Saudi-Arabien, Allgemeines

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Saudi-Arabien, Allgemeines

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Erfahrungsbericht über "Saudi-Arabien, Allgemeines"

veröffentlicht 18.02.2003 | georgp
Mitglied seit : 25.03.2000
Erfahrungsberichte : 10
Vertrauende : 1
Über sich :
Sehr gut
Pro Viele Eindrücke und Einsichten in das Islamische Leben
Kontra Man hat schnell alles gesehen und bekommt schwer Zugang "hinter die Kulissen"
sehr hilfreich

"Riyadh - die Hauptstadt in der Wüste"

Bislang gibt's ja nicht viel zu Saudi Arabien zu lesen, und das hat wohl einen einfachen Grund: man kommt nicht allzu leicht ins Land. Auf jeden Fall benötigt man eine Einladung, sei es von einem Bekannten, einem Unternehmen oder vom Reiseveranstalter. Das Visum gibt es bei der Botschaft in Berlin - die genauen Bestimmungen sind dort oder bei der Deutsch-Arabischen Gesellschaft zu erfahren.

Ich war für zwei berufliche Aufenthalte einmal für drei Wochen und einmal für zwei Wochen am Stück in Riyadh, der Hauptstadt. Riyadh liegt ziemlich im Zentrum des Landes, mitten in der Wüste und wächst kontinuierlich durch den Zuzug von Arbeitskräften aus dem Ausland.

Schon bei der Ankunft merkt man, dass so einiges in Saudi Arabien anders ist - Frauen, die eben noch in "westlicher" Kleidung zu sehen waren, tragen auf einmal schwarze Umhänge und bedecken ihre Haare. Auf einmal ist die Mehrheit der Männer in lange weiße Umhänge gekleidet. Die Einreisekontrollen werden recht genau genommen - bei der Zollkontrolle wird das Gepäck nocheinmal geröntgt, unter anderem, sicher zu gehen, dass kein Alkohol ins Land geschmuggelt wird. Im Unterschied zu den meisten anderen Arabischen Ländern, ist der Alkoholkonsum in ganz Saudi Arabien verboten, also auch in Restaurants und Hotels. Die einzige Ausnahme sind die Botschaften, deren Partys entsprechend begehrt sind.

Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt zeigt einem ein interessantes Gemisch aus arabischen Stilelementen und westlichen Konsumgütern - die meisten Marken auf den Werbetafeln sind einem bekannt, aber die arabische Schrift ist fremd. Aus dem Häusermeer, das auf eine maximale Höhe von ca. 10 Etagen limitiert ist, ragen zwei Türmen hervor (2002), der neuere Kingdom Tower und der King Fahd Tower. Die Straße sind voller baufälliger Fahrzeuge aller Herren Länder, aber auch einer Vielzahl von brandneuen Europäischen Luxusautos.

Der öffentliche Verkehr besteht aus Bussen, die aber wenig vertrauenserweckend aussehen. Die bevorzugte Art sich in der Stadt fortzubewegen (wenn man kein eigenes Auto hat) ist per Taxi. Diese sind weiß, haben ein entsprechendes Schild am Dach und können am Straßenrand angehalten werden. Wenn man kein Arabisch spricht so kommt man mit Englisch meist gut aus - man sollte aber sicher sein, dass der Taxifahrer das Fahrziel kennt, was nicht immer der Fall sein muß. Falls man den ungefähren Preis für die Fahrt kennt, kann man ihn vor der Fahrt mit dem Taxifahrer verhandeln und dadurch ca. 25% von der Summe einsparen, die das Taxameter anzeigen würde.

