Erfahrungsbericht über "Rio de Janeiro"

veröffentlicht 27.01.2011 | Ellfie
Mitglied seit : 06.07.2010
Erfahrungsberichte : 5
Vertrauende : 0
Über sich :
Ausgezeichnet
Pro Die Menschen, die Musik, das Nachtleben
Kontra die teils hohen Preise, z.T. sehr touristisch, bestimmte Gegenden meiden
sehr hilfreich
Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

"Eine wunderbare Stadt"

Rio de Janeiro - Aussicht auf den Zuckerhut mit der Seilbahn

Rio de Janeiro - Aussicht auf den Zuckerhut mit der Seilbahn

Überblick:

Rio de Janeiro trägt auf Portugiesisch den Beinamen "cidade maravilhosa", die wunderschöne Stadt - und das ist sie wirklich.

In welcher anderen Metropole der Welt gibt es urbanes Flair, unglaublich weiße Sandstrände und dichten Regenwald so dicht beieinander, innerhalb der Stadtgrenzen.

Keine Frage Rio hat auch mit ernsthaften Problemen zu kämpfen, vor allem in den Favelas, den Armenvierteln. Während meines Aufenthalts im Dezember 2010 verging kein Tag, an dem nicht gewalttätige Exzesse im Fernsehen gezeigt wurden, zu denen es im Zuge der "Befriedung der Favelas" kam, die nun von der Regierung vor allem in Hinblick auf Olympia in Angriff genommen wurde.

Doch als typischer Tourist sieht man die kriminelle Energie, die die Stadt sicherlich aufweist eigentlich nur im TV.

Geschichtliches:

Viele Besucher können heute immer noch nicht glauben, dass Rio de Janeiro nicht mehr die Hauptstadt Brasiliens ist. Aber diesen Status hat seit 1960 Brasilia inne.

Nichts desto weniger ist Rio eine der ältesten und wichtigsten Städte des Landes. Obwohl Rio de Janeiro während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 arg zu leiden hatte und viel von seinem romantischen und exotischen Glanz verlor, den es in den 1920er bis 1950er Jahren noch besessen hatte, ist sie sicherlich immer noch die spektakulärste Großstadt Brasiliens, beziehungsweise ganz Südamerikas.

Im Zentrum wurde in den 1960er Jahren die Mehrheit der kolonialen Gebäude zerstört, stattdessen entstanden Hochhäuser und Wolkenkratzer, die Rio de Janeiro inzwischen das Bild einer typischen Großstadt verleihen. Zur gleichen Zeit entstanden in den Außenbezirken, die als Favelas bezeichneten Armen-Ghettos.

Santa Teresa:

Ein Viertel, das sich seinen kolonialen Charme bewahren konnte, ist, das sich an den Berghang schmiegende Santa Teresa. Es ist meines Erachtens der schönste Teil Rio de Janeiros. Viele der Hotels hier sind in alten Villen untergebracht. Ein Spaziergang durch Santa Teresa wird euch in eine andere Zeit zurückversetzen, wenn nicht gar in eine andere Welt.

Aber nachts sollte man etwas Vorsicht walten lassen, denn die Favelas rund um Santa Teresa gelten als nicht ungefährlich.

Meine Hotel-Empfehlung für Santa Teresa wäre das Casa Mango-Mango ein schönes Bed & Breakfast, das von der Irin Julie geleitet wird. Die Übernachtung in einem Doppelzimmer kostet 80 Reais (35€). Das Ambiente des Mango Mango erinnert nach wie vor an die Zeiten, in denen in Santa Teresa vor allem Schriftsteller und Künstler wohnten.

Lapa:

Wer ein eiskaltes Bier (Bier ist in Rio immer eiskalt!) oder einen Caipirinha in oder vor einer Bar trinken möchte, der braucht in Santa Teresa nur auf die Straße hinaus zu gehen. Dort wird meist auch Live-Musik gespielt oder Samba getanzt.

Das eigentliche Ausgehviertel in Rio allerdings ist Lapa. Hier findet ihr hunderte von Bars, in den einen werden einem immer wieder Tapas angeboten, in den anderen wird Musik gespielt, es ist auf jeden Fall immer etwas geboten und wird garantiert nicht langweilig.

Eine besondere Empfehlung von mir wäre das Rio Scenarium, vielleicht der beste Ort, um original brasilianischen Samba live zu hören - und natürlich um dazu zu tanzen.

