Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief

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Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief

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Sex, Geld, Macht und Schein-Freundschaften!

5  27.10.2003

Pro:
Darsteller, Inszenierung, .  .  .  .

Kontra:
so gut wie nix

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


BillMaplewood

Über sich:

Mitglied seit:26.09.2001

Erfahrungsberichte:513

Vertrauende:79

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 73 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wenn ein Mann wie Helmut Dietl nach seiner großartigen Mediensatire „Schtonk“ ganz fünf Jahre Pause macht, bis er seinen nächsten Film ins Kino bringt und wenn dieser Mann dann auch noch über ein Dutzend der besten deutschen Schauspieler und Schauspielerinnen für diesen Film um sich schart, dann sind die Erwartungen immens hoch. So geschah es 1997 als Dietl „Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ der Öffentlichkeit vorstellte. Die meisten Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Satire auf die Münchner Gesellschaft, in der Dietl selbst zu Hause ist wurde ein großer Erfolg.

Mit dem richtigen Biss nimmt die richtige Münchner Gesellschaft aufs Korn und hat fast jedem von ihnen einen Platz in seinem Film zugeteilt. Der Film spielt im fiktiven, titelgebenden Lokal Rossini des Inhabers Carlo Rossini (Mario Adorf). Dort versammelt sich allabendlich die Schickeria von München, nimmt das Lokal in Beschlag für Liebschaften und Geschäfte.

Da ist die attraktive Valerie (Gudrun Landgrebe), die mal wieder ihren vierzigsten Geburtstag im Rossini feiert. An ihrer Seite ihre beiden Liebhaber zwischen denen sie sich nicht entscheiden kann. Der Filmproduzent Oskar Reiter (Heiner Lauterbach) und der Lyriker Bodo Kriegnitz (Jan Josef Liefers). Sie schläft mit dem einen und wenige Stunde mit dem anderen.

Verliebt in Valerie ist auch der Schönheitschirurg Sigi Gelber (Armin Rohde), der von Valerie aber kaum beachtet wird, und jeden Abend im Rossini den dortigen Gästen, seiner Kundschaft neue Titten empfiehlt.

Reiter plant zudem ein großes Filmprojekt. Gemeinsam mit dem Regisseur Uhu Zigeuner (Götz George) will er das nach der Bibel meistgelesene Buch aller Zeiten „Loreley“ des Autors Jakob Windisch (Joachim Krol) verfilmen, doch den beiden stehen mehrere Probleme im Weg: Sie finden keine Schauspielerin für die Hauptrolle, aber viel schlimmer wiegt noch die Tatsache, dass der öffentlichkeitsscheue Windisch, der immer in einem Hinterzimmer des Rossini sich seine Mahlzeiten von der hübschen Serafina (Martina Gedeck) servieren lässt, partout nichts von einer Verfilmung seines Bestsellers wissen will. Und ohne den Vertrag mit ihm, drohen die Investoren abzuspringen.

Und dann tritt plötzlich eine Unbekannte Schöne (Veronica Ferres) auf den Plan, die allen den Kopf verdreht....


Helmut Dietl und Bestsellerautor Patrick Süskind (u.a. „Das Parfüm“, „Der Kontrabass“) haben ein hervorragendes Drehbuch abgeliefert. „Rossini“ schlägt von Beginn bis Ende ein hohes Niveau an, dass den Film zu einem wahren Genuss macht. Dietl zeigt eine selbstverliebte Gesellschaft, die sich jeden Abend zuprostet, sich gegenseitig dabei beäugt, voller Neid und Missgunst und doch miteinander feiert.

Er zeigt eine Gesellschaft, der er selbst angehört, und er zeigt sie schonungslos interessant nach dem Motto: Seht her liebe Zuschauer, dass ist das Leben von dem ihr träumt, das Leben der Schönen und Reichen, seht her, wie erbärmlich es in Wirklichkeit ist, aber seht her, wie wir es auch genießen.

Dietl zeigt eine Welt voller Sex, Geld, Macht und Schein-Freundschaften, aber ohne jede Liebe, sondern nur mit der Sehnsucht nach jener. Er porträtiert diese Welt, diese Gesellschaft auf eine ganz leichte Art, die es dem Zuschauer trotz aller Wirrungen von Haupt- und Nebenplots, von zahlreichen Figuren und ihren zu Beginn fast undurchschaubaren Verbindungen leicht macht zuzuschauen, schafft dabei aber das Kunststück von der leichten Inszenierung nicht in die Seichte abzufallen.

Dietl schafft noch ein weiteres, ihm hoch anzurechnendes Kunststück: Er bringt die große Ansammlung hervorragender Darsteller perfekt unter einem Hut. Alle spielen sie hervorragend, alle stehen sie im Vordergrund, keiner verdrängt dabei die anderen, jeder spielt mit vollem Körpereinsatz. Besonders hervorzuheben sind dabei Heiner Lauterbach als Produzent, bei dem die Parallelen zu Bernd Eichinger unübersehbar sind und Joachim Krol als zurückgezogener Schriftsteller. Hier erkennt man deutlich die Parallelen zu Co-Drehbuchautor Patrick Süskind, der ebenfalls öffentlichkeitsscheu und zurückgezogen lebt, und der sich ähnliche wie Krols Rolle im Film Windisch lange Zeit dagegen gesträubt hat, seinen Roman „Das Parfüm“ verfilmen zu lassen. Nun wird „Das Parfüm“ doch verfilmt.

