Rollei R3 Film

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Rollei R3 - SW-Fotografie mit neuer Technologie

5  07.10.2005 (09.10.2005)

Pro:
bei allen Lichtverhältnissen einsezbar

Kontra:
Entwicklungen nur in speziellen Labors möglich

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

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Kitos

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Rollei, stellen die auf Filme her? Bekannt ist das Unternehmen Rollei hauptsächlich durch die Produktpalette der Mittelformatkameras. So war es zumindest bei mir, bis ich vor ca. einem Jahr einen Probefilm des Rollei R3 zum Testen in meinen Händen hielt.
Nun gut, dachte ich mir, da schau ich mal, wie der so ist und holte mir die ersten Informationen über die Homepage "www.rollei.com" ein. Ein viertel Jahr später wurde er im Fotomagazin bei der Aufzählung der verschiedenen noch lieferbaren Filme mit aufgeführt.
Da dies mein SW-Film der ersten Wahl geworden ist, möchte ich heute über ihn berichten.
Es handelt sich hier um einen superpanchromatischen Speed- oder Low- Dreischichtenfilm.
Panchromatischer Film, das bedeutet, dass die Grautonumsetzung annähernd dem Helligkeitsempfinden des menschlichen Auges entspricht. Er ist empfindlich für alle Farben, einschließlich bis zu einem gewissen Grad ultravioletten Lichts des sichtbaren Spektralbereiches. Dies ermöglicht die optimale Voraussetzung, Bilder mit hervorragendem Tonwertumfang und perfekt und fein abgestuften Grautönen auszuarbeiten.
Der Rollei R3 erreicht eine Empfindlichkeit im infraroten Bereich von 730 nm, wobei man beachten muss, dass ab 700 nm ein Schwarzfilter oder ein dunkelrotes Filter (bei z.B. B&W-Filter 092 und 093) verwenden muss, um die Infrarot-Empfindlichkeit ausnutzen zu können.

*** Eigenschaften des Rollei R3 ***

Sensibilisierung:
ca. 380 bis 710 / 730 nm

Empfindlichkeit:
Standard-Nennempfindlichkeit: ISO 200/24° bis 400/27°
Die effektive Empfindlichkeit ist anpassbar zwischen ISO 25/15° und 6400/39°

Filmaufbau:
Wie schon erwähnt handelt es sich bei der Emulsion des Rollei R3-Filmes um einen Dreischichtenfilm. Er besteht aus drei ganz dünnen Schichten mit unterschiedlich großen Silberhalogeniden und drei verschiedenen Empfindlichkeiten. Dies ermöglicht die scharfen und feinen Abstufungen der Grautönungen. Es hat den Vorteil, dass das Endresultat meiner Meinung nach besser abschneidet, als bei herkömmlich gepushten S-W Filmen.
Außerdem führt die direkt auf den transparenten Träger gegossene

Bilder von Rollei R3 Film
  • Rollei R3 Film Bild 5393164 tb
  • Rollei R3 Film Bild 5393055 tb
  • Rollei R3 Film Bild 5393143 tb
  • Rollei R3 Film Bild 5393144 tb
Rollei R3 Film Bild 5393164 tb
ISO 400, selengetont
Lichthofschutzschicht zu einer Verbesserung der Schärfe, da die Reflexion nicht wie gewöhnlich innerhalb des Trägermaterials abgeschwächt wird, sondern von der Entstehung her unterdrückt wird.


*** Konfektionierung ***

35mm Kleinbild
Rollfilm 120
Planfilm von 6,5 x 9 cm bis 50,8 cm/20" Breite x 10 Meter Länge Rolle

Für z.B. der Panoramafotografie oder der Astrofotografie werden auch Formate nach eigenen Wünschen gefertigt.
Hierzu ist die Adresse: "Photo@mahn.net" als Ansprechpartner angegeben.


***Lagerung des Filmmateriales ***

Hier gilt, was für alle lichtempfindlichen Materialien wichtig ist. Die angegebene Lagertemperatur liegt bei 18° bis 22°C. So bleibt der Film solange haltbar, wie auf der Verpackung angegeben. Im Kühlschrank verlängert sich diese Zeit um ca. 2 Jahre. Ich bewahre meine Filme immer im Eierfach und in einem der Gemüsefächer des Kühlschrankes auf. Das Gemüsefach hat den Vorteil, dass es nicht zu kalt für den Film ist. So vermeide ich Temperaturschwankungen, die dem Filmmaterial ebenfalls schaden könnten. Hier muss man allerdings beachten, dass der Film Kondenswasser ansetzt, wenn man ihn gleich nach der Entnahme benutzen möchte. Am besten man holt ihn einen Abend vor Gebrauch heraus. Dies gilt auch für tiefgefrorene Filme, die zuerst langsam in Kühlschrank aufgetaut werden müssen.

