Sieger seiner Klasse - Belastung unsrer Kasse!
31.03.2001 (22.02.2004)
Pro:
eindeutig ein recht günstiger Family - Van
Kontra:
Verarbeitung
Empfehlenswert:
Nein
 butler_carlo
Über sich:
Mitglied seit:26.03.2001
Erfahrungsberichte:251
Vertrauende:51
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Eigentlich waren wir bis dato ein Fan von Renault, doch die Umstände zwangen uns, einen Bericht aus grauer Vorzeit noch einmal hervor zu kramen und ein wenig zu aktualisieren. Vor mehr als 3 ½ Jahren holten wir voller Stolz unser neues Auto, einen Renault Scenic 1,4 16V vom Händler – vielleicht ein wenig enttäuscht, weil sich die Farbe "Königsblau" als violettstichig entpuppte. Trotzdem waren wir zufrieden und aufgrund des mehr als großzügigen Platzangebotes – unser Vormodell war ein Twingo, da fühlten wir uns wie in einem Schlachtschiff – einfach beeindruckend. Wir hatten uns für dieses Modell entschieden, da er preislich leistbar war, und wir als Dienstbote – auch ein Butler wird gelegentlich zum Chauffeur oder Transportunternehmer – zumeist die Familie durch die Gegend kutschieren oder diverse Lasten in Form von ausgiebigen Einkäufen transportieren und daher ein wenig mehr an Platz brauchen. Mit seinen 95 PS und dem 16V Motor erwarteten wir eigentlich eine Karosse, die auch auf der Autobahn nicht versagte. Leider kommt immer alles anders als man denkt!
Karosserie: °°°°°°°°°°° Der Renault Secenic ist in die Kategorie der Kompaktvans einzustufen. Er ist ein wenig kleiner als die großen Brüder von VW, Ford und Konsorten, was sich auch auf die Parkplatzsuche auswirkt. Trotzdem bietet er ausreichend Platz für 5 Personen samt Gepäck. Das Design war – zumindest für uns - sehr ansprechend und die leichten Rundungen boten einen schönen Kontrast zu den sonst so eckig gebauten Kollegen. Auch die großen Scheinwerfer, die im Fall einer Feindberührung zwar recht teuer kommen, verpassten dem Scenic eine ganz persönliche Note. Motor: °°°°°° Die Benzinerausführung ist nicht unbedingt der stärksten einer. Trotz der 95 PS merkt man spätestens nach dem Einschalten der Klimaanlage einen ziemlichen Leistungsabfall und bei Bergfahrten neigt man sich unweigerlich nach vorne, um weniger Luftwiderstand zu bieten. Die 95 PS sind mit einem Hubraum von 1,4 Litern trotz der 16 Ventile einfach zu wenig für das Leergewicht von fast 1300kg. Auch die Kraftübersetzung, übrigens ein 5-Gang-Getriebe, ist vom 2. auf den 3.Gang ist ein wenig müde, wodurch man häufig schalten muss, was im Stadtverkehr ziemlich lästig sein kann.
Innenraum: °°°°°°°°°° Viel Kunststoff findet sich zwar an der Innenausstattung, aber ist das nicht bei jedem anderen Auto ebenso? Jeder freie Platz wird genutzt durch Konsolen, Fächern und sonstigen Ablagen – eine feine Sache sind übrigens die Laden unter den Vordersitzen, in denen sich allerlei Kleinzeug verstauen lässt. Auch unter den Rücksitzen befinden sich solche Ablagen, ebenso im Fußraum der hinteren Sitzreihe. Die Rücksitze sind geteilt, dass heißt, jeder Sitz kann einzeln herausgenommen werden und man erhält dadurch ein variables System je nach Anzahl der Fahrgäste und Ladung. An den Rückseiten der Vordersitze befinden sich aufklappbare Tischen, die eher einen symbolischen Wert als dass man sie tatsächlich brauchen könnte. Gespart wurde eindeutig bei den Fußmatten oder Teppichen, denn es gibt schlicht und einfach keine. Will man den Boden aber nicht vollends verdrecken, so wird man wohl den Gang zum Zubehörhandel machen müssen, um dort für teures Geld (ca. € 70,-) die eigens für den Scenic passenden Fußmatten anzuschaffen. Die Armaturen sind zwar übersichtlich angeordnet, allerdings kann es schon vorkommen, dass man das eine oder andere Kontrolllicht nicht sieht, speziell dann, wenn man eine Sitzposition wählt, bei welcher der Sitz ganz zurückgefahren wird. Die Sitze haben eine recht breite Sitzfläche, die an den Seiten ein wenig nach oben gewölbt sind, um dem Passagier einen besseren Halt zu bieten. Auch auf längeren Strecken liegt der Oberschenkel fast gänzlich auf und man ermüdet nicht so schnell. Die Sicht ist sowohl für Fahrer als auch den Beifahrer durch die lang gezogene