Erfahrungsbericht über

Risen (PC-DVD)

Gesamtbewertung (11): Gesamtbewertung Risen (PC-DVD)

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Inoffizieller Gothic-Nachfolger im Test

4  14.10.2009

Pro:
große, atmosphärische Spielwelt; taktisches Kampfsystem; einfache Bedienung; zahlreiche Talente

Kontra:
schlechte Questführung, schleppende Story, schwache Charakterzeichnung, teilweise veraltete Grafik

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Grafik

Sound

Multiplayer:

Bedienung

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radinho

Über sich: Nach langer Zeit endlich mal wieder ein Bericht von mir. lg Hendrik ...

Mitglied seit:18.06.2006

Erfahrungsberichte:148

Vertrauende:59

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 197 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo!
In meinem heutigen Bericht möchte ich euch von einem aktuellen Computerspiel berichten. Es handelt sich dabei um das Rollenspiel „Risen“ vom deutschen Entwickler Piranha Bytes. Das Spiel ist momentan für knapp 40€ im Handel erhältlich.
Dieser Entwickler könnte dem ein oder anderen vielleicht ein Begriff sein, hat es doch mit der bekannten Gothic-Reihe auch international Akzente für das Genre setzen können. Für den letzten Teil, Gothic 3, erntete Piranha Bytes allerdings große Kritik: Im Spiel steckten zahlreiche Programmfehler, welche das reibungslose Spielen beinahe unmöglich machte. Im Streit darum, wer sich nun um die Behebung dieser Fehler kümmern sollte trennte sich Piranha Bytes von dem bisherigem Geldgeber JoWood, verlor dabei allerdings auch alle Rechte an der Marke „Gothic“.
Vor zwei Jahren stand Piranha Bytes deshalb vor einer schweren Entscheidung: Die Vorzeigeserie von Piranha Bytes, Gothic, war verloren (etwas anderes hatte das Team nie programmiert). Neue Ideen mussten her, wobei sich das Programmfehler-Desaster von Gothic 3 nicht wiederholen dufte. Doch anstatt wirklich ganz neu bei null anzufangen entschloss sich Piranha Bytes dazu, die bisherigen Stärken beizubehalten. Dabei hat man sich stark an Gothic 2 orientiert, jenen Teil der Serie, der bei Erscheinen im Jahr 2002 unumstrittener Genrekönig war. Das Spiel, welches dabei herausgekommen ist wurde einfach „Risen“ genannt und ähnelt in der Spielmechanik (wenig überraschend) stark Gothic 2. Damit erbt es alle Stärken des einstigen Ausnahme-Rollenspiels-aber leider auch alle Schwächen.


Story
Das fängt schon bei der Geschichte an: Zu Beginn wird der (wie in Gothic namenlose) Held an eine Vulkaninsel angespült, nachdem das Schiff von einem riesigem Seeungeheuer angegriffen wurde. Dabei kommen fast alle anderen Passagiere ums Leben, einzig eine Frau, Sara, überlebt noch, welche den Held anfangs in eine Art Tutorial begleitet. Dabei werden natürlich Dinge wie die Steuerung und das Inventar erklärt, allerdings auch das Kampfsystem, was besonders wichtig ist: Viele unterschiedliche Gegner lauern im grünen Dschungeldickicht und warten nur darauf, einen unerfahrenen Wander anzufallen. Dazu gehört der Held, welcher durch das Schiffsunglück alle seine Fähigkeiten und Kenntnisse verloren hat und sie deshalb erst wieder mühsam erlernen muss (auch hier lässt Gothic grüßen). Bereits nach einigen Spielminuten, am Ende des Tutorials, verlässt die Dame den Helden allerdings wieder und spielt ab diesen Zeitpunkt keinerlei Rolle mehr für den weiteren Spielverlauf.
Im Laufe der Story erfährt der Held dann auch von weiteren seltsamen Gegebenheiten auf der Insel: Riesige Grabruinen sprießen plötzlich aus der Erde (mitsamt der darin enthaltenen Monster) und Erdbeben erschüttern das Land. Schuld daran sind die Götter, welche die Welt verlassen haben, woraufhin die grausamen Titanen die Menschheit angegriffen haben. Auch das Schiffsunglück des Helden haben sie zu verantworten. Einzig und allein die Vulkaninsel wird durch eine unbekannte Macht noch vor der Zerstörung geschützt. Es liegt nun an dem Helden herauszufinden, wie man mit dieser Macht auch die gesamte Menschheit retten kann.


