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Anläßlich der - wirklich seltenen - Wiederholung im Fernsehen möchte ich euch heute mal wieder einen Filmtip geben und die Gelegenheit gleich nutzen, den Bericht von 2001 ein wenig aufzupolieren, damit er den heutigen Ansprüchen des hohen Publikums auch besser gerecht wird. Dieser Film wird am Sonntag, 11. Dezember, um 13.55 Uhr auf Tele5 ausgestrahlt und für diejenigen, die ihn verpassen, am 13. Dezember um 7.30 Uhr noch einmal wiederholt.
** Die Story ** Der Geigenbauer Nicolo Busotti (Carlo Cecchi) fertigt 1681 im italienischen Cremona eine perfekte Violine für das Kind, das seine Frau Anna in kurzer Zeit erwartet. Anna (Irene Grazioli) geht indes zu einer alten Frau, um sich die Zukunft vorhersagen zu lassen. Die sieht nicht rosig aus, scheint es: die Alte erzählt etwas von baldigem Tod und ewigem Leben. Busotti ist verärgert, daß sich Anna von so etwas verängstigen läßt. Als seine Frau wenig später dann bei der Geburt stirbt, arbeitet Busotti seinen ganzen Schmerz sowie das Blut und die Haare von Anna in das Instrument hinein. Es wird wirklich etwas Besonderes, aber der Geigenbauer hat keine so rechte Freude daran, weil sie ihn immer wieder an seinen Verlust erinnert. So gibt er sie bald fort.
Diese rot lackierte Violine landet beim Geigenorchester eines kirchlichen Waisenhauses, wo sie über ein Jahrhundert lang an verschiedene Kinder weitergegeben wird, bis sie in die Hände des Knaben Kaspar Weiss (Christoph Koncz, übrigens tatsächlich ein Violinist) gegeben wird. Der Musiker George Poussin (Jean-Luc Bedeau) hört ihn bei einer Reise darauf spielen, entdeckt das unglaubliche Talent des Jungen und nimmt ihn und das Instrument mit nach Wien. Leider hat Kaspar einen Herzfehler und stirbt vor Aufregung, als er nach einiger Lehrzeit einem Fürsten vorspielen soll. Die Violine wird mit ihm begraben.
Zigeuner fleddern das Grab; und so gelangt das Instrument mit dem fahrenden Volk um die halbe Welt und schließlich in die Hände des englischen Geigers Frederick Pope (Jason Flemyng), der von der Violine geradezu besessen ist, ihr aber auch so leidenschaftliche Töne entlockt, daß die Welt in Begeisterungsstürme ausbricht. Als ihn seine Geliebte Viktoria Byrd (Greta Scacchi) nach der Rückkehr von einem Auslandsaufenthalt mit einer anderen erwischt, schießt sie auf ihn und trifft die Geige. Denn ihr gibt sie die Schuld.
Nach dem Tod von Pope gelangt sie auf verschlungenen Wegen nach China und wird an einen Trödler verkauft, der sie repariert und nach langer Zeit an eine Geigerin verkauft. Dann bricht die Kulturrevolution aus. Bei einem Volksprozeß wird ein Geigenlehrer dafür verurteilt, daß er auf einer Violine die Musik des Imperialismus lehrt. Sein Instrument wird anschließend auf einem Scheiterhaufen mit anderen Zeugnissen westlicher Dekadenz verbrannt. Die junge Xiang (Sylvia Chang), Tochter jener Geigerin, schenkt ihm dafür die rote Violine, die sie in ihrem Haus versteckt hatte. Nur der kleine Nachbarjunge Chou Yuan weiß von ihr - und er verrät es seinem Vater.
Als der Chinese stirbt, wird sein gesamter Nachlaß, Hunderte von Instrumenten, von der chinesischen Regierung an das Auktionshaus Duval verkauft. Hier soll der Experte Charles Morritz (Samuel L. Jackson) die Stücke bewerten. Bei der Auktion treffen sich nun alle Menschen wieder, die mit einer der Stationen zu tun hatten: jemand von der Pope Stiftung, die Mönche des Klosters, Rosetzi, ein berühmter Geiger, jener chinesische Junge, inzwischen erwachsen - alle wollen diese besondere Violine besitzen.
** Darsteller ** Bei diesem Film sind wenige Darsteller beteiligt, die man kennt. Deshalb habe ich auch nur spärliche Informationen gefunden.
Jason Flemyng wurde als einer der Hauptdarsteller in "Bube, Dame, König, Gras" (1998) von heute auf morgen bekannt und spielte auch in dem zweiten Film des Regisseurs (Guy Ritchie) "Snatch - Schweine und Diamanten" (2000) mit. Heute ist er sowohl auf der Bühne als auch im Film zu Hause, spielt aber auch in britischen Fernsehproduktionen mit. Zu sehen war er u. a. in "Octalus - Der Tod aus der Tiefe" (1997), "Rob Roy" (1995), der Jane-Austen-Verfilmung "Gefühl und Verführung" (1995) sowie in "Alive & Kicking - Jetzt erst recht!", wofür er 1996 beim Filmfestival in Genf den Preis als bester Darsteller erhielt.
