Über sich:22. Student der Germanistik, Anglistik und Indologie. Sehr kritischer Cineast.
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Regisseure haben’s im guten alten Hollywood erfahrungsgemäß schwer, ihre ganze eigene Vision von einem Film auf die Leinwand zu bannen. Aus dem Zwist eines Filmemachers mit Ambitionen und einem Studio mit finanziellen Bedenken haben schon die wildesten Hinter-den-Kulissen-Geschichten Hollywoods angefangen. Auch der einstige Meisterregisseur Francis Ford Coppola („Apocalypse Now“, 1979) hatte so seine Probleme mit der Firmenpolitik diverser Studios und mußte immer dann zurückstecken, wenn sein letzter Film floppte und er keine kreative carte blanche hatte, um seinen Film so zu machen, wie er wollte.
Nach einer längeren Schaffenspause Mitte der 90er übernahm er die Regie bei der stupiden Familienkomödie „Jack“ (1996) und inszenierte im Jahr darauf nach dem Roman von John Grisham das Gerichtsdrama „The Rainmaker“. Hatte der Mann mit dem wuchtigen Bart zuvor stets selbstlos darum gekämpft, seine eigenen Lieblingsprojekte zu verwirklichen, so war er nach der amerikanischen Bezeichnung „gun for hire“ ein Auftragsregisseur geworden, der fürs großzügige Gehalt arbeitet. Dies mag bei „Jack“ durchaus zustimmen. Doch bei „Der Regenmacher“, wie der Film hierzulande hieß, hat sich Coppola dem Stoff ebenso gewidmet wie einst seiner „Paten“-Reihe, schrieb das Drehbuch und inszenierte nach seinem Gusto.
Seit dem Erfolg von „Die Firma“, „Die Akte“ und „Der Klient“ Anfang der 90er Jahre, war John Grisham ein kassenträchtiger Begriff. Doch erst Joel Schumachers „Die Jury“ (1996) konnte sich den Titel als beste Grisham-Adaption holen. Mit dem von Coppola inszenierten „Regenmacher“ und von Robert Altman verfilmten
„Gingerbread Man“ (1998) hatten zwei frühere Ausnahmeregisseure sich den seichten, moralisch überfrachteten, aber trotzdem sehr spannenden Stoffen des ehemaligen Anwalts angenommen und zwei völlig eigenwillige Werke geschaffen. Während Altman sein gewohntes Ensemble-Drama-Format über das Material stülpte und einen passablen Krimi mit überraschend starken Charakteren kreierte, erschuf Coppola den bislang komplexesten, packendsten, besten Grisham-Film, da er über die Grenzen der Vorlage hinweg eine fast virtuose Studie des amerikanischen Gesetzes fertigte.
Der vor seinem Erfolg als „Good Will Hunting“ (1997) für die Rolle engagierte Matt Damon spielt Rudy Baylor, einen ambitionierten, aber mittelsarmen Jung-Anwalt, der bei der dubiosen Kanzlei unter Schirmherrschaft des zwielichtigen Bruiser Stone (Mickey Rourke) in Memphis anheuert und von dem cleveren Anwaltsveteran Deck Shiffler (Danny DeVito) in das Geschäft eingeführt wird. Shiffler führt ihm vor, wie man an potentielle Kunden kommt, indem man von Zeit zu Zeit ins Hospital geht und Unfallopfern seine Karte gibt.
Dort begegnet Rudy der jungen Ehefrau Kelly Riker (Claire Danes, die Julia aus „Romeo + Julia“, 1996), die von ihrem brutalen Ehemann elendig zusammengeschlagen wurde und nicht von ihm loskommt. Er befreundet sich mit ihr und versucht ihr beizustehen, als sie versucht ihren Mann zu verlassen, der androht sie zu ermorden, fall sie die Scheidung einreichen sollte. Indes eröffnen Rudy und Deck zusammen eine Kanzlei, nachdem die Kanzlei von Stone ob ihrer Legalität geprüft wurde und nicht bestand. Stone flüchtet ins Ausland und die neue Kanzlei braucht Fälle.
Der erste große Fall kommt in Form des jungen Leukämie-Patienten Donny Ray Black (Johnny Whitworth) daher, dessen Versicherung nicht für ihn aufkommen will. Zusammen mit der ebenso mittellosen Mutter Dot (Mary Kay Place) verklagt Rudy die große Agentur, die den Star-Anwalt Leo F. Drummond (Jon Voight) einschaltet, um den kleinen Fisch aus dem Rennen zu schmeißen, bevor es zur Verhandlung kommt. Doch Rudy arbeitet zu verbissen an dem Fall, als sich austricken zu lassen, selbst wenn er kaum Gerichtssaal-Erfahrung hat. Da kommt ihn der besonnene, faire Richter Tyrone Kipler (Danny Glover, bekannt als Roger Murtaugh aus den „Lethal Weapon“-Filmen) gelegen, der ihm etwas mehr Freiraum läßt, damit sich der Jüngling bewähren kann...