Der Eintritt kostet mindestens 30 Reais, was beim jetzigen Umrechnungskurs in etwa 13 Euro sind, aber es lohnt sich wirklich! Die teilweise langen Schlangen davor geben mir recht. Man kann allerdings auch reservieren.

Das Ambiente ist wirklich einzigartig, das Rio Scenarium ist nämlich gleichzeitig ein Museum, in dem unterschiedlichste Antiquitäten, - von Spielzeug über Uhren bis hin zu Regenschirmen - ausgestellt sind.

"Bonde":

Santa Teresa erreicht man vom Zentrum aus am besten mit dem Bonde, eine historische Trambahn, wie man sie auch aus Lissabon kennt. Von den zahlreichen Linien, die es einst gab, ist im Moment nur noch eine in Betrieb, diese allerdings schon seit dem 19. Jahrhundert. Sie fährt von Lapa über die Rua Joaquim Murtinho nach Largo do Guimaraes. Der Bonde ist inzwischen mehr eine Touristenattraktion als ein Transportmittel (als solches jedoch auch benutzbar - und zudem wirklich günstig, denn eine Fahrt kostet nur 0,60 Reais. Wer einfach aufspringt, kann sogar umsonst mitfahren).

Wer seine Kamera zückt, kann schöne Bilder schießen, nur sollten Sie gut darauf aufpassen, Taschendiebe treiben hier durchaus ihr Unwesen.

Favelas:

Die Favelas sind Rio de Janeiros Armenviertel, auch berüchtigt als Ghettos der Gewalt, der Kriminalität und des Drogenhandels.

Dabei handelt es sich sicher nicht nur um Gerüchte, doch viele Favelas werden zwar von der Unterschicht bewohnt, doch leben auch dort Menschen, die geregelten Jobs nachgehen und keinen illegalen Aktivitäten.

In den letzten Jahren haben sich Favela Touren für Touristen etabliert, auf denen Guides, die mit Foto-Apparaten bewaffneten Besucher herumführen.
Gerne wird für diese Ausflüge Rocinha ausgewählt, der größte und bekannteste "Slum" Rio de Janeiros, aber teils auch andere Favelas.

Der positive Aspekt daran ist, dass nun auch Außenstehende erkennen, dass die Favelas nicht nur von blutigen Morden und bitterer Armut geprägt sind. Zudem ermöglicht der Tourismus den Bewohnern vor Ort etwas Geld zu machen, indem sie Kunsthandwerk verkaufen.

Dennoch widerstrebt mir diese Art des Sensationstourismus, bei denen zahlende Kunden in ein Stadtviertel gekarrt werden wie in einen Zoo.

Doch das kann jeder selbst entscheiden. Die Favelas auf eigene Faust zu besuchen empfiehlt sich nicht.

Corcovado - Cristo Redentor - Zuckerhut (Pão de Açúcar):

Wer Zeit hat und gut zu Fuß ist, kann von Santa Teresa aus zu Fuß auf den Corcovado laufen, man durchquert dabei bewaldete City-Gebiete, es ist wirklich einmalig - aber man kann natürlich auch mit dem Auto bzw. Taxi oder - falls in Betrieb - mit der Bahn den Berg hinauf fahren.

Die Christusstatue (Cristo Redentor) und die Fahrt mit der Seilbahn auf den Zuckerhut sind wohl Rio de Janeiros bekannteste Attraktionen. Dementsprechend voll ist es dort immer. Ich hab mich deshalb nicht ins Getümmel gezwängt, der Ausblick ist auch faszinierend, wenn man die 38 Meter, die die Christusstatue hoch ist nicht mehr hinaufsteigt - zumindest, wenn es ein klarer Tag ist und nicht die Wolken über dem Berg hängen.

Ansonsten werdet ihr über diese Sehenswürdigkeiten hier oder anderswo genug lesen können, weshalb ich diesen Part jetzt hier überspringe.

Copacabana - Ipanema:

Die Copacabana ist Rios bekanntester Strand und er ist für einen Stadtstrand wirklich außergewöhnlich lang und schön. Das Wasser ist dort noch einigermaßen sauber und der Sand fein und weiß. Die Copacabana ist sehr belebt, hier wird nicht nur in der Sonne gelegen, sondern Fuß- und Volleyball gespielt, getanzt, Caipirinha getrunken und das alles auf engstem Raum.

Es gibt unzählige Strandverkäufer, Hüte, T-Shirts, Schmuck und vieles mehr wird auf Tüchern ausgebreitet und zum Verkauf angeboten.

