Der Schlüssel zum Erfolg?
21.02.2011
Pro:
ungewöhnliche Story, schön zu lesen
Kontra:
teilweise flache Figuren, ein überflüssiger Handlungsstrang
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 alteSchwedin
Über sich:
Wo geht die Zeit nur hin...
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Meine Schwiegermutter schenkt mir beinahe zu jeder sich ihr bietenden Gelegenheit einen Roman. Da ich gern lese und sie ein ungewöhnlich gutes Händchen dafür hat, lesenswerte Bücher auszusuchen, sind solche Anlässe stets erfreulich. Einmal bekam ich den Roman "Sarahs Schlüssel" von Tatiana de Rosnay und obwohl der eine Weile bei mir herum lag, da ich in letzter Zeit immer weniger Muße zum Lesen habe, war er doch irgendwann ausgelesen. Im Folgenden erfahrt ihr wie immer, worum es geht, wie mir das Buch gefallen hat und ob es vielleicht doch am Buch lag, dass ich es nicht so schnell ausgelesen hatte. Sommer 1942, Paris. Sarah ist zehn Jahre alt und Jüdin. Als eines Tages die Polizei an die Tür zur Wohnung ihrer Familie klopft, versteckt sie ihren kleinen Bruder in einem gut getarnten Wandschrank und wird – bevor sie ihn dort befreien kann – mit ihren Eltern deportiert. Zunächst glaubt Sarah, dass sie bald wieder freikommt, doch allmählich wird ihr klar, dass sie fliehen muss, will sie ihren Bruder retten, der sich nicht selbst aus dem Schrank befreien kann. Bis ihr allerdings die Flucht gelingt und sie zurück nach Paris gelangen kann, ist schon sehr viel Zeit vergangen. Zu viel Zeit? 60 Jahre später. Julia ist Amerikanerin, lebt aber schon seit vielen Jahren in Paris, ist verheiratet und hat ein Kind. Aus der Familie ihres Mannes erben sie eine Wohnung, genau jene Wohnung, in der Sarah vor 60 Jahren wohnte. Julia ahnt nicht, welches Drama sich in ihrer neuen Wohnung abspielte, als sie sich im Rahmen ihres Jobs als Journalistin auf die Suche nach Informationen über die Deportation der Pariser Juden im Sommer 1942 macht. Bald muss sie jedoch feststellen, dass die Franzosen dieses Ereignis erfolgreich aus ihren Erinnerungen verdrängten, und läuft so überall gegen Wände, bis sie doch jemanden findet, der mit ihr darüber reden will. Darüber hinaus hat Julia auch noch andere Probleme. Von der Familie ihres Mannes wurde sie als Amerikanerin nie so richtig akzeptiert und ihre Fragen nach der Vertreibung vor 60 Jahren machen die Sache nicht einfacher, ist ihre Schwiegerfamilie so doch zu einer schönen, großen Wohnung gekommen. Ich muss zugeben, dass ich wahrscheinlich nicht zu „Sarahs Schlüssel“ gegriffen hätte, hätte ich im Buchladen davor gestanden. Das Cover ist zwar schön, aber recht unauffällig gestaltet und auch der Klappentext ist unspektakulär geschrieben. Bei einem Geschenk ist so etwas ja aber nicht wichtig, da man ja selbst keine Kaufentscheidung trifft. Die Geschichte an sich ist zu großen Teilen sehr schön zu lesen, wobei mir die Art der Verbindung von Gegenwart und Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht so recht gefiel. Tatiana de Rosnay beschreibt beides in so, als würde die Geschichte zur jeweiligen Zeit spielen. Die Erlebnisse der Jüdin Sarah haben deswegen so gar nicht den Charakter von Rückblenden, so dass ich mir nicht so recht einen Haupthandlungsstrang heraussuchen konnte. Für gleichberechtigte Handlungen sind die Geschichten jedoch nicht eng genug verknüpft. Das ist zwar kein disqualifizierendes Merkmal eines Romans, aber meinen Geschmack traf die Autorin damit nicht.Die Handlungen der beiden einzelnen Stränge werden oftmals recht getrennt voneinander behandelt, wobei die der jungen Jüdin Sarah für mich interessanter und spannender war. Julias Gegenwartsgeschichte ist dagegen eher unspektakulär und bisweilen sind auch die Beweggründe der Figuren dieses Handlungsstrangs nicht so schön nachzuvollziehen. Mich störte dieser Teil des Romans deswegen sogar manchmal, hielt er mich doch von der eigentlich für mich interessanten Story ab. Wie ihr schon feststellen konntet, betrachte ich die beiden Teile der von Tatiana de Rosnay geschriebenen Geschichte durchaus zwiespältig, gefiel mir der eine doch ziemlich gut, während ich dem anderen nicht so viel abgewinnen konnte. Zwar bildet letzterer den Aufhänger, um ersteren zu erzählen, aber da hätte es doch noch andere Möglichkeiten gegeben, meine ich. Die Figuren aus „Sarahs Schlüssel“ sind natürlich auch aufgrund der beiden Geschichten sehr vielfältig und breit angelegt. Dass dabei für so ziemlich jeden Geschmack etwas dabei ist, versteht sich von selbst. Etwas schade war allerdings, dass nur wenige der Protagonisten wirklich gut ausgearbeitet sind. Ich verstand vor allem die Beweggründe Julias nur ansatzweise, was das Lesevergnügen schon etwas eintrübte.Zu lesen ist „Sarahs Schlüssel“ allerdings sehr angenehm und flüssig, so dass man gut mehrere Kapitel am Stück lesen kann, wenn man den Roman einmal zur Hand genommen hat. Insgesamt ist „Sarahs Schlüssel“ von Tatiana de Rosnay nicht der zum Erfolg, weshalb ich auch alles in allem nur drei Sterne vergebe. Der Roman ist schön zu lesen, mit einer Story, die ungewöhnlich ist. Jedoch sind beiden Handlungsstränge nicht konsequent verknüpft, so dass ich mich recht schnell fragte, warum es den einen auch noch gibt. Auch die bisweilen etwas flach ausgearbeiteten Figuren führen zum Punktabzug. „Sarahs Schlüssel“ von Tatiana de Rosnay 2007 beim Bloomsbury Verlag, Berlin erschienen gebundene Ausgabe – ISBN: 978-3-8270-0700-1
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29.02.2012 21:07
LG, mima
16.08.2011 23:56
Du hast eine Gabe, die ich nicht habe: gute Rezensionen zu formulieren...LG von Joachim:-)
15.06.2011 18:26
Mega neugierig. Was ist denn aus dem Bruder geworden?