Erfahrungsbericht über

Samsung NV10

Gesamtbewertung (5): Gesamtbewertung Samsung NV10

 

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Blau macht glücklich

5  10.03.2007

Pro:
rundum überzeugende Kamera mit exzellenter Bedienung und Verarbeitung

Kontra:
zu viele Megapixel; der riesige Funktionsumfang lässt die kleinen Lücken (kein manueller Fokus, nur zwei Blenden) umso mehr auffallen

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Verarbeitung

Ausstattung

Bildqualität

Akkulaufzeit

Bedienung

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therealmawa

Über sich: Ich bin Doktorand und Lehrbeauftragter für Philosophie in Marburg. Mein Geld verdiene ich als wissen...

Mitglied seit:03.09.2003

Erfahrungsberichte:30

Vertrauende:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Meine geliebte und fleißig eingesetzte Ricoh Caplio R1v (siehe Bericht) begann leider irgendwann in der kanadischen Kälte verrückt zu spielen, und ich mir Gedanken über Reparatur oder Ersatz zu machen. Die Entscheidung wurde mir kurz darauf aus der Hand genommen, als sie mir bei einem Wochenende im Schnee auf unerklärliche Weise abhanden kam. Ich entschied mich mehr oder minder spontan für die Samsung NV10, die zu diesem Zeitpunkt schon länger als Kandidatin vor meinem inneren Auge schwebte.

Ich möchte in diesem Bericht das Pferd einmal von hinten aufzäumen und zunächst über die Bilder reden, die die Kamera macht, bevor ich über die Bedienung und das Äußere spreche.
Der Sensor der NV10 soll zwar einer der größten sein, die in Kompaktkameras verbaut werden, ist aber trotzdem mit 10,1 Megapixeln (3648x2736) sehr dicht zugepflastert. Bildrauschen ist die Folge, aber unter dem leiden nun alle Kompaktkameras in unterschiedlichem Maße. Bei der NV10 können sich die Kritiker der einschlägiger Websites nicht einigen, ob das Rauschen katastrophal, erträglich oder sogar besonders gering ist. Man kann es auch mit den »Ketzern« halten, darauf hinweisen, dass so manche Filmemulsion früher auch nicht viel weniger rauschte als die Digitalsensoren heute, oder Bildrauschen generell überbewertet nennen.
Ich persönlich habe es nicht geschafft, die katastrophalen Rauscheffekte, die andere Leute aus der Kamera herausgeholt haben, zu reproduzieren. Das Auflösungsvermögen ist dort, wo man eindeutig vergleichen kann, deutlich besser als das der Ricoh. Insgesamt lässt die Bildqualität wenig zu wünschen übrig; wie üblich sind die Probleme nur bei starker Vergrößerung erkennbar. Das Rauschen wird erst bei hohen Empfindlichkeiten problematisch, wenn überhaupt. Kompaktkameras sind heute so weit, dass das Können des Fotografen engere Grenzen setzt als die Technik, und diese macht keine Ausnahme. Die Bildqualität bekommt allerdings nur ein "gut", da nach oben noch etwas Luft ist und unnötig viele Megapixel verbaut sind. (Ich benutze eigentlich nur die 7-MP-Bildgröße. 10 MP bringen keinen wirklichen Vorteil außer vielleicht mehr Spielraum zum Zuschneiden.)
Der Apparat macht seine Bilder durch ein Dreifachzoom von Schneider-Kreuznach mit acht Zoomstufen. Mir fehlt ein bisschen die zusätzliche Weitwinkelstufe und der extrem kurze Makro-Mindestabstand der Ricoh.

Benutzen kann man die Kamera nun in acht Modi.
Im Auto-Modus sind die Einstellmöglichkeiten sehr schmal: Es gibt zwei Regler für Helligkeit und Farbtemperatur, die Wahl zwischen Autofokus mit oder ohne automatischem Umschalten auf Makro, und zwischen Rotaugen- und gar keinem Blitz.
Im Programm-Modus wird es dann schon interessanter, hier lassen sich Weißabgleich, Empfindlichkeit (automatisch oder ISO 100 bis 1000), Belichtungsmessart (Mehrfeld, zentriert oder Spot), Belichtungsausgleich, verschiedene Blitzarten (automatisch, Rotaugenreduzierung, Fill-in, verzögerte Synchronisierung, aus) und die Schärfung des fertigen Bildes (drei Stufen) einstellen. Auch kann

