... Das ist allerdings schon 2 Jährchen her, aber es ist mir so im Gedächtnis geblieben und außerdem habe ich mir damals schon, wohlwissend, dass ich einmal einen Bericht schreiben werde, ein kleines Schummelzettelchen gemacht! ;)
--- KURZ - DER INHALT ---
"Rozznjogd" erzählt eine Geschichte ... Bericht lesen
Deutsch\"Auspeitschen sollte man sie!\"" rief es aus dem Parkett, von der Galerie ertönte Jubel. Die Uraufführung von Peter Turrinis dramatischem Erstling Rozznjogd 1971 am Wiener Volkstheater geriet zum Theaterskandal. Die Geschichte zweier junger Menschen, die auf einer Müllhalde ihr erstes Rendezvous haben, sich die Zeit mit der Jagd nach Ratten vertreiben und sich schließlich, aus einem tiefempfundenen Zivilisationsekel, in einem wilden Spiel nach und nach ihrer Kleider, ihrer angelernten Sprachfloskeln und Moral entledigen, hat heute ihren festen Platz im Repertoire der Theater von Wien und New York bis Tel Aviv, Sao Paulo und Seoul.Auch Sauschlachten spielt parodistisch mit den Erwartungen an das Volksstück und erregte bei seiner Uraufführung 1972 an den Münchner Kammerspielen die Gemüter nicht minder. Ein sich der Sprache verweigernder Bauernsohn gerät in seiner Familie zunehmend zwischen die Fronten - bis es schließlich zu einem Mord kommt."
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Erfahrungsbericht von pipseline über Rozznjogd / Peter Turrini 04.06.2008
Produktbewertung des Autors:
Niveau
anspruchsvoll
Unterhaltungswert
durchschnittlich
Wie ergreifend ist die Story?
berührt ein wenig
Pro:
Dialekt, Aussage, Preis, einfach toll zu lesen
Kontra:
nichts
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Guten Morgen ihr Lieben im Ciao-Land!
Heute gibt es mal wieder einen Bericht von mir. Die Windeln lassen wir heute mal Windeln sein und widmen uns heute wieder einem etwas bildungstechnisch "niveauvolleren" Produkt.
Es geht um ein Buch, welches wir im Zuge der Berufsreifeprüfung gelesen und auch das passende Stück dazu im Theater gesehen haben. Das ist allerdings schon 2 Jährchen her, aber es ist mir so im Gedächtnis geblieben und außerdem habe ich mir damals schon, wohlwissend, dass ich einmal einen Bericht schreiben werde, ein kleines Schummelzettelchen gemacht! ;)
--- KURZ - DER INHALT ---
"Rozznjogd" erzählt eine Geschichte zweier junger Menschen, eines Mannes und einer Frau. Er versucht, sie abzuschleppen, und bringt sie an einen äußerst ungewöhnlichen Ort, eine Mülldeponie. Dort möchte er seine Eroberung besser kennen lernen und brint sie schließlich dazu, sämtliche Fassaden und Masken abzulegen. Es fallen alle Hüllen, falsche Gebisse, Haarteile, Geldscheine und noch etliches mehr, das diese vermeintlich konsumorientierte Gesellschaft zu bieten hat, dem Seelenstrip dieser beiden jungen Menschen zum Opfer. Doch just in dem Moment, in dem sie sich voll und ganz von allem Gewohnten verabschieden, schießt man auf die zwei doch "so menschlich wirkenden Ratten" und nimmt ihnen damit die Möglichkeit, sich wieder voll und ganz der Konsumwelt, in der sie leben, anzupassen.
---ÜBER DEN AUTOR---
Peter Turrini wird am 26. September 1944 in Kärnten geboren und verbringt dort auch seine Kindheit. Von 1963 bis 1967 übt er verschiedene Berufe aus, bis sich Peter Turrini 1967 schließlich aus spontaner Laune heraus auf den Weg nach Griechenland macht, wo er sein berühmtes Erstlingswerk "Rozznjogd" schreibt, welches 1977 am Wiener Volkstheater uraufgeführt wird. Viele weitere gesellschaftskritische Stücke folgen. Peter Turrini lebt heute in Retz in Niederösterreich.
