Erfahrungsbericht über

Rayman 2 (Sega Dreamcast)

Gesamtbewertung (41): Gesamtbewertung Rayman 2 (Sega Dreamcast)

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Der Strahlemann ist zurück

5  10.07.2000

Pro:
k . A .

Kontra:
k . A .

Empfehlenswert: Ja 

DarkManX2000

Über sich:

Mitglied seit:09.06.2000

Erfahrungsberichte:22

Vertrauende:1

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 1 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der arme Rayman: Eigentlich hatte der kleine "Strahlemann" keinen guten Start. Seine Premiere feierte er auf dem glücklosen "Jaguar"-System Ataris, auf welchem er so etwas wie ein Maskottchen à la "Mario" oder "Sonic" hätte werden sollen. Leider verschwand diese Konsole bald in der Versenkung und Rayman gleich mit. Aber halt, war da nicht noch etwas auf der PSX und dem PC? Ja, da war er wieder und konnte bereits als 2D-Plattformer erste Erfolge verbuchen, wenn auch "Rayman 1" ob seines horrenden Schwierigkeitsgrades heute nahezu legendär ist. Dann kam "Rayman 2" und begeisterte die N64-Gemeinde trotz so einiger eklatanter Schwächen wie niedriger Framerate und stark verwaschener Texturen erstmals in der dritten Dimension - Mankos mit denen sich die darauf folgende PC-Version schon nicht mehr herumschlagen musste.

Jetzt erscheint dieses Game endlich auch auf Dreamcast und man merkt auf den ersten Blick, dass oben genannte Schwächen voll zu Lasten der inzwischen veralteten Nintendo-Konsole gehen, denn was man auf Segas Flagschiff zu sehen bekommt, ist von der optischen Präsentation her fast ein anderes Spiel.
Ich muss zugeben, dass ich bisher trotz der beeindruckenden Screenshots eher etwas skeptisch war, was dieses Game angeht, da es inzwischen einfach eine zu große Menge an hervorragenden Produkten in diesem Genre gibt und ich nicht genau wusste, was "Rayman 2" dem noch hinzuzufügen hätte. Der Trend im Bereich 3D-Jump&Runs wird, neben Segas "Sonic Adventure", immer noch von den Entwicklern Rare und Nintendo bestimmt, die regelmäßig mit Produkten wie "Banjoo Kazooie" oder "Donkey Kong 64" neue Maßstäbe gesetzt haben.

Leider entwickelten sich diese Spiele aber in letzter Zeit zu riesigen Levelmonstern, in denen der Spielspaß und die Atmosphäre unter dem endlosen Suchen nach Bananen oder ähnlichem zu leiden begannen, da es nach einiger Zeit schlicht langweilig werden konnte. Daher erwartete ich nichts weiter als ein sicherlich nicht schlechtes aber eben kein besonderes Spiel, als ich "Rayman 2" bekam. Und siehe da: Wie man sich doch täuschen kann!

Es gibt in dem Wust an Spitzen-Games, die (zum Glück) heutzutage das Herz der Videospielgemeinde erfreuen, immer auch ein paar wenige, die das "gewisse Etwas" haben, das ein Spiel zu etwas Besonderem macht. Diese spezielle Eigenschaft lässt sich nicht so einfach benennen oder einzig und allein an bestimmten Faktoren festmachen, sondern besteht in einer Art "Zauber", den das gesamte Spiel als Einheit zu verbreiten vermag. Das beinhaltet auch Details, die zeigen, dass die Entwickler nichts ausgelassen haben, um jedem User von vornherein das bestmögliche Spielerlebnis zu gewährleisten.

Im Falle von "Rayman 2" ist es nämlich nicht nur so, dass man in der PAL-Version einen 60Hz-Modus aktivieren kann; hier kann neben dem Grad der Beleuchtung das erste Mal in einem Dreamcast-Spiel auch die Grafikauflösung stufenlos eingestellt werden. Das resultiert in einem spaßigen "Aha"-Effekt, wenn man quasi von N64- zu "Dreamcast-Power" hochschaltet (wobei selbst die geringste Auflösung nie so verwaschen aussieht, wie auf Nintendos Konsole).
Diese Einstellungsmöglichkeit macht dann Sinn, wenn man über einen 50Hz-fähigen Fernseher verfügt, bei dem "Rayman 2" mitunter ein wenig ruckeln kann. Nun kann man die Auflösung so regeln, wie es einem beliebt und entweder mit den ohnehin seltenen Framerate-Einbußen leben, oder selbige zum verschwinden bringen, was dann ein wenig zu Lasten der Darstellung geht, wobei die Differenzen nicht weltbewegend sind. Vorbildlich! Man kann nur hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht.