Bilder von Samsung NV10
  • Samsung NV10 Bild 40667605 tb
  • Samsung NV10 Bild 40668774 tb
  • Samsung NV10 Bild 40667734 tb
  • Samsung NV10 Bild 40668663 tb
Samsung NV10 Bild 40667605 tb
Parlamentsgebäude in Québec, aufgenommen mit Samsung NV10
man hier vier Serienbildfunktionen wählen, darunter ein AEB-Modus, der automatisch eine Belichtungsreihe aus drei Bildern anfertigt.
Im manuellen Modus bleiben die Einstellmöglichkeiten prinzipell dieselben, nur, dass es keine automatische Empfindlichkeitswahl, keine automatische Belichtungseinstellung, kein AEB und nur noch die Wahl zwischen Fill-in-Blitz und gar keinem Blitz gibt. Dafür kann man die Belichtungszeit von 15 s bis 1/1500 s frei wählen; der relative Messwert wird beim halben Durchdrücken des Auslösers angezeigt. Es gibt auch eine Blendenwahl, leider aber immer nur zwischen einer großen und einer kleinen Blende, ohne Zwischenstufen. Ebenfalls schade ist es, dass der manuelle Modus keinen manuellen Fokus erlaubt; das Scharfstellen bleibt immer Sache der Automatik.
Als eigener Modus kommt ASR daher, Samsungs Versuch, Kameravibrationen auszugleichen ohne einen Bildstabilisator einzubauen. Hier hat man gar keine Einstellmöglichkeiten mehr außer der Wahl zwischen Fokus mit oder ohne Makro.
Vielleicht am lustigsten und am unnötigsten ist der Spezialeffekte-Modus, der arbeitet wie ein etwas aufgebohrter Auto-Modus, und es dabei erlaubt, Bilder in lustige Rahmen zu stecken (von denen die Kamera allerdings nur sehr wenige mitliefert, einige davon ausgesprochen hässlich), mehrere Bilder in eines zusammenzufassen (z.B. in vier Quadranten oder in drei Streifen nebeneinander) oder aus einigen Bildern ein animiertes GIF zu machen. Aus völlig unerfindlichen Gründen ist dieser Modus auch der einzige, der es erlaubt, einen nach Rot-, Grün- und Blaukanal getrennt regelbaren Farbfilter anzuwenden.
Im Programmmodus gibt es die üblichen Motivprogramme: Nacht, Porträt, Kinder, Landschaft, Makro, Text, Sonnenuntergang, Sonnenaufgang, Gegenlicht, Feuerwerk, und Schnee/Strand.
In allen Fotomodi kann man zwischen verschiedenen Bildformaten zwischen 1 und 10 Megapixel wählen, zwischen drei verschiedenen JPEG-Kompressionsstufen und einigen Filtern (Sepia, Schwarzweiß, Negativ, Rot, Grün, Blau), es gibt verschiedene Selbstauslösearten und die Möglichkeit, zehnsekündige Sprachnotizen zu den Bildern aufzuzeichnen.

Bleibt noch der Videomodus, in dem die Kamera Videos in 640x480 und 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnet, was eine ziemlich gute Qualität ist. Es gibt eine Pausefunktion und man kann -Seltenheit- den Zoom beim Filmen bedienen, allerdings wird dabei der Ton abgeblendet, um die Zoomgeräusche nicht aufzuzeichnen.
Der letzte Modus ist der Bildergaleriemodus, und warum dessen Funktionen nicht in den normalen Wiedergabemodus eingebaut wurden, ist mir völlig schleierhaft. Was man hier tun kann, ist, die aufgezeichneten Bilder kalendarisch durchzugehen, in vier fest eingebaute Kategorien (Ich, Kinder, Freunde, Ereignis) zu sortieren oder man kann sie sich anzeigen lassen, als Diaschau mit Übergangseffekten und sogar drei Arten eingebauter Fahrstuhlmusik in sehr, sehr kurzen Schleifen, also völlig nutzlos, es sei denn als Folter für ungeliebte Verwandte.
Die Bildwiedergabe hat noch einen kurzen Absatz verdient: Die berührungsempfindlichen Knöpfe dienen hier zum Herumblättern in den Bildern ebenso wie zum Rollen im Vergrößerungsmodus. Ersteres ist gewöhnungsbedürftig, weil die Kamera, wenn man mit dem Finger auf dem letzten Knopf der Knopfreihe liegenbleibt, automatisch weiterblättert. Vor allem nach rechts ist das verwirrend, da der letzte Knopf nicht der siebte, sondern der sechste in der Reihe ist. (Der siebte führt ins Setup-Menü.) Insofern etwas verwirrend. Extrem praktisch ist diese Bedienungsweise allerdings zum Markieren von Bildern zum Löschen - man fährt einfach mit dem Finger über die Knöpfe und drückt, wenn man ein Bild, das man löschen will, passiert. Sehr schnell und effektiv. Man kann im Wiedergabemodus übrigens Bilder drehen (einen Orientierungssensor hat die Kamera leider nicht), zuschneiden, umformatieren, mit Farbfiltern belegen oder sogar aus mehreren Bildern ein animiertes GIF zusammenbauen.

