich mich schließlich nach vielen Tagen reichlicher rationaler Überlegung und Schwärmereien entschied eins zu kaufen, musste es einfach das Sondermodell sein. Dieser AHG-Umbau mit schwarzer Lackierung und lackierten Felgen, neuer Front und einem BOS-Endtopf, war es der sofort meinen Blick in seinen Bann zog und mir nicht mehr aus den Kopf gehen wollte. Also wenn dann richtig! Die Sitzbank ist zweifarbig neubezogen. Als Sonderaustattung sind ABS, Griffheizung, Handprotektoren, Schutzbügel und Koffersystem eingebaut.
Der Kauf lief unkompliziert, wir haben uns schnell geeinigt. BMW hat alles nötige bis zur Zulassung unternommen, und auch am Tag X als ich nach der Barzahlung mein Motorrad holen wollte, zeigten sie Verantwortungs- und Qualitätsbewusstsein. Beim Endtest haben sie nämlich leichte Geräusche gehört und haben mir deswegen die Auslieferung übers Wochenende verzögert. Als ich nach einem kostenlosen Wochenende mit der Vorführ-GS wiederkam, hatten sie in einer großen Aktion alle Sonderteile an ein anderes Chassis geschraubt und die Zulassung für die neue Rahmennummer ein weiteres Mal vollzogen.
Fazit
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Qualität hat seinen Preis. Sicherheit kann unbezahlbar sein. Diese Maschine ist nicht nur vom Preis ein Porsche unter den Motorrädern und repräsentiert absolut den Stand der Technik 2006. Es ist alles andere als ein Motorrad speziell für Opis. Auf der 1200 GS hat man viel Fahrspaß und die Qualität verspricht das für viele Jahre. Allein die Garantiezeit lässt sich mit geringem Aufpreis auf 4 Jahr ausdehnen.
Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, der perfekte Kompromiss zwischen schnellem Reisemotorrad und einer reinrassigen Enduro, die das Gelände liebt. Ihre Figur wirkt groß und stark und sie hat die Ausstrahlung eines Streetfighters made in Germany.
05.12.2007 12:36
Guter Bericht ! Was mich aber auch interessieren würde: Welche Nachteile hat denn diese BMW ?
22.09.2006 21:23
Mir sind deine Infos alle viel zu theoretisch. Mag an der Ausdrucksweise liegen, aber du wirst einfach nie konkret, redest so ein wenig um den heißen Brei rum. Klingt wie der Text aus einem Werbeprospekt, aber nicht nach eigener Erfahrung und Alltagsbeschreibung... sorry. Auch wenn´s viel Inhalt ist, bringt es mich nur bedingt weiter. Grüße, Andreas
25.08.2006 13:48
Sehr guter Bericht und noch viel Spaß und immer all ZEIT gute Fahrt. Gruß