Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
alles |
| Kontra: |
Man muss früh aufstehen : o) |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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"Rorate caeli de super et nubes pluant Iustum" - "Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab"
Ich weiß ja, dass es etwas zu spät ist, nach Weihnachten übers Advent zu schreiben, aber wie im vorherigem Bericht erwähnt, hatte ich vor Weihnachten echt viel zu tun, und gar keine Zeit für ciao, konnte also auch nichts schreiben. Da ich aber bei Rorate täglich teilgenommen habe, und sie waren so schön, dass ich noch heute daran Sehnsucht habe, möchte ich Euch darüber erzählt. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir die Verspätung.
RORATE
1) Geschichte
Rorate ist eine Adventsmesse, die früh morgens, am meistens am 6 Uhr gehalten wird. Ich schreibe am meistens, weil es seit einigen Jahren ein Brauch entstand, dass man Rorate für Kinder am Abend haltet, aber es ist meiner Meinung nach ein Missverständnis - Rorate ist mit Wachsein und Abwarten verbunden, Abendmessen verlieren vieles an der Atmosphäre. Der Name der Messe - Rorate kommt aus dem Refrain eines Introitus: "Rorate coeli de super et nubes pluant Iustum" - "Tauet Ihr Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab" - und das Zitat kommt aus Buch des Propheten Jesaja ( 45,8) und das Alttestamentisches Buch wird in Advent auch besonders gerne als erste Lesung gelesen. Rorate sind schließlich mit dem Advent verbunden - schon das Wort Advent (Adventus) bedeutet Ankommen einer wichtigen Persönlichkeit, Kaiser oder König.
In der Kirche wartet man sich natürlich auf Christus und Advent hat einigermaßen drei zeitliche Dimensionen (während jeder Eucharistie begegnen sich drei Zeiten - Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft was die Formel: Mysterium Fidei auch sagt: wir verkünden Dein Tod, bekennen Deine Auferstehung und warten auf Dein Ankommen in der Ehre) Die erste ist, die wörtliche, wie im Weihnachtslied: "Welt ging verloren - Christ ist geboren" - Adam und Eva haben gesündigt (Erbsünde) und wurden aus dem Paradies vertrieben. Die Welt begann unglücklich zu sein und wartete auf seinen Messias, der als kleines Kind im Betheimstall kam und nicht bekannt wurde. In diesem Sinn vorbereitet man sich auf Weihnachten also auf Fest der Geburt Jesu und man feiert die Vergangenheit. Gegenwart Jesu feiert man während Rorate die doch auch Eucharistie ist - obwohl man auf Jesus wartet, kommt er in der Hl. Kommunion unter Gestaltungen von Brot und Wein. Das Advent in Sinne der Zukunft feiert man auch - Katholische Kirche glaubet an sog. Parusia, also an erneuten Ankommen Jesu Christi in der Ehre (Weltende). Das Gottesvolk (Kirche) ist also eine Gruppe der Pilgern, die zum Haus Gottes Vaters gehen und schon auf der Erde Büße tun. Während Advent wartet man also auf Christus Heiland in drei zeitlichen Dimensionen.
Patronin des Advents ist natürlich Mutter Gottes, Hl. Maria, besonders in Polen verehrt. Sie ist eine Meisterin des Wartens, und ein Vorbild. Zusammen mit Israel wartete sie auf Messias, als Erzengel Gabriel hat ihr verkündigt, dass sie Gottes Sohn, Emmanuel (Gott mit uns) gebären würde, wartete sie aufs Leben, das in ihr wuchs, und jetzt als Kirchemutter wartet auf Ankommen des Heilands in der Ehre. Zu ihr Ehre singt man während Rorate hauptsächlich Marienlieder wie: Ave Maris Stella oder Ave Maria. Rorate sind eigentlich Mariavotivmessen. Sie wurden schon in ersten Jahrhunderts des Christentums gehalten.
