Gelb, klein und günstig
11.05.2001
Pro:
gut, günstig, praktisch, breite Angebotspalette
Kontra:
kurzlebig
Empfehlenswert:
Ja
 D.Krol
Über sich:
Mitglied seit:20.02.2001
Erfahrungsberichte:20
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Gelb, klein und billig. Es ist das Jahr 1828. Der 21jährige Anton Philipp Reclam leiht sich von seinem Vater ca. 3000 Taler. Er beschließt, von diesem Geld das Literarische Museum in Leipzig zu kaufen. Nach einer gelungenen Transaktion gründet er dort einen eigenen Verlag, dem er den Namen: „Verlag des literarischen Museums“ verleiht. Neun Jahre später bekommt das Unternehmen den Namen des Gründers und heißt von nun an: „Philipp Reclam Junior“. Doch der Weg zum Erfolg ist noch weit. Erst ca. 40 Jahre später, mit der Gründung der Universal-Bibliothek und mit der Erscheinung des allseits bekannten „Faust“ kann sich dieser Verlag auf dem Büchermarkt behaupten. In diesem Zeitraum erscheinen zahlreiche Editionen deutscher, europäischer, antiker und philosophischen Literatur –ähnlich wie heute zum Niedrigpreis.Wie die ganze Welt, musste auch Reclam Verlag unter dem II. WK leiden. Jüdische sowie politisch verfolgte Autoren mussten aus dem Programm genommen werden. Bei Bombenangriffen wurde das Verlagsgebäude schwer getroffen. 9000 Zentner fertiger UB-Bändchen verwandelten sich in einer Nacht zu grauer Papierasche. Doch bald nach dem Krieg konnten die Spuren dieser Krise überwunden werden. Kaum war die eine überstanden, schon stand die nächste vor der Tür –die Teilung in West- und Ostdeutschland. Aber auch das gehört heute zur Geschichte.In den 80er Jahren wurde das Angebot des Verlages mit der Ausgabe der Fremdsprachentexte erweitert. Seit den 90ern gibt es die Möglichkeit, Reclam-Klassiker auf CD-ROM zu erwerben. »Literaturstudium« heißt die bisher jüngste Buchreihe der Universal-Bibliothek. Heute ist Reclam ein Muss auf dem Büchermarkt. Neben einigen opulenten Ausgaben, gehört die Universal-Bibliothek wie zu Großmutters Zeiten zu den Kernprodukten des Verlages.Doch genug von der Geschichte. Kommen wir zu der Universal-Bibliothek selbst. Die Reclam-Palette umfasst insgesamt fünf Bereiche, welcher mit je einer Farbe gekennzeichnet sind:Gelb steht für alle deutschsprachigen Texte bzw. für Texte die in deutscher Sprache wiedergegeben werden. Orange symbolisiert zweisprachige Ausgaben, rot ist für Fremdsprachentexte bezeichnend, grün steht für Erläuterungen und Dokumente, blau für Arbeitstexte bzw. für die »Literaturwissen«-Reihe. Daraus folgt, dass im Reclams Programm neben den deutschen Klassikern auch die wichtigsten Werke der Weltliteratur, viele zeitgenössische Autoren in Auswahlausgaben, philosophische Texte, Lexika, Wörterbücher und Sachbücher aus den Bereichen Geschichte/Kulturgeschichte, Kunst/Musik/Theater/Film verzeichnet sind.Oft wird diesem Verlag vorgeworfen, er konzentriere sich zu sehr auf klassische Literatur. Doch hierbei handelt es sich um ein Gerücht von Leuten, die ihre Nase wohl nie in eine Bücherei gesteckt oder sich nie so richtig erkundigt haben. Denn neben der Universal-Bibliothek aus Stuttgart gibt es seit längerem auch die Reclam-Bibliothek Leipzig, wo anspruchsvolle literarische Texten der Gegenwart, Unterhaltungsromane, Sachbücher zu aktuellen Themen erscheinen.Reclam ist also ein Verlag, der die Lesebedürfnisse eines jeden Lesers zu erfüllen weiß und zwar zum Niedrigpreis, ohne dass die Qualität der inhaltlichen Textwiedergabe zu Schaden kommt!
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26.05.2001 23:03
Gerade die Lateinuebersetzungen wissen viele schueler zu schaetzen! Liebe Gruesse
11.05.2001 15:45
Sehr guter Bericht. Besonders Interessant fand ich die Firmengeschichte und die Festellung das es auch noch andere Bücher ausser denen in gelber Farbe gibt (die mir ja dauernd in der Schule begegnen..)
11.05.2001 15:44
jepp, ich kenne die dinger noch aus der schulzeit und von den aufnahmeprüfungen zur schauspielschule... sehr sehr guter bericht - richtig interessant!