Erfahrungsbericht über

Ridge Racer (PSP)

Gesamtbewertung (5): Gesamtbewertung Ridge Racer (PSP)

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Aufgewärmt oder neu erfunden?

4  10.09.2006

Pro:
das Sliden macht tierisch viel Spaß, gute Grafik, guter Sound

Kontra:
alles nur aufgewärmt, Gegner sind nur Hindernisse auf der Strecke

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Grafik

Sound

Multiplayer:

Bedienung

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scoopexx

Über sich:

Mitglied seit:05.06.2000

Erfahrungsberichte:274

Vertrauende:11

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Das Geräusch wild aufheulender Motoren breitet sich in alle Richtungen aus, wie ein loderndes Strohfeuer, als die Fahrer vor dem Start die Motoren auf Betriebstemperatur bringen. Ein Stackato aus zündenden Kolben, in denen Benzin in pure Kraft umgesetzt wird. Dicht über dem Horizont schwebt die Sonne und taucht die Rennstrecke in einen angenehmen rötlichen Farbton. Rechts und links von euch jubeln euphorisch tausende Fans zu. Elf Konkurrenten befinden sich mit euch auf dem Rundparcours und alle wollen lediglich eins: den Tagessieg in diesem Rennen nach Hause fahren. Die Ampel springt auf grün und die Motoren heulen noch lauter auf, als sich die Boliden in Bewegung setzen. Gleich zu Beginn kassiert ihr mit einem Traumstart drei eurer Gegner und slidet gekonnt um die ersten Kurven, wobei sich euer Fahrzeug, ein Gnade Esperanza, fast quer zur Fahrbahn stellt und erst in allerletzter Sekunde wieder in Richtung Streckenführung einschlägt. Der erste Nitro wird verfügbar und am Ende der langen Geraden sind die nächsten Kontrahenten bereits zu erkennen. Das angenehm dumpfe Geräusch startender Nitros und das Aufheulen des Motors, wenn das NOS in Pure Pferdestärken umgewandelt wird, ertönt... aus den Boxen eurer PSP, die ihr kurz zuvor mit Namcos Ridge Racer gefüttert habt.

So oder so ähnlich dürfte der erste Eindruck von diesem Spiel sein. Keine Frage, Ridge Racer soll Action und Coolness vermitteln und bleibt somit den Wurzeln der Serie treu. Dass dadurch der Realismus auf der Strecke bleibt, dürfte jedem klar sein, der bereits Erfahrung im Ridge-Racer Universum gesammelt hat. Auch in dem PSP-Ableger der Serie slidet man unbekümmert und entgegen aller physikalischen Gesetze in unmöglichen Winkeln um die Kurven.

Was wird einem fürs Geld geboten?
Der Titel wurde aufgrund seines fortgeschrittenen Alters bereits mit einem Preis von 29,90€ versehen. Was bekommt man für dieses Geld? In erster Linie leider wieder aufgewärmte Kost! Sämtliche Strecken sind aus Ridge Racer, Ridge Racer Revolution, Rave Racer, Rage Racer und Ridge Racer Revolution übernommen. Die Zahl, der, auf der Packungsrückseite angepriesenen 25 Strecken schrumpft auch sehr schnell und sehr stark zurück, wenn man beachtet, dass es sich bei den Strecken 13-24 lediglich um die Strecken 1-12 in spiegelverkehrter Form handelt. Außerdem Serientypisch: Die Rundkurse sind in Teilen identisch. Die Start-Ziel-Gerade bleibt beispielsweise die selbe und die Absperrungen werden auf der Strecke so umgelegt, dass man nach der 2. Kurve einfach eine andere Route fährt. Da können die Kurse noch so schön designed sein - hierbei handelt es sich um ein Manko, dass die Serie bereits seit dem ersten Teil verfolgt.

