Erfahrungsbericht über "RockNRolla (Blu-ray)"

veröffentlicht 13.01.2018 | Kubrick
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Freundschaften und das Schreiben sind für mich die wichtigsten Dinge in meinem Leben, die mir Stärke, Freude und inneren Frieden bringen. Weiteres bin ich stolz darauf, mich als Filmfan outen zu dürfen und dieses Hobby möchte ich durch nichts ersetzen.
Sehr gut
Pro Guy Ritchie-Style, verdichtete Handlung, Darsteller
Kontra Gangster-Filme von Guy Ritchie einseitig
besonders hilfreich
Bildqualität
Klang
Tonformat:
Action:
Anspruch

"Wofür doch so eine Scheidung manchmal auch gut sein kann"

Hallo!

1998 dreht der britische Regisseur Guy Ritchie den Film „Bube, Dame, König, grAS“, und wird auf Anhieb gefeiert als cooler Regisseur mit einem unverwechselbaren visuellen wilden Stil.

Danach erschien im Jahr 2000 sein neuer Film mit Namen „Snatch – Schweine und Diamanten“, mit dem er sich endgültig auf eine Stufe mit unter anderem Quentin Tarantino und weiteren coolen Regisseuren, die einen eigenen unverwechselbaren Stil besitzen, stellen.

Im selben Jahr heiratete er die Sängerin Madonna, eine sehr sonderbare Frau, wie sich später für ihn und seine Fans herausstellen sollte. Mit seiner Angebeteten drehte er zwei Jahre später, nämlich im Jahr 2002, den Film „Stürmische Liebe – Swept Away“, natürlich mit ihr als Hauptdarstellerin. Wie sich dann herausstellen sollte, handelte es sich bei diesem Film um einen Totalausfall auf allen Ebenen.

Gut drei Jahre später versuchte er, immer noch unter der unterbutterten Ehe mit Madonna, zu seinen Wurzeln zurückzukehren, indem er den Gangster-Film „Revolver“ drehte. Laut den Kritikern konnte er allerdings leider nicht an alte Erfolge anknüpfen.

Im Jahr 2008 kam dann endlich die Scheidung, und Guy Ritchie machte sich ran an die Arbeiten zu seinem neuesten Werk „Rock’N’Rolla“. Und siehe da, er sprüht endlich wieder vor kreativer Energie, und erschuf einen weiteren coolen Gangster-Streifen mit seiner unverkennbaren wilden und durchgestylten Handschrift, ganz in der Tradition von „Snatch – Schweine und Diamanten“. Dominiert wird alles übrigens von einem der obercoolsten Soundtracks, die man jemals gehört hat. Man merkt bereits, cool ist die dominierende Beschreibung schlechthin für diesen Film.

Ehrlich, ich mag Guy Ritchie’s Art einen Film zu präsentieren:
Alles ist in ständiger Bewegung, es gibt wirklich keine einzige ruhige Sekunde. Entweder gibt es ununterbrochene Kameraschwenks, oder es gibt rasante Schnitte. Sogar Kamerafahrten hat er voll drauf. Gibt es dann doch auch mal ruhige Dialogszenen, dann kann man sich während denen nicht so einfach ausruhen, denn man muss schon ein klein wenig gespannt auf die Dialoge aufpassen, und sich die Figuren, ihre Gesichter, auch merken, denn sonst kommt man nicht mehr so richtig mit den vielen Story-Lines, allen voran eben den Figuren, mit, verliert schnell die Übersicht, und kommt auch nicht mehr ganz so leicht rein wieder in den Film. Für Tempo und Dynamik in den ruhigen Szenen sorgen zudem übrigens die Darsteller, somit gleichen diese die Ruhe wieder aus sozusagen.
Ein paar Szenen wurden zudem mit der Hilfe von Zeitlupe hervorgehoben, allerdings sind diese Zeitlupenaufnahmen äußerst spärlich eingesetzt, und tun einem flotten Film auch nicht sonderlich gut, obwohl sie als Ganzes betrachtet doch irgendwie zu einer kurzen Beruhigung für den Zuschauer, die Zuschauerin beitragen.

Im direkten Vergleich mit Quentin Tarantino gibt es leider aber auch einen Abzug in der B-Note. Na ja, eigentlich handelt es sich hierbei um keinen negativen Kritikpunkt, dieser Umstand ist vielmehr der Inszenierung geschuldet. Es handelt sich übrigens um die Dialoge, die sich einfach nur anpassen.
Quentin Tarantino benutzt sehr, sehr gerne exzessive lange Kamerafahrten, hält auch gerne mal gefühlt stundenlang still mit dem Objektiv, und aufgrund dessen kann man ruhig lange und ausschweifende Dialoge zur Schau stellen.
Da aber Guy Ritchie, wie vorhin erwähnt, sehr dynamisch und kurz angespannt in seinen Filmen unterwegs ist, müssen die Dialoge dementsprechend auch recht knackig und kurz gehalten sein. Wie ebenfalls vorhin kurz erwähnt, stellt dies im Fall eines Guy Ritchie-Films überhaupt keinen negativen Kritikpunkt dar. Im Gegenteil, durch die Anpassungsfähigkeit der Dialoge stellen diese sogar die Würze dar für ein vollkommenes, perfektes Mahl, das sich schnell und einfach essen und verdauen lässt, wie ein wirklich köstliches und gesundes Fast Food. Und mein hergenommener Vergleichs-Begriff Würze ist gar nicht mal so abwegig, denn die Dialoge sind wahrlich scharf gewürzt, mit einer Prise pointiertem, lakonischem Humor darin, addiert man noch die pointierten visuellen Spielereien und den eingesetzten Slapstick dazu, verbindet sich alles zu einem rundum gelungenen, fehlerfreien Werk.

