Erfahrungsbericht über

Ricoh Caplio RR30

Gesamtbewertung (32): Gesamtbewertung Ricoh Caplio RR30

 

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Überraschung mit Ricoh Caplio RR-30

5 10. Jan 2003

Pro:
schneller, vielseitiger 3,24 Megapixel - Apparat

Kontra:
keine

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Verarbeitung:

Ausstattung:

Bildqualität:

Akkulaufzeit:

Zuverlässigkeit:

Bedienung:

mehr


ste800

Über sich:

Mitglied seit:25.11.2002

Erfahrungsberichte:2

Vertrauende:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Digitalfotografieren macht Spaß. Bisher benutzte ich neben meiner normalen Fotoausrüstung einen sehr einfachen Billig-Digitalfotoapparat. Um mich zu verbessern, bestellte ich eine Canon A40 und verdarb mir damit die Freude. Ich habe Ende November einen Erfahrungsbericht darüber geschrieben.
Aber der Spaß kam schnell zurück, und zwar in Form der Ricoh Caplio RR-30! Nachdem ich mich der hochgepriesenen Canon A40 entledigt hatte (Rücksendung an den Versandhandel), durchforstete ich Anzeigen, um Anhaltspunkte für weitere Internetrecherchen zu finden. Ziemlich schnell spitzte sich alles auf die Ricoh Caplio RR-30 zu. Diese ist September 2002 auf den Markt gekommen und wird als schnellste ihrer Klasse gelobt. Ich werde es mir verkneifen, jetzt alle technischen Einzelheiten aufzuzählen. Die vielen Funktionen dieser kleinen Kamera sind auf einigen guten Webseiten nachzulesen,
als da wären digitalkamera.de, imaging-one.de, ricoh.com, computeruniverse.net. usw. Da gibt´s auch jede Menge weitere Infos über Digitalkameras. Mit der Google-Suche hat man auch gleich die Versandhändler, die das Ding anbieten. Es ging also ziemlich schnell. Nach stundenlanger Internetrecherche habe ich den günstigsten Versandhandel angeklickt und keine 20 Stunden später war ich im Besitz eines neuen Fotoapparates.

Das hemmungslose Knipsen ging sofort los, Anlässe und Motive gab´s jede Menge. Ich habe in den ersten 4 Wochen über 1000 Bilder gemacht. Das ist kein Fotografieren mehr, nein, das ist Knipsen, ich gebe es gern zu. Übung macht den Meister.
Ich bin mit dem Fotoapparat schnell warm geworden. Er hat auch einige Merkmale, die ich nachteilig finde. Allerdings haben sich diese gewissermaßen als Standards bei den neuen Digitalkameras etabliert. Der auffälligste Nachteil ist die geringe Größe. Daß ein Fotoapparat sehr klein ist, wird von der Industrie als Super-Pluspunkt verkauft, aber kleine Fotoapparate kann man nur mit spitzen Fingern bedienen (vergleichbar mit Mini-Mobiltelefonen) und, was noch schlimmer ist, damit die Abmessungen sehr klein bleiben, machen die Designer unmäßige Kompromisse. Wir haben es hier wieder mit dem miniaturisierten USB-Anschluß zu tun, der es erforderlich macht, daß man immer das spezielle Kabel dabei haben muß. Es geht dabei auch wesentlich ums Prinzip. Der Umfang an Ausrüstung, die man mit sich herumschleppt, wird unnötigerweise immer größer, weil nichts zusammenpaßt und alles sein Spezialzubehör erfordert. Also zum normalen USB-Kabel, was sowieso benötigt wird, wieder ein Kabel mehr in der Notebooktasche, na ja.

