Es gibt nur ein' Rudi Rüssel... äh... zwei!
12.06.2008
Pro:
gute Darsteller, insgesamt halt halbwegs unterhaltsam
Kontra:
Logiklücken und Merkwürdigkeiten, wenig Neues
Empfehlenswert:
Ja
 TheBabz
Über sich:
Vielen Dank für die zahlreichen guten Bewertungen & Kommentare zu meinem Wii-Fit-Plus-Bericht :)
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Alternativer Arbeits-Titel für den Bericht war: "Porker, eh? Swine!" Heute gibt es mal wieder einen Filmbericht von mir, und zwar geht es diesmal um die Deutsche Familienkomödie "Rennschwein Rudi Rüssel 2", die ich mir gestern Abend auf DVD angesehen habe. Ob dies ein lohnenswertes Unterfangen war oder ob man es sich hätte sparen können - das erfahrt ihr, wenn ihr meinen Bericht lest. Viel Spaß!
Technische Daten:Original-Titel: Rennschwein Rudi Rüssel 2 - Rudi rennt wieder Regisseur: Peter Timm Jahr: 2007 Genre: Familienkomödie Laufzeit: ca. 94 Minuten Altersfreigabe [D]: ohne Altersbeschränkung Darsteller: Sebastian Koch, Sophie von Kessel, Maurice Teichert, Sina Richardt
Was bisher geschah...Bei "Rennschwein Rudi Rüssel 2" handelt es sich überraschenderweise um die Fortsetzung des Hits "Rennschwein Rudi Rüssel" aus dem Jahre 1995 (nach der Buchvorlage von Uwe Timm). In diesem amüsanten Machwerk sieht sich die fünfköpfige Familie Gützkow plötzlich mit dem Gewinn eines Ferkels konfrontiert, was zu allerlei Verwicklungen sorgt: Von Wohnungsverlust bis beinahe Scheidung ist alles vertreten. Doch schließlich entdeckt man das geheime Talent des Schweins Rudi: Es kann verdammt schnell rennen...
Rudi rennt wieder!Der zweite Teil hat nur insofern Verbindung zum ersten, dass das diesmalige Schweinchen, wieder ein Rudi, ein direkter Nachfahre des "berühmten Rennschweins Rudi Rüssel ist". Nach einem Schulausflug auf den Bauernhof rettet der neunjährige Nickel dem Ferkel das Leben und nimmt es kurzerhand mit nach Hause, um sich über die Abstinenz sonstiger Freunde und seines weit entfernt arbeitenden und deshalb zumeist abwesenden Vaters hinwegzutrösten. Dummerweise ist das Ferkel nicht der einzige Neuzugang in Nickels Leben: Denn sein Vater schleppt urplötzlich eine neue Freundin nebst vorpubertärem Töchterchen Feli an.
Nickel will natürlich nicht, dass irgendeine Frau die Rolle seiner verstorbenen Mutter einnimmt, und auch Feli ist nicht sonderlich begeistert von dieser zwangsweisen Familienzusammenführung. Nach anfänglichen Streitereien schließen sich die Kinder zusammen und wollen den Eltern die Beziehung austreiben - erfolglos, denn Hochzeitspläne werden trotzdem geschmiedet. Als Feli die Ringe findet und versteckt, schiebt sie dies Rudi in die Schuhe ("Schweine sind Allesfresser!"). Da Nickel Angst hat, dass Rudi aufgeschnitten wird, verschwindet er mit dem Ferkel in Richtung Osten - denn dort soll es einen Ort geben, an dem Schweine aller Art glücklich und frei leben können. Feli folgt ihm. Als wäre das noch nicht genug, werden die beiden dümmlichen Ganoven Spacko und Einstein auf die Kinder aufmerksam: Sie wollen sie entführen und Lösegeld verlangen...
Der Regisseur & die DarstellerBeginnen wir doch einfach mal mit dem Regisseur und Drehbuchautor des Ganzen, dem 1950 geborenen Peter Timm. Dieser zeigte sich schon für den ersten Teil der Saga um das rennende Schwein verantwortlich und prägte das deutsche Filmgeschehen nachhaltig durch Komödien wie "Go Trabi Go" und "Manta - Der Film". An der Regiearbeit gibt es hier nicht allzu viel zu beanstanden, alles wurde schön in Szene gesetzt und ergibt ein nettes Gesamtbild. Dummerweise ist das Drehbuch nicht ganz so gelungen, worauf ich aber dann im Meinungsteil weiter eingehen werde.