Da ist ein hervorragender Götz George, der Dietl selbst spielt und eine blendende Veronica Ferres, von ihrem ehemaligen Lebensgefährten Dietl erstklassig in Szene gesetzt. Da runden eine glänzende Hannelore Hoger als Journalistin, die ihren allabendlichen Fick gegen die Migräne braucht und ein Jan Josef Liefers das Bild perfekt ab. Und da darf man natürlich einen Mario Adorf nicht vergessen, der von seinen Gästen allabendlich an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht wird, aber mehr als ihr Wirt ist, sondern ihr Freund, aber am Schluss als es ernst wird, dann doch wieder nur der Wirt ist.

„Rossini“ ist eine Aneinanderreihung von hervorragenden Einzelszenen, exemplarisch herausgenommen nur die Szene, in der Gudrun Landgrebe auf der Toilette sitzt und mit ihren Verstopfungen kämpft oder wenn Götz George zum ersten Mal Veronica Ferres erblickt und dabei seiner Frau im fernen Frankreich am Telefon seine Liebe gesteht und dabei eigentlich den Charakter von Veronica Ferres meint. Dielt reiht diese Szenen nicht nur einfach lieblos aneinander, nein er verwebt die Aneinanderreihung zu einem perfekten Gesamtkunstwerk.

Nur einmal kommt er kurz ins Trudeln, gegen Ende wirkt es kurz so, als würde Dietl sich anstrengen müssen, das hohe Niveau zu halten, als würde es nicht mehr - wie man davor das Gefühl hatte - wie von selbst weitergehen und als würde er nun einbrechen und den Film zu einem unbefriedigenden Ende bringen, aber er bekommt gerade so noch einmal die Kurve und lässt den Film gelingen!

F A Z I T
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„Mein Film ist sicher kein Schlüsselfilm über das Münchner Restaurant "Romagna Antica" und seine Stammgäste, sondern ein Film über Menschen, über Beziehungen von Männern zu Frauen, Männern zu Männern und Frauen zu Frauen, über Liebe, Leidenschaft und Tod. Freilich ist er in einem bestimmten Milieu angesiedelt, das ich sehr gut kenne, aber es handelt von Dingen, wie sie sich in jeder größeren Stadt zutragen können." Diese Worte sagte Helmut Dielt selbst über seinen Film! Einen Film, den man mal gesehen haben sollte, genauso wie die beiden anderen Teile der Mediensatire-Trilogie von Dietl. Während er in Rossini den Film behandelt, hat er schon 1992 in „Schtonk“ die Presse und dann noch 1999 im aber gegen die anderen beiden deutlich schwächeren Film „Late Show“ das Fernsehen behandelt.

Neun von zehn Punkten!

D A T E N
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Originaltitel: Rossini
Genre: Satire
Deutschland 1997, FSK 16, Laufzeit: 114 Minuten

Darsteller: Götz George (Uhu Zigeuner), Mario Adorf (Paolo Rossini), Heiner Lauterbach (Oskar Reiter), Gudrun Landgrebe (Valerie), Veronica Ferres (Schneewittchen), Joachim Król (Jakob Windisch), Hannelore Hoger (Charlotte Sanders), Armin Rohde (Dr. Sigi Gelber), Jan Josef Liefers (Bodo Kriegnitz), Martina Gedeck (Serafina), Meret Becker (Zillie Watussnik), Hilde Van Mieghem (Fanny Zigeuner), Burghart Klaußner (Tabatier), Edgar Selge (Meik), Erich Hallhuber (Hopf), Christian Berkel (Weich), Carola Regnier (Frau Ledersteger), Markus Majowski (Freddy), Axel Milberg (Herr Ledersteger)

Regie: Helmut Dietl
Produzenten: Helmut Dietl, Norbert Preuss
Drehbuch: Helmut Dietl, Patrick Süskind
Musik: Dario Farina
Kamera: Gernot Roll

W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
°°°°°°°°°°°°°°
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0120037/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=2638

°°°°°°°°°°°°°

Der Film lief im Rahmen des Filmforum 2003 / 2004 der VHS Würzburg am 22. Oktober 2003 im Cinemaxx Würzburg. Im Rahmen der Veranstaltung fand auch noch eine hervorragende Lesung des Schauspielers Ingo Klünder aus de Buch „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind statt

© Björn Becher 2003

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Schmeling

Schmeling

26.01.2004 17:06

Habe mir von den Film mehr versprochen.

atek

atek

01.11.2003 03:30

Ich will nicht meckern und bewerte mit sehr hilfreich

Veedra

Veedra

28.10.2003 14:01

den hab ich mal vor ner weile eher halbherzig im farbfernsehen verfolgt... kann mich nur noch dran erinnern dass die ferres nen märchennamen hatte, schneewittchen oder so was in der art. damit hat es sich auch schon :o).

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