Noch ärgerlicher ist die Stromversorgung, dabei hat man auf den ersten Blick einen sehr positiven Eindruck davon, denn die Verwendung von R6-Akkus ist möglich. Aber auf den zweiten Blick sieht man, was los ist: Der Fotoapparat hat eine Spannung von 3,8 Volt. Der als Zubehör angebotene Spezial-Akku liefert 3,72 Volt, das ist optimal! Nun ist aber der Akku und das dazugehörige Spezialladegerät mit
Geldausgeben verbunden (nicht sehr billig), deshalb verwendet man R6-Akkus mit einer Spannung von je 1,24 Volt. Und jetzt kommt´s: Es passen nur 2 Akkus in den Apparat, weil der ja so klein ist!!! Dem Fotoapparat, der 3,8 Volt braucht, hat also mit frisch geladenen Akkus nur 2,48 Volt zur Verfügung. Damit ist der Fotoapparat chronisch unterversorgt. Wer sich mit Elektrik etwas auskennt, weiß, daß das das Entladeverhalten entscheidend beeinflußt. Die 1,24-Volt-Akkus können auf die Weise gar nicht richtig entladen werden und sind, wenn der Fotoapparat schon streikt, eigentlich noch halbvoll. Das heißt unter anderem, daß sie unbedingt ganz entladen werden müssen, bevor man sie wieder lädt.
Bei Verwendung von 2 1,5-Volt-Batterien sieht die Batterieausnutzung schon viel besser aus, obwohl das rein rechnerisch nur 0,52 Volt mehr sind. Aber Batterien muß man teuer kaufen und kann sie nicht wieder laden, das haben sie so an sich... Wenn in den Fotoapparat 3 R6-Zellen passen würden, wäre er optimal versorgt und die Batterien bzw. Akkus könnten maximal ausgenutzt werden. Der teure Original-Zubehör-Akku besteht ja auch aus 3 Zellen, damit die 3,72 Volt erreicht werden!! Das ist wirklich bitter. Der Fotoapparat meldet sich dann so nach etwa 100 Bildern einfach ab, indem er im unpassenden Moment das Objektiv einfährt. Man kann dann wieder einschalten und den Autofokus ausschalten, dann geht´s
wieder eine Weile. Wenn man das weiß, sich an der Bildanzahl orientiert und immer Akkus in den Taschen hat, kann man damit leben. Deshalb habe ich mich entschlossen, das als ärgerliches Thema zur Kenntnis zu nehmen und nichts weiter zu unternehmen. Ich verwende weiter die gewöhnlichen Akkus. Wer gern bastelt, kann sich ja ein Akkugehäuse bauen, was er dann ans Stativgewinde andockt. Der Batterieschacht der RR-30 hat auch eine Aussparung für das Kabel einer externen Stromversorgung...

Jetzt komme ich zu den vielen schönen Seiten, die dieser Fotoapparat natürlich auch hat: Er ist schnell! Das eigentliche Fotografieren und Speichern der Bilder geht zügig, kein Vergleich zur Canon A40. Während die RR-30 das letzte Bild noch speichert, kann man schon wieder auslösen! Möglich ist das durch den internen 8-MB-Flash-Speicher. Man sollte natürlich den Auslöser nicht gleich ganz durchdrücken, um der Kamera Zeit für die Messungen zu geben. Aber man kann! Im schlimmsten Fall riskiert man ein schlechtes Bild, gerade wie beim richtigen Fotografieren! Lieber einen Schnappschuß mit Kompromissen, als ein perfektes Foto 2 Sekunden nach Betätigen des Auslösers wie bei der Canon A40(selbst mehrfach erlebt, besonders auf nahe Distanz).
Bei der RR-30 entsteht wirklich in dem Moment das Bild, in dem man den Auslöser betätigt, das ist toll. Und man kann gleich noch ein paar mal "nachtreten". Man kann den Autofokus auch ausschalten, dann fotografiert der Apparat mit Unendlich-Einstellung. Irgendwelche Gegenstände im Vordergrund irritieren dann nicht mehr und man wird noch schneller, für Luftaufnahmen geeignet und auch sonst, wenn das Objekt einige Meter weg ist.
Nun ist die Geschwindigkeit der RR-30 beim Fotografieren sehr ordentlich, sie ist nicht schlechter als sonstige normale Kompaktapparate, aber die Blitznachladedauer ist manchmal schier endlos, na ja, wie bei sonstigen Kompaktapparaten eben. Unterstützt wird das hohe Tempo der RR-30 durch die neue, viel schnellere, wenn auch teurere Secure-Digital-Speicherkarte (SD). Man kann auch die Multi-Media-Karte verwenden, die aber langsamer ist.