*** Einlegen des Films ***

Da der Film wie alle superpanchromatischen Filme, sehr lichtempfindlich ist, muss er bei völliger Dunkelheit in die Kamera eingelegt werden. Hierfür eigenen sich wunderbar die handelsüblichen Wechselsäcke. Am besten übt man dies mit einer alten Filmrolle, denn das Einlegen eines Films, ohne zu sehen, was man tut, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Auch das Entnehmen und Einlegen in die Filmdose muss sich bei völliger Dunkelheit abspielen. Lichteinwirkungen würden graue Streifen auf den Negativstreifen bewirken.

*** Belichtung ***

Der Film ist sehr empfindlich für langwelliges Licht, welches sich besonders bei normalen Glühlampen bemerkbar macht. Tageslicht liegt bei 5400 K, Glühlampenlicht bei 2800K, d.h. der Rotanteil ist um genau 32,7% höher. Dies kann bei normaler Belichtung zur Folge haben, dass die Aufnahmen zu hell werden. Sollte man bei rotanteiligem Licht keinen externen Belichtungsmesser benutzen, empfiehlt der Hersteller eine Nennempfindlichkeit von ISO 200/24°.
Prinzipiell empfehle ich bei neuen Filmen immer Belichtungsreihen durchzuführen. So lernt man am besten, wie sich ein bestimmter Film unter verschiedenen Voraussetzungen verhält. Denn die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Folgende Richtwerte sind für den Rollei R3 angegeben:

- Sonnenschein im Hochgebirge: 1/250, Blende 22
- Strand- oder Schneelandschaft in heller Sonne:: 1/250, Blende 22
- Helle Sonne: 1/250, Blende 16
- Sonnenschein und Hochnebel: 1/250, Blende 11
- Bewölkt. Sonnenschein: 1/250, Blende 5,6
- Bedeckt, offener Schatten: 1/250, Blende 5,6

Zu beachten ist auf jeden Fall, dass das Push-Verhalten dieses Films zu einer verstärkten Kontrastierung führt. Dies ist sehr schön bei der Architekturfotografie, aber bei der Portraitfotografie häufig ungeeignet.

*** Filterfaktoren ***

Rollei ist soweit ich weiß, einer der wenigen Hersteller, der eine genaue Auskunft über die Filterfaktoren gibt.
Dies ist gerade in der SW-Fotografie ein sehr interessantes Thema, da man viel mit verschiedenen Farbfiltern arbeiten kann, um das Bild zu beeinflussen.
Deshalb werde ich hier etwas darüber erzählen, wenn es auch nicht direkt zum Produkt gehört:
Selbst modernste SW-Filme weisen nicht die gleiche Spektralempfindlichkeit auf, wie unser Auge. Um die Relation zur Empfindlichkeit des Auges zu demonstrieren, dienen Spektraltafeln. Entsprechend der Wellenlänge der Spektralfarben wechseln die Farbstreifen von links nach rechts über blau, blaugrün, grün, gelbgrün, orange zu rot. Zwischen den einzelnen Farbstufen ist immer ein Stufengraukeil eingezeichnet, der gleichmäßige Graustufen von Schwarz bis Weiß aufweist. So kann man ganz einfach visuell die Empfindlichkeit des Auges ermitteln und konstruieren. Nun wird diese Tafel mit einem bestimmten Film abgelichtet. Man sieht je nach Film die unterschiedlichen Grauwerte. Durch das verbinden der verschiedenen Abstufungen wird die Spektralfarbe dargestellt.
Diese Arbeit muss man aber nicht selbst erledigen. Im Internet kann man die Spektralkurven aufrufen, denn bei jedem hochwertigen Filmmaterial sind sie aufgeführt. Diese Erklärung habe ich nur zum leichteren Verständnis über die Wirkung von Filtern zusammengefasst.
Schaut man sich nun die Spektraltafel eines Filmes an, so kann an durch z.B. verschiedene Filter diese Kurve nach Belieben verändern.
Wer mit Farbfiltern kreativ tätig werden möchte, der sollte ich auch mit dem Farbkreis der sechs Grundfarben beschäftigen. Denn gegenüberliegende Farben, auch Komplementärfarben genannt, sind hier auf dem ersten Blick ersichtlich.
Hier nur ein Beispiel:
Farbe Rot und Blau in Verwendung eines Rotfilters:
Bei Verwendung eines Rotfilters wird der Himmel abgedunkelt, es steigert den Kontrast. Benutzt man einen Rotfilter bei der Aufnahme eines Stoppschildes, so wird die rote Farbe weiß abgelichtet und auf Fotografie verschwinden, denn ein z.B. dunkelrotes Filter verschluckt sozusagen alle Rotanteile der Aufnahme.
Es gibt Filter, die speziell zur Akzentuierung einer Aussage eingesetzt werden und somit zur Kontrastvergrößerung dienen - man nennt sie Kontrastfilter. (Farbfilter)
Graufilter sind Neutrallichtfilter und drosseln das einfallende Licht.

