Indien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Eine Zeit mächtiger Fürsten und großer Kriegsherren, ein Schauplatz dramatischer Kämpfe und ein Land für Abenteurer aus aller... mehr
Erfahrungsbericht von Finetta12 über Raja - Roman / Gisbert Haefs 30.11.2008
Produktbewertung des Autors:
Niveau
durchschnittlich
Unterhaltungswert
durchschnittlich
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
berührt ein wenig
Pro:
vielschichtig
Kontra:
teilweise langatmig
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Hallo zusammen,
heute endlich mal wieder ein Buchbericht. Diesmal verleitete mich der Rückentext, den Roman aus unserer Bücherkiste mitzunehmen. Doch als ich die ersten Seiten las, kam alles anders.
Gisbert Haefs "Raja"
= ISBN 3-442-72779-0, btb Verlag, 473 Seiten, EUR 2,00
Inhaltsangabe
Indien ein Kontinent, der die Menschen schon immer faszinierte, so auch den irischen Bauernsohn George Thomas, "eine historische Figur", die sich 1781 an Bord eines englischen Kriegschiffs begibt. Als sie in Madras anlegen, erliegt er sofort der geheimnisvollen Faszination dieses farbenprächtigen und betörenden Ortes.
Daraufhin desertiert George Thomas und begibt sich auf die Suche, nach den drei Dingen, die ihn hierhin führten. Das sind zu einem die Geschichten, die ihm als kleiner Junger erzählt worden, sein Traum Raja zu werden und ein seltsamer Tod, den ihm eine geheimnisvolle Frau prophezeite.
Und da ist die Geschichte mit dem Heiligen Zeh. Am ersten Abend trifft er auf den Arzt Saldanha, der von der Inquistion aus seinem geregelten Leben geworfen wurde. Auch er ist auf der Suche nach dem Zeh des Heiligen und der Suche nach Gott.
Leseprobe: "Wer war dagegen Joáo Saldanha, von der Inquisition gefoltert, verurteilt, enteignet, der Familie beraubt, zum Zweck der Rehabilitation auf eine wahnsinnige Suche geschickt, nach dem Zeh eines Heiligen, den er für einen Trottel hält? Einen Zeh, von dem er hin und wieder träumte, über den es hin und wieder Gerüchte gab. Jemand in Madras wollte wissen daß er mit Gold eingefaßte und mit Diamanten geschmückte Zeh inzwischen in einem Dschungeltempel auf Ceylon als Buddha- Reliquie verehrt wurde. Ein Mann an der Kalinga-Küste hatte behauptet. der Zeh sei von einer obskuren Theophagen-Sekte gekocht und in winzigen Fetzen verzehrt worden; dabei habe der unverweslichen Leiche göttlichen Gift drei Dutzend Tote gezeugt, Säuglinge fürs Jenseits gewissermassen. Eine weitere Variante lautete, der Zeh sein mit einem Zeh aus Elfenbein umhüllt worden, der in Bronzezeh steckte, der von einem größeren Zeh aus Ton verborgen werde, und diesen habe man dem Fuß der Göttin Parvati angefügt, der vor Jahren bei einem leichten Erdbeben beschädigt worden sei- dem Standbild der Parvati in einem kleinen Tempfel hinter einem Bordell in Benares....."
George Thomas trifft auf weitere seltsame Gefährten, während seiner Zeit als Söldner.Er nimmt an zahllosen namenlosen Schlachten teil, und mitten im Nirgendwo beschließt er eine eigene Söldnertruppe zu gründen. Die meistens seiner Kameraden schließen sich ihm an und ziehen mit ihm von Gemetzel zu Gemetzel, bis nach Delhi, um dort einem zahlenden Fürsten ihre Dienste anzubieten.
Doch das ist ihm nie genug, er erringt beachtliche militärische Talente und einen legendären Ruf als Mann, der sein Wort hält. Dabei trifft er ab und an immer wieder auf Saldanha, dessen Leben genauso dramatisch verläuft wie seines.
=Mein Fazit
= Das war diesmal kein Buch, das mir gefiel. Da habe ich mich doch zu sehr vom Rückentext verleiten lassen. Irgenwie hatte ich eine ganz andere Vorstellung vom Roman, und mühsam habe ich ihn zu Ende gebracht. Vielleicht lag es daran, das er mehr ein Abenteuerroman mit Kriegsgeschehen ist.
Sicherlich hat der Autor Gisbert Haefs, die historischen Fakten gründlich rechercheriert, um mit einer weiteren Figur einen fiktiven Roman zu schreiben.Und diese zwei Hauptprotangisten, haben mich fast verrückt gemacht.Immer wieder schwenkt Gisbert Haefs von einem zum anderen, wobei er sich mehr Saldanha auf konzentriert. Meistens schreibt er aus der europäischen Sichtweise heraus.
Auf der anderen Seite sind die Figuren gut gewählt. Da ist der ältere mit seiner Lebenserfahrung, der in der Handlung mehr zum Weisen mutiert, und der Jüngere,der gerade erst seine Erkenntnisse sammelt.Meistens erzählt deshalb Saldanha in monologartiger Weise. Nur eines haben sie gemeinsam, das sie beide in dem Land zum Scheitern verurteilt sind.
Das mag vielleicht spannend klingen, jedoch kamen mir manche Abschnitte einfach zu langatmig herüber. Und soll ich das mit dem Zeh wirklich glauben, da heisst es nachlesen. Zudem springt der Autor in verschiedene Phasen, das erschwert das Lesen ungemein, manchmal habe ich den Handlungsfaden verloren. Da erwartet der Gisbert Haefs doch einiges vom Leser, sich so in alles hineinfühlen kann.
Teilweise wirkte es wie eine typische Männergeschichte, von Freundschaft bis Schulterklopfen.Die wenigen Frauen, die vorkamen spielten eher eine untergeordnete Rolle.
Dabei schreibt der Autor klar, doch nicht immer erkennt der Leser sofort die Zusammenhänge. Der Roman endet geschlossen, es bleibt nichts offen. Im Anhang gibt es eine Transkription und Aussprache indischer Begriffe sowie Namen, dazu ein Glossar.
Ebenso finden wir einige Daten zum historischen Hintergrund. Beim Lesen fand ich es allerdings hinderlich, immer wieder nachzuschlagen und eine Landkarte.
Schwierig zu sagen, ob ich es empfehlen soll. Ich würde eher sagen, das ist ein Buch für Leser, die historische Romane verbunden mit Abenteuergeschichten mögen. Für mich war es nicht das richtige, und so gebe ich dem ganzen zwei Sterne.
Der Autor
Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Er ist bekannt als Übersetzer und Herausgeber der Werke von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges und anderer moderner Klassiker. Zu schriftstellerischem Ruhm gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Romoane "Hannibal", "Alexander" und "Troja".
Danke fürs Lesen und Bewerten. Eure Finetta (auch für andere Plattformen)