Gefahren wird in 6 Rennklassen und einer Spezialklasse, die sich durch unterschiedliche Motorleistungen auszeichnen und in denen es im Ganzen über 40 Rennserien gibt, die immer 2-6 Strecken umfassen. Es fängt zunächst sehr locker in den Basic Series an, die ungefähr das erste Drittel des Spiels ausfüllen. Hier ist es vermutlich schwerer zu verlieren, als zu gewinnen. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Boliden über den Asphalt bewegen, kann man fast noch als gemächlich bezeichnen und man selbst ist ohne Nitro schneller, als die Konkurrenz mit laufender NOS-Einspritzung. Auch in den Pro-Series ändert sich hieran zunächst nicht viel. Zwar erhöht sich die Geschwindigkeit recht ordentlich, da ab hier auch die Rennklassen 4-6 zur Verfügung stehen, wirklich schwierig zu meistern sind jedoch nur die letzten 4 Rennen in dieser Serie, in denen man Autos der Spezialklasse freischaltet. Ohne einen kleinen Trick (Man zündet 3 Nitros kurz vor Ende des Rennens) und genauer Kenntnis der Strecke wird man hier nicht weit kommen. Leider sinkt der Schwierigkeitsgrad auf der nächsten Schwierigkeitsstufe - den Expert-Series - wieder zurück in alte Gefilde, so dass man das Game eigentlich ohne größere Anstrengung in einem Zug durchspielen kann. Dank des großen Umfangs wird man dennoch um die 20 Stunden daran zu beißen haben. Ist man mit diesen drei Schwierigkeitsgraden durch, kann man noch ein weiteres Level erklimmen: Die Max-Series. Die hier auf Drei begrenzten gegnerischen Boliden zünden einen Nitro nach dem anderen und lassen einem kaum eine Chance, noch großartig weiter zu kommen - normale Spieler hören spätestens hier auf, Freaks werden auch diese Hürde auf Dauer meistern.

Als Arcadetitel, der wirklich rein gar nichts mit der Relaität zu tun hat, spielt sich Ridge Racer außergewöhnlich flüssig. Die Steuerung mit dem um-die-Kurven-Sliden geht flüssig von der Hand, wobei man eher auf das Digitalkreuz der PSP setzt, als auf den Analogstick. Was einen als Neuling vermutlich verwundern wird, ist, dass die Autos, wie bei einer Rallye, zeitversetzt starten. Beim Start ist man lediglich mit drei anderen Autos gleichzeitig, während sich die anderen acht bereits auf der Strecke befinden und munter vor sich hindüsen. Seit dem ersten Teil der Ridge Racer Serie hat sich dieses Manko nicht verabschiedet und stört heute mehr denn je, weil es einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Es macht das Spiel zu einem reinen Time-Trial-Fahren, in dem die Konkurrenzboliden auf Platz elf bis zwei als "Hindernisse" auf der Strecke fungieren und der Gegner auf Platz eins die Zielgerade ist, weil man eben diesen vor Ablauf eines bestimmten Zeitlimits eingeholt haben muss. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass sich die Gegner sehr stark zurückfallen lassen, nachdem ihr sie kassiert habt - fast so, als würden sie stehen bleiben, nachdem ihr vorbeigezogen seid. Das "Hindernis" ist damit überwunden. Ihr selbst werdet in diesem Spiel nur selten von einem Gegner überholt, verliert jedoch unmengen an Zeit, wenn ihr bei einem Überholvorgang von euch in ein solches Hindernis hineinkracht.

Auf der Rückseite der Spielhülle steht als Aufmacher in großen Lettern "Extrem Seitwärts". Schon nach den ersten Runden weiß man, was die Entwickler einem damit sagen wollten. Die Kurven umfährt man nicht, wie in anderen Rennspielen, durch die Folge 1. abbremsen, 2. einlenken, 3. wieder Gas geben, sondern durch 1. Gas geben, 2. Nitro zünden um noch schneller zu sein, 3. voll in Richtung Kurvenführung einlenken... Fliehkraft gibts nicht. Klingt unrealistisch? Willkommen bei Ridge Racer! Dieses Prinzip bringt zwar Action auf die Strecke, wurde aber maßlos übertrieben. Bei manchen Strecken hat man eher das Gefühl, eine Zugsimulation zu spielen, weil der Bolide auf der Strecke klebt, als würde er auf Gleisen fahren. Es fehlt auch einfach die Schwierigkeit, die Kurven normalerweise in anderen Rennspielen mit sich bringen.

Die Steuerung muss allerdings auch gelobt werden. Sie läuft später so intuitiv von der Hand, dass man sich schon mal dabei erwischt, in Gedanken beim nächsten Ikea-Einkauf und gar nicht mehr bei der PSP zu sein, sich dann aber plötzlich darüber wundern muss, dass man das ganze Fahrerfeld von hinten aufgerollt hat, ohne es überhaupt zu merken. Ridge Racer spielt sich so flüssig, wie es sich für einen Arcade-Zitel gehört.