Legt man nun endlich los, wird man von einer stimmungsvollen, mit der Game-Engine erstellten Einleitungssequenz begrüßt, die den Spieler in die Probleme des Reiches von Rayman einführt. Dieses Land, einst wunderschön und in Harmonie mit der Natur lebend, wurde von Piraten ins Unglück gestürzt, nachdem diese die magische Lebensenergie dieser Welt gestört und in alle Winde verstreut hatten.

Diese eigenartigen Piraten, die in maschinenbetriebenen, fliegenden Dreimastern ihre Unwesen treiben, sind es auch, die am Anfang des Spiels Raymans dicken Froschfreund Globox zusammen mit dem Helden an Board eines Sklavenschiffes einsperren. Nachdem die Wiedersehensfreude der beiden abgeklungen ist, verrät Rayman dem gutmütigen Globox, dass er seine magischen Kräfte verloren hat und diesmal nicht weiter weiß, worauf der gute Frosch einen "Silberlums" aus seinem Rachen holt und damit Rayman wenigstens einen Teil seiner Kräfte zurückgeben kann. Diese "Lums" genannten Lichtbälle kommen in verschiedenen Farben vor und sind die Lebensenergie dieses Planeten.

Raymans vornehmliche Aufgabe wird es sein, dieses Energiebällchen wieder einzusammeln und zu vereinen, was keine leichte Aufgabe ist, da es von diesen bereits 1.000 nur in der gelb leuchtenden Ausführung gibt. Als erstes machen sich die beiden aber auf den Weg aus der misslichen Situation, da Rayman ja nun wieder in der Lage ist, Energiebälle zu verschießen, was er auch gleich tut und somit einen Ausgang in die Freiheit sprengen kann. Durch Globox' Tollpatschigkeit werden die beiden allerdings getrennt und Rayman muss sich zunächst alleine auf den Weg machen.
Von hier an verzweigt sich die Story zunehmend und Rayman wird auf seinem Weg so einige Aufgaben zu lösen haben, bevor es dem Oberbösewicht der obskuren Luftpiraten an den Kragen geht. Auf seiner Wanderschaft wird er vielen bereits bekannten Charakteren aus dem ersten Teil wiederbegegnen, neue Freunde gewinnen und fiesen Bossen die Stirn bieten.

Die Story selbst ist für ein Spiel dieser Art gut gelungen und kaschiert gekonnt die Tatsache, dass es natürlich, wie in diesem Genre üblich, hauptsäch lich darum geht, verschiedene Items einzusammeln um in neue Spielabschnitte zu gelangen, wo es dann wiederum neue Aufgaben zu lösen gibt. Die Präsentation des Spiels und der Story in den zahlreichen, wunderschönen Zwischensequenzen ist gerade durch die überragende Musik nahezu hollywoodreif und steht einschlägigen Abenteuertrickfilmen, wie denen von Don Bluth ("Feivel der Mauswanderer"), in Nichts nach. Die Designer haben es geschafft eine eigenständige, zeichentrickartige Welt zu erschaffen, die jedoch nie zu sehr ins süßlich-kitschige abdriftet, wie einige bekannte Titel aus dem Hause Disney. Das liegt zu großen Teilen am hervorragenden, humorvollen Charakterdesign, welches den einzelnen Figuren Leben einhaucht. Man muss nur mal die kleinen Wesen beobachten, die sich nicht einigen können, wer unter ihnen denn nun König ist und sich deshalb unentwegt gegenseitig die Krone vom Kopf klauen. Dies ist einer der "Running Gags", die sich durch das gesamte Spiel ziehen und immer wieder für Lacher sorgen.

Die Animationen sowohl Raymans als auch der anderen Figuren sind von ausgesprochen hoher Qualität und lassen nichts zu wünschen übrig. Auch auf Sprachausgabe müssen wir nicht verzichten, allerdings sprechen die Akteure eine Phantasiesprache und ihre Stimmungen und Charaktereigenschaften werden ausschließlich durch Soundeffekte und Stimmlagen hörbar gemacht - erstklassig!
Spielgrafik und Gameplay bewegen sich auf gleich hohem Niveau. Die einzelnen Level sprühen vor Leben und die ganze Landschaft ist voll von umher schwirrenden Schmetterlingen und Insekten, die mitunter gleich dutzendweise auftreten, während am Himmel riesige bunte Vögel ihre Bahnen ziehen und quakende Frösche auf den Teichen von Blatt zu Blatt springen. Sonnenlicht dringt irisierend durch das Blätterdach und in den Hügeln steigt der Nebel auf (kein Fogging, sondern durchsichtiger, sich bewegender Dunst) - all das natürlich mit 60fps. Und hier habe ich nur die ersten paar L evel beschrieben, die als Übungslevel gedacht sind.