Abends findet ab ca. 20:00 Uhr ein schöner Nachtmarkt auf der Promenade der Copacabana statt, wo man übrigens niemals Hunger oder Durst leiden müsste, da sich hier Bier-, Essens- und Caipirinha-Stände aneinander reihen.

Ich glaube, dass ich den preiswertesten Caipirinha in Rio von diesen Buden an der Copacabana erstanden habe, für nur vier Reais. (1,75€)

Wer übrigens die aus Magazinen bekannten brasilianischen Bikini-Girls oder durchtrainierte Männer-Oberkörper sehen will, der sollte nach Ipanema fahren.

Rio Shopping:

Das Preisniveau ist in Rio de Janeiro (beziehungsweise in ganz Brasilien, aber hauptsächlich im Süden) rapide angestiegen. Marken- und Elektonik-Artikel sind grundsätzlich teurer als hier in Deutschland, wie eigentlich alles was nach Brasilien importiert werden muss.

Wo sich Shopping noch immer lohnt, sind die Marktstraßen im Zentrum von Rio, rund um die Rua Uruguayana. Hier werden zwar vorhnehmlich Klamotten (auch gebrauchte) und Ramsch verkauft, aber man kann immer das eine oder andere Schnäppchen machen.

Geld:

Der momentane Umrechnungskurs ist 1€ = 2,3Reais. In ganz Rio gibt es unzählige Geldautomaten, bei denen man mit Kredit- oder ec(maestro)Karte 24h abheben kann. Mit der DKB-Visa Card kann man bei den meisten Banken (Banco do Brasil, Bradesco...) umsonst Cash bekommen.

Inzwischen ist es in Rio beinahe üblicher auch kleine Summen mit Karte zu bezahlen als mit Bargeld, weshalb die üblichen Karten in fast allen Geschäften akzeptiert werden. Selbst sein Ticket am Busbahnhof kann man mit Karte zahlen.

Wer trotzdem Bargeld tauschen will, der sollte besser zu einem casa de câmbio gehen als zur Bank, denn dort bilden sich oftmals lange Schlangen.

Die Cariocas:

Die Einwohner von Rio nennen sich selbst cariocas und so unglaublich es klingt, sie haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind freundlich und nie schlecht gelaunt.

Egal ob man jemanden nach dem Weg fragt oder abends in einer Bar sitzt, man kommt immer ins Gespräch. Wenn ihr kein Portugiesisch sprecht werden sich cariocas immer bemühen, sich wenigstens mit ein paar Brocken Englisch verständigen zu können.

Ein klassischer Touristen-Nepp Versuch ist mir nie untergekommen, aber wie gesagt, ich war weder auf der Christusstatue noch auf dem Zuckerhaut, wo man das wohl noch am ehesten erwarten kann.

Im Gegenteil ist mir aufgefallen, dass die cariocas sehr gastfreundlich sind und Fremde gerne auf etwas einladen. Überhaupt scheinen sie weniger materiell orientiert zu sein, zum Beispiel erstaunt es uns Europäer im Allgemeinen, welch krasse Gegensätze in Rio de Janeiro auf engstem Raum nebeneinander existieren können - dass Luxusviertel direkt neben den Favelas hochgezogen werden, erscheint wie Hohn, doch in Rio kommt es praktisch nie zu Übergriffen.


Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 4709 mal gelesen und wie folgt bewertet:
55% :
> Wie bewertet man einen Erfahrungsbericht?
sehr hilfreich

Ihre Bewertung zu diesem Erfahrungsbericht

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • meinemiamaria veröffentlicht 05.02.2011
    Da bin ich noch ´mal, um das versprochene „BH“ vorbeizubringen ! ---- Maria -----
  • meinemiamaria veröffentlicht 04.02.2011
    Ich war vor einer Woche auch dort und wollte einen Bericht darüber schreiben, doch wenn ich Deinen so leise, lass ich es besser ! Er ist so toll, das könnte ich NIE besser ! ----- "BH" von Maria wird nachgereicht ! -----
  • Quasseltante veröffentlicht 01.02.2011
    BH & LG
  • Haben Sie Fragen? Loggen Sie sich auf Ihr Ciao-Konto ein, um dem Autor einen Kommentar zu hinterlassen. Sich anmelden

Angebote "Rio de Janeiro"

Produktdaten : Rio de Janeiro

Produktbeschreibung des Herstellers

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 22/11/1999