Nun aber zurück zur Spektralkurve.
Schaut man sich die Spektralaufzeichnung des Rollei R3 an, so sieht man auf dem ersten Blick dass dieser Film sehr rotempfindlich ist. Die Kurve reicht knapp bis zu 730 nm. Dies schreit regelrecht nach dem Versuch Infrarotaufnahmen zu fotografieren.

Allerdings muss man bei der Verwendung der verschiedenen Filter die Verlängerung der Verschlusszeit beachten und ein Stativ benutzen, um scharfe Fotos zu erhalten.
Je nach Sperrung des Lichteinfalls kann sich die Blendenstufe von ½ bis 4 erhöhen.

*** Filmentwicklung ***

Auf der Homepage ist die genaue Beschreibung der Selbstentwicklung nieder geschrieben. Ich möchte darauf verzichten, diese abzuschreiben, da ich den Film selbst nicht entwickelt habe und eine Erfahrungswerte mitteilen kann. Ich denke auch, wer sich mit der Entwicklung eines Spezialfilmes beschäftigt, wird eh bei Rollei vorbeischauen und sich weitere relevante Informationen einholen.

Es war gar nicht leicht, en Labor zu finden, er diesen Film entwickelt. Bei meinen vielen Anfragen bin ich auf Foto Wacker in Pforzheim gestoßen. Dies ist ein sehr gutes SW-Labor, das die Filme genau nach meinen Anweisungen und Vorstellungen entwickelt. Praktisch ist, die Möglichkeit Kontaktbögen zu erhalten, um dann die besten Fotos vergrößern und ggf. tonen zu lassen. Man muss nicht unbedingt nach Pforzheim fahren. Er stellt den Auftrag per Post zu, nachdem man die Versandtaschen angefordert hat.
Entwicklungskosten: 2,81 Euro netto
Kontaktbogen: 2,66 Euro netto

*** Preis ***

Pro Film im 10er Pack habe ich 9,90 Euro bezahlt. Dies ist zwar nicht günstig, aber im Gegensatz zu Infrarotfilmen eine günstige Variante, die häufig das doppelte kosten.

*** Fazit ***

Für mich ist der Film die erste Wahl geworden, denn ich kann ihn überall einsetzen, ohne auf Lichtbedingungen Rücksicht zu nehmen. Bis jetzt habe ich ihn in der Tierfotografie, im Studio und in der Naturfotografie benutzt.
Es macht Spaß in der monochromen Fotografie kreativ zu werden. Probiert es selbst!

Die Bilder im Anhang sind z. T. abfotografiert, da die Maße die meines Scanners überschreiten. Darum sind die Fotos nicht optimal wiedergegeben

Sollte ich einen Punkt vergessen haben, so lasst es mich wissen, ich erweitere gerne meinen Bericht.

Gut Licht!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Charlespeter

Charlespeter

30.07.2008 15:59

Klarer Fall von Onlinewerbung.

Flubber59

Flubber59

21.01.2008 13:49

Klasse Bericht, super geschrieben und sehr informativ ... LG Andreas

Soraya69

Soraya69

04.08.2007 10:04

Ich muß Dir einfach dafür ein "bh" geben, super-fachfraulich und sogar für einen wie mich verständlich erklärt ;-)) Richtig schöne schwarz/weiß-Portraits gefallen mir auch am besten.

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