Das einzige, was man an der Grafik aussetzen könnte, ist der relativ niedrige Polygoncount, der jedoch der Herkunft des Spiels von der N64-Plattform zuzuschreiben ist und durch schöne Texturen und dem generell comicartigen Look des Spiels nie besonders negativ auffällt. Die Umgebungsgeräusche unterstützen die dichte Atmosphäre aufs Beste und tragen zum Spielerlebnis eine Menge bei, zumal sie meistens ohne merkliche Sprünge von einem Ort zu anderen übergehen - etwas, was eigentlich nur mittels Modultechnik zu realisieren ist ("Soundmorphing") und hier gekonnt simuliert wird. Wer die übel abbrechenden Sounds von "Shadow Man" genossen hat, weiß das um so mehr zu schätzen.

Aber nicht nur auf bunten Wiesen in hellen Wäldern tummelt sich unser Held. Auch in düsteren Sümpfen, schummrigen Schiffen, einsamen Inseln oder Maschinenhallen muss Rayman so manches Rätsel lösen und knifflige Sprungpassagen bewältigen. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad bei Weitem nicht mehr so hoch, wie in dem berüchtigten Vorgänger, was nicht heißt, dass es nicht haufenweise haarige Passagen zu absolvieren gilt. Mit ein wenig Übung ist jedenfalls alles zu schaffen, zumal einem die superbe Steuerung keine Steine in den Weg legt. Im Gegenteil, Rayman steuert sich genauso einfach wie effektiv. Die Analogsteuerung ist pixelgenau, was unfreiwillige Abstürze der Vergangenheit angehören lässt. Mit dem "A"-Button wird gesprungen, wobei Rayman bei nochmaligem Druck in den "Helicopter-Mode" übergeht und mittels seiner rotierenden Haare (?) langsam gen Boden zu schweben beginnt.
Mit "B" wird geschossen und mit dem linken Schulterbutton die Kamera immer direkt und blitzschnell hinter dem Protagonisten positioniert, wie man es beispielsweise aus "Zelda OoT" kennt. An diesem Spiel orientiert sich auch der "Lock on"-Mode, der mit der rechten Schultertaste bei Feindko ntakt aktiviert wird. Mit dieser hilfreichen Einrichtung ist es möglich, den Gegner immer im Visier zu behalten, während man selbst dessen Angriffen sehr gut ausweichen kann. Eine Ego-Perspektive zum Begutachten der Umgebung ist natürlich ebenfalls vorhanden, ebenso wie eine Kamerajustierung mittels "X"- und "Y"-Tasten. Die Kameraführung ist im Allgemeinen gut gelungen und schwenkt bei schwierigen Passagen automatisch in die übersichtlichste Position. Mir ist die Kamera lediglich ab und zu eine Spur zu sehr nach unten orientiert, was der Übersichtlichkeit ein wenig schadet. Man muss des öfteren in die Ego-Perspektive wechseln, um sich zu orientieren.

Nach und nach erlernt Rayman neue Moves und Fähigkeiten, die es ihm erlauben an vorher unerreichbare Örtlichkeiten zu gelangen, was das mehrmalige Aufsuchen von bestimmten Levels nötig macht. Diese sind über eine Art Weltkarte verbunden, die sich jederzeit aufrufen lässt. Für enorme Abwechslung sorgen die eingestreuten Mini-Games, die sich freischalten lassen, indem man eine bestimmte Anzahl an gelben Lums innerhalb eines Levels eingesammelt hat. Diese erstrecken sich von einem Wettlauf gegen einen Piraten über diverse Sprungspielchen bis zu einem Multiplayer-Spiel, in dem es gilt, innerhalb eines Zeitlimits so viele Lums wie möglich einzusammeln. Weitere Höhepunkte sind ganz klar die rasanten Ritte auf den unterschiedlichsten Gefährten, die einem oftmals den Mund ob der grafischen Pracht und hohen Geschwindigkeit offen stehen lassen. Ein Mordsspaß!

Der Soundtrack von "Rayman 2" verdient eine gesonderte Erwähnung. Noch nie habe ich in einem derartigen Spiel so gute und abwechslungsreiche Musik gehört. Egal ob es sich um orchestrale Filmmusikpassagen, Swampblues-Stücke mit Slidegitarre und Mundharmonika oder groovige Funktitel handelt, alle sind mitreißend komponiert und tönen fett und wohlproduziert aus den (hoffentlich angeschlossenen) Boxen.


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  1. wuselwusel

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