Konzertbewertung des Autors:
| Pro: |
Perfekte Show, toller Sound, Wahnsinns - Video - und Licht - Installationen, Tiefgang des Gesamtwerkes . |
| Kontra: |
Manchmal zu perfekt? |
| Kompletter Konzertbericht |
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Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten?
Als vor einem knappen Jahr die ersten Gerüchte auftauchten, dass Roger Waters noch einmal mit „The Wall“ auf Tour gehen würde, war für mich als „Alt-Fan“ von Pink Floyd klar, dass ich da hin gehen würde. Als dann aber die Preise veröffentlicht wurden, war mein Enthusiasmus allerdings arg beeinträchtigt. Unter 85€ ging gar nichts, nach oben war weit jenseits der 200€ erst Feierabend. Trotzdem war natürlich immer noch der Wunsch da….. Wunsch? Da war doch was! Es gab da ja so ein Fest, wo man manchmal Dinge geschenkt bekommt, die man sich selber nicht kaufen würde, sich aber trotzdem riesig drüber freut. Und so sollte es auch diesmal kommen. Unterm Tannenbaum lag eine Karte für Roger Waters, von daher hatte ich nun ein halbes Jahr Vorfreude auf den gestrigen Konzertabend.
Aber nun ist Sommer...
Es ist heiß und schwül in Berlin, 28 Grad im Schatten und ein Gewitter kündigt sich an, als ich zur O2-World aufbreche. Die Anreise ist kinderleicht, denn die O2-World liegt verkehrstechnisch günstig mitten in Berlin. Sie ist sowohl mit der S-Bahn, als auch mit U-Bahn, Bus, Straßenbahn und auch per Schiff erreichbar. Trotzdem entschied ich mich fürs Auto, da für die Nacht, Schienenersatzverkehr und Unregelmäßigkeiten wegen Bauarbeiten angekündigt waren. In der Nähe der Halle gibt es für PKW-Fahrer mehrere gut ausgeschilderte Parkplätze, ich suchte mir aber einen Parkplatz in einem nahen Wohngebiet. Auf dem kurzen Fußweg nahm ich dann noch eine Bratwurst und ein Bier, und konnte einen kleinen Moment in einem Liegestuhl relaxen ;-).
Die Location
Die O2-World in Berlin ist eine der größten Hallen Deutschlands und fasst ca. 17000 Leute. Aufgrund des ausladenden Bühnenaufbaus zu Rogers Show, konnten allerdings nur etwa 11000 Besucher pro Konzert rein. Daher war es gut, dass relativ schnell nach dem Verkaufsstart ein Zusatzkonzert nachgeschoben wurde und somit etwa 22000 Berliner und Berlinbesucher die Show sehen konnten. Beide Konzerte waren natürlich (trotz der exorbitanten Ticketpreise) schon Monate vorher ausverkauft. Und zwar so ausverkauft, dass es wirklich keine Karten/Rückläufer mehr an der Abendkasse gab, und seltsamerweise auch kaum „Schwarzmarktangebote“. Gegen 19:30 Uhr war ich vor Ort, noch genug Zeit sich ein wenig umzuschauen. Als erstes ergatterte ich noch ein Tour-Shirt (35€) und ein Tour-Guide (25€) welches ich stolz in der (kostenlosen) Tour-Plastik-Tüte hinfort trug. Gegen 20 Uhr sollte es losgehen, also fand ich mich kurz vorher auf meinem Platz im Block 204 ein. Gute Sicht auf das weite Hallenrund und leicht seitlichen aber guten Blick auf die bereits halb aufgebaute Mauer auf der Bühne. Schon jetzt sind die gigantischen Ausmaße dieses „Bauwerks“ zu erahnen, die es während der Show erreichen wird (über 70m breit und über 10m hoch). In der Mitte über der Bühne schwebte eine riesige runde Projektionsleinwand, über unseren Köpfen diverse Lautsprecher, welche schon vor Beginn ein quadrophonisches Klangerlebnis verhießen, und natürlich das riesige Modell eines Kampfjets, welches dann bei „In The Flesh“ in die Mauer rasen wird ;-).