Frontscheibe aber auch die großen Seitenscheiben sehr gut, lediglich bei aufgeklappter Nackenstütze des mittleren Rücksitzes ist man ein wenig beeinträchtigt. Die Seitenspiegel lassen sich vom Fahrersitz elektrisch verstellen, ebenso die Fensterheber der Vordertüren. Für ein besseres Innenraumklima sorgt eine mechanische Aircondition, die brav ihre Dienste erfüllt, allerdings auch ziemlich an der Motorleistung zehrt. Eine nette Sache ist die Kühlbox in der Mittelkonsole, die entweder eine ½ Liter Flasche oder zwei Getränkedosen fasst und durch einen Belüftungsschlitz mit der Klimaanlage betrieben werden kann – eine Spielerei, trotzdem ganz angenehm. Der Gepäckraum ist sehr variabel und schließt mit der Heckklappe in gleicher Höhe ab, was sich beim Beladen positiv auswirkt, die Hutablage kann entweder entfernt werden, oder im Höhenniveau um ca. 30 cm gesenkt werden, wodurch man eine zusätzlich Ladeetage erhält. Eine interessante Sache ist der Umstand, dass das Heckfenster ebenfalls über einen Klappmechanismus verfügt, wodurch man Zugang zum Gepäckraum erhält, denn die Hutablage lässt sich bei geschlossener Hecktüre ebenfalls nach oben klappen.
Sicherheit: °°°°°°°°°°° Fahrer- und Beifahrerairbag sind ja beinahe schon obligat, weniger die Seitenairbags, die sich in den Vordersitzen befinden. Jeder Sitz verfügt über einen Dreipunktgurt, auch der mittlere Sitz der Rücksitze. Ein spezielles, patentiertes Rückhaltesystem für die Gurte soll gröbere Verletzungen verhindern helfen. In den Türen findet sich der Seitenaufprallschutz, der zusätzliche Stabilität bei Seitenkollisionen bieten soll. Da wir bis dato – Gott lob - noch nicht in die Verlegenheit kamen, eines dieser Features auszuprobieren, wurden diese Sätze in der Möglichkeitsform geschrieben. Der Scenic verfügt sowohl über serienmäßige Nebelscheinwerfer, als auch über eine dritte Bremsleuchte, die sich an der Heckklappe befindet. Bei Regen kann der Intervallschalter reguliert werden, wodurch man entweder kürzere oder längere Wischintervalle erhält. Der Kreuzweg: °°°°°°°°°°°°° Unser Leidensweg begann bereits nach wenigen Monaten, als wir beim Kurvenfahren ein erbärmliches Quietschen feststellten, dass interessanterweise immer nur bei Rechtskurven auftrat. Wiederholte Konsultationen der Fachwerkstätte brachten genau nichts. Erst nach dem 4. Besuch erbarmte sich ein junger Mechaniker und teilte uns nach dem Schildern der Symptome mit, dass es sich um die Bremsbacken handle, die ungleichmäßig abgenützt, während des Kurvens zu vibrieren beginnen und das Quietschen verursachen. Die Bremsklötze wurden auf Garantie getauscht und das Quietschen hatte vorerst ein Ende. Bezahlt haben wir nichts, gekostet hat es uns einige Tage unseres Lebens.
Nach knapp eineinhalb Jahren – wir waren gerade auf dem Weg ins Büro – stellten wir während der Fahrt fest, dass die Kiste einen erheblichen Kraftverlust aufwies. Wir schliffen bereits mit der Schuhsohle auf der Bodenplatte – ein Folge des übertriebenen Gaspedaldurchtretens – hatten aber das Gefühl, dass nichts mehr ging. Dazu kam noch ein Geräusch, dass mehr an einen Traktor als an einen Pkw erinnerte, will heißen, der Motor nagelte wie ein Flugzeug. Natürlich suchten wir wieder die Fachwerkstätte auf, wo man uns mitteilte, dass sich die Zündspule verabschiedet hatte. Gut, die Zündspule wurde auf Kulanz gewechselt – der Spaß kostete uns € 24,-, ein Kilogramm Nerven und 2 Jahre unseres Lebens. Vor etwa einem halben Jahr – wie üblich waren wir auf dem Weg ins Büro – stellten wir plötzlich fest, dass beim Treten des Bremspedals, die Kontrollleuchte für die Nebelschlussleuchte mitflackerte. Da wir diese sehr selten benutzen, fiel uns das Lichtlein am Armaturenbrett natürlich sofort auf. Da sowieso ein Service fällig war, wiesen wir den Mechanikus auf diesen Mangel hin und wir wurden mit der Begründung abgespeist, dass es sich wahrscheinlich um einen Feuchtigkeitsschluss handle. Nach dem Service war für einige Wochen Ruhe, doch jedes Mal wenn es regnete, begann auch das Flackern wieder. Man gewöhnt sich aber an alles! Bezahlt haben wir das Service, es wäre uns ohnehin nicht erspart geblieben.
