Eine nicht perfekte Camera zum Verlieben
22.02.2003 (30.04.2003)
Pro:
Kurze Auslösung, Multishot, Makrofunktion, Handlichkeit, Vielseitigkeit
Kontra:
leichte Unterbelichtung, Farbstich, Auslöseknopf
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Verarbeitung
Ausstattung
Bildqualität
Akkulaufzeit
Bedienung
mehr
 lustig17
Über sich:
Ich habe leider zu viel anderes zu tun, schau aber immer mal wieder rein. Aber z. Zt. werde ich kein...
Mitglied seit:31.01.2003
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 85 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Am 23.03.03 habe ich diesem Bericht einen Nachtrag über meine weiteren Erfahrungen mit der Camera hinzugefügt. Ihr findet ihn am Ende des Berichts. Und am 30.04.03 habe ich einen weiteren Nachtrag, der für alle, die die RR 30 schon besitzen, von ganz besonderem Nutzen sein wird (siehe unten), zugefügt.
Tja, da will ich mich auch mal an meinen ersten Testbericht heranwagen. Da alle techn. Daten schon überreichlich in den Vorberichten enthalten sind, hier nur meine Erfahrungen. Zunächst zu meinen Kaufgründen: 1. Schnelle Auslösezeit von 0,22 sec – hatte mir bisher gerade wegen der langen Auslösezeiten keine Digicam angeschafft. Erfahrung: Erwartung voll erfüllt – super! Ich kenne keine vergleichbare Digicam mit so schneller Aufnahme.
2. Multishot – ich mache oft Bewegungsanalysen im Sportbereich, wofür diese Funktion ganz hervorragend geeignet ist. Erfahrung: Erwartung voll erfüllt. 3. Makroaufnahmen – für viele Zwecke und nicht nur Blütenaufnahmen einsetzbar, z. B. hervorragend geeignet, um in Seminaren, Konferenzen, Besprechungen usw. schnell mal Dokumente oder handschriftliche Aufzeichnungen auf Tafeln oder Clip-Charts frei aus der Hand (ohne Stativ!) in bester Qualität aufzunehmen. Erfahrung: Erwartung mehr als erfüllt.
4. Taschenformat – diese Camera ist so klein, leicht und handlich, daß man sie eigentlich immer dabei haben kann. Ich habe schon viele seltene Fotos aus der Situation heraus gemacht, z. B. Landschaftsaufnahmen bei extremen Beleuchtungsverhältnissen, die ja bekanntlich oft nur kurz und überraschend auftreten („Ach hätte ich jetzt nur meine Camera dabei“ –diesen quälenden Gedanken kennt ja wohl jeder). Erfahrung: Erwartung voll erfüllt. Die Kaufmotive rechtfertigt die Camera also in vollem Umfang. Wie sieht es aber in den übrigen Bereichen aus?
Leider stimmt es , daß die RR30 zu leichter Unterbelichtung neigt. Aber dies läßt sich zum Glück mit jedem Bildbearbeitungsprogramm sehr schnell und einfach automatisch korrigieren. Dies gilt auch in etwas eingeschränktem Maße für den leichten Farbstich in Richtung rot-blau. Hier ist meine größte Kritik an der Camera. Auch nicht ganz einwandfrei ist die Abbildung – leichte Kissenbildung je nach Einstellung des optischen Zooms ist leider vor allem bei Makroaufnahmen feststellbar. Allerdings ist dies für eine Camera in dieser Preislage kaum anders zu erwarten – dennoch ist es schade. Die Schärfe ist demgegenüber mit "sehr gut" zu beurteilen, so daß insgesamt für die Bildbeurteilung noch ein knappes "gut" zustandekommt. Aber nur, weil die Digitalfotos nachbearbeitet werden können. Hohes Lob für die Funktionsvielfalt und die intuitive Bedienung. Am Anfang hat man doch etwas Probleme mit dem Menue. Das zwar ausführliche und durchaus gut verständliche eBook-Handbuch hat leider ca. 160 Seiten, was nicht gerade zum Studium anreizt. Wenn man aber mal die Logik des Menue`s und der digitalen Funktionsfolgen begriffen hat, fällt die Bedienung der Camera plötzlich ganz leicht.