Gruppierungen
Das gesamte erste Kapitel dreht sich um die Zugehörigkeit einer Gruppierung im Spiel: Dabei stehen dem Spieler drei Möglichkeiten zur Auswahl, wobei es im Endeffekt eigentlich nur zwei sind. Denn die Magier und die Inquisition werden zwar als getrennte Gruppierungen geführt, allerdings verfolgen beide dieselben Ziele und befinden sich sogar am gleichen Standort, der Vulkanfestung. Dabei können die Magier (wie könnte es auch anders sein) die volle Bandbreite an magischen Zaubern benutzen, besitzen aber dementsprechend Defizite im Nahkampf und bei der Rüstung. Die Ordenskrieger der Inquisition sind hingegen stärker gepanzert und können fester mit einer Nahkampfwaffe zuschlagen, im Gegensatz dafür aber nur noch Kampfzauber benutzen, die Alltagsmagie bleibt ihnen verwehrt. Der eigentliche Spielablauf dieser beiden Klassen unterscheidet sich dementsprechend kaum, die Ausbildung ist sogar komplett identisch.
Demgegenüber stehen die Banditen, welche ihr Lager im Sumpf aufgeschlagen haben. Sie verlassen sich vollkommen auf ihre Körperkraft, Magie kann nur über Spruchrollen ausgeführt werden, welche zum einen teuer und zum anderen nur einmal benutzt werden können. Dafür warten sie mit der stärksten Rüstung auf, welche einen hohen Schutz vor den Gefahren in der Risen-Welt bietet.
Auch bei den Gruppierungen sind die Parallelen zu Gothic 2 auffällig: Die Konstellation Magier und Ordenskrieger gegen die Banditen gab es auch schon im inoffiziellen Vorgänger von 2002.


Spielwelt
Wie man es vom Entwickler Piranha Bytes gewöhnt ist bietet Risen eine gigantische Bewegungsfreiheit, beinahe die komplette Insel ist bereits zu Beginn frei begehbar. Klasse: Jeder Punkt, der für den Spieler sichtbar ist, kann auch mit der Spielfigur erreicht werden. Das ist manchmal allerdings gar nicht so einfach, denn die Wege sind oftmals nicht unmittelbar auf den ersten Blick ersichtlich. Außerdem versperren gerade zu Beginn schier übermächtige Gegner die meisten Pfade, weshalb man fast zwangsläufig an einen der drei Hauptstandorte landet: Entweder im Sumpf beim Lager der Banditen, bei der Inquisition (bzw. den Magiern) in der Vulkanfestung oder in der Hafenstadt, in der beide Gruppen um die Macht ringen.
Von der Größe der Spielwelt kann Risen nicht mit Gothic 3 mithalten, was allerdings nicht schlimm ist. Denn wo in Gothic 3 riesige Gebiete buchstäblich leer und öde waren strotzt Risen nur so vor Kreativität: Der Erkundungstrieb wird meistens belohnt, sei es nun mit versteckten Schatztruhen, besonders kräftigen Monstern an abgelegenen Stellen oder einfach seltenen Kräutern. Zu Beginn läuft man deshalb mit großen Augen häufig ohne bestimmtes Ziel durch die Welt (oder vergisst dabei das eigentliche Ziel). Außerdem gibt es versteckte Erfolge (Achievements) zu erfüllen, beispielsweise das Töten einer bestimmten Anzahl von Monstern oder (etwas verrückter) der Erfolg „Idiot“, bei dem man aus großer Höhe dreimal in den Tode stürzen muss.
Die landschaftliche Gestaltung ist Piranha Bytes hervorragend gelungen, da die unterschiedlichen
Bilder von Risen (PC-DVD)
  • Risen (PC-DVD) Hafenstadt 1
  • Risen (PC-DVD) Hafenstadt 2
  • Risen (PC-DVD) Vulkantempel
  • Risen (PC-DVD) Banditenlager
Risen (PC-DVD) Hafenstadt 1
Hafenstadt
Elemente der Insel, wie etwa Sandstrände, Wälder und Sümpfe perfekt ineinander übergehen, nichts wirkt aufgesetzt oder unnatürlich. Die toll gestaltete Flora und Fauna tun ihr übriges-jeder, der sich auch nur ansatzweise für Natur begeistern kann wird die Welt von Risen wunderschön finden. Etwas unrealistisch ist allerdings die Tatsache, dass man, abgesehen von den drei Hauptorten, nur extrem selten auf andere Menschen trifft. Zwar herrscht im Spiel eine Ausgangssperre für alle Bewohner der Hafenstadt aufgrund der Gefahr durch die Monster. Das erklärt aber nicht, warum man beispielsweise nicht öfters auf Banditen oder Ordenskrieger trifft, welche von der Sperre ja gar nicht betroffen sind.
Um die, trotz der verkleinerten Spielwelt, doch teilweise recht langen Laufwege etwas abzukürzen gibt es zwar keine Reittiere, allerdings magische Transportrunen, welche nach der Entscheidung für eine Gruppierung an vielen Stellen der Insel gefunden werden können.


