Viel Action, wenig Horror
16.10.2009
Pro:
perfekt inszeniertes Actionspektakel, fantastischer Co - Op - Modus, erstklassige Präsentation,
Kontra:
grausige Steuerung, hat mit "Resident Evil" nicht mehr viel gemein,
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 atrachte
Über sich:
...
Mitglied seit:09.04.2004
Erfahrungsberichte:727
Vertrauende:113
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 177 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Seit über vierzehn Jahren gehört das „Resident Evil“ Franchise zum festen Bestandteil der Videospiel-Kultur und wird dies in den kommenden Jahren sicherlich auch bleiben. Dass der Begründer des Survival-Horror-Genres noch nicht beerdigt wurde, ist dabei wohl nicht zuletzt der rechtzeitigen, überraschend gut funktionierenden und für viele gar revolutionären Neuorientierung der Reihe zu verdanken, welche sie 2005 mit „Resident Evil 4“ erlebte. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen im Vorfeld natürlich einmal mehr an den fünften Teil der legendären Videospielreihe von Capcom geknüpft. Und tatsächlich schaffte es der japanische Entwickler im Frühjahr diesen Jahres einmal mehr seine Stammspieler zu überraschen (wobei die PC-Spielerschaft wiedereinmal mit einer fast halbjährigen Verspätung abgestraft wurde und erst jetzt in den Genuss des neuesten „Resident Evil“ Teil kommen darf). \\\\ Willkommen auf dem schwarzen Kontinent //// Waren es einst verlassene Herrenhäuser, dunkle Keller oder düster Städte, in denen man sich intelligent durch eine Massen Untoter und andere Monster schießen musste, wechselt das Setting in „Resident Evil 5“ mit einem großen Sprung nach Afrika und einem noch actionlastigeren Gameplay als im Vorgänger. Chris Redfield, Mitglied der Spezialeinheit B.S.A.A. und alteingesessener Serienheld, hat im fiktiven Küstenstädtchen Kijuju allerdings anderes vor, als sich unter der glühenden Sonne des schwarzen Kontinenten zu erholen. Dort soll er nämlich zusammen mit seiner Kollegin Sheva Alomar den Waffenhändler Ricardo Irving Dingfest machen, welcher gefährliche Biowaffen an örtliche Terroristen verkaufen will. Eigentlich ein Routine Einsatz, bis auf einmal eine Horde Wutentbrannter Einheimischer auf Chris und seine Partnerin los gehen und diesen regelrecht die Köpfe abreißen wollen. Wie sich schnell herausstellt, sind die Menschen mit einem Parasiten infiziert, für welchen nur Irving verantwortlich sein kann. Die Jagd auf den dubiosen Waffenhändler beginnt, doch stellt sich schon bald heraus das hinter dem neuen Zwischenfall ein alter Bekannter von Chris steckt...
War die Hintergrundgeschichte im direkten Vorgänger noch ein bisschen holprig, so macht Capcom in „Resident Evil 5“ doch wieder einige Schritte nach vorne und schafft es beinahe
Bilder von Resident Evil 5 (PC-DVD)
durchgehend einen zumeist spannenden Plot zu erzählen, welcher einige alten Fragen löst und den Spieler auch mit bekannten Serien-Gesichtern wieder zusammenbringt. Die große Stärke liegt dabei einmal mehr in den fantastisch inszenierten Zwischensequenzen, welche im vorliegenden Titel einmal mehr an die dreizehn Stunden umfassen, und zu jeder Zeit perfekt in Szene gesetzt wurden. Cineastische Kameraeinstellungen, flotte Schnitte und durchweg gelungener Stimmungsaufbau – die Jungs und Mädels von Capcom haben es noch immer drauf. Die Qualität der Handlung an sich ist dabei eher zweitklassig, weder schlecht aber auch nicht wirklich recht. Es ist letzten Endes wirklich dem erzählerischen Talent der Japaner und der Tatsache das man sich wieder mehr auf die alten Teile bezieht zu verdanken, dass der Titel in Hinsicht auf seiner Erzählung fesseln kann. \\\\ Wer hat die Stimmung geklaut? //// Mit dem endgültigen Wechsel weg vom einst düsteren Setting hinein ins helle Afrika, ist ein für die Reihe sehr gravierender Wechsel entstanden, der vor allem auf die Atmosphäre einen großen, und in meinen Augen weniger guten, Einfluss nimmt. Stand die Reihe einst für Angstschweiß erzeugenden Survival-Horror, in welchem hinter jeder Ecke die Gefahr in Form von Zombies oder anderen genmanipulierten Kreaturen lauern konnte, ist davon in „Resident