Ein Knopfdruck genügt, um den Autofokus auf "Makro" umzustellen. Und was hier möglich ist, hat die Bezeichnung "Makrofotografie" wirklich verdient! Bei einem minimalen Aufnahmeabstand von unglaublichen 1cm fotografiert man ein Pfennigstück bildfüllend und kann dabei noch den Blitz verwenden, der dann der geringen Aufnahmeentfernung entsprechend ganz zart blitzt. Das ist wirklich toll, Weil ich gern Nahaufnahmen mache und das bisher nur mit großem Aufwand und echten Tricks. Die Tiefenschärfe dabei ist auch sehr erstaunlich, ich bin total platt. Ich freue mich schon auf den Sommer, wenn wieder viele Insekten unterwegs sind. Wenn man vergißt, die Makroeinstellung auszuschalten, kann man trotzdem auf weite Entfernung fotografieren. Man merkt lediglich, daß das Fokussieren länger dauert.

Zwar ist der Apparat klein und die Griffmulden im Gehäuse haben auch nur Minimalmaße, aber er läßt sich gut einhändig beherrschen, auch mit Handschuhen, gar nicht schlecht, hab´s probiert bei diversen "Fotosafaris" in der Frostlandschaft der letzten Wochen. Der Apparat ist etwas länglich und das Objektiv sitzt weit links, genau wie das Mäusekino auf der Rückseite. Deshalb kann man den Apparat gut anfassen.

Das Sucherbild ist gut, beim Zoomen fährt es mit. Der Sucherbildausschnitt ist etwas kleiner als das, was wirklich auf´s Foto kommt. Will man ein Bild ganz genau einteilen, wird man wohl eher auf das Minidisplay auf der Rückseite gucken. Bei starkem Sonnenlicht und im Schnee ist die Umgebung so hell, daß man nichts sieht, das übliche Problem. Der Zubehörfachhandel hat das längst erkannt und bietet einen "Lichtschutzschacht" an, der das Problem sehr gut löst. So eine Röhre kann man selber basteln und am Stativgewinde anschrauben, geht super.
Die Formgebung des RR-30-Gehäuses erleichtert die Anbringung ungemein. Das Spielzeugdisplay an der Rückseite ist die schönste Spielerei seit es Fotoapparate gibt, hat aber großen praktischen Wert, deshalb sollte man sich vielleicht mal die Mühe mit dem Schacht machen.
Das Mini-Display hat 80.000 Bildpunkte, das ist ganz gut! Man kann natürlich nicht erkennen, ob ein Bild eine geringe Verwacklungsunschärfe hat, dafür ist der Monitor einfach zu klein. Der Fotoapparat bietet die Möglichkeit, über die Pfeiltasten manuell scharf zu stellen. Das soll man dann anhand des Minidisplays machen... Wie soll das gute Ergebnisse bringen? Eine der sinnlosen Funktionen.

Eine äußerst begrüßenswerte Funktion ist, daß man die an allen Fotoapparaten übliche Selbstabschaltautomatik deaktivieren kann. Die Selbstabschaltung ist ohnehin die ärgerlichste Funktion, die verspielte Industriedesigner jemals verbockt haben. Bei Digitalkameras ist das Minidisplay der gefräßigste Stromverbraucher. Die RR-30 zeichnet aus, daß sie dafür eine Stromsparfunktion hat, die man benutzen kann, wenn man will. Ich selber ziehe es vor, das Mäusekino manuell ein- oder auszuschalten.