Quests
Reichlich angestaubt wirkt Risen bei der Queststruktur, was vor allen bei den Hauptquests schmerzlich auffällt, da diese streng linear aufgebaut sind: Nachdem sich der Held einer Gruppierung angeschlossen hat erhält er von dem Inquisitor Mendoza, welcher die Menschen vor den Titanen retten will, einen Auftrag: Der Held soll dabei fünf Scheiben sammeln, damit das Geheimnis, welche Macht im Vulkan die Insel vor den Titanen schützt, gelüftet werden kann. Bei dieser wenig spannenden Aufgabe wird man quer über die Insel geschickt, um die Scheiben aus den Grabkammern, welche überall aus dem Boden sprießen, zu holen. Nachdem dies endlich erledigt ist folgt, ohne zu viel verraten zu wollen, ein (sehr) langer Abschnitt in einem Höhlensystem, in dem der Held gegen die immer gleichen Echsenmenschen, welche den Titanen dienen, antreten muss. Das ist natürlich ziemlich demotivierend, denn zum einen sind die dauernden Kämpfe manchmal recht schwierig zu meistern, zum anderen kann Risen hier nicht mit seiner großen Stärke auftrumpfen: Der lebendigen und frei begehbaren Spielwelt, denn natürlich sind die Höhlen streng linear aufgebaut.
Wer danach auf eine interessantere Hauptaufgabe gehofft hat wird bitter enttäuscht: Der Held wird auf eine weitere Sammelquest geschickt, welche genauso aufgebaut ist wie die erste. Wieder müssen fünf Objekte aus Ruinen entwendet werden, wieder wird der Held zum Laufburschen abgestempelt. Überraschende Storywendungen sind ebenso nicht vorhanden, bereits zu Beginn ist (zu) deutlich erkennbar, welchen Verlauf die weitere Geschichte nehmen wird. Nachdem Risen seine komplette Geschichte erzählt hat (wobei „erzählen“ wohl das falsche Wort ist-die Story plätschert eigentlich die ganze Zeit vor sich hin) erfährt der Spieler im Epilog dann nicht, wie vielleicht erwartet, etwas über das weitere Schicksal des Helden. Piranha Bytes hat es vorgezogen Risen mit einem mysteriösen „Das war noch nicht das letzte Abenteuer…“ vollkommen offen enden zu lassen-im Klartext also: „Kauf dir die Fortsetzung!“.
Die Nebenquests sind leider ebenfalls viel zu häufig nach diesem Schema aufgebaut: Das Sammeln von Gegenständen oder das Erledigen von bestimmten Monstern steht auch hier meistens auf der Tagesordnung. Nur selten wird von diesem Muster abgewichen, beispielsweise muss man für die Aufnahme zum Ordenskrieger oder Magier einen rätselhaften Mordfall lösen. Auch die Hafenstadt bietet mehr Abwechslung, da die Nebenquests hier oftmals geschickt miteinander verknüpft sind und man sich für die Erfüllung für eine der Gruppen (Magier/Ordenskrieger vs. Banditen) entscheiden muss, was wiederum die gegnerische Gruppe verärgert. Als weiteres Beispiel für die Entscheidungsfreiheit dient die Begleiterin (Sara) aus dem Tutorial: So ist man keinesfalls gezwungen die Dame mitzunehmen, man kann sie einfach am Strand (mit den gefährlichen Tieren) alleine lassen, woraufhin man wenig später durch die anderen Nichtspielercharaktere von ihrem unglücklichem Tod erfährt. Zugegebenermaßen: Mit der Tragweite der Entscheidungen von anderen Genrekollegen, z.B. „The Witcher“, kann Risen nicht mal ansatzweise mithalten: Gegen die schwerwiegenden Entscheidungen des Konkurrenztitels, welche teilweise erst Stunden später deutlich werden, sieht Risen im wahrsten Sinne des Wortes veraltet aus.