Die eigentlichen Hauptrollen der beiden Kinder wurden mit bisher relativ unbekannten jungen Darstellern besetzt: Maurice Teichert spielt den trotzigen Außenseiter mit dem wuschligen Haare, Nickel (übrigens der Spitzname zu "Niklas"); während seine Kollegin Sina Richardt das zickige Pre-Teen-Töchterchen Feli(citas) verkörpert. Beide Darsteller haben zwar temporär nervige Rollen, spielen jedoch insgesamt sehr überzeugend und natürlich. Nickels Vater Thomas wird von niemand geringerem als Sebastian Koch verkörpert, den ich ehrlich gesagt noch nie in einem anderen Film gesehen habe. Gleiches gilt im Übrigen für Sophie von Kessel, welche die Mutter von Felicitas spielt. Sowohl Sebastian Koch als immer analytisch denkender, aber insgesamt etwas verplanter Professor als auch Sophie von Kessel als vielleicht etwas zu sozialpädagogisch veranlagte Kinderärztin machen ihre Jobs allerdings gut und geben den Charakteren so viele Facetten, wie eben gerade möglich ist.
Das dümmliche Ganovenduo Spacko und Einstein wird herrlich proletenhaft und dämlich von Dominique Horwitz und Andreas Schmidt dargestellt. Zumindest letztgenannter ist mir unter anderem aus "Bin ich sexy?" und "Crazy" bekannt. Beide wurden wohl auch wegen ihres Aussehens gecastet, was dem Slapstick-Charakter der Rollen mehr als zuträglich ist. Ansonsten sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass sich Wolfgang Völz in einer Gastrolle als Hundezüchter eingeschlichen hat.
Meine Meinung zum FilmWas habe ich mir von einem Film wie "Rennschwein Rudi Rüssel 2" erwartet? Nach der Plakatgestaltung eine etwas altbackene Komödie für das jüngere Publikum vermutlich, angereichert mit einem viel zu niedlichen Schweinchen. Und zumindest in Teilen wurden diese Erwartungen wohl auch erfüllt.
Zunächst will ich einmal ein paar Worte zur Handlung verlieren, welche während des Films eine mehr oder weniger ominöse Wendung nimmt. Im ersten Teil geht es voll und ganz um das nun nicht mehr allzu neue Thema der Zusammenführung zweier Familien zu einer. Der Zuschauer erfährt, dass Felicitas' Vater die Familie verlassen hat, während Nickel's Mutter schlichtweg gestorben ist. Ich hatte erwartet, dass es bei dieser zwar etwas ausgelutschten, aber dafür sicheren Thematik bleibt - doch weit gefehlt. Nachdem die Kinder samt Rudi zu ihrem Road Trip gen Osten aufbrechen, geht plötzlich alles die Wege einer Art Gangster-Komödie mit vielen Slapstick-Einlagen und Gags die eigentlich als Ausgangspunkt nur den haben, dass die beiden Kriminellen Spacko und Einstein einfach dämlich sind. Auch diese Art der Filmhandlung fällt wohl in die Kategorie "nichts neues, aber prinzipiell immer zu einem gewissen Maß unterhaltsam". Doch irgendwie wollen mir die rührselige Familiengeschichte und der laue Gangster-Spaß nicht so wirklich zusammenpassen. Was mich ebenfalls ein wenig irritiert hat, war der zugleich wirklich irgendwie altbackene, aber auch gleichzeitig auf neumodisch getrimmte Look des Films. Nickels Leben in der Schule mit der semiverständnisvollen Lehrerin und dem Klischee-Klassenrowdie wirken irgendwie wie aus der Zeit von Enid Blyton. Warum es kein Problem darstellt, dass Nickel das Schwein mit in die Schule bringen kann, bleibt auch völlig unklar und wird gar nicht erst hinterfragt. Dem gegenüber steht ein Vokabular, dass man mit viel Wohlwollen als zeitgemäß empfinden kann, aber auch schlichtweg pseudo-jugendlich nennen kann.