Erwähnt sei jedoch, daß die Bedienung durch die Vielzahl der winzigen Zeichen auf dem bei dem Umfang der Camera nicht gerade großem Display und der klitzekleinen Schrift im Menue - insbesondere im Freien - doch sehr schwierig ist und nervös machen kann. Ja bei hellem Sonnenschein kann man das Display überhaupt nicht lesen. Die gelobte Aufhellfunktion des Display´s nutzt wenig, denn es ist bei Tageslicht so oder so nicht brauchbar – wie bei allen Digicams. Da muß man eben die Camera „aus dem Kopf“ heraus bedienen – das ist allerdings nicht jedermanns Sache. Aber die Grundfunktionen kann man sich ja merken. Erwähnt sei allerdings, daß man mit einfachem Knopfdruck das Display von allen Angaben und Zeichen befreien kann – es steht dann ganz dem Motiv zur Verfügung, was von mir sehr oft ausgenutzt wird. Der zwar recht kleine aber gut brauchbare optische Sucher ist ganz links oben angebracht. Die erste Sucher-Camera, mit der ich keine Probleme mit der eigenen Nase und wesentlich weniger Probleme mit der Brille habe, wenn ich mit dem rechten Auge das Motiv anvisiere. Hervorragend ist im übrigen die Zoomfunktion des optischen Suchers.
Starke Kritik muß ich leider an dem Auslöseknopf üben: 1. um den Widerstand zum Auslösen nach der Fokussierung zu überwinden, ist ein viel zu starker Fingerdruck notwendig, der Aufnahmen aus der Hand, insbesondere bei Nah- und dunklen Innenaufnahmen, durch den entstehenden Ruck zum Verwackeln bringt – sehr schade bei der hervorragenden Makrofunktion der Camera und
2. entsteht durch die Plazierung des Objektivs links am Cameragehäuse und des Auslöseknopfes rechts oben eine spürbare Hebelbewegung durch den Druck des Aulösens, was zusätzlich zum Verwackeln führt. Ansonsten sind die Bedienungshebel und –knöpfe sehr durchdacht angebracht und trotz ihrer Winzigkeit noch gut zu bedienen. Das gilt vor allem für die Zoomtasten, aber etwas eingeschränkt auch für die übrigen Bedienungsknöpchen.
Sehr gut ist demgegenüber das Szenen-Rad neben dem Auslöseknopf zu bedienen. Die Szenen-Modi sind nützlich und vernünftig konzipiert. Daß man als alter Foto-Fan natürlich lieber traditionell mit Blende und Verschlußzeiten arbeitet, ist nicht zu verleugnen. Die Videofunktion mag für viele interessant sein, aber von der Qualität kann man natürlich nicht zu viel erwarten. Seltsam: bei mir ruckelt die Wiedergabe über den PC (sowohl beim Windows Media Player wie auch bei Pinnacle Studio 7) erheblich. Meine RR30 wird durch zwei 1800 mAh NiMH Akkus mit Energie versorgt. Wenn es richtig ist, daß die Camera im Vergleich zur Konkurrenz wenig Strom verbrauchen soll, müssen andere Cameras ja noch viel schneller ihren Geist aufgeben. Ich empfinde dies schon bei der RR 30 als reichlich unangenehm. Vor allem, daß plötzlich die Funktionen der Camera gestört sind, diese dann mal wieder kurzzeitig reagieren bis es endgültig „Aus“ ist – also daran muß ich mich noch sehr gewöhnen – oder lernen mit der Cameraenergie besser umzugehen.
Zur Verarbeitung: Daß die Ricoh RR 30 keinen Profiansprüchen gerecht werden kann, liegt bei dem Preis ja wohl auf der Hand. Das Kunststoffgehäuse mag Ästhetiker abschrecken, ermöglicht aber die Leichtigkeit der Camera. Ich sehe die Camera als ein Gerät, das viele Funktionen zuverlässig zu erfüllen hat – mehr nicht. Also für mich ist die Verarbeitung absolut ausreichend, wenn sie zuverläsig einige Jahre ihre Aufgaben erledigt. Und dazu scheint die Camera voll in der Lage zu sein. Ein Prestige- oder gar Imagegerät zum Vorführen oder zum „Zur Schau Tragen“ ist sie sicherlich nicht. Zum Schluß noch ein paar Worte zur PC-Installation. Hier gab es überhaupt keine Probleme. Man muß nur so vorgehen wie beschrieben. Es sollte nur ein Ordner angegeben werden, wo die RR 30 die Bilder geordnet nach Aufnahmedatum ablegt (wenn nämlich kein Ordner angegeben wird, legt die Software selbst einen an und das kann an der falschen stelle sein). Wenn Sie kein Bild-Verwaltungs- und/oder Bearbeitungsprogramm haben (empfehlenswert ist z. B. ACDSee), können Sie auch mit dem beigefügten Programm die Bilder auf dem Bildschirm ansehen und sogar leicht bearbeiten. Die Übertragung auf den Fernseher erfolgt völlig problemlos mit einem beigefügten Kabel. Ihr Fernseher muß allerdings einen gelben Video Cinch-Anschluß haben - wenn nicht, gibt es im Zubehörhandel entsprechende Adapter z. B. für einen Scartanschluß.