Auf der Oberfläche ist „Der Regenmacher“ eine gewohnt einfach gesponnene, geradlinige Moral-Fabel aus Grishams Kopf, die einmal mehr einen jungen, idealistischen Anwalt mit der nüchternen Realität kollidieren läßt, wodurch er reift und letztlich seine Widersacher besiegt. Darin ist der Film nicht viel anders als „Die Jury“ oder „Die Firma“. Doch das ist auch alles, was dieses superbe Drama von seinen weit populäreren Vorgängern unterscheidet. Ähnlich wie das maßlos unterschätzte Rassismus-Drama „Die Kammer“ (1996) von Grisham nutzt der Regisseur lediglich die Handlung als Aufhänger für glaubwürdige Charaktere mit kraftvollen Nuancen, intelligenten Kommentaren zum fehlerhaften, aber effektiven amerikanischen System und einer durchweg packenden Inszenierung berührender menschlicher Schicksale.
So geht das Schicksal von Donny Ray einem wahrlich ans Herz, was vor allem an den Mimen liegt. So gibt Damon eine solide Vorstellung in der Hauptrolle, auch wenn er nicht die Höhen von „Good Will Hunting“, noch vom „talentierten Mr. Ripley“ (1999) erreicht. Auch Claire Danes ist bestenfalls okay in dem wohl überflüssigsten Charakter des ganzen Films. Die Liebgeschichte der beiden ist gut erzählt, aber nur eines der Gründe, warum der Film 140 Minuten dauert, die man jedoch dank Coppolas Timing und Tempo kaum bemerkt.
Imposanter ist da schon die fabelhafte Co-Besetzung. Danny DeVito ist irrsinnig komisch als kleiner Rechtsverdreher, während Jon Voight Oscar-verdächtig gut den schmierigen Anwalt gibt. Die subtile Mary Kay Place und der stumme Red West als die Eltern des Todeskranken sind berührend realistisch. Die übrige Besetzung besteht aus einer Reihe Gastauftritte einstiger Größen des 70er- und 80er-Jahre Kinos wie Roy Scheider als geldgeiler Boss der Versicherungsfirma, Virginia Madsen als Kronzeugin, der fabelhaft amüsante Mickey Rourke als gönnerhafter Mentor und einige andere mehr. Auch Danny Glover ist fein in seiner Figur.
Es ist ein durchaus langer Film, zumal man viele sehr erhellende Informationen über des US-Rechtssystem erhält, aber ein sehr unterhaltsamer noch dazu. Im Grunde genommen handelt es sich hier um das Charakterporträt des jungen Idealisten Rudy, doch weit interessanter sind die ganzen Nebenfiguren und ihre ganze eigenen Geschichten. Der Film ist ebenso dramatisch wie spannend, als auch stellenweise amüsant wie äußerst clever. Also alles andere als eine fade Auftragsarbeit. Zwar ist Coppola hier nicht so gut wie einst, aber doch gut genug!
Hallo Markus, das macht mich aber stutzig, denn ich bin mir sicher, hier meinen Kommentar geschrieben zu haben, eben daß mir die Einleitung, so informativ sie auch war, vom Thema abgeschweift ist. Ich hoffe, dieser Kommentar kommt nun an. Gruß Anja
das Buch war meiner Meinung nach genauso schlecht wie der Film. Da hat mir "die Jury" schon viel besser gefallen! Lag aber vermutlich auch am genialen S.L. Jackson ;-) MFG Hawk
13.03.2002 08:32
Hallo Markus, das macht mich aber stutzig, denn ich bin mir sicher, hier meinen Kommentar geschrieben zu haben, eben daß mir die Einleitung, so informativ sie auch war, vom Thema abgeschweift ist. Ich hoffe, dieser Kommentar kommt nun an. Gruß Anja
11.03.2002 22:17
Hi! Leider habe ich diesen Film noch nicht gesehen! Hört sich aber sehr spannend an! LG Nicole
11.03.2002 20:10
das Buch war meiner Meinung nach genauso schlecht wie der Film. Da hat mir "die Jury" schon viel besser gefallen! Lag aber vermutlich auch am genialen S.L. Jackson ;-) MFG Hawk