Man sieht, dass der Apparat den Benutzer mit Funktionen geradezu erschlägt. Zum "ausgezeichnet" hat es allerdings nicht gereicht, dazu wäre ein manueller Fokus nötig gewesen (siehe weiter unten), und vielleicht noch ein einblendbares Kompositionskreuz und ein Live-Histogramm, was es beides leider nicht gibt.
Richtig gut ist, dass man man den gesamten Funktionsumfang samt und sonders gleichzeitig im Blick haben und direkt verändern kann. Das Bedienkonzept der Kamera sieht nämlich kein Herumnavigieren in einer Menüstruktur vor, sondern lehnt sich an die Multifunktionsdisplays an, mit denen dort, wo es um die Wurst geht, von Werkzeugmaschinen bis hin zu Kampfflugzeugen nahezu alle eingebetteten Systeme bedient werden: Am Bildschirmrand werden Symbole angezeigt, und direkt daneben sind kleine Knöpfe, insgesamt 13 an der Zahl, sieben waagerecht und sechs senkrecht. Drückt man auf einen Knopf neben einem Symbol, entfaltet sich daraus ein quer über den Bildschirm laufender Balken mit Auswahlmöglichkeiten, die man mit den Knöpfen der jeweils anderen Reihe anwählen kann. Dabei reagieren die Knöpfe auch schon auf bloße Berührung mit dem Aufleuchtenlassen der entsprechenden Option, so dass man stets ein Feedback dazu hat, wo man gerade mit seiner eventuell nicht ganz so kleinen Fingerkuppe zugange ist, bevor man drückt. Beim Bedienen von Schiebereglern und beim Rollen der Bildvorschau dienen die Knopfreihen als berührungsempfindliche Streifen. Insgesamt ist das System schwieriger zu beschreiben als zu bedienen. Es hat den Vorteil, dass man nicht ständig ein schlechtes Gewissen wegen der vielen, vielen Regelungsmöglichkeiten haben muss, die man nicht einsetzt, da einem wirklich jederzeit alles dargestellt wird. Die Bedienung bekommt also ein "ausgezeichnet".

Was das sonstige Äußere angeht, ist es schwierig, nicht rettungslos ins Schwärmen zu geraten. Die Kamera hat ein geschraubtes, gefühlt unzerstörbares Gehäuse aus matt gebürstetem, schwarz beschichtetem Aluminium und sieht aus, wie es eine Kamera eben tun sollte, schlicht, mit einem erhabenen Auslöser, einem etwas vorstehenden Objektiv und gerundeten Kanten. Die Gummileiste am Griffvorsprung und die als Daumenstütze dienende Schlaufenöse an der Rückseite erlauben einigermaßen praktisches einhändiges Fotografieren. Je mehr man den Apparat in der Hand hatte, desto mehr will man ihn in die Hand nehmen - das Gefühl ist einfach rundum angenehm. Die taschengerechte Größe und die gute Ergonomie führen beim Tragekomfort zur Bestnote. Die Kamera ist ein Objekt, mit dem umzugehen einfach die reine Freude ist - blau (das Blau des stilgebenden Rings um das Objektiv, der als ringförmige blaue Kontroll-LED um den Hauptschalter zitiert wird) macht wirklich glücklich.
Vollends begeisternd ist die Verarbeitung. Es gibt an dem ganzen Gerät nichts, was wackelt, knirscht, empfindlich oder schlampig verarbeitet wirkt. Im Gegenteil, die Details sind mit einer geradezu fanatischen Akribie ausgearbeitet, die man eher von Leica und Konsorten erwarten würde. Zum Beispiel sind das Pfeilsymbol auf dem Play-Knopf und die Einstellmarke neben dem Moduswählrad nicht nur aufgedruckt, sondern eingetieft, damit sich die Symbole nicht abnutzen. Das Rad rastet mit einem genauso präzisen Klick ein, wie ihn alle anderen Knöpfe auch haben. Der Batteriefachdeckel ist nicht nur mit Metall verstärkt und gefedert, sondern hat einen Schieberiegel ohne jedes Spiel, und sogar noch die winzige Klinke, die den Akku festhält, ist aus Metall, hat abgerundete Ecken und eine Griffnut für den Fingernagel. Das Datenkabel wird in eine Buchse gesteckt, die bei Nichtgebrauch durch einen gefederten Schieber verschlossen ist. Der Anschlussstecker macht gleich zwei Anleihen bei Apple: Er ist wie beim iPod durch zwei winzige Riegel gegen versehentliches Abziehen gesichert und ähnlich wie bei den MacBooks leuchtet eine LED (hier ein Pfeilsymbol) darauf je nach Ladezustand rot oder grün. Für die Verarbeitung gibt es daher auch die Bestnote.

