Eiswürfel spielt da nicht mehr mit

1  02.05.2003

Pro:
-

Kontra:
Bauernfängerei, viele Kleingewinne, die wieder in die Lotterie zurückfliessen  -  Dreistes Verhalten der Lotterie - Einnehmer beim Verkauf der Folgelose

Empfehlenswert: Nein 

icecube1

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Lotto, Totto, Oddsett, heutzutage gibt es viele Glücksspiele, bei denen viele von Euch mitspielen. Über 10 Jahre habe ich auch bei der Süddeutschen Klassenlotterie mitgemacht, bis ich im letzten Jahr für immer Bye Bye gesagt habe, wie viele meiner Bekannten mittlerweile auch. Warum und weshalb?, das möchte ich Euch mit meinem heutigen Bericht zeigen.

Was ist die SKL?
**************
Die SKL ist wie die NKL (Nordeutsche Klassenlotterie) eine staatliche Lotterie der südlichen Bundesländer, die damit ihre Haushalte aufbessern. Vom Prinzip her sind beide Klassenlotterien SKL und NKL identisch.

Die SKL fängt immer um den 1 Juni bzw. 1 Dezember an und läuft dann über sechs Monate. Jeder Monat ist eine sogenannte Klasse. Die Anzahl der Gewinne und die Höhe der Gewinne steigt von Klasse zu Klasse an. Gespielt werden also 6 Klassen.

Die Losauflage umfasst 2,5 Millionen Lose mit den Losnummern von 0.000.001 bis 2.500.000. Auf diese Losnummern entfallen im Laufe der 6 Monate (bzw. Klassen) über 1.6 Millionen Einzelgewinne (hört sich klasse an und damit wird auch geworben, das mehr als jedes zweite Los gewinnt. Wie Ihr später erfahren werdet, ist aber ein Pferdefuss dabei) mit einer Gewinnsumme von über 800 Millionen € und zusätzlich aus Fernsehshows bis zu 250 Gewinne mit einer Gewinnsumme bis zu 10 Millionen €.

Der Preis für ein ganzes Los beträgt bei einer Beteiligung ab der 1. Klasse 125,- € pro Monat. Für die ganze Lotterie (6 Monate) bezahlt man also 750 €. Die Lose können als ganze Lose oder als Losanteile im Wert von je einem Zehntel erworben werden. Ein einzelnen Losanteil kostet also 12,50 € pro Monat. Der häufigste Fall ist das man 4 Losanteile für 50 € kauft. Folge ist aber, das man dann aber auch nur diesen Anteil am Gewinn erhält. Wird beispielsweise bekannt gegeben, das man 200 € gewonnen hat, und man 4 Losanteile erworben hat, erhält man dann 200 € mal 0,4, also 80 € ausgezahlt.

Losnummern, die am ersten Samstag eines Monats (einer Klasse) einen Gewinn, wie hoch auch immer, erzielt haben, scheiden mit dem Ende dieses Monats aus. In der 6. Klasse kommt die Besonderheit hinzu, das nach jeder Ziehung alle Gewinnnummern sofort ausscheiden.

Vertrieben werden die Lotterielose über staatliche Lotterie-Einnehmer, wie z.B. Faber für die NKL oder Glöckle für die SKL. Dabei fallen noch einmal monatliche Portokosten von ca. 1.80 € an, früher war es so, das diese Portokosten dafür gedacht waren, das man dafür einmal im Monat die Gewinnlisten erhalten hat, mittlwerweile ist es aber Usus geworden, das man diese nicht mehr erhält (ein schöner Nebengewinn für die Lotterieeinnehmer).

Neben den Hauptziehungen gibt es gegen Gebühr noch weitere Ziehungen (z.B. Eurojoker) auf die ich aber nicht näher eingehen möchte. Für diejenigen, die die SKL bereits spielen kennen dies, für die anderen spielt dies zunächst keine Rolle.

Gewinne:
In der ersten Auziehung der ersten Klasse gibt es beispielsweise 10 * 100.000 €, 100 mal 10.000 €, 1000 mal 1.000 € und 100.000 mal 125 € zu gewinnen. (Dieses Beispiel wird für die weiteren Betrachtungen zugrunde gelegt). Für den 200 € wird eine zweistellige Zahl gezogen, wenn diese mit den beiden Entziffern des eigenen Loses übereinstimmt, hat man diese 200 € (bzw. den Anteil) gewonnen. Für den 100.000 € Hauptgewinn benötigt man eine Übereinstimmung des eigenen Loses mit der gezogenen 7-stelligen Gewinnnummer.

Persönliche Erfahrungen
********************

Jahrelang habe ich immer erzählt, die SKL ist eine ganz tolle Lotterie, bei der ich bisher zwar keinen großen Gewinn erzielt habe aber ich bin wenigstens bei Plus Minus Null. Dieses Argument hört man häufig.
Tatsache ist aber, die Wahrscheinlichkeit auf einen großen Gewinn ist sehr klein, man gewinnt ab und zu mal einen kleinen Gewinn, aber im Endeffekt zahlt man immer drauf, gelegentlich hat man das Glück, das man seinen Gesdamteinsatz wierder erhält, aber man muss dann noch die Portonebenkosten berücksichtigen (wird allzu oft verschwiegen).