Dann ist da noch die Intervallfunktion. Man kann einen Intervall einstellen, minimal 30 Sekunden, maximal 3 Stunden. Dann macht die Kamera von selber in regelmäßigen Abständen Bilder. Da kann man einen Ort über einen beliebigen Zeitraum "observieren" und sich später die Bilder im "Zeitraffer" angucken, echt witzig. Dazu könnte man noch das Datum ins Bild einbelichten, das geht nämlich mit der RR-30. Diese Funktion hat auch Sinn, weil ja die "Dateiinfo" verlorengeht, wenn man ein Bild nachträglich bearbeitet. Es gibt auch einen Serienbildmodus, der ermöglicht, innerhalb von 2 Sekunden 16 Bilder zu schießen.

Ungünstigerweise ist die Belichtungskorrekturfunktion nicht über eine Extra-Taste zu erreichen, was aber der Wichtigkeit dieser Funktion angemessen wäre. Will man schnell von der Funktion Gebrauch machen, weil man beispielsweise abwechselnd gegen das Licht und mit dem Licht im Rücken fotografiert, merkt man sofort, daß es umständlich ist, über das Menü an die Funktion heranzukommen. Bei den vielen Funktionen und entsprechend vielen Knöpfen, die eine Digitalkamera hat, ist irgendwie auch klar, daß man Funktionen aus "Platzgründen" in Menüs einordnet. Trotzdem schade. Bei meiner EOS 100 liegt die Funktion auf dem Daumenrad - superschnell.

Zusammenfassend kann ich sagen, daß die Ricoh Caplio RR-30 ein feiner Fotoapparat ist, der die o. g. Canon A40 weit hinter sich zurück läßt und den man guten Gewissens empfehlen kann. Er hat alle üblichen Funktionen; die gar nicht so selbstverständlichen Funktionen, welche mir besonders gefallen, habe ich beschrieben. Wer gerade eine Neuanschaffung plant, sollte sich auf den o. g. Webseiten genauer informieren. Die Nachteile, welche ich geschildert habe, haben fast alle Digitalkameras.

Ich habe für den Apparat 319 EUR, für die 128-MB-SD-Karte 89 EUR bezahlt. Für den Preis bekommt man wirklich einen schnellen, vielseitigen 3,24-Megapixel-Fotoapparat.

So klein und verspielt diese kleine Digitalkamera auch wirkt, mich hat sie überzeugt. Ich hätte nicht gedacht, daß meine Canon EOS 100 mit so einem Winzling konkurrieren müßte, aber es ist so. Die "Maschine" wird wahrscheinlich nur noch für "Spezialaufgaben" rausgeholt. 

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
janschwede

janschwede

07.05.2003 13:29

Ich finde den Bericht sehr informativ, sind einige interessante Dinge drin, an die ich bisher nicht gedacht habe (USB-Kabel). Die Kamera könnte durchaus eine Alternative sein. Deine schlechten Erfahrungen mit der A40 führe ich eher auf die enormen Fertigungstoleranzen bei DigiCams zurück, was bei der A reihe von Canon besonders auffällt (der eine liebt sie, der nächste putzt sie runter, genau wie in den Testberichten der gängigen Zeitschriften. Würde mich freuen, weitere Berichte von Dir zu lesen!

lustig17

lustig17

01.02.2003 16:32

Interessaner Bericht - für eine Kaufentscheidung gut aussagefähig. Das mit dem USB-Kabel und der Stromversorgung scheint mir weniger richtungsweisend, aber informativ. O.k.

Kai71384

Kai71384

23.01.2003 22:02

Die Stromversorgung mit 2 x 1,2V (NiMh-) Akkus (weiss jemand warum Ricoh hierbei die NC-Akkus ausschliesst?) kommt mir auch etwas gering vor, zumal das Typenschild am Boden der Kamera eine Spannungsversorgung mit DC 3,8V und 2W (= 530mA) vorsieht. Als erfahrener Modellbauer werde ich mich einmal separat nur um dieses Thema kümmern. (Akkurestkapazität und Akkurestspannung (unter Last) bzw. min.-Spannung beim Abschalten der Kamera.) Gruß Kai

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