Romance (Film)

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Pseudo-Intellektueller Möchtegernporno

1 18. Feb 2003

Pro:
Pro? Das wird schwierig .  .  .

Kontra:
Frauenfeinlich, unerotisch, laberlastig, langweilig !

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Humor:

Spannung:

Anspruch:

Action:

Romantik:

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Plavalaguna21

Über sich:

Mitglied seit:03.01.2002

Erfahrungsberichte:108

Vertrauende:20

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 51 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Heute muß ich mal wieder meinen gesamten Ärger hier loswerden - denn gestern habe ich "Romance" gesehen.

Vor einigen Jahren machte dieses Französische Filmchen wegen seiner bis her noch nie dagewesenen Freizügigkeit gehörig Fuore...und gewann durch das "Porno-Image" mit Sicherheit einige Zuschauer dazu, die es nicht verdient hat und die später auch mit Sicherheit enttäuscht waren. "Romance", das war der große Skandal, hat eigentlich keine schlüssige Handlung, wie man sie seit den Anfängen des Kinos gewöhnt ist, sondern besteht lediglich aus einem dünnen Fädchen Handlung mit Sexszenen jeglicher Couleur, sei das jetzt Fellatio, Fesselspiele, eine Nummer quer von hinten durch die kalte Küche *you know what I mean* ... "Gut", werden jetzt einige sagen, "das kommt uns aber doch bekannt vor...geh mal in die Videothek Deines Vertrauens,da findest Du sowas im Hinterzimmer!" Stimmt theoretisch - aber der gravierende Unterschied zu den 08/15-Pornos: "Romance" schafft es ernsthaft, jede Erotik im Keim zu ersticken. Und das ist verdammt schwierig für einen Film, der eigentlich nur aus Sexszenen besteht.

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Die Handlung
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Viel gibt es hier ja, wie bereits oben bemerkt, nicht zu sagen. Protagonistin des ganzen ist die junge Lehrerin Marie, die ein nicht zu kleines Problem mit ihrem Freund hat - er will nicht mehr mit ihr schlafen. Woran könnte das liegen, fragt man sich? Daran, dass Marie so ca. das zanksüchtigste Wesen der Welt ist, dass ihm ständig seine Unzulänglichkeit vorhält? Daran, dass sie ca. so sexy ist wie ein Sack Kartoffeln? Mir hätte sich jetzt ein anderer Vergleich aufgedrängt,denn Hauptdarstellerin Caroline Ducey ist so schrecklich dünn und knabenhaft,dass man eher an ein halbverhungertes 12jähriges Mädchen denkt als an eine Frau von Ende 20 - oder liegt es vielleicht sogar daran, dass sie das dringende Bedürfnis verspürt, jede Form von Erotik mit pseudo-intellektuellen Phrasen totzureden oder ihren Liebhabern munter von "Tampax, die man davor unterm Bett versteckt und danach wieder reinstopft - Männer finden ja alles eklig" zu erzählen? Kein Wunder dass ihr Freund keinen mehr hochkriegt ;-).

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Das Ärgernis
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Als ich Kritiken über "Romance" las, machte mich das schon sehr neugierig - die Kritiker liessen sich genüßlich über den Feminismus und das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frau aus, und ein Erotikfilm, der diese Aspekte berücksichtigt, sei ja noch total neu und revolutionär und noch nie dagewesen! Ein Sexfilm aus weiblicher Sicht, in dem eine Frau sich nimmt,was sie braucht? Hört sich zumindest interessant an. Und da es, wie so oft bei Filmen dieses Genres, mal wieder das Gerücht gab, die Darsteller hätten "es" wirklich getan, wurde man noch mal ne Spur neugieriger.

Zum einen Mal - der Feministische Anstrich ist "Käse", wie unser Bundes-Dieter Bohlen immer so schön sagt. Das erste Mal wurde ich schon rasend, als Marie den wunderbaren Ausspruch tat: "Ich bin ein Loch. Ich nehme alles auf und verschwinde proporzional zu dem Schwanz, der in mir ist. Das ist meine Form von Unschuld." (Um nicht zuviel vorweg zu nehmen,dieses Gewäsch dominiert den ganzen Film).
Welche vernünftige Frau würde freiwillig sagen: "Hey ho, leute, ich bin ein loch! Alle mal reinkommen!" (So benimmt sich die liebe Marie nämlich, am Ende lässt sie aus Frust alles rein,was will)?

Weiterhin ist die Message, die der Film mit sich trägt,äußerst ärgerlich: Das Ganze sagt uns nur, dass Frauen, die nicht oft genug "genommen" (wies im Film heißt) werden, nur Zickanfälle kriegen, unausgefüllt sind und es dann in ihrer Niedertracht mit allem treiben,was bei 3 nicht auf dem Baum ist, während der ahnungslose, leider (warum wohl?) impotente Freund treudoof seine Zeit lesend in Cafes verbringt und seiner Freundin immer wieder sagt, dass er sie liebt, obwohl sie sich wie die letzte Rampensau benimmt und ihm eigentlich nur noch erzählt, wie sehr er sie ankotzt.

Keine sehr feministische Botschaft, oder?