Sehen wir uns das obige Beispiel an, mal angenommen ich gewinne die 125 € mit meinen 4 Losanteilen, dann erhalte ich 50 € ausgezahlt. Die Wahrscheinlichkeit einen höheren Gewinn zu erzielen bei den 2,5 Millionen ausgegebenen Losen ist so gering, das man ihn überhaupt nicht berücksichtigen braucht. Aber auf 100.000 Lose entfällt dieser 200 € Gewinn (bzw. den entsprechenden Anteil).
Nun kommt Freude auf und man erzählt überall, man hat wieder in der SKL gewonnen. Die Freude hält aber nur so lange an, bis ein freundlicher Brief von seinem Lotterie-Einnehmer kommt. Man hat jetzt die Chance die 50 € mitzunehmen, nur dann scheidet man aus der gesamtem Lotterie aus. Man hat für die 4 Losanteile 50 € bezahlt und erhält als Gewinn 50 €, halt vergessen wir nicht die 1,80 € Portopauschale, also hat man sogar Verlust gemacht. Die andere Möglichkeit ist, man setzt diese 50 € ein, um ein Folgelos der nächsten Klasse zu kaufen. Und wie gewonnen, so zerronnen.
Fakt ist, das man mir diesen vielen Kleingewinnen nur die Folgelose der nächsten Klassen bezahlt und dabei hofft, das man einen der wenigen Hauptgewinne erhält.
Auf diese Weise werden die tatsächlich sehr zahlreichen Kleingewinne ad absurdum geführt. Mit diesem System bessern sich die Bundesländer ihre Landeshaushalte auf.

Durch geschicktes Taktieren kann man mit einem 4/10-Los (Einsatz 300 €) über die 6 Monate tatsächlich 10 bis 50 € gewinnen, aber mehr auch nicht.

Das Problem ist, das die Lotterie-Einnehmer mit allen Mitteln versuchen, die Folgelose an den Mann zu bringen. Gerade in der 6 Klasse ist es so, das nach jeder Wochenziehung die Gewinnlose ausscheiden. Ist man tatsächlich mit ein paar Euro im Plus, muss man höllisch aufpassen, das diese Lotterie-Einnehmer nicht einem ein Folgelos ungefragt verkaufen. Dies ist leider mir, aber auch vielen anderen schon passiert. Man muss bedenken, das die Gewinne in den letzten Ziehungen zwar bis zu 12,5 Millionen Euro betragen, aber die Chancen auf einen gewinn immer geringer werden.

Fazit
****
Die SKL wirbt mit über 1,6 Millionen Gewinnen bei 2,5 Millionen Gewinnlosen. Auf den ersten Blick hört sich das fantastisch an, mehr als jedes zweite Los gewinnt. Nur ist es leider so, das die meisten Gewinne Kleingewinne sind, die sofort wieder in Lose investiert werden müssen. Das so gewonnene Geld fließt also in die Lotterie wieder zurück. Die Chancen auf einen der Hauptgewinne sind äußerst gering, kein Mensch und vor allem der Staat (der ja Betreiber der SKL ist) hat was zu verschenken. Das System ist äußerst ausgeklügelt, es klingt nach aussen hin fantastisch, ist aber in Wirklichkeit Bauernfängerei.
Was mich vor allem gestört hat, und was auch der Grund meines Ausscheidens aus der SKL gewesen ist, war das zum Teil dreiste Verhalten der Lotterie-Einnehmer mir wieder ein Folgelos zu verkaufen.
Sehr nervig ist auch das aggressive Werbeverhalten der Lotterie-Einnehmer, man wird regelrecht zugeschüttet mit Werbung für die SKL bzw. NKL, und das alles auf Kosten der Lotterieteilnehmer.

Ich möchte allen Ciaonern von einer Teilnahme an den Klassenlotterien abraten. Bitte macht Euch vorab Gedanken über das ausgeklügelte System der SKL. Es ist Bauernfängerei. Der Spruch, tolle Lotterie, zwar nichts gewonnen, aber wenigstens Plus Minus Null, den ich auch jahrelang von mir gegeben habe, stimmt so nicht. Über die Jahre gesehen zahlt man drauf.

Bis dann

Euer Eiswürfel


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bizqueen

bizqueen

04.05.2006 13:48

echt gut geschrieben!

Pirna1

Pirna1

11.10.2004 16:29

Interessant ist die Werbung in der die Gewinnwarscheinlichkeit bei über 97% liegt. Dabei wird verschwiegen, dass man seinen Einsatz zurückgewinnt. Ich wurde angerufen, ob ich nicht bei der SKL teilnehmen wolle (3/10 - Anteil oder so). Ich habe dankend abgelehnt. Aber ich habe bei der 115. Lotterie mit einem 1/10-Los mitgemacht. Wollte mit geringst möglichem Einsatz gewinnen (100.000 EUR hätten mir auch gereicht.) 12,50 EURpro Los und 1,75 Porto als Einsatz, die Losnummer blieb immer dieselbe. Zweimal habe ich 12,50 EUR gewonnen und jetzt 75 EUR. Leider scheidet mein Los zum Ende des Monats aus. Ein Folgelos, das meinen Gewinn zu nichte machen würde, habe ich abgelehnt. Alles in allem habe ich in 5 Monaten bei der SKL 29,25 EUR gut gemacht. Man sollte sein Glück nicht überstrapazieren, daher werde ich nicht mehr mitspielen Ich finde zwar, dass die Werbung die Spieler täuscht, aber es zählt was am Ende rauskommt. ;-)) Bei 75,25 EUR Einsatz 100 EUR Gewinn, `ne gute Rendite in 5 Monaten.

franzp

franzp

07.05.2004 17:48

Naja die Gewinnchancen sind in allen Gewinnspielen doch gering oder nicht ? also ich gewinne eh nix, aber man gibt die Hoffnung nicht auf. aber natürlich kann ich Deinen Bericht nur zustimmen.

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