Das Publikum / Die Musiker
Wie zu erwarten (wer von der Generation facebook kennt eigentlich noch „The Wall“?), war das Publikum im Schnitt zwischen 40 und 60 Jahre alt, vereinzelt natürlich auch jünger/älter. Möglicherweise haben einige alte Fans ihre (inzwischen ebenfalls erwachsenen) Kinder mitgebracht ;-)? Viele der männlichen Besucher haben inzwischen Bierbäuche angesetzt, oder unter Haarschwund zu leiden, aber auch die Damen waren sichtbar der ewigen Jugend enteilt. Macht aber nix, denn die Protagonisten sind ja inzwischen auch in die Jahre gekommen, Waters selbst inzwischen 67. Dafür waren aber dann alle doch gut drauf, sowohl die Musiker, als auch das Publikum. Interessant ist, dass auch Waters Sohn Harry als Keyboarder mit dabei ist. Als Kind war er schon an der Einspielung des Albums beteiligt, mit dem Satz: „Look mummy, there's an aeroplane up in the sky“ am Anfang von „Goodbye Blue Sky“. Im Übrigen besteht die Band aus gestandenen Studio- und Live-Musikern, die zum Teil schon ewig mit Pink Floyd und/oder Roger Waters zusammenarbeiten. Insofern ist die musikalische Klasse über alle Zweifel erhaben. Der Übersicht halber hier die beteiligten Musiker/Sänger in einer Aufzählung:
Guitars: Roger Waters, Dave Kilminster, Snowy White, G.E. Smith
Keyboards: Jon Carin, Harry Waters
Drums: Graham Broad
Vocals: Roger Waters, Robbie Wyckoff
Backvocals: Jon Joyce, sowie Mark, Pat und Kipp Lennon
Das Konzert selbst
Ein Vorprogramm gab es (natürlich) nicht, dafür wurden vor Beginn der Show Klassiker von John Lennon, Bob Dylan und einigen anderen gespielt. Das eigentlich Konzert begann dann, gut 10 Minuten nach 20 Uhr mit einer Ansage und einer „Pink-Puppe“, die Figur des „Pink“ zieht sich ja wie ein roter Faden durch die ganze Show. Doch zu den Hintergründen komme ich später noch, als erstes möchte ich Euch die Songliste präsentieren:
01. Spartacus Intro
02. In The Flesh, Pt.1
03. The Thin Ice
04. Another Brick In The Wall, Pt.1
05. The Happiest days Of Our Lives
06. Another Brick In The Wall, Pt.2 (mit einem neuen Ende)
07. Mother
08. Goodbye Blue Sky
09. Empty Spaces
10. What Shall We Do Now
11. Young Lust
12. One Of My Turns
13. Don’t leave Me Now
14. Another Brick In The Wall, Pt.3
15. The Last Few Bricks
16. Goodbye Cruel World
Pause
17. Hey You
18. Is There Anybody Out There?
19. Nobody Home
20. Vera
21. Bring the Boys Back Home
22. Comfortably Numb
23. The Show must Go On
24. In The Flesh, Pt.2
25. Run Like Hell
26. Waiting for The Worms
27. Stop
28. The Trial
29. Outside the Wall (neu instrumentiert)
Teil1
Jeder Floyd-Fan kennt die Abfolge dieser Lieder sicherlich auswendig, denn sie wird gegenüber der Original-LP/CD eigentlich nicht geändert. Schon während der ersten Songs wächst die Mauer der Hallendecke entgegen, bis sie zum Ende des 1.Teils komplett geschlossen und die Band dahinter verschwunden ist. Auf diese Mauer werden Videoinstallationen und Lichteffekte projiziert, dass es eine wahre Freude ist. 15 riesige Projektoren sind im Einsatz, mit das Beste was derzeit technisch machbar ist. Die Szenen sind zu einem großen Teil politisch (Parolen, Ausschnitte von Reden, Bilder von Politikern und Diktatoren, Symbole, usw.), sie zielen stark gegen Nationalismus, Rassismus, Sexismus, Kriege jedweder Art, andererseits aber auch psychedelisch. Wer, wenn nicht Pink Floyd Gründer Roger Waters sollte sich damit besser auskennen? Dazu soundtechnisch das Beste was ich seit Jahren gehört habe, sogar besser als Peter Gabriel letztes Jahr. Es ist jetzt nicht meine Absicht, jeden einzelnen Song zu sezieren, niederzuschreiben wer welchen Gesangspart hatte, welche Instrumente zum Einsatz kamen und welche Effekte. Nur auf einige Highlights möchte ich eingehen, da sie sich mir ins Gedächtnis gebrannt haben. Bei „In The Flesh, Pt.1” kommt gleich Pyrotechnik und Licht mit einer vollen Breitseite zum Einsatz und man spürt in der Magengegend, dass man auf einem echten Rockkonzert ist. Zum Ende dieses Songs dann der bereits angesprochene, stilisierte „Flugzeugabsturz“: ein echter Show-Kracher. Ich persönlich finde ja „Another Brick In The Wall, Pt.1“ besser als den „berühmen“ Pt.2, daher war ich darauf auch besonders gespannt, und ich wurde nicht enttäuscht , druckvolle Gitarren und treibende Drums, dass es eine Freude war. Der darauf folgende Surround-Sound des Helikopters, zeigt dann eindrucksvoll, was die Soundanlage zu leisten vermag, man spürte förmlich den Heli über sich….. Pt.2 glänzte dann vor allem durch den Kinderchor, aber auch mit einem komplett neuen Ende. Eindrucksvoll auch eine Kleinigkeit in der Ballade „Mother“, während der Textzeile „Mother, should I trust the government?“ leuchtet auf der Mauer fett rot „AUF KEINEN FALL“ auf. Kurz vor der Pause ist dann der Mauerbau vollendet, und Waters verabschiedet sich mit „Goodbye Cruel World“ gewohnt pathetisch.
Teil2
Die Pause war mit knapp 25 Minuten etwas kürzer als von mir erwartet, so dass ich sogar 2 Minuten zu spät wieder am Platz war, und das Intro von „Hey You“ verpasst hatte. Eindrucksvoll dann auch die Anti-Kriegshymne „Bring the Boys Back Home“, ein Kind bricht in Tränen aus, als es den Vater erblickt, der aus dem Irak-Krieg heimkehrt. Mag sein, dass das einigen zuviel Pathos ist, aber das ist nun mal Waters wie er schon immer war. Dann kam mein Lieblingslied „Comfortably Numb”, wirklich sauber intoniert, und Dave Kilminster hat das Solo am Schluss wirklich eindrucksvoll gespielt, wie schon 1981 David Gilmour stand er oben auf der Mauer und wurde nur von einem einzelnen Spot von hinten beleuchtet. Zum Ende des Solos ging dann die Mauer (videotechnisch) mit einer herrlichen Farbspielerei „in Flammen auf“. Dann tauchten auch endlich die übrigen Musiker wieder vor der Mauer auf, alle komplett schwarz gekleidet und mit roter Armbinde (mit gekreuzten Hämmern). Während des Songs „In The Flesh, Pt.2” kam dann auch das berühmte “fliegende” Pink Floyd – Schwein zum Einsatz, diesmal dank Helium frei schwebend, und (unter anderem) mit der Aufschrift „Everything will be ok. - just keep consuming“, wieder eine eindeutige Gesellschaftskritik Waters. Bei „Run Like Hell” stand dann wieder das komplette Publikum, ist ja auch eine der treibendsten Nummern von „The Wall”. Höhepunkt der abschließenden Songs (inklusive „The Trial“) waren dann die berühmten Trickanimationen von Gerald Scarfe, welche schon 1981 verzauberten. Zum Schluss, und damit verrate ich natürlich kein Geheimnis, wurde die Mauer dann unter unheimlichem Getöse eingerissen. Das versöhnliche Schlussstück „Outside the Wall” wurde dann wie von einer Gruppe Straßenmusikern intoniert vorgetragen, und (selbstverständlich) wie schon 1981 gab es keine Zugaben ;-).