Charaktere
Die Charaktergestaltung ist in Risen nicht besonders gut gelungen, was einen Makel der kompletten Gothic-Reihe darstellt. Das fängt beim Protagonisten an: Das komplette Abenteuer lang verbleibt er als der namenlose Held, über seine Vergangenheit erfährt der Spieler überhaupt nichts. Auch die Nebencharaktere bleiben farblos: Zwar wird der Held manchmal von Nichtspielercharakteren begleitet, diese sind allerdings meistens vollkommen austauschbar. Eine kleine Ausnahme bildet beispielsweise die Piratentochter Patty, mit deren Hilfe man in einer längeren Questreihe den versteckten Schatz ihres Vaters finden soll. Trotzdem: Alte Genrekollegen wie „Knights of the old Republic“ konnten bereits mit einer stärkeren Charakterbindung punkten, bei dem der Spieler im Laufe des Spiels mehr und mehr über jeweiligen Charaktere erfuhr. Gegen neue Konkurrenztitel wie „Mass Effect“, in dem die Charaktere tiefgründig und Film reif vom Entwickler ausgearbeitet wurden hat Risen somit nicht mal den Hauch einer Chance. Daran ist auch die grafische Qualität der Charaktere schuld: Gestik und Mimik sind kaum vorhanden, man kann den Figuren keinerlei Emotionen anhand des Gesichtes ablesen, wodurch deren Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar sind. Auch teilen sich viele Figuren (vor allem Frauen) dasselbe Modell, was natürlich unglaubwürdig wirkt, wenn man im Laufe der Reise auf ein halbes Dutzend Damen trifft, die vollkommen identisch aussehen. Gerade dieser Umstand kostet Atmosphäre, Piranha Bytes hätte hier nicht so mit den Charakter-Modellen geizen sollen.