Die absolute Krönung erlebten wir aber diese Woche. Wir versuchten einen Gang einzulegen, was uns auch gelang und ließen langsam die Kupplung kommen, um dann festzustellen, dass wir uns offenbar verschaltet hatten, denn der Wagen rührte sich keinen Zentimeter. Ein neuerlicher Versuch schlug ebenfalls fehl und so mussten wir den Wagen in die einzige freie Parklücke verfrachten die sich uns bot – das Halteverbot der Wiener Polizei. Doch unser Freund und Helfer legte gar keinen Wert darauf uns zu bestrafen, denn er sah unser Übel und verständigte sogar den Pannendienst. Doch der gelbe Engel war ratlos und so schickte er bald seinen großen Bruder den Abschleppwagen, der uns wieder einmal zur Fachwerkstätte verfrachtete. Der Werkmeister rief uns 2 Tage später an und erkundigte sich nach dem eigentlichen Schaden, denn wir hatten einen vermeintlichen Kupplungsschaden vermutet, diesen auch angegeben - nunmehr wollte der Kübel einfach nicht anspringen. Kurz darauf teilte man uns mit, dass neuerlich die Zündspulen defekt seien, auch die Relais seien hängen geblieben. Toll! Etwas später klingelte neuerlich das Handy und man teilte uns mit, dass sich auch das Getriebe verabschiedet habe und der Spaß würde sich um die € 1800,- bewegen. Nach gefahrenen 29.000 km ein Getriebeschaden! Alle Achtung! Die eigentliche Ursache war ein Differentialring, der – wahrscheinlich in Ermüdung des Materials – brach, wobei eine Hälfte ihren Weg in das Getriebegehäuse fand und dort die Zahnräder abrieb. Der zweite Teil legte sich angeblich quer und verhinderte, dass die Antriebswelle ihrer Aufgabe nachkommen konnte. Der Meister hatte aber Mitleid mit uns und wandte sich an die Garantieabteilung, teilte dort die näheren Umstände mit und schließlich übernahm Renault zu 70% die Kosten. Trotzdem bleiben noch € 756,- die wir selbst berappen dürfen. Kurzurlaub ade! Fazit: °°°°°° Nach den Lobesworten über die Ausstattung hätte man eigentlich annehmen sollten, dass es sich hier um einen Glücksgriff handelte, doch wie wir nun gelesen haben, hat unser Schlachtschiff – wir nennen es scherzhaft "Bismarck" – etliche Mucken, die offenbar darin beruhen, dass man beim Bau Materialien verwendete, die zu wenig ausgereift oder getestet oder schlicht und einfach nur zu billig waren. Unser Schicksal teilt übrigens auch ein Arbeitskollege, der das gleiche Modell hat und ständig Probleme mit der Elektrik hatte – er fährt zwischenzeitlich ein anderes Fabrikat. Da wir uns das Risiko, nochmals einen ähnlichen "Glücksgriff", wie diesen zu landen, einfach nicht leisten können, wird es wahrscheinlich unser letzter Renault gewesen sein, denn wir wissen uns besseres mit € 19.500,- anzufangen, als in ein Auto zu investieren, dass nicht fährt!
Als dann, servus, B.C.
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30.08.2006 12:27
Hallo, dieser Leidensweg den Sie beschrieben machten wir jetzt auch durch. Gekauft haben wir den Renault 2004 und seitdem hat sich aller 6 Mon. die Zündspule verabschiedet zuletzt von 3 Wochen auf der Fahrt nacht Italien in den Urlaub.Nicht das dies reichte ging dann auch noch im Urlaub die kleine Achse kaputt so das wir das Auto in die Werkstatt abschleppten mussten denn das Auto ließ sich keinen Zentimeter bewegen.gekosten hat uns der Spaß 260€ in Deutschland vermutlich das 3-fache. Jetzt ist vermutlich ein Loch im Auspuff denn er klingt wie ein Traktor. Aber jetzt reicht es uns mit den vielen Reparaturen und wir verkaufen ihn. Der Motor ist einfach viel zu klein für die Größe des Autos und deshalb womöglich diese oft gehörte sache mit den Zündspulen. Lg,fiori.
19.03.2004 18:52
Die Franzosen bauen mittlerweile wirkliche Spitzenautos. Klasse Artikel von Dir...
05.03.2004 15:35
Ich fahre jetzt den neuen Polo, etwas lauter Motor, sonst aber ganz okay.