Jetzt versteht mich nicht falsch - ich bin beileibe keine Hardcore-Emanze, obwohl sich das hier so anliest :-) Ich hab auch nix gegen Sexfilme (wenn sie denn auch wirklich sexy SIND) - aber dieses Machwerk ist einfach der größte Müll, obwohl er sich redlich bemüht, Leidenschaft vorzugaukeln. Doch dabei helfen weder HArdcore-Sexszenen (bei denen die liebe Marie aber ausnahmslos guckt, als würde sie grade Möhren raspeln oder sonst irgendwas profanes tun) noch der Einsatz von Pornostar Rocco Siffredi als einer von Maries Liebhabern (schon beeindruckend - aber unfreiwillig komisch schon,wie er sich krampfhaft bemüht,das ganze nach gutem Sex aussehen zu lassen).

Wie realistisch ist eine solche Situation? Gar nicht. Jeder vernünftige Mensch würde eine Beziehung, wie sie Marie und ihr Freund Paul haben, als total gescheitert ansehen, oder zumindest den Versuch einr Paartherapie machen (Therapie haben die beiden auch dringend nötig). Stattdessen sieht man die beiden nur abends im Bett liegen, sie versucht an ihm rumzupumpen, er ziert sich, sie zickt und wirft ihm wohldosierte, nett verpackte Gemeinheiten an den Kopf (einmal fragt er sie,ob sie seinen Schwanz möge, und sie antwortet: "Ich mag es,wenn sie nicht so groß sind" - Selbstwertgefühl erfolgreich untergraben), redet ständig davon, dass sie absolut das Recht hätte, ihn zu betrügen, weil er es ja im Bett nicht mehr bringt, er aber gefälligst seine Finger von anderen Weibern zu lassen habe (wobei man dem armen Paul WIRKLICH eine nettere Freundin wünscht als dieses Zickmonster) und, was das schllimmste überhaupt für eine Filmfigur ist, die immerhin Hauptprotagonistin ist: Sie bringt durch all diese Aktionen das Publikum dazu, sie höchst unympatisch zu finden. Daraus resultiert, dass der Film nicht funktionieren kann, da vor allem für Erotik nun trotzdem mal eine gewisse Anziehung da sein muss.

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Die Schauspieler
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Die Schauspielerischen Leistungen sind ebenfalls unter aller Kanone. Selten kommt es vor, dass einer mal seinen Gesichtsausdruck wechselt. Alle gucken irgendwie betroffen, wie man in intellektuellen französischen Filmen eben so guckt, wenn man zeigen will, dass man sich ganz viele Gedanken um den Lauf der Welt macht.

Weil die Schauspieler hierzulande fast alle völlig unbekannt sind, hier noch ein paar Infos:

1. Caroline Ducey (Marie) - debütierte 1994 in dem französischen Film "Glück", und trat seitdem in einigen TV-und Filmproduktionen in Frankreich auf, die es aber nie schafften, den Rhein zu überqueren. "Romance" ist bis dato ihr kommerziell erfolgreichster Film.

2. Sagamore Stevenin (Paul, ihr Freund) - Hierzulande völlig unbekannt. Debüt 1991 in "La Totale!", ansonsten nur inländische Produktionen

3. Rocco Siffredi (Paolo,einer von Maries Liebhabern)
Dies sollte der einzige Schauspieler im Film sein, der zumindest einer breiteren Masse bekannt ist. Rocco Siffredi ist einer der Mega-Stars der Pornoszene - vor allem wegen gewisser anatomischer Qualitäten, wie man im Film auch sehen kann :-)

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Das Fazit?
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Hände weg von diesem Müll - auch wenn einige hochintellektuelle Zeitgenossen jetzt wieder protestieren mögen. Dieser Film ist weder besonders intelligent, noch besonders feministisch (im gegenteil!), noch sehr erotisch - es drängt sich einem der Verdacht auf, man habe nur den Skandalwert einiger Szenen auskosten wollen,um Kohle zu machen, sei sich für nen "echten" Porno aber doch zu fein gewesen... 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
jochenp

jochenp

24.07.2006 11:04

Hallo! Hm, ich meine, dass du den Film nicht verstanden hast. Es ist kein Erotikfilm in dem Sinne, dass er die sexuellen Phantasien der Zuschauer anregen soll. Vielmehr geht es um das gestörte Verhältnis von Marie zu Männern und Sexualität. Sie ist krank (ihr Freund vermutlich auch) und außerdem depressiv, und das zeigt der Film sehr eindrucksvoll! Die Sexszenen sind größtenteils nicht erregend, sondern verstörend - und das ist gut so. Gruß, Jochen.

Levay

Levay

24.12.2003 01:47

Der Film lief bei mir ohne Ton, als ich telefoniert habe; ich wusste gar nicht, worum es geht. Als dann - im WDR!!! - plötzlich solche Details zu sehen waren, wie ich sie nur von meiner privaten Videosammlung kenne *g*, war ich schon echt baff. Hey, ich adde dich mal im ICQ, wenn du erlaubst...!

carmen

carmen

28.11.2003 14:18

Gottseidank ist das ja immer Geschmackssache. Aber manchmal stößt mir das auch auf, daß Kritiker besonders oft die schlechten Filme so loben. gruß, carmen

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