Was noch bleibt: Die mitgelieferte Software läuft lediglich unter Windows und ich habe sie daher nicht testen können. Das ficht mich aber nicht besonders an, da Mac OS X die Kamera wunderbar erkennt und ich außer iPhoto ohnehin keine Kamerasoftware brauche. Für die Installation gibt es aber nur die zweitbeste Note, für die beste hätte Samsung schon einen eigenen Mac-Treiber beilegen müssen.
Das Handbuch taugt praktisch überhaupt nichts (also schlechteste Note), was aber nicht schlimm ist, da die Bedienung weitgehend selbsterklärend ist. Den Service habe ich noch nicht in Anspruch genommen, in meiner mittelmäßigen Bewertung spiegelt sich nur die nicht gerade glänzende und anscheinend nur sporadisch gewartete Homepage von Samsungs Kamerabteilung. Für die Zuverlässigkeit gibt es die beste Note, da ich bisher noch keinerlei Probleme hatte.

Mein persönliches Fazit:
Die größte Schwäche der Kamera ist der nicht wirklich großartige Autofokus, der vor allem im Makrobereich zuweilen Probleme hat und sich nicht abschalten lässt. (Ich gebe allerdings zu, dass ich hier vom sehr schnellen und präzisen Hybrid-AF der Ricoh verwöhnt bin.) Warum der vollmanuelle Modus kein Scharfstellen von Hand erlaubt, ist mir ein Rätsel. Auch mehr Blendenstufen wären nett. Die Geschwindigkeit und die Batterielaufzeit sind unspektakulär, aber nicht beklagenswert.
Das große Argument für diese Kamera ist die Bedienung. Bei meiner alten Kamera, die schon verhältnismäßig gut zu bedienen war, habe ich die Hälfte der Funktionen brach liegen lassen. Bei der Samsung war ich schon nach wenigen Tagen mit den letzten Ecken vertraut und bekam mit jedem Bild mehr Lust, die Möglichkeiten auszuprobieren, einfach, weil alles direkt zugänglich ist.
Aber auch sonst ist alles da, was man braucht, meistens sogar mehr, und funktioniert bestens. Das Ganze in einem kleinen, aber gut zu handhabenden Gehäuse von beeindruckender Bauqualität. Und nicht zuletzt sieht die Kamera einfach richtig gut aus und ist für ihre Ausstattung und die Bilder, die sie macht, richtig günstig (mit knapp 300 Euro ist man dabei).

Mein Anforderungsprofil für eine Digitalkamera ist: »Passt in die Jackentasche, macht ohne Fotografierkenntnisse automatisch gute Bilder, aber wenn ich mal so tun will, als hätte ich Ahnung, kann ich alles von Hand einstellen«. Für jeden, der dieses Profil annähernd teilt, kann ich diese Kamera wärmstens empfehlen. (Wer unbedingt einen längeren Zoom haben möchte, sollte sich vielleicht den Nachfolger NV11 anschauen, der mit einem Fünffachzoom, ebenfalls von Schneider-Kreuznach, daherkommt. Das Schwestermodell NV7 OPS, etwas klobiger gebaut und mit einem Siebenfachzoom ausgestattet, ist laut Kritiken von der Bildqualität her eher bescheiden.)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
danantkas

danantkas

04.02.2008 12:25

Super Bericht!!!

music_master_x

music_master_x

29.05.2007 13:46

Klasse Bericht, sicher eine tolle Kamera die außerdem richtig schick ausschaut. Gruß Danilo

thewrittenword

thewrittenword

10.03.2007 11:59

sehr guter Bericht!

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