Die Schaltung für den Touren-Biker
24.11.2002 (18.05.2004)
Pro:
Super Schaltkomfort
Kontra:
Schwer, teuer
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Häufigkeit der Nutzung
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 gwittmac
Über sich:
Mitglied seit:27.07.2000
Erfahrungsberichte:23
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich habe mir die Speedhub nach reichlicher Überlegung (ist ja nicht ganz billig) angeschafft, nachdem ich wieder mal frustriert und nach einigen Kettenklemmern von einer Tour zurückkam. Nachdem ich festgestellt habe, dass auch im Internet die Speedhub nicht billiger zu haben war als in meinem Radladen, habe ich das Teil im Fachhandel bestellt und dort auch gleich einspeichen lassen. Um es vorweg zu nehmen: Ich bereue diese Anschaffung nicht und würde sie jederzeit wieder tätigen. Mittlerweile habe ich einen Marathon, eine mehrtägige Alpentour und ettliche Tagestouren mit der Speedhub absolviert. Dabei habe ich festgestellt, dass die Speedhub auch einige Nachteile gegenüber der Kettenschaltung hat:
Der erste Schock schon beim Abholen des Laufrades: Sau-schwer war das Teil. Der Gewichtsnachteil, den Rohloff mit ca. 400 g angibt, ist extrem positiv gerechnet, um nicht zu sagen, schlicht gelogen. Bei einem Fully, wo auf Kettenspanner nicht verzichtet werden kann und somit die Kettenlänge im Vergleich zu Kettenschaltung nur unwesentlich (2-4 Glieder) kürzer ist, pendelt sich das Zusatzgewicht bei ca. 700 g ein (die speziellen Speichen für die Rohloff gibt's leider auch nur als 2.0/1.8/2.0 und nicht, wie beispielsweise die DT Revos in 2.0/1.5/2.0). Dieses Zusatzgewicht hat gleich drei spürbar negative Effekte: 1.: Es erhöht logischerweise das Systemgewicht. Dies ist besonders beim Tragen des Rades (Alpencross), sowie beim Bergauffahren spürbar. 2.: Das Zusatzgewicht muss nicht nur lateral beschleunigt, sondern auch in Rotation versetzt werden. Zwar befindet sich die Zusatzmasse im Zentrum des Laufrades, trotzdem verliert das Rad deutlich an Spritzigkeit. 3.: Das Laufrad stellt bei einem Fully einen Großteil der ungefederten Massen. Um das Ansprechverhalten der Federung optimal zu halten und ein Trampeln der Hinterhand zu vermeiden, ist die ungefederte Masse minimal zu halten. Die Speedhub erhöht die ungefederten Massen um geschätzte 30%, und das ist spürbar.
Abgesehen vom Gewicht muss der Rohloff-Fahrer auch Zugeständnisse bei der Übersetzngs-Spreizung machen. Zwar behauptet Rohloff, diese sei mit 526% identisch zur 27 Gang Kettenschaltung. Das stimmt aber nicht ganz: Bei einer 12/32er Kasette und 22/44 Kettenblättern ergibt sich eine Spreizung von 533,3% für die Kettenschaltung. Der Rohloff-Fahrer kann sich jetzt aussuchen, ob er am oberen oder unteren Ende der Übersetzung abstriche macht. Ich habe mich dazu entschlossen die Übersetzung auf "Berg" zu trimmen und fahre deshalb ein 17er Ritzel mit einem 42er Kettenblatt und komme so im ersten Gang exakt auf die selbe Entfaltung (1.42 m) wie mit o.g. Kettenschaltungs-Kofiguration. Der 14. Gang ist jetzt 8 cm kürzer (7.47 m gegen 7.55 m) als der schnellste Gang der o.g. Kettenschaltung. Als weiteren Nachteil muss die Geräuschentwicklung der Nabe, vor allem in den Gängen 5 und 7 erwähnt werden. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, allerdings bleibt das Gefühl, Kraft zu verschenken, bestehen. Rohloff sagt, das die Nabe ab 2000 km Laufleistung leiser wird. Schau m'r mal...
Auch das "Mitdrehen" der Kurbel beim Schieben ist etwas nervig, da man sich ständig die Pedale in die Hacken haut... Nun zu den Vorteilen: 1.: Kettenklemmer gehören logischerweise der Vergangenheit an. Die Nabe hat bis jetzt immer fehlerfrei funktioniert. Bei richtiger Kettenspannung springt auch die Kette nicht ab.
2.: Schalten im Stand ist natürlich eine tolle Sache. Bei unvermittelten Stops (Hindernis...) genügt ein Dreh am Griff und der gewünschte Gang ist eingelegt. 3.: Seit ich die Speedhub fahre, habe ich festgestellt, dass ich deutlich öfters schalte. Weil es so unkompliziert und intuitiv funktioniert, fährt man immer in richtigen Gang. Man muss absolut nicht vorrausdenken, wie es bei der Kettenschaltung der Fall ist (da vorne ist eine Rampe, also fang ich schon mal an, den richtigen Gang zu suchen...).
4.: Das Laufrad ist extrem steif, da die Speichen deutlich kürzer ist sind. Streifen der Bremsbeläge im Wiegetritt gibt's nicht mehr. 5.: Schalten macht einfach tierischen Spass. Der Gang sitzt immer perfekt. Kein Verschalten, kein Suchen nach dem richtigen Gang, kein Gedanke an Kettenschräglauf... Einfach easy.
Fazit: Für Marathons finde ich die Speedhub nicht geeignet. Weight-Watchers kann die Nabe nicht empfohlen werden. Sie ist einfach zu schwer. Der Tourenfahrer allerdings, der mehr Wert auf Funktion als auf Gewicht legt, wird mit der Speedhub glücklich, zumal die Speedhub nahezu wartungsfrei ist. Nach der Schlammschlacht ein Eimer Wasser drüber und ein paar Tropfen Öl auf die Kette... das war's.
Wenn's nur nicht so sau teuer wäre. Ca. 1000.- Euro für das Laufrad mit Nabe kommen das schnell zusammen. Auch wenn Rohloff in den Veröffentlichungen versucht, die Kosten gegenüber der Kettenschaltung "gesundzurechnen", ist das eine Stange Kohle für eine Fahrradschaltung. Immerhin bekommt man für das gleiche Geld schon fast ein Getriebe für ein Auto. Das hat allerdings dann keine 14 Gänge...
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30.08.2008 15:11
Sehr informativ! Besonders wohltuend finde ich, daß hier weder in eine undifferenzierte Lobhudelei eingestimmt wird noch beim zuweilen recht beliebten Rohloff-Bashing mitgemacht wird.
29.06.2005 09:17
sehr guter Bericht. Ein weiterer Nachteil wäre der etwas umständliche Schaltzugwechsel. Der ist bei einer Kettenschaltung einfacher zu wechseln.
25.02.2004 14:24
Ich habe die Rohloff seit vielen Jahren an einem Reise - Alltagsrad, wo ich die Gewichtsprobleme nicht so störend empfinde. Deine Beobachtungen (mitdrehende Kurbel usw. ) decken sich exakt mit meinen. Meine ist nicht leiser geworden, es stört mich aber auch nicht mehr. Eher die zunehmende Kraft für's Schalten. Da rutscht mir bei Regen die Hand schon mal über den mittlerweile recht abgelutschten Griff... Gruß Michael