Erfahrungspunkte
Wie in fast allen Rollenspielen werden durch das Besiegen von Gegnern und das Lösen von Quests Erfahrungspunkte gewonnen. Wenn genug davon gesammelt wurden steigt der Held um eine Stufe auf und erhält Lernpunkte, die bei einem entsprechenden Trainer in bessere Fähigkeiten umgetauscht werden. Dazu gehören zum einen natürlich die Grundattribute Stärke, Geschicklichkeit und Mana, mit der sich bessere Waffen überhaupt erst anlegen lassen. Aber auch die jeweiligen Nah- und Fernkampfarten können verbessert werden, so dass bei den Nahkampfwaffen mit jeder Verbesserung mächtigere Schlagfolgen ausgeführt werden können und im Fernkampf Bogen und Armbrust schneller nachgeladen werden. Die Fernkampfmagie wird hingegen mit jedem Stufenanstieg immer mächtiger und bietet eine verringerte Flugzeit. Wichtig bei Risen ist die Festlegung auf nur zwei oder drei Kampftalente, die man auf die volle Stufe ausbauen sollte. Wer von allem ein bisschen lernt und somit einen Allrounder-Helden entwickelt wird es im Spiel deutlich schwerer haben voranzukommen, da die Gegner so nur schwer zu besiegen sind.
Natürlich gibt es aber auch abseits der Kampftalente Fertigkeiten, die verbessert werden können: Alchemisten können mit den gefundenen Kräutern Tränke brauen, welche beispielsweise verlorene Lebensenergie wiederherstellen oder auf der höchsten Stufe sogar permanente Steigerungen für die Grundattribute bieten. Angehende Schmiede können hingegen selbst besonders mächtige Schwerter erschaffen, die häufig Vorteile gegenüber den Standartwaffen vom Händler mit sich bringen. Um schnell an Geld zu gelangen kann zum einen das Ausweiden von Tieren gelernt werden, für dessen Trophäen Händler eine hübsche Summe bezahlen. Zum anderen können auch unterschiedliche Erze geschürft werden, die entweder verkauft oder zum Schmieden besonderer Schwerter eingesetzt werden können.
Zur (kriminellen) Geldvermehrung dienen die Diebestalente: Mit der Fähigkeit „Schlösser öffnen“ können Truhen mit einem Dietrich geöffnet und leergeräumt werden. Das Minispiel dazu, bei dem die richtige Kombination über die rechte und linkte Pfeiltaste ausgeführt werden muss, ist ebenfalls schon aus Gothic 2 bekannt. Wichtig für das Knacken von Schlössen ist auch noch die Fähigkeit „Schleichen“, um überhaupt ungesehen zu der entsprechenden Truhe gelangen zu können. Mit dem Taschendiebstahl können hingegen die Bewohner der Risen-Welt abgelenkt werden, so dass man ihnen unbescholten Wertgegenstände entwenden kann. Die letzte Diebesfähigkeit, „Akrobatik“, ist demgegenüber nicht so wichtig, denn sie halbiert nur den erlittenen Schaden im Falle eines Sturzes aus großer Höhe-etwa wenn man aus einem Fenster springt um zu fliehen. Alle Diebestalente haben gemeinsam, dass man sich am besten nicht dabei erwischen lassen sollte, denn anders als in vielen anderen Rollenspielen reagieren die Bewohner von Risen nämlich allergisch auf Diebstahl-Versuche. Wenn jemand das Knacken eines Schlosses oder das Ausräumen fremder Taschen bemerkt wird dieser Charakter den Helden angreifen und kein Wort mehr mit ihm reden. Um diesen Umstand aufzuheben hilft der „Witz-Zauber“ mit dessen Hilfe das Opfer den versuchten Diebstahl wieder vergisst.
Als letztes Talent gibt es noch die Runenmagie, welche allerdings nur von den Magiern erlernt werden kann: Damit können die „Alltags“-Zaubersprüche (beispielsweise der eben erwähnte „Witz“, Heilung oder Levitation) in einen Runenstein gebannt werden, so dass diese beliebig oft eingesetzt werden können. Die Ordenskrieger oder Banditen müssen demgegenüber für diese Zauber auf Spruchrollen zurückgreifen, die nach einmaliger Benutzung verbraucht sind.