---DETAILLIERTER INHALT UND INTERPRETATION---
Er, nicht gerade ein Schönling (er trägt falsche Zähne und hat sich die Haare verdichten lassen), schleppt seine neue Schwärmerei auf die städtische Mülldeponie ab, um sie dort "besser kennen zu lernen", wie er stets behauptet. Dort lässt er anfangs seine angestauten Aggressionen los, indem er mit einem Gewehr auf Ratten schießt. Auch durch sein Auto, das eigentlich vorerst das einzig Wichtige für ihn darstellt, versucht er ihr zu imponieren und sich an sie heranzumachen. Die Dame gibt sich zu Anfang eher schüchtern. "Ned. Ned so schnö. I kenn di jo no goaned." (zu Hochdeutsch: "Nicht. Nicht so schnell. Ich kenne dich ja noch gar nicht.") ;) Schließlich erkennt sie aber, dass er in WIrklichkeit eine ganz sensible Seite in sich trägt, und im Endeffekt ist es auch die Frau in diesem Stück, die beginnt, ihre Maskerade abzulegen. Beide Personen sind auf ihre Art einsam und versuchen, es irgendwie vor der Gesellschaft zu verstecken und in ihr zurechtzukommen. Am Anfang fällt es ihnen noch etwas schwer, sich von ihren Dingen zu trennen. Erst, als sie schließlich beide alles ablegen und sich auf eine bestimmte Art und Weise auch von einigen Gewohnheiten (Schundhefte, alte Fotos) verabschieden, wird ihnen klar, dass sie sich in gewisser Hinsicht doch recht ähneln, und sie beginnen, sich ineinander zu verlieben
ACHTUNG - HIER WIRD DER SCHLUSS VERRATEN !!!
Letztendlich endet das Stück leider traurig. Die zwei Liebenden werden von zwei Männern erschossen, die sie für Ratten halten, weil sie offenbar nicht erkennen können, dass sich unter Kleidung, Schminke, falschen Zähnen und Haaren noch zwei Menschen befinden. "Genau des is ... so a menschliche oad hams ghobd, de zwa rozzn. " ( "Genau das ist es ... so eine menschliche Art haben sie gehabt, die zwei Ratten.")
Diese beiden Hauptpersonen haben lediglich von der Konsumgesellschaft auferlegte Fassaden abgelegt und konnten so nicht mehr als Menschen identifiziert werden. Meiner Meinung nach wollte Peter Turrini durch diese Tötungsszene genau das zum Ausdruck bringen. Turrini wollte sagen, dass die Welt, in der wir leben - und das trifft auch leider heute noch zu - blind gegenüber dem Menschen geworden ist. Durch Werbung und Gruppenzwand werden wir aufgefordert, Dinge zu tun oder zu kaufen, die wir gar nicht nötig hätten und die mithelfen, unseren eigentlichen Charakter zu verschleiern. Demnach wird dieses Buch vermutlich in hundert Jahren noch so aktuell sein wie heute, denn die Werbeindustrie stirbt nie aus und es wird immer neue Dinge geben, die so vermeintlich wichtig und unverzichtbar für uns sind.
Ich muss gestehen, dass ich anfangs - insbesondere beim Theaterstück - ziemlich skeptisch war, was mich da wohl wieder erwarten würde, aber meine Skepsis lösten sich anschließend sehr schnell in Luft auf, denn trotz einiger derber Ausdrücke im Buch und Dialekt habe ich dieses Stück regelrecht verschlungen. Ich finde es einmalig, wie der Autor auf diesen paar Seiten eine tragische Liebesgeschichte erzählen kann, in welcher der Humor nicht zu kurz kommt und in der er gleichzeitig Kritik an der Gesellschaft auslässt. Es kommt einfach irrsinnig gut an, was Peter Turrini damit sagen möchte und ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen. Das Buch ist sowohl im Dialekt als auch in Hochdeutsch zu lesen, wobei ich persönlich einfach finde, dass es in der Mundart einfach authentischer rüberkommt. Also, vielleicht versucht ihr euch mal im "österreichischen Dialekt-Lernen"! ;) Bin euch gerne dabei behilflich.