Greta Scacchi wuchs in Australien auf, nahm schon als Kind Ballettunterricht und später eine Schauspielausbildung in London. Ihr Leinwanddebüt hat sie 1982 in Dominik Grafs Psycho-Thriller "Das zweite Gesicht", aber erst 1985 gelang ihr der Druchbruch mit "Coca Cola Kid". In den folgenden Jahren hat sie vor allem wegen ihrer Reize Erfolg, u. a. in den Filmen "Die letzten Tage in Kenya" oder "A Man in Love". 1990 geht sie nach Hollywood und spielt auch hier wieder die schöne, berechnende Frau, wie in "Aus Mangel an Beweisen" oder "Tod im Spiegel". Zu sehen war sie außerdem in der Verfilmung des Benoite-Groults-Bestsellers "Salz auf unserer Haut", "Rasputin" (1996), "Die Abenteuer des Odysseus" (1997) und zuletzt in "Flightplan - Ohne jede Spur" (2005)
Samuel L. Jackson wuchs in Atlanta auf und machte dort auch seinen Abschluß. Danach gründete er mit Kollegen das "Just us Theater", das die Rollen der Stücke vorwiegend mit schwarzen Darsteller besetzt. Er geht nach New York zum Film und nach seiner Rolle in "Jungle Fever" (1991) geht es mit seiner Karriere rasant bergauf: er spielt in Filmen wie "Stunde der Patrioten" oder "Jurassic Park" Nebenrollen; für seinen Auftritt als Killer in Quentin Tarantinos Kassenknüller "Pulp Fiction" bekommt er sogar eine Oscar-Nominierung. Danach folgen die Kassenknüller "Stirb langsam - Jetzt erst recht", "Die Jury" (1996), "Sphere" (1998) oder "Star Wars - Episode 1: Die dunkle Bedrohung" (1999). Zuletzt war er zu sehen in "Spurwechsel" (2002), "Basic" (2003), "Kill Bill - Volume 2" (2004) und "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" (2005).
Irene Grazioli spielte nur in diesem Film mit.
** Filmkritik ** "Die Rote Violine" ist ein absolut virtuoser Film, ein Meer voller Poesie, grandioser Bilder und atemberaubender Musik. Aber nicht leicht anzuschauen für den "normalen" Filmkonsumenten. Die Inszenierung ist nämlich manchmal etwas schwierig zu verfolgen durch zahlreiche Schnitte, Rückblenden und Szenen, die immer wieder neu beginnen. Dabei ist der Weg der Violine künstlerisch vollkommen verwoben mit der Sequenz der Versteigerung, die den eigentlichen Höhepunkt bildet und der ganze Film wird untermalt von wunderschöner Musik.
Es sind drei Ebenen, die zur gleichen Zeit betrachtet werden: Anna bei der Wahrsagerin, die Stationen der Violine und die Gegenwart mit der Auktion. Immer, wenn die Seherin eine der fünf Karten umdreht, beginnt eine neue, fiktive Geschichte um die Violine, die auf seltsame Weise die Vorhersage bei ihren Besitzern wahr werden läßt. Sie löst Leidenschaften, Besessenheit oder gar Tragödien aus. In der Episode mit Pope wird die Virtuosität der Geige noch durch die Erotik verstärkt. Und allmählich erfahren wir in den Rückblenden, warum das Instrument so stark mit dem Erleben von Anna verbunden ist. Am Ende hat es für den Zuschauer den Anschein, als existieren die beiden Welten nebeneinander. Anna ist dabei das Instrument selbst, durch ihr Blut in dem Lack erleidet sie alles am eigenen Körper.
Grandios auch die oscarprämierte Filmmusik: die hauptsächlich klassische Musik aus der Feder des amerikanischen Komponisten John Corigliano wird vom London Philharmonia Orchestra, die Violinensoli von Joshua Bell vorgetragen. Nicht nur durchzieht sie wie ein roter Faden die erfundenen Episoden, sie dominiert den Film sogar über weite Strecken und unterstützt dabei wirkungsvoll die Dramatik. Und sie macht Lust darauf, wieder mal klassische Musik zu hören. (Es gibt sie auch als CD.)
** Mein Fazit ** "Die rote Violine" ist ein absolut grandioser und virtuoser Film um Liebe und Unsterblichkeit, um Kunst und um Leidenschaft. Nicht nur die Darsteller, auch die phänomenale Musik machen den Streifen zu einem Augen- und Hörerlebnis. Wunderbar. Unbedingt ansehen.
** Daten ** Kanada, Italien, Großbritannien 1998 Genre: Episodenfilm Originaltitel: The red violin Regie: François Girard Musik: John Corigliano FSK 6
20.12.2005 09:52
Habe ich leider noch nicht gesehen. LG
15.12.2005 12:38
Wieso hab ich das nicht gesehen? Den hätte ich mir gern angeschaut.
12.12.2005 17:07
Der Name sagt mir nichts, aber hört sich ja ganz gut an! LG, Sabrina