So, das wär´s. Insgesamt ein sehr gutes Ergebnis – ich bin gleich von Anfang an positiv überrascht gewesen. Daß es immer und überall auch Negatives gibt, ist ja wohl klar. Man sollte aus jedem Test die Kriterien prüfen, die einem besonders wichtig erscheinen. Und da habe ich mit der RR 30 sicherlich einen guten Kauf getan – siehe die Ergebnisse über meine Kaufgründe. Nachtrag vom 23.03.03:
Ich habe die Camera jetzt genau 1 Monat weiter in Gebrauch. Da bis heute über 1000 Leser an dem Bericht interessiert waren, möchte ich Euch über meine weiteren Erfahrungen berichten:
1. Das Hauptkaufmotiv, die superkurze Auslöseverzögerung, hat sich auch weiterhin zu 100 % bewährt. Im Vergleich zu allen anderen Digicams fällt die RR 30 sofort positiv auf. Wir haben Tests mit einer Canon, einer Nikon und einer Medion gemacht. Die RICOH war eindeutig die einzige Camera, die die bewegten Szenen im richtigen Moment festhalten konnte. Inzwischen habe ich verschiedene Testberichte, z. B. über eine viel teurere SONY-Camera, die gewiss mit das Beste ist, was es auf dem Markt gibt, gelesen. Selbst neue SONY-Cameras weisen heute noch Auslöseverzögerungen von 0,5 bis fast 1 sec auf. 2. Die Multishotfunktion hat sich zwar auch weiterhin bewährt, allerdings rate ich dringend dazu, sie nur mit der höchsten Auflösung zu benutzen, da ansonsten bei den bei diesem kleinen Format (16 Bilder auf einer Datei) notwendigen Vergrößerungen die Pixel schon sehr stark sichtbar werden.
3. Die Handlichkeit ist nach wie vor frappierend –ich verlasse das Haus nicht mehr ohne meine RR 30. 4. Die im Bericht angeführte Neigung zur leichten Unterbelichtung hat sich seltsamerweise ganz gegeben. Die Bilder sind inzwischen einwandfrei belichtet.
5. Auch die angegebene Neigung zu einem leichten rot-blauem Farbstich tritt nur in geringem Umfang auf, wenn viel Kunstlicht im Motiv steckt. Aufnahmen im Freien oder mit Blitz sind farblich einwandfrei. Alles andere ist auch heute noch so wie im Bericht beschrieben bis auf einen nicht unerheblichen Nachteil.
!!! Nachteil: Das Display !!! Das Display ist sehr anfällig bei Stößen, Kratzern usw. Es besteht nur aus einer leicht nachgebenden durchsichtigen Kunststoffscheibe, die bei der geringsten Unvorsichtigkeit kaputtgehen kann – ein echtes Problem. Dies gilt vor allem, wenn man wie ich, die Camera so ganz ohne Schutztasche einfach in der Hosentasche mit sich trägt.
Ich habe irgendwo einmal gelesen, daß es extra für die RICOH Caplio RR 30 einen Schutzvorsatz für das anfällige Display geben soll. Leider habe ich nicht sofort reagiert und hätte diesen Schutzvorsatz jetzt gerne. Wenn von Euch jemand hierüber etwas weiß, bin ich um eine sofortige Nachricht sehr dankbar. Ansonsten: die RR 30 ist nach wie vor eine Camera zum Verlieben, die ausgezeichnete Bilder macht.
Nachtrag vom 30.04.03: Es ist leider tatsächlich so, daß Blitzlichtaufnahmen zumeist unterbelichtet, d. h. viel zu dunkel sind. Durch einen Kommentar zu meinem Bericht bin ich auf ein update der Camera-Software aufmerksam gemacht worden, das diesen Mangel behebt. Hier die Adresse, unter der Ihr das update vornehmen könnt. Ich empfehle jedem, es zu tun: http://www.rr30.tk/. Sollte es Probleme geben, mailt mich an.
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09.04.2004 15:56
Zum Farbstich: Im Menu vorm Photographieren Weißabgleich suchen und manuell einstellen, man sieht im Display dann sofort, ob der Farbton der Realität entspricht. Der automatische Weißabgleich ist meiner Meinung nach oft nur eine mittelmäßige Lösung...
24.05.2003 10:43
klasse bericht,mfg
03.05.2003 09:32
Wirklich toller Bericht. MfG schach23