Da ich, wie oben erwähnt, aus beruflichen Gründen in Saudi Arabien war, hat sich das Sightseeing auf die Wochenenden (in Saudi Arabien am Donnerstag und Freitag) beschränkt, wobei ich aber nicht den Eindruck hatte, allzu viel zu verpassen. Im wesentlichen sollte man sich die Shopping Mals in bzw. neben den beiden Türmen ansehen, einen Ausflug in den alten Stadtkern und ins alte Dirijah machen, das Nationalmuseum besuchen (hab' ich allerdings ausgelassen), auf den Kamelmarkt gehen und auf jeden Fall eine Tour in die Wüste machen. All das gibt einem einen guten Einblick in das alte und moderne Saudische Leben und läßt einen eine Vielzahl von Erfahrungen mit Land und Leuten machen. Dabei sollte man sich vorher mit den lokalen Sitten auseinandersetzen - ich hatte mir dazu den "Kulturknigge für Nichtmuslime" von Peter Heine gekauft, der sehr hilfreich war.

So viele interessante Eindrücke ich auch sammeln konnte, so wiederholen sich diese nach einer gewissen Zeit dann doch. In Gesprächen mit Expatriots (Amerikaner, Kanadier und Europäer, die nach Saudi Arabien gekommen sind) habe ich of gehört, dass man in der Regel nie richtig Zugang zur Saudischen Bevölkerung bekommt, da diese nach wie vor sehr abgeschlossen in ihren Familien lebt. Durch meine berufliche Tätigkeit, die von einer freundlichen Atmosphäre geprägt war, habe ich da noch einen recht guten Einblick bekommen können, denke aber, dass dieses bei einem rein touristischen Besuch schwierig ist.

Die Freizeitaktivitäten in Riyadh sind recht beschränkt: außer Einkaufen, am Hotelpool liegen und Essen gehen wird einem kaum etwas geboten - keine Konzerte, keine Kinos, keine öffentlichen Partys. Der Alltag wird stark durch die vorgeschriebenen fünf Gebete strukturiert - zu diesen Zeiten werden die Geschäfte und Restaurants geschlossen und Meetings unterbrochen damit die Gläubigen die Gelegenheit zum Gebet haben. Mein Aufenthalt hat sich auch eine Woche in den Ramadan (Fastenmonat) hineingezogen. Während dieser Zeit ist es verboten bei Sonnenlicht in der Öffentlichkeit zu Trinken oder zu Essen, was sich auch auf Restaurants bezieht. Einzig im geheimen z.B. im Hotelzimmer ist die Nahrungsaufnahme geduldet. Nach dem Sonnenuntergang bzw. dem Gebet nach diesem beginnt dann das große Feiern, bei dem sich die Saudischen Familien gegenseitig besuchen oder von Unternehmen zum Abendessen eingeladen wird. Diese Feiern sind meist recht intensiv (bei Saudi Campagne, welcher aus Apfelschorle besteht) sodass die Saudis angeblich im Schnitt fünf Kilo während dieser Zeit zunehmen und tagsüber entsprechend müde sind.

Als Zusammenfassung ist Saudi Arabien sicher ein interessantes Land in dem sich viele Eindrücke auch zum Islam sammeln lassen. Durch die großen kulturellen Unterschiede und vielen Reglementierungen hat man allerdings diese Eindrücke bald gesammelt und wird dann zu einem eher eintönigen Leben gezwungen. Für eine Reise kann ich das Land nur empfehlen - die Westküste ist da sicher interessanter ist als Riyadh oder das Zentrum des Landes, für einen dauerhaften Aufenthalt bieten westlicher orientierte Länder wie z.B. die Vereinten Arabischen Emirate für Nicht-Muslime mehr.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Loris87 veröffentlicht 08.07.2008
    Schöner Bericht! Ich würde nach vielen meiner Arabienreisen auch gerna mal nach Saudi Arabien fahren, ich glaube jedoch das dies in der Zukunft noch etwas attraktiver werden wird. Grüsse Loris
  • LadyInWhite veröffentlicht 04.02.2007
    sehr interessant, ist es wirklich so, daß auch europäische frauen kopftücher und umhänge tragen müssen?
  • mlehnert veröffentlicht 15.04.2004
    sehr schöner bericht den ich nur bestätigen kann ... touristen sollten besser in die VAE fliegen, dort gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten und es ist nicht ganz so muslimisch
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