Dieser Erfahrungsbericht wurde von 22 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Den Vorgänger der RB991 habe ich vor gut 4 Jahren als Neugerät gekauft (RB990BX). Die Geräte sind praktisch baugleich. Die 991er hat einen XLR Eingang zusätzlich. Leider ist bei den aktuellen Geräten der Ringkerntrafo nicht mehr unter einem Abschirmblech untergebracht wie noch bei der RB990BX. Ansonsten sind die Geräte identisch.
->erste Inbetriebnahme ohne Lautsprecher:
Beim ersten Einschalten fiel mir auf daß die Power-LED ausging, Protection aber leuchten bleib. Anruf bei Rotel: LED Kabel wurden ab Werk wohl falsch angesteckt. Ich erhielt die Erlaubnis, das selbst geschwind umzustecken. LEDs funktionierten danach wie geplant. Außerdem fiel mir auf daß die rechte Seite deutlich wärmer wurde als die linke. Also habe ich das ServiceManual bestellt (gegen Angabe der Seriennummer als Besitzbeweis) und den Ruhestrom selbst peinlich genau abgeglichen. Danach habe ich noch 2 angerissene Lötstellen an der Cinchbuchse nachgelötet.
->Die inneren Werte:
Im Gegensatz zu vielen Japan-Amps ist dieses Gerät unbedingt vollgasfest. Dauerhafte Hörsitzungen mit voller Ausgangsleistung sind kein Problem für diese elektrisch massiv konstruierte Endstufe.
Je Kanal sind 10 hochwertige Sanken Transistoren in der Endstufe. Im Netzteil atbeitet ein echter (!) 1kVA Ringkerntrafo und 60.000uF Siebkapazität. Das Gerät hat einen immens hohen Dämpfungsfaktor von >1000 an 8 Ohm. Im Gegensatz zu anderen Geräten bleibt dieser selbst im obersten Hochtonbereich absolut stabil über der 1000er Marke. Die Schaltung arbeitet sehr schnell und sauber. Stromlieferfähigkeit ist kein Problem und wird nur durch die Schmelzsicheruzng begrenzt.
Das Gerät bietet aktive Schutzschaltung nur gegen Überhitzung. Bei Kurzschluß ist die Endstufe auf die internen 4 Stück 6.3A Sicherungen angewiesen was aber dank der Robustheit von 5 parallelen Transistoren pro Pfad ausreichen sollte. So eine hochwertige Endstufe schließt man ja auch nicht kurz!
Am Ausgang sitzt kein Relais! Die Lautsprecher sind direkt an die Endstufe angekoppelt. Dadurch ist jegliche Klangbeeinflussung durch oxidierte Relaiskontakte völlig ausgeschlossen. In der Praxis macht sich das in der Tat bemerkbar: bei anderen Geräten hatte ich OFT Probleme mit Ausgangsrelais.
Das Schaltungskonzept ist einfach, sehr gut durchdacht und stabil. Volldiskret aufgebaut ohne DC Offset control ist sie kein Ausstattungswunder aber klanglich perfekt. Im Signalweg sitzt ein einziger Kondensator, direkt am Eingang. Er schützt die Lautsprecher vore Gleichspannung bei Fehlern im Vorverstärker oder CD-Player. Der Rest ist streng DC gekoppelt. Induktivitäten sind nicht im Signalweg eingefügt. Die Bauteile sind ausnahmslos von höchster Qualität. Jedes zusätzliche Bauteil würde nur den Klang verschlechtern können (Rauschen).
Die Schaltung selbst würde 2 und sogar 1 Ohm noch treiben, die Wärmeabfuhr ist dazu aber nicht ausreichend. Die 330W an 4 Ohm genügen aber auch bei wirkungsgradschwachen Boxen für atemberaubende Lautsprecher.
->Dann ging es los / erster Hörtest:
Das Gerät vollständig verkabelt und an verschiedenen Lautsprechern angeklemmt: Canton Ergo 91DC, später Visaton Atlas compact MK2 und jetzt Monitor 890MK2.
Bässe werden sauber, trocken und präzise in den Raum gestaucht, das Klangbild ist einwandfrei ohne jegliche Beanstandung. Mitten und Höhen kommen sauber, realistisch und ohne künstliche Schärfe. Einfach perfekt. An der Monitor 890 MK2 war ich erstaunt über die Rauscharmut der Rotel: selbst mit dem Ohr direkt vor dem Horn läßt sich im leisen Raum kaum Rauschen hören! Wunderbar!
Klanglich darf das Gerät als völlig sauber und neutral gelten: Was am Eingang ankommt erscheint verstärkt am Ausgang. Das Gerät verfälscht nicht und hat jegliche Lautsprecher voll und ganz im Griff. Die Endstufe verhält sich dabei unabhängig von der Peripherie völlig klangneutral und verändert nichts am Musiksignal. Dennoch ist das Klangbild analytisch: jedes Detail der Musik wird sauber herausgearbeitet. Ein Klangbrei wie bei anderen Verstärkern mit schlechter Dämpfung und schwachem Netzteil tritt selbst bei Basslastiger Musik und höchsten Pegeln nicht auf.
Oft wurde mir entgegnet, andere Amps (Krell, ML,...) würden noch besser klingen. Hörtests an verschiedenen hochwertigen Lautsprechern haben aber immer wieder die absolute Neutralität der Rotel bestätigt.
->Ausstattung:
Die Ausstattung ist schlichtweg angemessen. Was braucht einer Endstufe denn mehr als Ein/Ausschalter, Eingang und Ausgang? Die Ausstatung liegt im innern, in der sauberen Schaltung. Der fehlende, aktive Kurzschlußschutz ist verschmerzbar, man sollte das Gerät vor Umklemmaktionen einfach abschalten.
->Fazit: Dieses Gerät ist für alle Zwecke gut genug. Es lohnt sich klanglich auf keinen Fall, noch mmehr Geld in eine teurere Endstufe zu investieren. Falls mehr Geld für die Anlage verfügbar ist, lieber noch bessere Lautsprecher (bis zur großen Utopia) kaufen. Die Rotel ist voll imstande, deren Potential auszuschöpfen. Probehören dieser Kombination ist in vielen Fachgeschäften möglich.
Überarbeitet aufgrund Hinweise in den Kommentaren am 29/09/2002.
Ist ein toller Bericht, nur leider hat er verhindert, dass mein Bericht länger als zwei Sekunden auf der Startseite war *heul*. Aber so ist das eben, weiter so und noch ein schönes Wochenende ;-), lg Patrick
06.09.2004 09:15
Noch besser wäre Dein Bericht wenn Du direkt am Anfang schreibst dass es sich um eine Endstufe usw. handelt.
29.09.2002 00:48
Ist ein toller Bericht, nur leider hat er verhindert, dass mein Bericht länger als zwei Sekunden auf der Startseite war *heul*. Aber so ist das eben, weiter so und noch ein schönes Wochenende ;-), lg Patrick
29.09.2002 00:47
Toller Bericht.Mfg