Kämpfe
Das Kampfsystem in Risen ist eher Action-orientiert und lehnt sich (welch Überraschung) stark an Gothic 2 an. Mit der linken Maustaste können Schläge ausgeführt werden, mit der rechten wird geblockt. Wenn man den Helden in einem Kampftalent um mehrere Stufen steigert können mit den Pfeiltasten auch noch seitliche Schläge ausgeführt werden, so dass recht ansehnliche Schlagkombinationen entstehen. Im Nahkampf gibt es drei unterschiedliche Waffenarten, die genutzt werden können: Zum einen Schwerter, mit denen der Held zwar sehr schnell, aber nicht besonders stark zuschlagen kann. Das Gegenteil davon bilden Äxte, die zwar hohen Schaden anrichten, deren Schläge aber auch lange Vorbereitungszeit benötigen, in der ein Gegner seinerseits angreifen könnte. Beide Waffenarten haben gemeinsam, dass mit ihnen ein Schild kombiniert werden kann, welcher die Verteidigung stark erhöht. Der Mittelweg zwischen diesen beiden Waffenarten bildet der Stabkampf: Die Stäbe richten recht viel Schaden an und erfordern auch nicht so viel Zeit wie die Äxte. Allerdings kann der Held dann keinen Schild mehr tragen, da der Stab mit beiden Händen gehalten wird. Zwar kann auch mit dem Stab recht gut geblockt werden, allerdings können einige Monster die Stabverteidigung recht leicht durchbrechen.
Anders als etwa in Gothic 3 lassen sich die meisten Monster nicht einfach „totklicken“: Alle Monster und die menschlichen Gegner besitzen spezielle Taktiken, um den Helden anzugreifen, welche vom Spieler erst mal herausgefunden werden. Beispielsweise greifen die bereits zu Beginn auftauchenden Seegeier den Helden manchmal mit Sprungattacken an und weichen dessen Schlägen mit einem Sprung zurück aus.
Für den Fernkampf bietet Risen zum einen natürlich Bogen und Armbrust, wobei wie in einem Shooter mit dem Fadenkreuz gezielt werden muss. Die für Magier und Ordenskrieger verfügbare Kampfzauber der Kristallmagie sind wiederum dreigeteilt: Magische Geschosse können blitzschnell abgeschossen werden, richten aber nur wenig Schaden an, wohingegen der mächtige Feuerball einige Vorbereitungszeit benötigt. Dazwischen liegt das Frostgeschoss, welches mittelmäßigen Schaden anrichtet und relativ wenig Vorbereitungszeit benötigt. Alle Fernkampfarten haben gemeinsam, dass die Flugzeit einberechnet werden muss, um den Gegner auch wirklich zu treffen.
Für den Schutz vor gefährlichen Monstern kann der Held, wie bereits erwähnt einen Schild tragen, viel wichtiger ist allerdings die Rüstung. Diese erhält der Held von der ausgewählten Gilde, wobei es allerdings keine große Vielfalt gibt. Man bekommt (manchmal) ein komplettes Rüstungsset, Einzelteile wie Armschienen oder Brustpanzer lassen sich allerdings nicht individuell zusammensetzen. Dazu kommt noch ein Helm, die in der Risen-Welt aber anscheinend eine Rarität sind, so selten findet man mal eine derartige Kopfbedeckung. Wichtig sind auch noch Ringe und Amulette, mit denen sich die verschiedenen Charaktereigenschaften verbessern lassen.


Bedienung
Die Bedienung ist in Risen sehr komfortabel gelungen: Mit W-A-S-D wird der Held durch die Spielwelt gelenkt, die Maus dient zum Umsehen und zum Steuern in eine bestimmte Richtung. Um Leute anzusprechen muss man einfach auf die Person zugehen und sie anklicken, sobald ihr Name über dem Kopf der Figur erscheint. Auch Kämpfe werden so ausgelöst, wobei die Lebensenergie des Gegners immer am oberen Rand des Bildschirms angezeigt wird. Das Tagebuch, in dem alle erhaltenen Quests aufgeführt sind, fasst die wichtigsten Dialogoptionen noch einmal zusammen, damit der Spieler weiß, was er für die Erfüllung der Aufgabe erledigen muss. Auch der Standort des Auftraggebers und des Ziels werden hier angezeigt, was vor allem für Einsteiger hilfreich ist.
Auf dem eigentlichen Bildschirm stören auch nur wenige Bedienelemente, dazu gehört natürlich die Lebensenergie sowie der Manavorrat für Zauber, genauso wie ein Kompass, welcher die grobe Richtung verrät, in der sich der Held bewegt. Richtig nützlich ist hingegen die Schnellzugriffsleiste, über die mit einem Druck auf die Nummerntasten z.B. automatisch eine bestimmte Waffe gezogen oder ein Heiltrank getrunken werden kann.
Das Charaktermenü, in dem die Eigenschaften des Helden abgelesen werden können weis ebenso zu überzeugen: Alle Werte werden (inklusive des Inventars) übersichtlich in einem Bildschirm dargestellt, so dass man alle Informationen sofort auf einen Blick ablesen kann. Da der Held unbegrenzt viele Gegenstände tragen kann stapeln sich allerdings bereits nach kurzer Zeit Heilkräuter, Tränke usw. im Inventar. Zwar lassen sich die Objekte je nach Art sortieren (z.B. alle Waffen), richtig übersichtlich wird die Masse an Gegenständen aber trotzdem nicht.