Evil 5“ überhaupt nichts mehr zu spüren. Ein Grund dafür ist sicherlich der Handlungsort, welcher mit Afrika irgendwie so gar nicht in die Spielreihe passen will. Keine Frage, die Leveldesigner haben sich merklich große Mühe dabei gegeben stimmige Umgebungen zu kreieren und entführen den Spieler in bedrohlich wirkende Dörfer, schleimige Sumpfgebiete und dunkle Laborpassagen, aber spätestens wenn man sich dann im Mittelteil in einem riesigen Ruinen Komplex a la „Tomb Raider“ wiederfindet hat man irgendwie das Gefühl im falschen Spiel zu sein. Auch schaffen es die Entwickler selten, so gut die einzelnen Abschnitte auch designt wurden, einen wirklichen „Aha“ Effekt heraufbeschwören bzw. Situationen zu schaffen, an denen man sich auch noch Tage nach dem spielen erinnert. Der wirkliche Atmosphärenkiller verbirgt sich jedoch hinter dem Gameplay, welches endgültig zu einer stupiden Ballerorgie verkommt und dem Franchise wirklich den letzten Rest seiner einst so fantastischen Stimmung klaut. Da findet man sich plötzlich hinter dem MG eines Geländewagens wieder und muss in voller Hektik heranfahrende Gegner-Massen im Sekundentakt umnieten, zu Fuß ballert man sich mit seinem großen Waffenarsenal sowieso durch den von Parasiten befallenen Feind, die einst so kniffligen Rätsel wurden durch lächerliche Schalter-Rätsel ersetzt und unsägliche Quick-Time Events sind leider auch an der Tagesordnung in „Resident Evil 5“. Ebenso simplifiziert wurden die Boss-Fights, bei denen es nun nur noch darum geht möglichst große und spektakulär aussehende Gegner auf den Spieler los zu lassen. Dabei will ich ja gar nicht mal abstreiten das man mit „Resident Evil 5“ keinen Spaß haben kann, dem ist nun wirklich nicht so, in Hinblick auf die vergangenen Teile muss man aber einfach feststellen dass das Franchise nun zu einem austauschbaren 08/15 Spektakel verkommen ist, wie man es im Spiele-Regal häufig genug findet. Mit dem subtilen Horror vergangener Tage hat dieses von explodierenden Köpfen triefende Actionspekatekl nichts mehr gemein.
\\\\ Ein Duo sollt ihr sein //// Ein weiterer, sehr einschneidender Schnitt ins Gameplay ist erfolgt indem man dem Spieler nun, der in den vorherigen Teilen so gut wie immer alleine unterwegs war, eine Partnerin an die Seite gestellt hat. Sheva Alomar, die erstmals in der Serie auftaucht, ist dabei durchaus eine Bereicherung für das „Resident Evil“ Universum und vor allem in den Zwischensequenzen lernt man die schlagfertige Afrikanerin durchaus zu schätzen (zumal sie einen guten Gegenpol zu Chris Redfield darstellt). Im Spiel selbst ist das ganze dann schon wieder eine andere Sache. Dort soll sie den Spieler unter die Arme greifen und ihm das virtuelle Leben im Kampf erleichtern, ist aber leider oftmals einfach nur nervig oder gar im Weg. Vor allem fällt auf das sie selten die Gegner von alleine angreift, erst mit den richtigen Waffen in der Hand wird sie zu einer halbwegs guten Helferin im Kampf. Dafür ist Capcom vor allem das „Wir“ Gefühl recht gut gelungen da man wirklich gut auf seine Partnerin achten muss, denn stirbt sie, ist genauso wie beim eigenen Tod erst einmal Game Over (was aber aufgrund der Fair gesetzten Speicherpunkte im Spiel nicht weiter tragisch ist). So muss man Sheva helfen wenn sie angegriffen wird, sie heilen und auch ihr Inventar mit verwalten. Andersherum sieht es dann im übrigen ähnlich aus, steht man kurz davor zu sterben hilft die Partnerin einem mit einer Gesundheitsspritze wieder hoch, befreit uns von lästigen Gegnern und im besten Fall schießt und trifft sie auch ganz gut. Man wird aber nie so wirklich das Gefühl los, das Capcom seinen Spielern nur eine Partnerin an die Seite gestellt hat, um den in „Resident Evil 5“ beinhaltenden Co-Op Modus ansprechender zu machen bzw. erst zu ermöglichen. Zweifelsohne ist dieser eine wahre Bereicherung und mehr als nur eine nette Dreingabe, macht das Spiel doch weitaus mehr Spaß wenn man mit einem menschlichen Kollegen die Kampagne bestreitet. Dies kann im übrigen zum einen im Offline-Modus (Lan), aber auch im Online-Modus geschehen und funktioniert Dank dem sehr darauf ausgelegten Gameplay auch wunderbar.
