Goetz also wieder. Lange nichts mehr von diesem Biertrinker, Doppeldoktor der Psychiatrie und Geschichte, der den Hans Magnus Enzenberger für die 'Generation Now' geben will, gelesen. Gehört der nicht komplett in die Achtziger? Oder ins Museum? Nicht ganz. Den Kampf um die permanente Gegenwart, ... Bericht lesen
mit einem Buch angetreten, das den Techno-Sound, die Dj-Kultur, das Leben am Rauschtropf im Titel trägt. Es geht um "Exzeß. Saufen, Sex, Gewalt und natürlich um a...
Rave, Rainald Goetz
2009, Neuauflage, 272 Seiten, mit Schwarz-Weiß-Abbildungen, Maße: 10,8 x 17,6 cm, ... mehr
Taschenbuch, DeutschWas machen diese Nachtlebenleute eigentlich, wenn sie da jedes Wochenende irgendwo zum Feiern gehen? Sie hören Musik und tanzen. Sie gehen aus zum Abf...
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Goetz also wieder. Lange nichts mehr von diesem Biertrinker, Doppeldoktor der Psychiatrie und Geschichte, der den Hans Magnus Enzenberger für die 'Generation Now' geben will, gelesen. Gehört der nicht komplett in die Achtziger? Oder ins Museum? Nicht ganz ...
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Pro: von einem Insider berichtet, streckenweise superlustig Kontra: Stil oft nervig
Jede Ära braucht ihre Zeitdokumente. Seien es Schallplatten, Filme, Zeitschriften oder eben Bücher. Rainald Goetz versucht sich nun daran, eine solche erzählerische Chronik über die vergangenen zehn Jahre House, Techno und Party zu erstellen und im großen ...
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mit einem Buch angetreten, das den Techno-Sound, die Dj-Kultur, das Leben am Rauschtropf im Titel trägt. Es geht um "Exzeß. Saufen, Sex, Gewalt und natürlich um alle Arten von Drogen und Drogenkaputtheit. Das absolut aller Kaputteste freilich, die "Totalverblödung" schlechthin, läßt uns der Erzähler wissen, das ist die "generelle Abstinenz" und alle anderen Formen von risikolosem Langweilertum. Also Insider. Insider feiern mit Insidern, an der Tür zum Club "heute wieder großes Redakteure-, Werber-, Fotografen und Studenten-Bashing!". Draußen bleiben müssen, obwohl sie überall mit ihren Kameras und Mikrofonen dazwischenstolpern, die ignoranten Pressemenschen, die übers "Abfeiern, Aufreißen, Ausrasten" ein Filmchen drehen, einen "Textcheftext" schreiben wollen. Was macht also der Rainald, wenn er nicht gerade snifft oder kifft oder tanzt? Er notiert die "gleichzeitig mitlaufendenden Reflexionen" zu einer "Theorie der Kritik". Er schimpft auf die intellektuelle Anmaßung, das Techno-Phänomen der 90er zu erklären. Das Grundproblem sei doch, "daß man sich für manche Phänomene der populären Kultur einfach nur aufgrund der eigenen Klassenzugehörigkeit, als zunächstmal NICHT zuständig zu qualifizieren hat, und damit eigentlich auch als UNFÄHIG, sie zu erkennen, zu verstehen, und zu bewerten". Kritiker haben es also denkbar einfach (und die meisten haben in diese Kerbe gehauen!), das Buch als arrogante Predigt zu lesen. Ja und Nein. Über das ganze elitäre Getue hinweg faszinieren die präzisen Situationen, die Goetz mit seinem Erzählstakkato schafft: ansetzen, absetzen, nächste Rille. Das ist ein Buch, das lieber Musik wäre, von einem Autoren mit einer "Art Ahnung von Sound in mir, ein Körpergefühl, das die Schrift treffen müßte". Und dann gibt es da noch sieben thrillermäßig spannende Seiten, eine Situationsbeschreibung der Arbeit des DJ vor Publikum, eine Mikrotheorie dieser "Augenblicklichkeitskunst", die jeden Moment von übelschmeckender Attitüde in diesem Buch vergoldet.-- Nikolaus Stemmer
...-Einsiedler nicht geben?
Im Mittelteil des Buches findet sich eine erfrischende Fotostrecke von Rainald Goetz ("Rave"): "Samstag, 5. Juni 1999 Hotel Europa". Ein Interieur: Schallplatten auf dem Boden, an der Wand Zeitungsausschnitte. Ein Pärchen. Computer- und TV-Screenshots, Blick auf eine winterliche Straße mit Polizei-Wanne, das VIVA-Studio, ein Müllfahrer, Partyschnappschüsse, Ulf Poschardt, Christian Kracht und andere. Wenn ihr demnächst jemandem mit einer aufgeschnallten Webcam auf einer Party begegnet: es könnte Rainald Goetz sein.
Eine Milieustudie aus der westdeutschen Provinz ist Lorenz Schröters "Bellersen". Das Grauen, das fast jeden irgendwann erreicht, ist die Einsicht über die Unfähigkeit, wirklich auszubrechen. "Weißt du noch, wie wir niemals so werden wollten wie unsere Eltern? Dreißig Jahre haben wir doch mit aller Kraft dagegen...
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