Technisches
Grafisch ist Risen ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite überzeugt die Grafik mit der tollen Vegetationsdarstellung, in Verbindung mit den realistischen Lichteffekten: Wenn am Abend die letzten Sonnenstrahlen von dem dichten Blattwerk gebrochen werden entsteht eine stimmungsvolle Atmosphäre. Auch die Gestaltung der Gegnermodelle ist gut gelungen, genauso wie die Wasserdarstellung von den zahlreichen Flüssen.
Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch viele Punkte, die nicht so gut gelungen sind: So sind beispielsweise die meisten Texturen sehr unscharf aufgelöst, so dass sie aus nächster Nähe sehr matschig wirken. Auch der Unschärfeeffekt, welcher die Spielwelt auf weite Distanz weichzeichnet, ist übertrieben stark eingesetzt. Dazu kommen noch die bereits erwähnte, kaum vorhandene Gestik und Mimik der Charaktere, an denen man den Gefühlszustand der jeweiligen Figur nur schwer ablesen kann. Die Animationen wirken sogar teilweise ziemlich lächerlich, beispielsweise kann der Held so hohe und weite Sprünge ausführen, dass der Weitsprung-Weltmeister neidisch werden dürfte. Auch die Angriffssequenzen der unterschiedlichen Wildtiere wirken manchmal zu abgehakt und gehen nicht flüssig ineinander über.
Vom Sound her habe ich hingegen fast nichts zu meckern: So untermalt die Hintergrundmusik jeweils sehr gut die Stimmung der aktuellen Spielsituation, ohne sich aufdringlich in den Vordergrund zu spielen (was beispielsweise bei Gothic 3 oftmals der Fall war). Die vielen kleinen Umgebungsgeräusche, z.B. ein prasselndes Feuer, das Rauschen eines Flusses oder die Laute, welche die zahlreichen Gegner von sich geben, tragen ihr übriges zur Atmosphäre bei. Die Sprecher haben ebenso gute Arbeit geleistet, viele davon sind auch schon aus den bisherigen Gothic-Teilen bekannt, so dass man sich sofort heimisch fühlt. Allerdings wiederholen sich die Sprecher für meinen Geschmack zu oft, hier hätte etwas Variation nicht geschadet.
Von den Hardwareanforderungen ist Risen nicht allzu anspruchsvoll, so sollen bereits eine 2.0 GHz-CPU, 1GB RAM sowie eine 256MB-Grafikkarte vom Schlage einer Geforce 7900 oder Radeon X1800 ausreichen, um das Spiel mit minimalen Details ausführen zu können. Dazu kommen noch etwa 2,5 GB Festplattenspeicherplatz. Mein PC mit einem Quadcore-Prozessor, 4GB RAM und einer Geforce 8800 hat dementsprechend auch keinerlei Probleme das Spiel mit maximalen Detals in 1920x1200 auszuführen, Ruckler oder Nachladehänger treten (anders als etwa in Gothic 3) nicht auf.
Bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob Piranha Bytes es geschafft hat ihren Vorsatz, ein fehlerfreies Spiel abzuliefern, einzuhalten. Dies kann ich insgesamt bestätigen. Zwar gibt es hier und da einige kleinere Probleme, etwa Clipping-Fehler (mehrere Objekte schieben sich leicht ineinander) oder auch das kurzfristige „Verschwinden“ eines Charakters in ein unsichtbares Loch. Großartige Probleme, etwa ständige Abstürze oder zerstörte Speicherdateien, wie in Gothic 3 treten allerdings nicht auf. Auch die Wegfindung von den Begleitern des Helden ist besser geworden, so dass man nicht mehr ununterbrochen das Verlangen empfindet die Tastatur in den Monitor zu rammen, anders als in Gothic 3, wo die Begleiter ständig an irgendwelchen Objekten hängengeblieben sind und sich weigerten den Held zu begleiten.