Rorate in Deutschland
Soweit ich weiß werden Rorate auch in Deutschland gehalten, ich selber traf sie in Regensburg nicht, als ich dort studierte. In der KHG (Katholische Hochschulgemeinde), wo ich tätig war, hatten wir keine Rorate, nur Adventsgottesdienste einmal in der Woche um 18 Uhr. An einer solchen Messe in Kripta der St. Emmeramskirche habe ich teilgenommen - ich sang im Chor. Die Atmosphäre war wunderbar - wir sangen: "Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe" und andere tolle Lieder, mir fehlten aber Rorate sehr. Ich vermute, dass Rorate jetzt nur in Klöstern gehalten werden, schade eigentlich, sie sind so schön und bringen viele Freude.
Rorate in Polen
Ich habe in Erinnerung Rorate als ich Kind war. Polen war damals unter kommunistischer Regierung, und Religion war durch diese Regierung als Opium fürs Volk betrachtet (nicht so stark wie in USSR, aber doch war die Religion nicht gewollt). Um so weit machte es mir Spaß, dass ich als Kind in die Kirche so früh gehen konnte (natürlich mit meiner Mama). Ich machte mir selber Lampions (spezielle "Laternen" aus einer Kerze und Papiergehäuse). Damals wurden nur Lieder auf Polnisch gesungen, aber die Atmosphäre habe ich immer wieder noch im Gedächtnis - man ging aus der Kirche mit leuchtenden Lampions und es war so mysteriös. Wie gesagt, werden Rorate für Kinder immer häufiger abends gehalten, es ist aber nicht zum Vergleichen mit richtigen Rorate früh morgens.
Rorate bei Dominikaner in Poznan:
Rorate bei Dominikaner sind etwas besonderes. Sie beginnen schon am 5:45 Uhr mit Stundengebet zur Ehre der Hl. Maria, das aus 16 Jhd. stammt und wird gesungen. Dann beginnt Rorate mit Introitus: "Rorate caeli de super..." und mit Kyrie die gregorianisch gesungen werden. Auch Stammteile der Hl. Messe werden auf Lateinisch gesungen: Sanctus, Pater Noster und Agnus Dei, auch Halleluja und Psalm. Antifon zu Hallelujah sang ich heuer als Solistin vor. Während Rorate singt man vor allem Lieder zur Ehre der Hl. Maria, über die Verkündigung bzw. übers Abwarten auf Messias. Die Stimmung ist seghr gehoben und geheimnisvoll. Ganze Kirche ist dunkel, aber doch hell, weil jeder kommt mit einer Kerze, und damit wird die Kirche belichtet. Heuer gab es auch Mädels die evangelische kluge Mädel spielten und mit Lampen auf den Bräutigam warteten. Das, dass man Lieder auf Lateinisch singt verursacht, dass man sich wie ersten Christen fühlt. Man muss früh aufstehen und man läuft schnell in die Kirche um sich mit dem Bräutigam zu treffen - kann etwas schöneres sein? Wenn man aus der Kirche ausgeht, kann man einen Sonnenaufgang bewundern, die aufgehende Sonne ist auch ein Symbol für ankommenden Christus - "Jeder Sonnenaufgang Dich ankündigt, lasse uns nicht den Morgen überschlaffen" - so lautet ein Lied, und es ist eine Wahrheit.
Fazit:
Ich würde Rorate auf jedem Fall empfehlen, nach einer solchen Wartezeit erlebt man Weihnachten nicht als ein kommerzielles Fest (wie viele Leute es betrachten) sondern bekommen Weihnachten einen religiösen Sinn. Ich muss sagen, dass ich nie Weihnachten als kommerzielles Fest betrachtete, aber seitdem ich an Rorate teilnehme (seit 3 Jahren) werden Weihnachten für mich immer wieder schöner, ich entdecke immer wieder ihre religiöse Tiefe.