Was die Humorschiene angeht, wird größtenteils auf niedliche Ferkel-Szenen und übermäßiges Chaos gesetzt. Da streift der kleine Rudi durch die eh schon verwahrloste Wohnung und wirft quasi alle Regale um, die ihm in den Weg kommen. Nebenbei hinterlässt es an allen nur möglichen Stellen seine Pfützen und Häufchen, was auch mehrmals sehr deutlich gezeigt wird und offenbar furchtbar lustig sein soll. Anders als im ersten Film erwächst jedoch aus der "Sauerei" im Haus kein wirklicher Konflikt - was ebenfalls etwas verwirrend auf mich wirkt. Wesentlich mehr irritiert hat mich jedoch folgende Szene: Nickel geht auf die Toilette und entdeckt dort eine von Anja aufgehängtes Schild welches besagt, dass man im Sitzen und nicht im Stehen pinkeln soll. Aus Trotz bepinkelt Nickel - natürlich im Stehen - ebendieses Schild. Explizit bei dieser Szene habe ich mich halt in erster Linie gefragt: Wieso? Sowas gehört meiner Meinung nach eher in drittklassige amerikanische Komödien als in einen Kinder- bzw. Familienfilm.
Was positiv auffällt, ist die gesamte Bildgestaltung des Films. Vorallem die Außenszenen sind wahnsinnig bunt und fröhlich, und das kleine Ferkel ist natürlich übermäßig goldig und animiert dazu, es stundenlang durchzuknuddeln. Leider geht die Rennthematik, welche sowohl im Titel als auch in einer der ersten Filmszenen bereits angekündigt wird, irgendwie sehr unter. Auf ihrer Reise gen Osten kommen die beiden Kinder bei einem Hunderennen vorbei, welches Rudi durch Zufall mehr oder weniger gewinnt. Das war es aber im Großen und Ganzen auch schon - da kann auch Wolfgang Völz' lobpreisende Rede auf den ungewöhnlichen Sieger nicht mehr sonderlich viel retten. Zum Schluss noch ein paar Worte zur Altersfreigabe: Vermutlich ist man ja heutzutage schon im Kindergartenalter schlimmeres gewohnt, aber die Freigabe ab 0 Jahren finde ich bei den doch hin und wieder auftretenden Worten, Bildern und auch bei Teilen der Handlungsgestaltung zumindest interessant. Andererseits hat man wohl auch nur bis zu einem gewissen Alter wirklich Spaß an dem doch recht infantilen Humor und der insgesamten Uninspiriertheit.
ZusammengefasstFür rund 10 Euro kann man die DVD von "Rennschwein Rudi Rüssel 2" sein Eigen nennen - aber lohnt sich diese Investition? Ich sage mal: Jein... Der Film bietet wenig Innovation und für meinen Geschmack zu viel Slapstick-Humor, aber eine gewisse Niedlichkeit lässt sich halt nicht bestreiten. Und ich würde mutmaßen, dass die richtige Zielgruppe durchaus Spaß an dem Machwerk hat und sich durch die diversen logischen Lücken auch nicht abschrecken lässt.
Ich vergebe 3 Sterne und eine eingeschränkte Empfehlung... mehr als Durchschnitt wird hier leider nicht geboten, aber besser Durchschnitt als nix.
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26.06.2008 17:42
Klasse Bericht!
23.06.2008 21:17
Sehr guter Bericht. Du hast sicher Recht, dass Familien-Handlung und Gangster-Spaß nicht recht zusammenpassen - aber da will man natürlich verschiedene Zuschauergruppen bedienen. Interessant dein Kommentar zu Andreas Schmidt. der ist mir in den genannten Filmen überhaupt nicht aufgefallen, dafür aber in "Sommer vorm Balkon" und "Die Fälscher" - unverwechselbares Gesicht, genau wie der unermüdliche Wolfgang Völz. LG Kai Rabe
23.06.2008 08:55
Schöner Bericht, der Film hat tatsächlich das 2. Teil Syndrom ;)