Das Auge spielt mit!
Wie ich bereits in meinem Wipeout Review erwähnte: Rennspiele leben zu großen Teilen von ihrer Grafik und hier spielt Ridge Racer seine Stärken aus. Die Strecken sind zwar von ihrer Führung her aus älteren Teilen der Serie übernommen, haben jedoch eine Rundum-Erneuerungskur verpasst bekommen. Abwechslungsreich wie eh und je führen sie noch immer an Stränden, Bergen, entlegenen Dörfern usw. vorbei. Natürlich haben die Texturen eine Generalüberholung bekommen und lassen die Landschaften detaillierter erscheinen, denn je, ohne etwas von ihrer Farbvielfalt einzubüßen. Die Autos können mit der Umgebungsgrafik leider nicht ganz mithalten, da sie etwas niedrigauflösend texturiert wurden. Im Spiel fällt das allerdings eher weniger auf und außerdem sind die Flitzer, die von Namco entworfen wurden, ansonsten recht formschön designed. Ruckler sind selbst bei erhöhtem Verkehrsaufkommen nie zu erspähen und Pop-Ups sucht man ebenso vergeblich. Auch das Kantenflimmern, das manchen früheren Ridge Racer Spielen anlastete, gehört endgültig der Vergangenheit an. Der Detailgrad ist dabei für die kleine PSP sehr hoch: serientypisch sind z.B. die vielen Flugzeuge und Helikopter, die sich immer in Streckennähe aufhalten, auch in diesem Teil nicht zu kurz gekommen. An manchen Stellen schreckt man auch einen Schwarm weißer Tauben auf, wenn man an ihnen vorbei dröhnt. Kurz gesagt: Die Grafik ist Top und reißt spielerische Defizite wieder heraus!
Gibts was auf die Ohren?

Die Soundausstattung von Ridge Racer fällt vor allem umfangreich aus. Man bekommt 14 komplett neue Tracks, die extra für die PSP erstellt wurden, 14 Klassiker aus alten Ridge Racer Teilen und als Bonus auch noch 7 Remixes von den Klassikern. Leider muss man allerdings dazu sagen, dass die älteren Lieder mittlerweile Ohrenschmerzgaranten sind und die Remixes durchaus keinen Deut besser sind. Bleiben also noch die 14 neuen Songs. Hier sind schon einige Perlen, wie z.B. "Vanishing Horizon", zu finden. Allerdings wird man sich seine zwei bis drei Favoriten heraussuchen und sich diese über hören, bis es nicht mehr geht. Was danach noch bleibt, kann man eigentlich getrost abschreiben. Anfangs macht die Musik des Spiels also zwar noch Spaß und ist fast schon zu schade für die billigen PSP-Lautsprecher, hat man jedoch die Hälfte des Games hinter sich gelassen, wird man zusehens mehr und mehr mit der Musikauswahl Probleme haben. Die einen Tracks sind zu schlecht und die anderen langweilig geworden.
Dankbar kann man wohl auch dafür sein, dass der Kommentator, der das Rennen mit coolen Sprüchen auf Englisch begleitet, nicht durch eine miese Lokalisation ins deutsche vermurkst wurde, wie es z.B. bei den SSX-Spielen der Fall war.

Fazit
Das englische Wort Ridge bedeutet in unsere Sprache übersetzt "Grat" und auf dem schmalen Grat der 4,5er-Marke bewegt sich dieser Titel auch. Leider ist er eher Richtung 4 Sterne abgerutscht, als in Richtung 5. Das liegt vor allem daran, dass die Serie es nicht geschafft hat, sich Weisheitszähne wachsen zu lassen. An dem altbackenen Spielprinzip, in dem die Gegner einem nicht vorkommen, wie eben solche, sondern wie Hindernisse auf der Strecke, hat sich seit dem ersten Teil nichts geändert. Auch dass jegliche physikalische Regeln außer Acht gelassen wurden, ist an manchen Stellen ein gravierender Nachteil, nämlich dann, wenn man sich vorkommt, als würde man kein Auto steuern, sondern die Strecke, die sich unter dem Auto bewegt.
Dennoch ist Ridge Racer sicherlich kein schlechter Titel. Die Grafik rockt, der Sound hat zumindest seine Stärken und die Coolness, die das Game rüberbringen soll, ist zumindest bei mir angekommen. Wer sich mit ein paar Mankos im Spielsystem anfreunden kann, wird an diesem Titel trotz allem seine helle Freude haben.

PS: Ich schreibe auch für PSP-Fun.de und für Gamezone.de - also nicht wundern, wenn die Berichte auch dort auftauchen.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
T_Goose

T_Goose

10.09.2006 16:49

Das Spiel ist ganz nach meinem Geschmack... Ciao T_Goose

panico

panico

10.09.2006 16:41

Nicht mein Spiel, aber schöner Bericht von Dir ! lg panico :- )

D4MN

D4MN

10.09.2006 15:54

Super Bericht!^^ lg D4MN =)

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Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 769 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (2%):
  1. barbell

"sehr hilfreich" von (98%):
  1. Annna13
  2. E-pro
  3. hundeliebe02
und weiteren 41 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
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