Ein vielfältiger Beruf zum Lieben lernen

5  29.04.2012

Pro:
abwechslungsreich, anspruchsvoll, spannend

Kontra:
man kann auch pech haben mit der Kanzlei (aber das ist ja überall so)

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Einstellungschancen:

Aufstiegschancen

Verdienstmöglichkeiten:

Sozialleistungen:


Terrortippse

Über sich:

Mitglied seit:29.04.2012

Erfahrungsberichte:2

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Ich habe meine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten am 01.08.2009 in Bonn begonnen und diese dann nach verkürzter Ausbildungszeit im Januar 2012 beendet.


Erst einmal etwas allgemeines zur Ausbildung:

Ausbildungsdauer: 3 Jahre, Verkürzung auf 2,5 Jahre möglich bei guter Leistung

Gehalt: (Empfehlung der Rechtsanwaltskammer Köln, schwankt je nach Region):
1. Lehrjahr: 450 € Brutto
2. Lehrjahr: 520 € Brutto
3. Lehrjahr: 600 € Brutto

Ablauf: Zwei Tage die Woche geht man im ersten und zweiten Jahr in die Berufsschule, im dritten dann einmal. Je nach Kanzlei hat man nachmittags frei oder auch nicht. Bei mir war es so dass ich nach der Schule immer frei hatte (außer es war Not am Mann)!

In der Schule hat man folgende Fächer:

Gebührenrecht
(dort lernt man, unter Benutzung des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes wie man die Rechtsanwaltsgebühren richtig berechnet und unter welchen Grundlagen, man lernt das berechnen von Streitwerten und ähnliches)

Verfahrensrecht
(dort lernt man unter Benutzung der Zivilprozessordnung wie ein Zivilverfahren abläuft, welche Gerichte zuständig sind und wie man vollstreckt)

Bürgerliches Recht
(dort lernt man unter Benutzung des Bürgerlichen Gesetzbuches) materiell rechtliche Vorschriften kennen. U. a. das Schuldrecht und das Sachenrecht, Familienrecht und Erbrecht gehören dazu.

Allgemeine Wirtschaftslehre
(Wirtschaftskreislauf, Gesellschaftsrecht, Handelsrecht, Arbeitsrecht, Versicherungen etc.)

Rechnungswesen
(Buchhaltung, Lohnabrechnungen etc.)

Text- und Datenverarbeitung
(wie schreibe ich einen Schriftsatz, wie formatiere ich, 10-Finger-Schreiben, Exceltabellen erstellen)

In den ersten beiden Jahren hat man dann auch noch fächerübergreifenden Unterricht wie Religion, Deutsch, Sport und Politik.

Und wie läuft der Kanzleialltag ab?

Dazu kann ich nur sagen, dass das bei jedem unterschiedlich ist. Ich habe schon soooo viele negative Geschichten gehört, die sich aber bei mir alle nicht bestätigt haben.

Meine Kanzlei war toll, nette Kollegen, nette Anwälte und ein super lustiges Klima. Zudem habe ich alles sehr schnell gelernt und konnte nach einem halben Jahr alles was man als ausgelernte auch kann (das hab ich dann eben in der restlichen Ausbildungszeit gefestigt).

Man fängt natürlich an mit einfachen Sachen wie der Post, Eintragung von Fristen und Terminen (das darf unsere neue Auszubildende nicht mehr, aber ich durfte es noch), Telefonate führen, Mandanten empfangen, Durchschriften an Mandanten fertigen. Damit ist man auch ordentlich beschäftigt. Wenn das dann alles gut funktioniert kann man Diktate nach dem Band schreiben, nachher dann nach Aktenlage oder Muster oder sogar aus dem Kopf (auch hier kommt es wieder auf die Kanzlei und den Auszubildenden an, nicht alle können Texte selber formulieren)

Wenn man dann auch theoretische Kenntnisse erlangt hat, kann man Mahnbescheide beantragen, die Zwangsvollstreckung selbstständig betreiben, Registerauszüge beantragen und ähnliches.

Ich persönliche liebe meinen Beruf. Er hat immer etwas spannendes zu bieten.

Angefangen bei einem netten Team mit dem man zusammenarbeitet (auch hier gilt wieder das kann auch anders sein), netten Chefs und netten oder verrückten Mandanten (jaaa gerade die, die immer unfreundliche sind, amüsieren einen am meisten), man bekommt soviele persönliche Geschichten mit, man macht sich Gedanken über andere Menschen, kann anderen Menschen helfen (oder manchmal eben auch nicht!).

Weiterbildung:

Wenn man dann irgendwann einmal die Ausbildung in der Tasche hat kann man eine Fortbildung zur Rechtsfachwirtin/Bürovorsteherin machen. Dort lernt man noch andere Rechtsgebiete und das Personalwesen kennen.

So ich hoffe ich konnte euch diesen tollen und anspruchsvollen Beruf ein wenig schmackhaft machen

(p. s. auch wenn ich immer von den Damen spreche, natürlich können die Herren der Schöpfung auch Rechtsanwaltsfachangestellte werden!)
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