\\\\ Aus alten Fehlern gelernt //// Erinnert man sich noch an die grausame PC-Portierung des Vorgängers, so ist „Resident Evil 5“ ein sehr großer Schritt nach vorne. Dank der sehr sauberen Umsetzung sieht das Spiel auf einem entsprechend starken Rechnern natürlich noch einmal eine Spur besser aus, als auf den Konsolen (nicht zuletzt Dank der Unterstützung von DirectX 10) und spielt sich geradezu Butterweich: hochauflösende Texturen, wunderbare, aber leider viel zu selten eingesetzte, Licht- und Schatteneffekte, Kinoreife Zwischensequenzen – die Japaner haben eine sehr mächtige Grafikengine geschaffen, welche sie zu Jederzeit in ihrer vollen Stärke vorführen. Ähnlich Positives lässt sich von akustischen Seite verkünden, welche vor allem durch ihre hoch-professionelle Synchronisation sowie den brachialen Soundeffekten auffällt. Leider hat aber die Hintergrundmusik weitaus weniger Charme als die Vorgänger. Wirklich ärgern muss man sich hingegen aufgrund der Steuerung. Denn entscheidet man sich (was bei der PC-Version ja sehr nahe liegend ist) für die Maus/Tastatur Steuerung, so muss man sich mit einer sehr schwammigen Fummelei quälen, welche den Spielspaß, besonders in den schwierigeren Passagen sowie beim Verwalten des Inventars, geradezu in den Keller treibt. Da dann doch besser auf den klassischen Controller zurück greifen, fragt sich nur warum man dann überhaupt noch am PC spielen sollte. \\\\ Fazit //// „Resident Evil 5“ ist wie ein typischer Kino-Blockbuster gestrickt. Es gibt massenhaft auftretende Effektspektakel, brachiale Bossfights, eine wunderbare audiovisuelle Präsentation sowie eine in sich stimmige Hintergrundgeschichte. Leider hat das ganze mit „Resident EviL“ nur noch sehr wenig zu tun, ich will gar so weit gehen das der fünfte Teil der Serie schlichtweg seine Seele verloren und endgültig den Kniefall vor dem Maisntream vollzogen hat. Ist „Resident Evil 5“ deshalb ein schlechtes Spiel? Keinesfalls. Denn für seine Spielzeit von knapp 18 Stunden (in der Solo-Kampagne), der gelungenen Portierung sowie den sehr motivierenden und spaßigen Co-Op-Modus lohnt sich der Kauf des Capcoms Titels durchaus, nur wirkt das ganze im Endeffekt in Zeiten von „Gears of War“ und „God of War“ schlichtweg auch sehr austauschbar. Ein Umstand, der vor allen alteingesessenen Fans bitter aufstoßen dürfte.
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18.01.2010 14:47
Im Bericht alles vorhanden was einem Resident Evil Neuling interessiert
26.10.2009 19:16
Toller Bericht, keine Frage beleibt hier offen...BH...LG Jasmin
24.10.2009 14:50
Sehr guter Bericht, entspricht ziemlich genau meiner Meinung.