Die Hintergründe des Werkes
„The Wall“ war von Anfang an als Konzeptalbum (Doppel-LP) geplant, mit entsprechender Umsetzung auf der Bühne und als Film. Die LP/CD ist bis heute das meistverkaufte Doppelalbum der Welt mit schätzungsweise 40 Millionen Exemplaren. Die Handlung ist zum Teil autobiografisch und stammt komplett von Waters. Daher hat er auch die Rechte an diesem Werk behalten, nachdem er sich von Pink Floyd getrennt hatte. Es geht inhaltlich um den fiktiven Musiker Pink, welcher aber gewisse Züge von Waters selbst trägt, um seinen im 2. Weltkrieg gefallenen Vater, die übergroße „Behütung“ von Seiten der Mutter und um Probleme mit den Lehrern. Später als Musiker bekommt er Probleme, seinen Erfolg zu verarbeiten, vereinsamt langsam und flüchtet zuerst in Drogen, später in obskure Gewaltphantasien. Kurz vor dem endgültigen Wahn, baut er eine Mauer um sich herum, um dahinter Schutz zu finden..... Das zeigt schon, dass der Stoff relativ problembeladen ist. Kombiniert wird das Ganze mit einem Schuss Kapitalismuskritik, und in der 2011er Umsetzung auch noch konkreter Konsumkritik und gegen Kriegstreiberei. Keine leichte Kost, und schon gar keine gute Laune Musik. Kein Werk der Rockgeschichte war so oft Gegenstand von soziologischen oder psychologischen Studien, wurde so oft „gedeutet“ wie „The Wall“ ;-). 1979 erschien das Musikalbum, 1980/81 wurde die Show weltweit (allerdings an nur 4 Standorten) aufgeführt und 1982 entstand der Film. 1990 führte Waters gemeinsam mit vielen Gastmusikern das Werk auf dem Mauerstreifen am Potsdamer Platz auf, was damals 350000 Menschen dorthin lockte. Und nun ist das Werk noch einmal auf einer Welttournee in fast der originalen Fassung von 1981 zu sehen.....
Was bleibt nun?
„The Wall“ 2011 ist eine überwältigende Multimedia-Show, mit Hang zum Monumentalen. Sicherlich nichts für jeden Geschmack, für einige vielleicht schon etwas übertrieben oder zu plakativ. Es ist zwar immer noch ein Rock-Konzert, aber keins zum abhotten, eher was um darüber nachzudenken. „The Wall" war damals wie heute eine gigantische und extrem engagierte Bühnenshow. Die „BZ“ in Berlin schrieb gestern treffend „The Wall ist die perfekteste Live-Inszenierung, die es je gab, ein Trip-Clip in 3-D. Jedes Detail stimmt, nie wurde eine Konzertbühne geschickter und mannigfaltiger eingesetzt.“ Ja, das sehe ich auch so..... Nach dem Konzert gingen sicherlich die meisten Zuschauer, genau wie ich, bewegt und voller Eindrücke heimwärts. Dieses Werk ist der Beleg dafür, dass Rockmusik mehr ist als nur ein Lebensgefühl.
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Ein Kreis schließt sich...
Bewertung für Roger Waters Konzert-Tickets von
hr.biernot
Pro: tolle Show + Sound, Video + Lichtshow in Perfektion
Kontra: es gibt keine Steigerung mehr
Leider war es mir bisher nie vergönnt, ein Konzert von Pink Floyd live zu erleben. 1981, in der Zeit der legendären Auftritte von Dortmund war ich noch viel zu jung. Vom beeindruckenden Auftritt 1990 in Berlin, vor über 300.000 Zuschauer auf dem Potsdamer ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als besonders hilfreich |
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besonders hilfreich
10.07.2011
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