Guy Ritchie versteift sich aber übrigens nicht nur auf den visuellen Stil und den Soundtrack. Nein, er versteht es sogar, bei einem Film mit überbordender Energie, die Story respektvoll zu behandeln. Wie bei beispielsweise „Snatch – Schweine und Diamanten“ gibt es in „Rock’N’Rolla“ mehrere Figuren, aufgrund dessen dadurch logischerweise mehrere Handlungsstränge, die sich gegen Ende zu einem hervorragenden Finale zusammenstricken. Und das Beste noch obendrauf: Keine einzige dieser doch vielen Figuren geht im Film sozusagen verloren, jeder kriegt seine Screen Time, niemand hat zu viel oder zu wenig erhalten, genau richtig dosiert, was alleine schon eine Kunst darstellt. Sympathie entwickelt man für keinen einzigen der Rollen, aber ehrlich gesagt handelt es sich hier um einen waschechten Gangsterfilm, die sollen nicht sympathisch sein. Außerdem erlaubt ihr äußeres Umfeld keine Sympathie oder gar Identifikation, denn so dreckig die Typen sind, so dreckig zeigt sich auch ihre Umgebung, und dies wirkt sich nun mal auf die Empathie des Zuschauers, der Zuschauerin aus.

Positiv auffallend bei diesem Streifen ist allerdings, dass, obwohl Guy Ritchie die oben beschriebenen Stilmittel sehr wohl verwendet, er sich dieses Mal doch zurückgehalten hat mit ihnen, im Vergleich zu seinen ersten beiden Gangster-Komödien, was den Film zu einem realistischeren Gangster-Streifen macht, und ihn somit noch eine Qualitäts-Stufe höher steigen lässt.

Mir ist gerade doch ein richtig negativer Kritikpunkt eingefallen.
Einige Szenen wirken wie eine Kopie von Guy Ritchie’s vorherigen zwei Werken, nämlich „Snatch – Schweine und Diamanten“ und „Bube, Dame, König, grAS“. Ritchie besitzt zwar auf alle Fälle eine unverkennbare Handschrift, aber leider weisen seine Gangsterfilme keine sonderliche Innovation auf. Einseitigkeit muss man dem britischen Regisseur leider schon vorwerfen. Interessanterweise aber nur, wenn es um Gangster in seinen Filmen geht, denn sein „Sherlock Holmes“ mit Robert Downey jr. und Jude Law ist ja komplett anders geraten als eben die erwähnten Gangster-Streifen.

Getragen und exzellent rübergebracht wird die Coolness von sauber ausgewählten Darstellern, die im Jahr 2008 noch relativ jünger als im Jahr 2017 aussahen. Der gesamte Cast weiß, wie man Coolness und Leicht-Verrückt-Sein glaubhaft definiert.

Die Darstellerriege in „Rock’N’Rolla“ liest sich übrigens eh wie ein Who-is-Who der besten, coolsten und abgefahrensten (britischen) Schauspieler:

Gerard Butler
Tom Wilkinson
Thandie Newton
Mark Strong
Idris Elba
Tom Hardy
Karel Roden
Toby Kebbell
Jeremy Piven
Ludacris
Jimi Mistry
Matt King
Dragan Micanovic
Michael Ryan
Nonso Anozie
Gemma Arterton
Jamie Campbell Bower
James Greene

Das Herrliche ist: Die harmonieren alle aber so was von miteinander. Man hat kein einziges Mal das Gefühl von gemeinschaftlicher Diskrepanz, es sei denn, die jeweilige Rolle erfordert es.

Und wie kann man diese ganze geballte Coolness in perfekter Bild- und Tonqualität erleben?

Richtig, auf BluRay natürlich.

Leider kann man auf diesem Heimkino-Medium lediglich den Film in mehreren Sprachen genießen, denn Extras sind leider keine vorhanden.

Sprachen:
Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch

Untertitel:
Deutsch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Finnisch

Fazit:
Die Scheidung von Madonna hat Regisseur Guy Ritchie gut getan, weil danach drehte er diesen britischen Gangsterfilm, und Optik, sowie Figuren zeigen, dass er dank dieser zu alter Form zurückfand.

Zu gemein!? *grins*

LG
Stephan

Community Bewertungen

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • momo40 veröffentlicht 18.01.2018
    ein BH verdienter Bericht, LG
  • garbolegend veröffentlicht 16.01.2018
    bh
  • Anarchyboy veröffentlicht 14.01.2018
    Ich weiß nicht, warum ich den bis heute nicht gesehen habe. Ich finde, Guy Ritchie bietet im Prinzip IMMER schlicht gutes Entertainment. Selten Meisterwerke, aber dennoch eine stets locker aus dem Ärmel geschüttelte Grundcoolness. Ich wollte ihn damals im Kino sehen, habs nicht geschafft und den Film auch auf Blu-Ray und DVD nicht nachgeholt. Sollte ich vllt. langsam mal tun. Wunderbarer Bericht!
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Produktdaten : RockNRolla (Blu-ray)

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Genre1: Action

blu_ray: Blu-ray Disc

FSK: ab 16 Jahren

Produktionsjahr: 2009

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 15/08/2009