Fazit
Spieler von Gothic 2 fühlen sich nicht ohne Grund sofort in Risen heimisch: Der Entwickler Piranha Bytes hat ganz klar versucht die Stärken des einstigen Rollenspiel-Hits auf Risen zu übertragen: So weiß Risen vor allem mit der wunderschönen Spielwelt zu punkten, welche vor Ideenreichtum und Kreativität nur so strotzt. Zusammen mit der tollen Hintergrundmusik und der sonstigen Geräuschkulisse entsteht eine dichte Atmosphäre, welche den Spieler für eine lange Zeit fesseln kann. Die verschiedenen erlernbaren Fertigkeiten haben zudem alle einen bestimmten Zweck, nichts wirkt wirklich unnötig, so dass die Gefahr, Lernpunkte für unwichtige Talente zu verschwenden gering ist. Auch die Bedienung ist mit der einfachen Steuerung und dem durchdachten Interface gut gemacht, so dass auch Einsteiger keinerlei Probleme beim Spielen von Risen bekommen sollten. Das taktische Kampfsystem ist ebenfalls mal eine Abwechslung zu den in letzter Zeit häufig vorkommenden Spielen, in denen man Gegner einfach „totklicken“ kann. Das Fehlen von größeren Programmfehlern mag ich allerdings nicht recht unter „Pro“ einordnen, denn das sollte für jedes Spiel eigentlich selbstverständlich sein.
Auf der Kontra-Seite steht hingegen die einfallslose Questführung. Das beginnt schon beim Hauptquest, welcher eigentlich nur eine Aneinanderreihung von mehreren Sammelquests darstellt. Allerdings können auch die meisten Nebenquests nicht überzeugen, die Sammel- und Töte-Quests überwiegen leider auch hier. Ausnahmen in Form von spannenden, abwechslungsreichen Quests gibt es viel zu selten. Ein negativer Aspekt, welcher Risen von der Gothic-Reihe geerbt hat ist die schlechte Charakterzeichnung der verschiedenen Figuren. Die Hintergründe der meisten Charaktere, selbst die des Helden, bleiben vollkommen im Dunkel, weshalb keine Figur dem Spieler richtig ans Herz wächst. Dazu bei trägt auch die schwache grafische Qualität der Figuren, durch die eine visuelle Darstellung von Emotionen über Gestik und Mimik nicht möglich ist. Auch sonst macht die Grafik einen veralteten Eindruck, z.B. bei den Texturen, wobei die dichte Vegetation allerdings oftmals darüber hinwegtäuschen kann und Risen insgesamt doch noch als stimmungsvollen Gesamtbild erscheint.
Insgesamt bekommt die PC-Version von Risen noch ganz knapp vier Sterne von mir, allerdings nur weil die atmosphärische Spielwelt zumindest für einen Großteil der Spielzeit von den Story-Defiziten ablenken kann. Spieler, die bereits Gothic 2 mochten sollten für knapp 40€ Kaufpreis zuschlagen. Unentschlossene können auch mit der Demo-Version in Risen herein schnuppen, die man kostenlos aus dem Internet herunterladen kann.

Vielen Dank für das Lesen meines Berichtes, über Bewertungen und Kommentare würde ich mich freuen.

Viele Grüße
Hendrik


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
autocomander

autocomander

11.01.2011 21:42

bh

badhornet

badhornet

24.08.2010 18:43

erstklassiger Bericht!

marti22

marti22

19.06.2010 10:56

klingt aber durchaus spielenswert :)) LG Tina

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